Licht aus dem Orbit: FCC genehmigt Spiegelsatelliten - Wissenschaftler schlagen Alarm
Die US-Kommunikationsbehörde FCC hat "Reflect Orbital" grünes Licht gegeben: Das Start-up will Sonnenlicht per Spiegelsatellit auf die Erde lenken - Astronomen und Umweltschützer protestieren.
Die Idee klingt futuristisch: Sonnenlicht wird von einem Satelliten im niedrigen Erdorbit auf bestimmte Bereiche der Erdoberfläche gespiegelt - für Baustellen, Such- und Rettungseinsätze oder Solarfarmen, die auch nach Sonnenuntergang Energie erzeugen. Das kalifornische Start-up Reflect Orbital, das sich selbst als "Sonnenlichtfirma" bezeichnet, hat jetzt von der US-Kommunikationsbehörde FCC die Genehmigung erhalten, seinen ersten Testsatelliten zu starten.
Zwei Testsatelliten noch 2026 - 50.000 bis 2035
Laut dem offiziellen FCC-Beschluss DA 26-706 vom 9. Juli 2026 handelt es sich dabei um "Eärendil-1" - einen 142 Kilogramm schweren, nicht-geostationären Satelliten mit einer Betriebshöhe von 600 bis 650 km und 88 Grad Inklination, der vier 18-Meter-Dünnfilm-Reflektoren trägt.
Laut Space News soll der Satellit das reflektierte Licht für jeweils mehrere Minuten auf bestimmte Flächen auf der Erdoberfläche richten können. CEO Ben Nowack erklärte in einer Stellungnahme:
"Wir sind der FCC dankbar, dass sie die Bedeutung des Testens neuartiger Technologien im Weltraum anerkennt. Diese Genehmigung ist der erste Schritt zur rigorosen Erprobung der Wirksamkeit unserer Technologie und der von uns entwickelten Sicherheitsvorkehrungen."
Noch in diesem Jahr will das Unternehmen zwei Testsatelliten starten. Das eigentliche Ziel ist deutlich ambitionierter: Laut seiner Website plant Reflect Orbital den Einsatz von mehr als 50.000 solcher Satelliten bis 2035. Das System soll dann laut Unternehmensangaben bis zu 36.000 Lux über mehrere Stunden liefern können - was in etwa Tageslicht entspricht - oder dauerhaft 100 Lux rund um die Uhr, vergleichbar mit einem beleuchteten Innenraum.
Astronomen kritisieren: "Noch verrückter als Starlink"
Die geplante Satellitenkonstellation stößt auf scharfe Kritik aus der Wissenschaft - die American Astronomical Society (AAS) reichte laut dem FCC-Beschluss sogar eine formelle Petition zur Ablehnung des Antrags ein.
- Tony Tyson, Chefwissenschaftler des Vera-C.-Rubin-Observatoriums, bezeichnete das Vorhaben laut Tom's Hardware als "noch verrückter" als die Starlink-Satellitenkonstellationen von SpaceX, die bereits heute die Himmelsbeobachtung stören.
- Die Europäische Südsternwarte (ESO) erklärte, ein vollständiger Betrieb von Reflect Orbitals Satellitennetz würde die Hintergrundlichthelligkeit des Nachthimmels an ihren Standorten um das Drei- bis Vierfache erhöhen und damit die Fähigkeit ihrer Teleskope einschränken, schwache Himmelsobjekte zu erfassen.
Neben Astronomen meldeten sich auch Umweltschützer zu Wort. Ihr Einwand: Die künstliche Verlängerung des Tageslichts könnte die biologischen Tag-Nacht-Zyklen stören, auf die Pflanzen, Tiere und Menschen angewiesen sind. Ein ähnlicher Tenor findet sich auch in den Kommentaren zu den (bislang) wenigen öffentlichen Auftritten von Nowack wieder:
FCC: Zuständigkeit endet bei Kommunikation
Die FCC ließ diese Einwände jedoch unberücksichtigt - nicht weil sie sie ablehnte, sondern weil sie erklärte, wissenschaftliche und umweltbezogene Fragen lägen außerhalb ihrer Zuständigkeit. Die Behörde reguliert laut eigener Definition ausschließlich "innerstaatliche und internationale Kommunikation per Radio, Fernsehen, Kabel, Satellit und Draht."
Für die von Kritikern erhobenen Bedenken seien demnach EPA (Umweltbehörde) und NASA zuständig. Die Genehmigung begründete die FCC damit, dass es im öffentlichen Interesse liege, neue und innovative Raumfahrtaktivitäten zu fördern. Ob und wie die zuständigen Behörden reagieren, ist bisher nicht bekannt.
Mitmachen und kommentieren
Wie stehen Sie zu diesem Thema? Die PCGH-Redaktion freut sich über Ihre fundierte Meinung in den Kommentaren zu dieser Meldung. Sollten Sie noch keinen Extreme-Account haben, laden wir Sie zu einer Registrierung im Forum ein. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die gültigen Forenregeln. Folgen Sie gerne PCGH bei 🔈 Youtube oder 💬 Whatsapp und erhalten Sie Neuigkeiten zu Grafikkarten, CPUs und Gaming direkt in Ihrem Feed.
Quelle: via Tom's Hardware, Space News, FCC, Reflect Orbital

[Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
Vielleicht will man auch mal dunkel und schlafen?
Vielleicht will man auch mal dunkel und schlafen?
Dann sollen sie die Energie bündeln und als Laserstrahl punktuell schicken. Das wäre sinnvoller, als großflächig alles taghell zu beleuchten.
Abgesehen, dass das den Tag/Nach-Zyklus der meisten Lebewesen durcheinander bringt und massiv schadet...
Dauerbeleuchtung mit Straßenlaternen oder Flutlichtanlagen neben Chemiewerken sind auch nicht schön.
Und DIE sind immer noch punktueller. Zieh da mal neben dran.