Smartphone-Erinnerungen können das Gedächtnis schwächen, zeigt Studie

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Smartphone-Erinnerungen können das Gedächtnis schwächen, zeigt Studie
Quelle: Foto von Daria Nepriakhina 🇺🇦 auf Unsplash

Timer und Kalender verhindern zuverlässig, dass wir Aufgaben vergessen. Eine neue Studie zeigt jedoch: Wer sich auf Erinnerungen verlässt, schneidet später ohne Hilfsmittel schlechter ab.

Timer, Kalender und Erinnerungs-Apps gehören zu den praktischsten Funktionen eines Smartphones. Sie sorgen dafür, dass Termine, Medikamente oder wichtige Aufgaben nicht untergehen. Eine neue Untersuchung zeigt jedoch einen möglichen Nachteil: Wer Aufgaben mithilfe sichtbarer Erinnerungen erledigte, erinnerte sich später ohne diese Unterstützung schlechter als Personen, die von Anfang an nur ihr Gedächtnis nutzten.

Craig Fellers und Benjamin Storm von der University of California, Santa Cruz, untersuchten diesen Effekt in zwei Online-Experimenten. Im ersten Versuch flossen die Daten von 108 Studenten in die Auswertung ein, im zweiten nahmen 280 Personen teil. Die Probanden bearbeiteten fortlaufend eine Wortaufgabe und sollten gleichzeitig auf bestimmte Begriffe reagieren - beispielsweise bei einem Wort mit drei Silben die Leertaste drücken.

Ein Teil der Versuchspersonen musste sich zwei solcher Zusatzaufgaben selbst merken. Bei einer weiteren Gruppe wurde eine Aufgabe durch einen deutlich sichtbaren Texthinweis unterstützt, während die andere weiterhin ohne Hilfe erledigt werden sollte.

Erinnerungen funktionieren - solange sie verfügbar sind

Während der Hinweis eingeblendet war, erfüllte er seinen Zweck: Die unterstützte Aufgabe wurde nahezu nie vergessen. Die Forscher fanden allerdings keinen Beleg dafür, dass die dadurch frei werdende geistige Kapazität der zweiten Aufgabe zugutekam. Im zweiten Experiment verschlechterte sich deren Bearbeitung bei besonders auffälligen Hinweisen sogar.

Entscheidend war die anschließende Runde ohne Hilfsmittel. Teilnehmer, die zuvor eine Erinnerung verwendet hatten, vergaßen nun mehr Aufgaben als jene, die durchgehend auf ihr eigenes Gedächtnis angewiesen waren. Nach Einschätzung der Autoren hatten sie die betreffende Fähigkeit während der vorherigen Durchgänge weniger stark eingeübt.

Die Forscher beschreiben damit einen Zielkonflikt: Erinnerungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, eine Aufgabe unmittelbar zu erledigen. Gleichzeitig nehmen sie dem Gehirn einen Teil der Übung, die nötig ist, um Absichten später selbstständig abzurufen. In der Psychologie wird das Auslagern geistiger Arbeit an Notizen, Geräte oder Apps als "Cognitive Offloading" bezeichnet.

Smartphone-Alarme deshalb nicht grundsätzlich abschalten

Aus den Ergebnissen folgt nicht, dass Nutzer auf Kalender und Timer verzichten sollten. Bei wichtigen Medikamenten, Terminen oder sicherheitsrelevanten Aufgaben ist die zuverlässige Ausführung wichtiger als ein möglicher Trainingseffekt. Auch andere Untersuchungen zeigen, dass externe Hilfen die Erledigung zukünftiger Aufgaben deutlich verbessern können.

Wer sein Gedächtnis trainieren möchte, kann Erinnerungen gezielter einsetzen: Kritische Aufgaben werden weiterhin abgesichert, weniger wichtige Vorhaben zunächst bewusst selbst gemerkt. Sinnvoll sind außerdem Hinweise mit konkretem Kontext wie "Medikament nach dem Frühstück einnehmen" statt eines unspezifischen Alarms.

Die Aussagekraft der neuen Arbeit bleibt jedoch begrenzt: Untersucht wurden vor allem Studenten in künstlichen Online-Aufgaben und kurzfristigen Testphasen. Ob eine jahrelange Nutzung von Smartphone-Erinnerungen das Gedächtnis im Alltag dauerhaft verändert, lässt sich daraus nicht ableiten. Die Ergebnisse zeigen aber, dass digitale Unterstützung nicht zwingend kognitiv neutral ist. Bereits eine ältere, thematisch passende Untersuchung berichtete zudem, dass selbst die bloße Nähe eines Smartphones die verfügbare Denkfähigkeit beeinflussen kann.

In der Praxis kennt man das vermutlich am ehesten von Telefonnummern. Die waren zwar früher auch kürzer als heute und in geringerer Zahl, aber man musste sich sehr viel mehr Telefonnummern merken als heute. Oft kennen Smartphone-Nutzer nicht einmal mehr die eigene Telefonnummer.

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Quellen: Psypost - Psychology News, MDPI

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    • Kommentare (2)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Registrierzwang Software-Overclocker(in)
        Ach ja, die totale Abhängigkeit von Navis, die kommt ebenfalls einher mit dem Verlust von Gedächtnisleistung und dem damit verbundenen Orientierungssinn. Ich fahre grundsätzlich ohne Navi beim Pendeln zur Arbeitsstätte, und sobald ich einmal eine Strecke mit Navi gefahren bin, brauche ich kein Navi mehr. Ich kenne aber eine große Menge an Leuten, die ohne Navi (und ohne Google Maps) einfach "lost" sind.
      • Von Registrierzwang Software-Overclocker(in)
        Ach ja, die totale Abhängigkeit von Navis, die kommt ebenfalls einher mit dem Verlust von Gedächtnisleistung und dem damit verbundenen Orientierungssinn. Ich fahre grundsätzlich ohne Navi beim Pendeln zur Arbeitsstätte, und sobald ich einmal eine Strecke mit Navi gefahren bin, brauche ich kein Navi mehr. Ich kenne aber eine große Menge an Leuten, die ohne Navi (und ohne Google Maps) einfach "lost" sind.
      • Von EM_EN Software-Overclocker(in)
        Das würde ich so unterschreiben, ähnlich mit Navis, hier verliert man zum Teil die Orientierung zu Orten die man nicht täglich fährt. Habe in der damaligen Zeit für einen Lieferdienst in Berlin gejobt, als es nur Karten gab. Von dem Wissen profitiere ich heute noch. Mit Navi verliert man die Fähigkeit zur Orientierung, jedenfalls ist das bei mir so, das heißt ich muss die Strecke öfter fahren, bevor sie sich einträgt.

        Dennoch sind Kalender Erinnerungen und Navis für mich mit die geilsten Erfindungen der Neuzeit.
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