PV‑Anlagen in Deutschland: Süden immer noch top - oder lohnt sich Ost‑West mehr?

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PV‑Anlagen in Deutschland: Süden immer noch top - oder lohnt sich Ost‑West mehr?
Quelle: Foto von Bill Mead auf Unsplash

Planen Sie eine PV-Anlage? Die Ausrichtung (Süden, Ost-West oder Norden) entscheidet maßgeblich über Jahresertrag, Eigenverbrauch und Wirtschaftlichkeit. Erfahren Sie, welche Konfiguration in Deutschland am effektivsten ist - knapp, praxisnah & fundiert.

Auf einen Blick
• Süd bringt den höchsten Ertrag, Ost-West ist oft besser für den Eigenverbrauch.
• Bei Bestandsgebäuden ist die Ausrichtung meist vorgegeben.
• Nord lohnt sich selten, nur in speziellen Fällen wirtschaftlich.

Wer die Anschaffung einer Photovoltaikanlage plant, macht sich natürlich auch Gedanken über deren Ausrichtung, sodass man den besten Ertrag hat. Doch wie ist der Stand der Technik und was ist in Deutschland sinnvoll? Ist der Klassiker nach Süden immer noch die beste Option? Wir versuchen, das kurz und knapp zu beantworten.

Im Bestand ist alle Theorie grau

Generell gilt für die meisten Anschaffungen ohnehin, dass man sich keine großen Gedanken machen muss, denn die PV-Module werden oft auf Bestandsgebäuden montiert und wenn die nicht zufällig ein Flachdach haben, ist die Ausrichtung weitestgehend vorgegeben - sowohl in der Schräge als auch der Himmelsrichtung.

Damit ist man dann eigentlich auch schon fertig. Der Umfang der Anlage wird dann in der Regel begrenzt durch die Fläche und/oder das Budget. Sollte das Dach besonders steil sein, verliert man zwar Effizienz, aber das sollte bei Ausrichtungen am Sonnenverkehr nicht überdramatisiert werden. Eine Auskunft geben hier Neigungstabellen, an denen man sich in der Planungsphase orientieren kann. Bei den typischen Satteldächern wären ca. 35 Grad optimal, aber da ist man ohnehin an den Bestand gebunden.

Mit dem Daumen durchgerechnet
Die Daten im Bestand zu ermitteln, ist im Vorfeld vor allem deswegen interessant, um den zu erwartenden Jahresertrag zu überschlagen. Aufstellort und Bedingungen sorgen für die entsprechende Varianz. Man sagt in Deutschland pauschal, dass pro Quadratmeter 1.000 kWh pro Jahr Sonneneinstrahlung zu erreichen sind, die Sonneneinstrahlung im Sommer aber um das Fünffache höher ist. Je nach Region sind mit 1.700 bis 2.000 Sonnenstunden zu rechnen. Das ist unter dem Schnitt von Europa mit 2.600 Sonnenstunden. 

In der Praxis schafft verallgemeinert eine Anlage nach Süden mit 10 kW Spitzenleistung knapp 10.000 kWh pro Jahr. Bei Ost-West-Belegungen mit je 5 kW Spitzenleistung ist mit rund 2.000 kWh pro Jahr weniger zu rechnen. Nach Norden sind rund 50 Prozent der Südanlage zu überschlagen. 

Flachdach oder "grüne Wiese"

Wer frei planen kann oder ein Flachdach hat, hat mehr Gestaltungsspielraum und kann mehrere Optionen berücksichtigen. Man kann bei Flachdächern auch nicht parallel zum Gebäude arbeiten, hat dann aber möglicherweise Flächenverluste, die man nicht mehr durch die "bessere" Himmelsrichtung hereinholt, und ist oft im Neigungswinkel durch Schattenwurf eingeschränkt.

Was ist aber die "bessere" Himmelsrichtung? Klassisch gesehen ist das der Süden. Damit lässt sich die Anlage auf dem Papier optimal nutzen und hat dadurch einen recht steilen Kurvenverlauf der Leistung zur Mittagszeit und zurück. Wer diesen Ertrag nutzen kann, indem er die Energie speichert oder verkauft, fährt hier am besten.

Allerdings sorgt das Solarspitzengesetz dafür, dass diese Leistungsspitzen zur Mittagszeit nicht mehr einfach eingespeist werden können. Da bei PV-Anlagen auch mehr der Gedanke des "Eigenverbrauchs" in den Mittelpunkt rückt, muss man die Energie also speichern können oder fährt dann sogar mit einer Ost-West-Ausrichtung besser, weil die Einspeisevergütungen nicht mehr so luxuriös sind wie einst.

Die Ost-West-Ausrichtung schafft zwar weniger Spitzenleistung, kann die Sonnenenergie über den Tag verteilt aber länger nutzen, da moderne Module auch mit diffusem bzw. schwachem Licht am frühen Morgen und späten Abend noch gute Ergebnisse erzielen; und typischerweise wird im privaten Umfeld genau da mehr Energie benötigt als zur Mittagszeit.

Bei Ost-West-Ausrichtungen lässt sich in der Regel auch mehr Fläche belegen als bei einer reinen Südausrichtung. Das geht zwar mit höheren Anschaffungskosten einher, die aber durch die Modulpreise heutzutage weniger ins Gewicht fallen als der Nutzwert.

Der fiese Norden

Und was macht man mit dem Norden? Das ist in der Regel die unattraktivste Ausrichtung. Wer ausschließlich nach Norden ausrichten kann, muss sich die Wirtschaftlichkeit anhand des Standortes gut überlegen. Die Modulneigung schlägt hier sehr schnell auf die Wirtschaftlichkeit: Bei 20 Grad sind es bereits nur noch 70 Prozent der maximal möglichen Ausbeute.

Neigung → \ Azimut ↓ Süd (180°) Südost/Südwest (135°/225°) Ost/West (90°/270°) Nordost/Nordwest (45°/315°) Nord (0°)
0° (flach) 85–88 % 85–88 % 85–88 % 85–88 % 85–88 %
10° 90–92 % 88–90 % 85–87 % 80–82 % 75–78 %
20° 95–98 % 90–93 % 85–88 % 78–82 % 70–75 %
30° (optimal) 98–100 % 92–95 % 86–89 % 75–80 % 65–70 %
40° 96–98 % 90–93 % 84–87 % 73–78 % 62–68 %
45° 94–96 % 88–91 % 82–85 % 70–75 % 60–65 %
60° 85–88 % 80–84 % 70–75 % 60–65 % 50–55 %
90° (vertikal) 65–75 % 60–70 % 50–60 % 40–50 % 30–40 %

Manch einer mag überlegen, zur Südausrichtung die Nordseite zu nutzen, und auch das wird schnell unwirtschaftlich, da die Module möglichst flach liegen müssten. Auf der Nordseite kommen zudem noch lästige Kleinigkeiten wie verstärkte Moosbildung hinzu. Moderne Module können heute auch in diese Richtung noch Ertrag erwirtschaften, aber ob man selbst bei günstigen Modulpreisen darin einen wirtschaftlichen Sinn erkennt, dürfte dann dem Einzelfall obliegen.

Denn wer nämlich zum Beispiel in einem Umfeld wohnt, welches ohnehin häufig in einer Wettersuppe steckt (da hilft ein Blick in Sonnenstundenkarten), der kann schnell aus der Nordbelegung so viel Energie gewinnen wie aus der Südbelegung. Und wenn dann noch ein Pool über eine Wärmepumpe beheizt werden soll, ist der Norden gar nicht mehr so fies.

Die perfekte Anlage ist selten

Selten wird die perfekte Anlage realisiert. Man würde auf einem Flachdach Module in Ost-West-Ausrichtung auch nicht mit 0 Grad installieren, um Ablagerungen zu vermeiden. Und entsprechend muss man sich auch wenig Sorgen darum machen, ob es nun 32 oder 34 Grad am Satteldach sind.

Im Winter wären ohnehin größere Neigungswinkel von 45 bis 50 Grad besser, was früher zu Zeiten teurer Module mit mäßigen Ausbeuten über Mechaniken gelöst wurde, aber davon ist heutzutage abzuraten. Der wirtschaftliche und mechanische Aufwand steht selten in einem vernünftigen Verhältnis.

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    • Kommentare (137)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von RetroSchrauber Komplett-PC-Käufer(in)
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] Keine Frage, 2-3 m/s sind gerade mal die Anlaufgeschwindigkeit der Anlagen. Mit irgend welchen nennenswerten Energieerträgen braucht man da nicht rechnen.
        Ich denke, mit Kleinanlagen meinst du Anlagen mit einer Leistung im einstelligen kW Bereich, oder? Da Frage ich mich auch etwas, ob die überhaupt Sinn ergeben.
        Bei den großen Windkraftanlagen liegt die Nabenhöhe aber schon bei 100m oder mehr. Und in dieser Höhe gibt es deutlich höhere Windgeschwindigkeiten und vor allem konstanteren Wind als direkt am Boden bzw Bodennähe.
      • Von RetroSchrauber Komplett-PC-Käufer(in)
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] Keine Frage, 2-3 m/s sind gerade mal die Anlaufgeschwindigkeit der Anlagen. Mit irgend welchen nennenswerten Energieerträgen braucht man da nicht rechnen.
        Ich denke, mit Kleinanlagen meinst du Anlagen mit einer Leistung im einstelligen kW Bereich, oder? Da Frage ich mich auch etwas, ob die überhaupt Sinn ergeben.
        Bei den großen Windkraftanlagen liegt die Nabenhöhe aber schon bei 100m oder mehr. Und in dieser Höhe gibt es deutlich höhere Windgeschwindigkeiten und vor allem konstanteren Wind als direkt am Boden bzw Bodennähe.
      • Von nervnicht Freizeitschrauber(in)
        Zitat von RetroSchrauber
        Aktuelle Anlagen liefern ab einer Windgeschwindigkeit von 2,5 m/s Energie. Ab 12 m/s werden sie sogar runter geregelt, weil sie sonst in Überlast gehen würden.
        Bei 2,5m erzeugen Kleinanlagen vermutlich 2 Watt, lass dich nicht blenden von den Herstellerangaben.
        Schau dir mal ein paar Tests und ein paar YouTube Videos an, es ist recht ernüchtern was da wirklich rauskommt.
      • Von RetroSchrauber Komplett-PC-Käufer(in)
        Zitat von nervnicht
        Ja stimmt....... für Windkraftanlagen mindesthöhe von 10m und mehr über dem Boden und außer hab von Ortschaften.
        Alle anderen sind schlicht Müll da sie meist erst bei 10m/s überhaupt richtig produzieren, was im übrigen 36Km/h bedeutet(!) und darunter kaum brauchbare Leistung liefern.
        Aktuelle Anlagen liefern ab einer Windgeschwindigkeit von 2,5 m/s Energie. Ab 12 m/s werden sie sogar runter geregelt, weil sie sonst in Überlast gehen würden.

        Zitat von emp1
        Also, zunächst gilt die Physik und in diesem Fall das Betsche Gesetz.
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        Das maximal Mögliche wäre 0,5926 = 59,26% Umsetzung der auftreffende Windenergie.
        Das wäre in der idealisierten Durchstromröhre erzielbar.
        In der Realität werden um die 50% im Schnitt erreicht, +/-1-2% sind an der Stelle geschenkt.
        Wir beide haben Recht. Ich schrieb ...entnehmbare Energie... und dies bezieht sich wertmäßig auf den durch das Betzsche Gesetz maximal möglichen Wert.
      • Von inhuman_nature Software-Overclocker(in)
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] Klar, große Erwartungen habe ich nicht, deswegen formulierte ich auch recht pessimistisch, wobei mensch das auch als realistisch auslegen könnte.
        Wie gesagt liegt es mir fern, gegen die Energiewende anzuschreiben, zumal sie ja noch nicht mal vollzogen ist. Außerdem werden Mängel im Ausbau von Netz und Speicher zu recht benannt - was wie schon gesagt den Bremser:innen der Energiewende anzulasten ist. Immerhin konnten über das Jahr 2024 hin trotzdem bereits knapp 60 % des Strombedarfs durch EE gedeckt werden. Andererseits muss aber erst noch eine große Menge an Primärenergie auf EE verlagert werden. Und bei der Umsetzung - bspw. lieber ÖPNV und Bahn als Massen an (E-)Autos - kann mensch dann ja kritisch einhaken.
        Und darüber hinausgehende Kritik gibt es ja durchaus wie bspw. Flugscham, oder an Fast Fashion. Andererseits werden auch Vorteile genannt wie Vielfältigkeit und Gesundheit der vegetarische/vegane Ernährung.
        Ein Knackpunkt der Reformansätze ist die faire Verteilung der Aufwände und Lasten, die mit solchen Transformationen einhergehen. Ich denke, diesbezüglich wird in Deutschland zu wenig kommuniziert aber auch zu wenig unternommen. Es gibt mittlerweile enorme Unterschiede in der Gesellschaft, was Einkommen und Vermögen angeht. Zum einen wird an dieser Schieflage kaum etwas geändert, zum anderen wird den ärmeren Menschen trotz Belastung noch mehr zugemutet. Das erzeugt Unmut und wird seitens CDU, CSU, FDP bis AFD ausgeschlachtet und instrumentalisiert.
        Aktuell sieht es danach aus, dass Klimakrise und Artensterben für die jetzige Regierung kaum ein Thema ist.

        Ich knüpfte ja an [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] an. Vielleicht schreibt emp1 ja noch was zu Deinen Einwänden und meinen Ergänzungen.
        Zitat von emp1
        Gerade eben habe ich gelesen, dass sie den Grunewald bei Berlin dafür in Teilen umhauen wollen.
        Tolle Idee...
        Einzige zusammenhängende Waldfläche in Radreichweite für 3 Mio. Menschen.
        Macht nur weiter so...
        Fragt sich ja wie und wo. Am Grunewald verläuft ja die AVUS/Autobahn. An sich wären Autobahnen als eh bereits vorhandener Eingriff in die Natur dafür geeignet, an ihr entlang oder drüber EEs zu bauen. Gibt es alternativ diesbezüglich eigentlich Beschlüsse/Vorhaben bspw. deren Lärm einzuschränken, dass bspw. die KFZ da nur mit 70 kmh oder gar langsamer lang brettern dürfen? Oder geht es bloß gegen WKAs? Oberbürgermeister Wegner von der CDU (und seiner reichen, dort ansässigen Klientel?) gefallen WKAs im Grunewald jedenfalls nicht.
        Noch ein Alternativvorschlag zur Güte - den Flughafen BER dicht machen und dort WKAs platzieren.
      • Von Grestorn Software-Overclocker(in)
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        Man muss halt auch realistisch bleiben. Du wirst die Menschheit nicht von heute auf morgen ändern. Die Industrie, die Abhängigkeit von Energie und Ressourcen, das Verlangen nach Wohlstand (Reisen, Luxusartikel, Mobilität...) wirst Du den Menschen nicht so schnell austreiben. Du wirst zu viele Gegner finden und scheitern - wie die letzten Wahlen in D und auf der ganzen Welt überdeutlich zeigen.

        So Deine Ziele mögen ehern sein und langfristig vielleicht auch der einzig mögliche Weg. Aber im jetzt und hier, wo es darum geht, den Klimawandel wenigstens ein klein wenig zu mildern und zu begrenzen, müssen wir uns realistische Ziele setzen.

        Und das bedeutet, den Energiehunger der Menschen auf eine Art und Weise zu stillen, wie es die Natur am wenigsten schädigt.

        Das heißt nun nicht, dass man auf Teufel komm raus alles machen muss. Aber man muss auch im Verhältnis bleiben.

        Einerseits sagen die EE-Gegner "in anderen Ländern passiert eh nix, wieso sollen dann wir" - aber auf den anderen Seite regen wir uns um ein paar Hektar Wald (in der Summe für alle(!) Windräder) auf, wo gleichzeitig auf der Welt die Wälder zu 1000en von Hektaren täglich vernichtet werden.

        Wenn wir uns DESWEGEN aufhalten lassen mit der Energiewende, dann können wir es auch gleich bleiben lassen.
      Direkt zum Diskussionsende
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