Neben Klimawandel und Artensterben: Sauerstoffverlust könnte eigene planetare Belastungsgrenze bekommen
Ozeane, Seen und Flüsse verlieren Sauerstoff. Ein neues Review ordnet die Folgen nun in das Modell der planetaren Grenzen ein und schlägt vier Messgrößen für eine mögliche zusätzliche Grenze vor.
Ozeane, Seen, Flüsse und andere Gewässer verlieren zunehmend gelösten Sauerstoff. Ein internationales Forschungsteam schlägt deshalb vor, die sogenannte aquatische Desoxygenierung künftig als eigene planetare Belastungsgrenze zu behandeln. Der Sauerstoffverlust würde damit neben Prozessen wie Klimawandel, Artensterben, Ozeanversauerung und Veränderungen der Süßwassersysteme stehen.
Keine neue Entdeckung des Sauerstoffverlusts
Dass der Sauerstoffgehalt in vielen Gewässern sinkt, ist durchaus schon eine Weile bekannt. Nach Angaben des europäischen Meeresdienstes Copernicus hat der globale Ozean seit den 1950er-Jahren knapp zwei Prozent des in sich gelösten Sauerstoffs verloren. Und bis zum Jahr 2100 könnten dann je nach Entwicklung bis zu sieben Prozent hinzukommen. Regional könnten die Veränderungen sogar noch deutlich stärker ausfallen.
Eine zentrale Ursache soll dabei die Erwärmung des Gewässers sein. Warmes Wasser kann weniger Sauerstoff aufnehmen als kaltes. Zeitgleich verstärkt die Erwärmung häufig die Schichtung des Wassers, wodurch dann noch weniger Sauerstoff aus oberflächennahen Bereichen in tiefere Schichten gelangen.
Neben den sinkenden Sauerstoffwerten gibt es aber auch hohe Einträge von Stickstoff und Phosphor durch Landwirtschaft und Abwasser. Diese Nährstoffe sollen das Wachstum von Algen fördern, und werden diese abgestorbenen Organismen anschließend von Mikroben zerfressen, verbraucht der Prozess wiederum zusätzlichen Sauerstoff. Übrigens können auch Veränderungen bei Strömungen und der Durchmischung von Gewässern den Sauerstofftransport einschränken.
Sauerstoffverlust beeinflusst andere Belastungsgrenzen
Soweit der schon bekannte Stand. Neu ist allerdings die planetare Grenze. Nach Ansicht der Autoren des am 30. Juni 2026 im Fachjournal Limnology and Oceanography veröffentlichten Review-Papers lässt sich die Desoxygenierung nicht vollkommen isoliert betrachten. Sie beeinflussen unter anderem den Klimawandel, die biologischen Kreisläufe von Stickstoff und Phosphor, die Artenvielfalt sowie die Versauerung der Ozeane.
In sauerstoffarmen Gewässern verändern sich beispielsweise mikrobielle Prozesse. Dabei kann vermehrt Lachgas entstehen, das als Treibhausgas wirkt und zugleich zum Abbau der Ozonschicht beitragen kann. Sauerstoffmangel verkleinert zudem den bewohnbaren Raum für Fische und andere Wasserorganismen. Zusammen mit steigenden Temperaturen und einem sinkenden pH-Wert entsteht damit eine Mehrfachbelastung für aquatische Ökosysteme.
Vier Messgrößen für eine mögliche Grenze
Damit der Sauerstoffverlust als planetare Grenze aufgenommen werden könnte, wäre eine global verwendbare Kontrollgröße erforderlich. Das Forschungsteam nennt dafür vier mögliche Ansätze: die Konzentration des gelösten Sauerstoffs und die Ausdehnung sauerstoffarmer Gebiete, den prozentualen Sättigungsgrad des Wassers, Veränderungen bei besonders sauerstoffempfindlichen Arten sowie den sogenannten metabolischen Index.
Der metabolische Index setzt das verfügbare Sauerstoffangebot ins Verhältnis zum Sauerstoffbedarf eines Organismus. Er soll damit besser abbilden, ob ein Lebensraum für eine bestimmte Art unter den jeweiligen Temperatur- und Sauerstoffbedingungen noch bewohnbar ist. Für eine weltweite Anwendung fehlen allerdings Daten zum Stoffwechsel zahlreicher Arten. Auch die anderen vorgeschlagenen Messgrößen weisen regionale Unterschiede und Lücken bei der Erfassung auf.
Noch keine offizielle zehnte Grenze
Eine konkrete globale Grenze legt das Paper dementsprechend nicht fest. Der Sauerstoffverlust ist aber auch noch nicht offiziell als zehnte planetare Grenze anerkannt. Die Autoren argumentieren bislang lediglich, dass sich die Entwicklung einem unsicheren Bereich nähere und einige Folgen auf menschlichen Zeitskalen nur schwer rückgängig zu machen sein könnten.
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Quelle: Ferrer et al. (2026), Rose et al. (2024)

Ach ja, Waldbrände könnte es auch mehr geben.
Gruß T.
nicht nur aus ökologischer Sicht, wenn weitere 8.2 Milliarden auf selbige dicke Hose leben und konsumieren wollen, die Party ist bald auf allen Ebenen vorbei, aber sieht man schon etwas länger als nur diesen Sommer, happy life noch...
ansonsten hier noch einige Beiträge zum Thema
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Gruß T.