Besseres Recycling: Forscher entwickeln auflösbares PCB - mit Flüssigmetall und PVA

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Besseres Recycling: Forscher entwickeln auflösbares PCB - mit Flüssigmetall und PVA
Quelle: Zeyu Yan, SuHwan Hong, Josiah Hester, Tingyu Cheng, Huaishu Peng (Arxiv)

US-Forscher haben einen neuen Aufbau für Leiterplatten präsentiert, der sich besonders leicht recyclen lassen soll. Dazu wird das PCB aus PVA und einem Flüssigmetall aufgebaut - mit einem 3D-Drucker.

Leiterplatten sind aus der modernen Welt nicht mehr wegzudenken. Mit Blick auf die Entsorgung stellen sie aber ein Problem dar: Die verlöteten Bauteile enthalten oft zahlreiche seltene Metalle, und die Leiterbahnen aus Kupfer oder Aluminium sind üblicherweise in FR-4 eingebettet - eine Mischung aus Glasfasern und Epoxidharz. Diese lässt sich nur unter hohem Aufwand wieder in ihre Einzelbestandteile zerlegen.

Einfach auflösen

Eine Lösung für dieses Problem haben nun Forscher der University of Maryland, des Georgia Institute of Technology und der University of Notre Dame in Indiana präsentiert. Dort experimentierte ein fünfköpfiges Team mit Leiterplatten aus dem Kunststoff PVA und einer Gallium-Indium-Legierung - einem Flüssigmetall. Mit einem 3D-Drucker lassen sich offenbar aus beiden Stoffen Platinen herstellen, die für gängige THT- und SMD-Bauteile geeignet sind. Diese werden für den "DissolvPCB" genannten Ansatz verklebt statt verlötet. Dadurch entsteht ein leitender Kontakt zum PCB. Gleichzeitig werden so die Öffnungen verschlossen, an denen das Flüssigmetall entweichen oder oxidieren könnte.

Der Schaltplan und das gedruckte PCB. Bei Kontakt mit Wasser löst es sich in seine Einzelteile auf. Quelle: Zeyu Yan, SuHwan Hong, Josiah Hester, Tingyu Cheng, Huaishu Peng (Arxiv) Der Schaltplan und das gedruckte PCB. Bei Kontakt mit Wasser löst es sich in seine Einzelteile auf. Im Gegensatz zu normalen PCBs soll sich der neue Ansatz dabei sehr leicht recyclen lassen. Dazu muss das PCB lediglich in Wasser gelegt werden. Der Kunststoff PVA löst sich darin auf, während die Bauteile und das Flüssigmetall erhalten bleiben. So soll man fast das gesamte Material wieder zurückgewinnen und für weitere Leiterplatten verwenden können.

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Perfekt ist der neue Ansatz allerdings nicht. Das größte Problem ist die Anfälligkeit für Wasser - für viele Endkundengeräte sind DissolvPCB-Platinen damit nicht geeignet. Zudem können filigrane Leiterbahnen durch den 3D-Drucker nur bedingt hergestellt werden. Zumindest die Erstellung der Druckdateien ist aber offenbar recht einfach: Die Forscher haben ein FreeCAD-Plugin entwickelt, um PCB-Dateien aus der Software KiCad automatisch umzuwandeln. Trotzdem sind auflösbare Platinen zumindest vorerst wohl nur für Prototypen geeignet, bei denen man verschiedene PCB-Formen oder einzelne Bauteile ausprobiert. Und auch dort dürften die Möglichkeiten begrenzt sein. Denn an die wohldefinierten Hochfrequenz-Eigenschaften von modernen FR4-PCBs dürften die 3D-gedruckten Platinen kaum heranreichen.

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Quelle: Arxiv via Tom's Hardware

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    • Kommentare (8)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Streich das "in Europa": Recycling, egal wo, ist teurer als den Müll einfach auf Halde zu schmeißen. Genau deswegen bezweifle ich, ob Materialien, die sich auf einer solche Halde unkontrolliert verflüssigen einen Fortschritt darstellen? Herkömmliche Platinen sind wenigstens inert. Sie liegen also nur als Dreck in der Landschaft, solange sie niemand anzündet. Aber sie versickern nicht im Boden.
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Streich das "in Europa": Recycling, egal wo, ist teurer als den Müll einfach auf Halde zu schmeißen. Genau deswegen bezweifle ich, ob Materialien, die sich auf einer solche Halde unkontrolliert verflüssigen einen Fortschritt darstellen? Herkömmliche Platinen sind wenigstens inert. Sie liegen also nur als Dreck in der Landschaft, solange sie niemand anzündet. Aber sie versickern nicht im Boden.
      • Von T-MAXX Volt-Modder(in)
        Zitat von PCGH_Torsten
        Aktuell liegt die große Schwierigkeit bei Elektroschrott aber wohl eher darin, diesen überhaupt in eine Recyclinganlage zu bekommen.
        Im Großen und Ganzen stimme ich dir zu, nur ist Recycling in Europa sehr teuer und vieles wird meistens in Länder wie Indien verschifft. Es ist günstiger und schneller sozusagen vom Tisch. Deswegen sehe ich da die Gefahren für Leib und Natur.
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Zitat von T-MAXX
        Ob das tatsächlich so umweltfreundlich ist sehe ich eher skeptisch gegenüber.
        Weder Indiumverbindungen noch große Mengen gelösten/Flüssigplastiks will man in natürlichen Gewässern haben. In sofern "löst" dieses Konzept ein nachrangiges Problem: Man könnte derartige Platinen in spezialisierten Recyclinganlagen leicht zerlegen und insbesondere verbaute Chips viel leichter einer direkten Wiederverwendung zuführen.

        Aktuell liegt die große Schwierigkeit bei Elektroschrott aber wohl eher darin, diesen überhaupt in eine Recyclinganlage zu bekommen. Schon das Sammeln der Geräte funktioniert in Europa eher mäßig, in anderen Teilen der Welt teils überhaupt nicht und ein erheblicher Teil der wenigen Geräte, die gesammelt wurden, landet wohl nicht immer noch auf wilden Müllkippen und offener Verbrennung in der dritten Welt. Diese Praktiken sind ohne Zweifel schwer gesundheits- und auch umweltschädlich. Aber sie gegen dauerhaft in den Boden gespülte, gen Trinkwasser wandernde Kunststoffe und Schwermetalle zu ersetzen, klingt auch nicht sonderlich gut.
      • Von Healrox Software-Overclocker(in)
        Druckbare PCBs wären für die Maker-Community natürlich ein Riesengeschenk.
        Selbst, wenn die Leiterbahnen erstmal viel größer sind, als geätzte Platten.
        Mal schauen, was draus wird.
        Ich mit meinem gefährlichem Halbwissen kann mir nicht vorstellen, das sie die PCBs so dicht kriegen, dass das funktioniert. Du brauchst ja Kontakte zu allen surface mounted Teilen. Ganz zu schweigen von größeren Kondensatoren oder IC Sockets, die durch die Platte gehen und auf der Unterseite verlötet werden.
        Da musst du dich also nicht nur, dank bleifreien Lot, um kaputte Lötstellen kümmern, sondern es kann sein, dass eine Leiterbahn eben doch durch eine Undichtigkeit austrocknet und nicht mehr stimmt.
        Wär natürlich blöd: einmal mit dem Schraubendreher abrutschen bedeutet im ersten Moment nix, aber durchs Austrocknen kann es sein, dass sich das Board IRGENDWANN mal komisch benimmt oder den Geist aufgibt.
        Klingt sehr herausfordernd, das so umzusetzen.
      • Von T-MAXX Volt-Modder(in)
        Zitat

        auflösbares PCB - mit Flüssigmetall und PVA
        Ob das tatsächlich so umweltfreundlich ist sehe ich eher skeptisch gegenüber.
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