SpaceX startet Satelliten mit Tritium-Batterie - für den Satellitenbus reicht sie nicht
SpaceX hat einen Cubesat mit einer Tritium-Batterie ins All gebracht. Anders als die Bezeichnung "nuklearbetrieben" vermuten lässt, laufen die Hauptsysteme jedoch weiterhin mit Solarenergie.
SpaceX hat am 7. Juli mit der Transporter-17-Mission einen ungewöhnlichen Cubesat in die Erdumlaufbahn gebracht. BOHR soll nach Angaben des Herstellers City Labs der erste kommerzielle nuklearbetriebene Satellit und zugleich der erste nukleare Cubesat sein. Ganz ohne Solarpanels kommt das Raumfahrzeug allerdings nicht aus: Die üblichen Bordsysteme werden weiterhin konventionell mit Solarenergie versorgt. Die Tritium-Batterie treibt lediglich eine separate Nutzlast an, mit der ihre Funktion unter realen Weltraumbedingungen geprüft wird.
BOHR steht für "Betavoltaic Orbital High-Reliability". Im Inneren arbeitet die Nano-Tritium-Technik von City Labs, die den radioaktiven Zerfall von Tritium direkt in elektrische Energie umwandelt. Dabei treffen die freigesetzten Beta-Teilchen auf ein Halbleitermaterial und erzeugen einen kleinen, aber kontinuierlichen Stromfluss. Anders als klassische Radioisotopengeneratoren, wie sie unter anderem bei NASA-Missionen eingesetzt werden, nutzt das System also nicht zuerst die entstehende Wärme.
Nur Mikrowatt - dafür über Jahrzehnte
Die Technik ist nicht für energiehungrige Systeme wie Funkanlagen, Antriebe oder leistungsstarke Bordcomputer gedacht. City Labs nennt je nach Ausführung Leistungen im Nano- bis Mikrowattbereich. Sinnvolle Einsatzgebiete sind deshalb Sensoren, Zeitgeber, Speichererhalt oder andere Elektronik, die nur wenig Energie benötigt, dafür aber dauerhaft verfügbar bleiben soll. Der Hersteller wirbt mit einer Lebensdauer von mehr als 20 Jahren ohne Laden oder Batteriewechsel.
Tritium ist ein radioaktives Wasserstoffisotop mit einer Halbwertszeit von rund 12,3 Jahren. Es gibt vergleichsweise schwache Beta-Strahlung ab. Diese kann die äußere Hautschicht nicht durchdringen; problematischer wäre eine Aufnahme des Stoffes in den Körper. Im Satelliten ist das Material daher gekapselt. Die niedrige Strahlungsenergie vereinfacht die Abschirmung, macht eine Sicherheitsprüfung beim Raketenstart aber nicht überflüssig. Medizinische Implantate gelten grundsätzlich sogar als mögliches Einsatzgebiet betavoltaischer Tritium-Batterien. Ob und wann solche Systeme regulatorisch zugelassen und praktisch eingesetzt werden können, ist jedoch offen. Mit der C-14-Batterie arbeitet China an einer Lösung auf Kohlenstoff.
Quelle: City Labs
BOHR: Satellit mit Tritium-Batterie gestartet - doch ohne Solarstrom geht es nicht
Nach Angaben von City Labs erhielt BOHR bereits am 30. September 2025 eine positive Nutzlastfreigabe der US-Luftfahrtbehörde FAA. Das Unternehmen bezeichnet die Mission als ersten kommerziellen Start einer nuklearen Nutzlast, der das entsprechende FAA-Prüfverfahren nach der US-Richtlinie NSPM-20 durchlaufen hat. Eine unabhängige Bestätigung aller Superlative liegt bislang jedoch nicht vor; die Bezeichnung "erster kommerzieller Nuklearsatellit" stammt vom Hersteller selbst. City Labs weist in seiner Mitteilung selbst darauf hin, dass der Satellitenbus mit Solarenergie arbeitet. Die Bezeichnung "nuklearbetriebener Satellit" ist dennoch großzügig gewählt, denn die Tritium-Batterie versorgt lediglich eine separate Testnutzlast.
Interessant für Mondkrater und Deep-Space-Sonden
Der Nutzen könnte vor allem dort liegen, wo Solarstrom unzuverlässig ist: beispielsweise in dauerhaft verschatteten Kratern am Mondpol, in langlebigen Sensornetzwerken oder zur Versorgung einzelner Kleinstverbraucher auf weit entfernten Raumsonden. Auch die NASA setzt für solche Umgebungen seit Jahrzehnten auf Radioisotopensysteme, die unabhängig von Sonnenlicht Elektrizität und Wärme bereitstellen. Für Funkanlagen, Bordcomputer oder den regulären Betrieb eines Raumfahrzeugs ist die Leistung jedoch viel zu gering.
BOHR muss nun erst zeigen, wie stabil Spannung und Leistung im Orbit tatsächlich bleiben. Von einem vollständig nuklearbetriebenen Satelliten kann bei dieser Mission noch keine Rede sein. Gelingt der Test, könnte die Technik Solarzellen und chemische Akkus sinnvoll ergänzen - nicht mit viel Leistung, sondern als extrem langlebige Dauerstromquelle für einzelne kritische Kleinstverbraucher.
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Quellen: City Labs, Nuclear Regulatory Commission, NASA Science, Next Space Flight
