Age of Empires 2: Microsoft-Forscher baut KI mit Ziegen
Kann ChatGPT menschlich denken und empfinden, nur weil es in verständlichen Sätzen antwortet? Der KI-Forscher Adrian de Wynter gibt die Antwort auf diese Frage überspitzt und nutzt dafür die Ziegen in Age of Empires 2.
Adrian de Wynter, ein KI-Forscher bei Microsoft und an der Uni New York, hat ein eher ungewöhnliches Experiment gestartet: Er wollte aufzeigen, dass LLM-KI-Sprachmodelle nicht über menschenähnliche Wahrnehmung, geschweige denn ein Bewusstsein, verfügen, wie viele Nutzer aufgrund der sprachlich natürlichen Antworten denken.
Im Szenario-Editor des Echtzeit-Strategiespiels Age of Empires II konstruierte er dafür ein auf Spielinhalten basierendes neuronales Netz. Seine wissenschaftliche Arbeit dazu veröffentlichte er unter dem Titel "Wenn große Sprachmodelle menschenähnliche Eigenschaften haben, dann gilt das ebenso für Age of Empires 2" (maschinell übersetzt).
Die Ziegen-KI wirkt alles andere als menschlich
Sein System nutzt digitale Binärcodes, die durch spielinterne Objekte dargestellt werden. Gras repräsentiert den Wert 0, Brücken den Wert 1, und die virtuellen Ziegen im Spiel fungieren als Signalträger (Bits). Mithilfe dieser Struktur gelang es de Wynter, ein logisches NOT-AND-Gatter (NAND) sowie ein einfaches einstufiges neuronales Netz (einen sogenannten 1-Bit-Perzeptron) aufzubauen.
Diese Mechanismen bilden die logische Grundlage, auf der moderne Large Language Models wie ChatGPT oder Claude aufbauen. Mit Redstone in Minecraft gebaute automatisierte Schaltkreise (etwa für Item-Sortieranlagen) funktionieren ebenfalls auf diese Weise. Die detaillierte Funktionsweise beschreibt er auf Github. Der Microsoft-Forscher nutzt damit das absurde Ziegen-Szenario als methodisches Werkzeug, um die Tendenz zur Vermenschlichung von Algorithmen und KI-Sprachmodellen zu widerlegen.
Er weiß, dass Sprachmodelle nur aufgrund ihrer mathematischen Beziehungen, Gewichtungen und Trainingsdaten funktionieren. Die menschlichen Eigenschaften würden ihnen jedoch aufgrund ihrer menschlichen Interaktionen und ihres Sprachverständnisses zugeordnet. Wenn man LLMs also ein Bewusstsein oder menschliche Attribute zuspreche, müsse man diese Logik ebenso auf seine Ziegen-Strukturen in Age of Empires II anwenden.
Die Ziegen-KI wirkt auf Betrachter ohne Computer-Engineering-Hintergrundwissen jedoch alles andere als sinnvoll oder menschlich, was laut de Wynter beweist, dass LLMs weit entfernt von Menschlichkeit agieren. Der KI-Forscher erhofft sich damit eine objektivere Betrachtung der Künstlichen Intelligenz von LLMs.
Mitmachen und kommentieren
Wie stehen Sie zu diesem Thema? Die PCGH-Redaktion freut sich über Ihre fundierte Meinung in den Kommentaren zu dieser Meldung. Sollten Sie noch keinen Extreme-Account haben, laden wir Sie zu einer Registrierung im Forum ein. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die gültigen Forenregeln. Folgen Sie gerne PCGH bei 🔈 Youtube oder 💬 Whatsapp und erhalten Sie Neuigkeiten zu Grafikkarten, CPUs und Gaming direkt in Ihrem Feed.
Quelle: Adrian de Wynter (via The Decoder)
