Disney Plus im Alltagstest - Ein würdiger Netflix-Konkurrent?

Am 24. März hat Disney seinen hauseigenen Streaming-Dienst auch in Deutschland veröffentlicht und will damit aktiv mitmischen im immer stärker wachsenden Markt der Streaming-Dienste. Was kann der Netflix-Konkurrent?

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Disney Plus im Alltagstest - Ein würdiger Netflix-Konkurrent?
Quelle: Disney (Screenshot: PCGH)

Seit dem 24. März glüht die Internetleitung, um dem Streaming-Dienst Disney Plus auf den Zahn zu fühlen. Mittlerweile gibt es weltweit mehr als 50 Millionen Abonnenten des Netflix-Konkurrenten. Der Streaming-Anbieter mit den weltweit meisten zahlenden Nutzern ist das seit dem Jahr 2007 aktive Netflix mit mehr als 170 Millionen zahlender Kunden weltweit im Jahr 2019. In relativ kurzer Zeit sind also Millionen Leute auf den Zug beim Konkurrenten Disney aufgesprungen. Was erwartet den Nutzer bei Disney Plus?

Disney Plus im Alltagstest: Ersteinrichtung

Die erste Anmeldung läuft analog zu anderen Services ab. Wenn man die offizielle App startet oder die Webseite aufgerufen hat, registriert man sich mit E-Mailadresse und Passwort und gibt die Zahlungsmodalitäten an. Hat man das erledigt, geht es auch schon los. Insgesamt können sieben Nutzerprofile pro zahlendem Account hinterlegt werden. Jedes Profil hat dabei einen eigenen Namen und ein Profilbild. Allerdings kann nur aus einer vorgefertigten Liste an Bildern gewählt werden. Es ist nicht möglich, ein eigenes Bild hochzuladen. Jedes Profil hat eine eigene Merkliste, bei der die favorisierten Sendungen hinterlegt sind.

Disney Plus im Alltagstest: Komfortfunktionen wie bei Netflix, aber...

Ein Streaming-Dienst muss nicht nur mit dem Angebot überzeugen können, sondern auch ein bisschen Komfort bieten. Disney Plus orientiert sich dabei an etablierten VoD-Diensten wie Netflix und bietet etwa verschiedene Tonspuren an. Besonders praktisch ist hier die Details-Seite zu jedem Film und jeder Serie. Hier findet sich nicht nur eine Kurzbeschreibung des Inhalts, sondern auch Informationen zu Erstausstrahlung, verfügbaren Staffeln, enthaltenen Tonspuren und der Auflösung. Auch die Alterseinstufung ist hier ersichtlich. Wie bei der Konkurrenz auch, gibt es auf jeder Seite Empfehlungen zu ähnlichen Inhalten auf der Plattform.

Schade ist, dass es bei Disney Plus nicht möglich ist, etwa das Bildformat einer Folge manuell anzupassen. Das wäre etwa bei der Serie die Simpsons empfehlenswert, da diese im falschen Bildformat ausgestrahlt wird und so oben und unten Inhalte abgeschnitten werden. Der Nutzer hat - aktuell - keine Chance diesen Umstand zu ändern. Bis Ende Mai will Disney jedoch nachgebessert haben und verspricht, dann die ersten 19 Staffeln und Teile der 20. Staffel der Kultserie rund um Homer Simpsons im korrekten 4:3-Format auszustrahlen. Ebenso ist es nicht möglich, dass der Nutzer selbst etwa die Auflösung verändern kann. Man ist hier immer auf die Voreinstellung von Disney angewiesen. Eine nicht öffentlich dokumentierte Einschränkung betrifft die Merkliste. Pro Nutzerprofil können nicht mehr als 50 Einträge in der Favoritenliste dargestellt werden. Dies stellt eine Einschränkung dar, die mit der Zeit zu einem Problem werden kann.

Disney Plus im Alltagstest: Viele Film-Extras, aber Schwächen bei Serien

Gerade für Filmfans bietet der Katalog von Disney Plus einiges an. Zwar sind die meisten Filme bereits im Kino gelaufen und somit dem ein oder anderen Nutzer bekannt, doch offeriert Disney zu vielen Streifen Extras, wie etwa Making-ofs. Im Zusammenspiel mit der Verfügbarkeit von unterschiedlichen Tonspuren ist dies ein ordentliches Paket. Vor allem Disney-Filme sind aus zig verschiedenen Jahren verfügbar, aber auch Star-Wars- und Marvel-Inhalte sind abrufbar. Das Angebot an Inhalten von den Filmstudios 20th Century (ehemals 21th Century Fox) ist auffallend kurzgehalten. Das Studio gehört seit letztem Jahr zu Disney, doch finden sich kaum Inhalte davon bei Disney Plus, geschweige denn eine eigene Kategorie. Schön sind die vielen Kurzfilme zu Disney-Figuren, die aus verschiedenen Epochen verfügbar sind.

Leider fehlt eine Filterungsoption bei Disney Plus. Zwar gibt es eine Suchfunktion, doch bietet diese nur rudimentäre Funktionen. Es ist beispielsweise nicht möglich, die Suche per Filter weiter einzugrenzen, um etwa nach einem Film mit einem bestimmten Darsteller aus einer spezifischen Zeit zu suchen. Gerade bei den enthaltenen Klassikern wäre es jedoch wünschenswert, wenn es etwa auch eine Suche nach Erstveröffentlichungsdatum geben würde.

In Sachen Serien lässt Disney Plus die Nutzer zwiegespalten zurück. Als spezielle Inhalte nur für Abonnenten von Disney Plus gibt es sogenannte Disney-Originals-Inhalte. Hierzu zählt etwa die Serie The Mandalorian aus dem Star-Wars-Universum. Zu den derzeit 25 exklusiven Serien sollen bald weitere Produktionen folgen. Auch gibt es viele Disney-Klassiker aus den Anfangsjahren, etwa Micky Maus - Steamboat Willie aus dem Jahr 1928. Allerdings vermissen wir hier eine Sortierung. Auf der Startseite, beziehungsweise in der Rubrik Disney, gibt es zwar eine Kategorie mit Micky Maus, doch fehlen diese Kategorien für andere beliebte Figuren wie etwa Donald Duck. Um diese Inhalte zu finden, muss man die Suche bemühen. Immerhin können Nutzer eines Amazon-Fire-TV-Geräts samt Fernbedienung mit Mikrofon, auch via Amazon Alexa die Suche starten.

Bildergalerie

Disney definiert Disney Plus als Streaming-Dienst für die Familie, weshalb nur Inhalte mit einer FSK von maximal ab 12 Jahren abrufbar sein sollen. Wie streng Disney mit dieser Maxime umgeht, lässt sich beispielsweise bei der Zeichentrickserie Die Simpsons beobachten. Nachdem Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegen Michael Jackson laut wurden, hat Disney entschieden, die erste Folge der dritten Staffel möglichst auf keiner Plattform mehr auszustrahlen. In dieser Folge tritt der Popsänger auf, doch gibt es diese Episode weder bei Disney Plus, noch bei irgendeiner anderen digitalen Plattform.

Wie bei jedem Video-Streaming-Service verschwinden auch bei Disney Plus nach einiger Zeit bestimmte Inhalte, wie bereits in den USA geschehen. Disney selbst hat zwar ausschließlich eigens produzierte Inhalte auf der Plattform, doch das schützt nicht davor, dass auch hier der Katalog dynamisch angepasst wird. Im Gegensatz zur Konkurrenz gibt Disney allerdings nicht explizit an, welche Inhalte wann aus dem Katalog entfernt werden. Hier muss man selbst im Internet recherchieren. Eine eigene Rubrik mit allen Inhalten, die bald entfernt werden, inklusive Datum, wann der jeweilige Inhalt nicht mehr abrufbar ist, sollte unbedingt nachgereicht werden.

Generell hat Disney Plus sehr wahrscheinlich nicht mit den gleichen Lizenzierungsproblemen zu kämpfen, wie etwa Netflix oder Sky Ticket. Die beiden Konkurrenten haben zusätzlich zu eigens produzierten Inhalten auch Filme und Serien, die sie von anderen Studios lizenziert haben. Je nach geschlossenem Vertrag darf dann der Inhalt nur für eine gewisse Zeit abrufbar bleiben. Derartige Lizenzierungsthematiken umgeht Disney Plus damit, dass nur selbstproduzierte Inhalte verfügbar sind. Allerdings muss sich Disney an nationales Recht halten, sodass nicht alle Inhalte aus dem Disney-Konzern in jedem Land verfügbar sind. Zudem gibt es einzelne Lizenzvereinbarungen zu Serien und Filmen, sodass etwa Marvel-Serien wie Punisher in Deutschland nur bei Netflix verfügbar sind. Erst, wenn dieser Lizenzvertrag ausgelaufen ist, wird Disney die Serie wohl in den Katalog von Disney Plus - oder besser von Hulu (explizit für Erwachseneninhalte gedachter Streaming-Dienst, der wohl im Jahr 2021 nach Europa kommen soll) - aufnehmen. Dieses Lizenzierungsdickicht ist jedoch nicht gerade nutzerfreundlich und verwirrt.

Auch lesenswert: Disney Plus: Star Wars Original-Trilogie mit 400-Nits-HDR

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Disney Plus im Alltagstest: Viele Endgeräte werden unterstützt

Um möglichst unabhängig vom Endgerät Filme und Serien schauen zu können, erlaubt es Disney Plus, bis zu vier Streams zeitgleich laufen zulassen. Genauso viele parallele Streams erlaubt Netflix lediglich Premium-Abonnenten, die dafür knapp 16 Euro monatlich zahlen müssen, während Disney Plus für sieben Euro monatlich verfügbar ist. Alternativ gibt es ein 1-Jahres-Abo für knapp 70 Euro. In Deutschland hat der Konzern eine Partnerschaft mit der Deutschen Telekom geschlossen. Alle Kunden, die einen Magenta-Mobil-, Magenta-Zuhause- oder Magenta-TV-Vertrag abgeschlossen haben, können den Streaming-Dienst Disney Plus ein halbes Jahr kostenlos nutzen. Ab dem siebten Monat kostet der Zugriff auf den Netflix-Konkurrenten dann jedoch Geld. Allerdings erhalten Kunden, die einen Magenta-Mobil- oder Magenta-Zuhause-Vertrag mit einer Laufzeit von 24 Monaten abgeschlossen haben, Disney Plus dann zum Vorzugspreis von fünf Euro monatlich. Telekom-Kunden können zudem monatlich die sogenannte Zubuchoption kündigen.

Die Software ist neben Amazon Fire TV auch ab der 4. Generation des Apple TV, für den Google Chromecast und Nvidia Shield TV erhältlich. Auch Android TVs mit Version 5.0 oder höher sowie LG Web OS und TVs mit Samsung Tizen OS bekommen die App. Wer eine Playstation 4 oder Xbox One (inkl. kommender Xbox Series X) besitzt, kann dort ebenfalls die Disney-Plus-App herunterladen. Um Disney Plus mobil verwenden zu können, muss man entweder die Magenta-TV-App oder die offizielle Disney-Plus-App für Android beziehungsweise iOS installiert haben. Am Windows-PC und auf dem Mac können Web-Browser benutzt werden. Ein Herunterladen von einzelnen Filmen oder Serien ist ausschließlich auf Android-Smartphones und iOS-Geräten möglich. Die App funktioniert im Test sowohl auf Amazons Fire-TV-Geräten, als auch auf Android-Smartphones ziemlich zuverlässig und flüssig. Auch die Webseite ist performant.

Disney Plus im Alltagstest: Fazit

Der weltweite Medienkonzern Disney hat mit dem Dienst Disney Plus einen Konkurrenten ins boomende Video-Streaming-Segment geschickt. Im Erstlingswerk macht Disney auch vieles richtig und bietet einen Service an, der funktioniert und viele Klassiker beinhaltet. Allerdings sind dies Fluch und Segen zugleich, schließlich sind die Neuerscheinungen - aktuell - noch rar gesät. Künftig wird sich diese Situation jedoch bessern oder verschlechtern, je nachdem, auf welcher Seite man steht. Schließlich sind die Lizenzthematiken ein immer größer werdendes Politikum, die dafür sorgen, was man wo sehen kann. Ärgerlich sind vor allem die Beschränkung der Merkliste auf 50 Einträge sowie die mangelhaften Filterungs- und Sortierungsoptionen. Hier sollte Disney dem Nutzer mehr Freiheiten lassen, damit man schneller an den gewünschten Inhalt kommt. Positiv ist hingegen die bisherige Stabilität des Streaming-Dienstes sowie der - im Konkurrenzvergleich - niedrige Preis. Gerade für Filmfans sind die oftmals angebotenen Extras zum Film eine schöne Zugabe. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Markt entwickeln wird und ob Disney Plus mehr sein kann als nur ein Konkurrent von Netflix.

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    • Kommentare (60)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von RedDragon20 BIOS-Overclocker(in)
        AW: Disney Plus im Alltagstest - Ein würdiger Netflix-Konkurrent?

        Zitat von bigbouldersson
        "Die App funktioniert im Test sowohl auf Amazons Fire-TV-Geräten, als auch auf Android-Smartphones ziemlich zuverlässig und flüssig"

        Was man von der Playstation 4 -App nicht behaupten kann. Trotz 3 Patches seit der Installation kommt es beim Streamen immer wieder zu leichten und teils heftigen Rucklern und auch leichten Asynchronitäten beim Sound.

        Es liegt dabei defintiv nicht an meiner Internetleitung ( 400 Mbit per LAN angeschlossen). Zudem weil alle anderen Streamingdienste (Netflix und Amazon Prime) tadellos laufen.

        Habe auch schon Berichte von Nutzern aus den USA gelesen die ebenfalls berichten, dass gerade die PS4 Disney + -App ganz großer Murks ist und Disney das Streaming dort technisch seit dem USA- Release bisher nicht richtig in den Griff bekommt.
        Gut. Ich bin also nicht der einzige mit dem Problem auf der PS4.
      • Von RedDragon20 BIOS-Overclocker(in)
        AW: Disney Plus im Alltagstest - Ein würdiger Netflix-Konkurrent?

        Zitat von bigbouldersson
        "Die App funktioniert im Test sowohl auf Amazons Fire-TV-Geräten, als auch auf Android-Smartphones ziemlich zuverlässig und flüssig"

        Was man von der Playstation 4 -App nicht behaupten kann. Trotz 3 Patches seit der Installation kommt es beim Streamen immer wieder zu leichten und teils heftigen Rucklern und auch leichten Asynchronitäten beim Sound.

        Es liegt dabei defintiv nicht an meiner Internetleitung ( 400 Mbit per LAN angeschlossen). Zudem weil alle anderen Streamingdienste (Netflix und Amazon Prime) tadellos laufen.

        Habe auch schon Berichte von Nutzern aus den USA gelesen die ebenfalls berichten, dass gerade die PS4 Disney + -App ganz großer Murks ist und Disney das Streaming dort technisch seit dem USA- Release bisher nicht richtig in den Griff bekommt.
        Gut. Ich bin also nicht der einzige mit dem Problem auf der PS4.
      • Von bigbouldersson Schraubenverwechsler(in)
        AW: Disney Plus im Alltagstest - Ein würdiger Netflix-Konkurrent?

        "Die App funktioniert im Test sowohl auf Amazons Fire-TV-Geräten, als auch auf Android-Smartphones ziemlich zuverlässig und flüssig"

        Was man von der Playstation 4 -App nicht behaupten kann. Trotz 3 Patches seit der Installation kommt es beim Streamen immer wieder zu leichten und teils heftigen Rucklern und auch leichten Asynchronitäten beim Sound.

        Es liegt dabei defintiv nicht an meiner Internetleitung ( 400 Mbit per LAN angeschlossen). Zudem weil alle anderen Streamingdienste (Netflix und Amazon Prime) tadellos laufen.

        Habe auch schon Berichte von Nutzern aus den USA gelesen die ebenfalls berichten, dass gerade die PS4 Disney + -App ganz großer Murks ist und Disney das Streaming dort technisch seit dem USA- Release bisher nicht richtig in den Griff bekommt.
      • Von HardlineAMD
        AW: Disney Plus im Alltagstest - Ein würdiger Netflix-Konkurrent?

        Zitat von plusminus
        Mal ganz von der bescheidenen Qualität von Disney+ abgesehen , stößt mir auch sauer auf wie mit Kindern umgegangen wird , und das der Disney Gründer Augenscheinlich ( Walt Disney ) ein Nazi Sympatisant und Frauenfeind war !

        Kinderpornografie: Dutzende Mitarbeiter von Disney-Parks festgenommen - WELT

        Walt Disneys 50.Todestag - Die dunkle Seite von Mr. Mickey Mouse - Kultur - SRF
        Und in welche Schublade sollen wir dich stecken?
        Denk mal lieber nach, bevor du Kacka verbreitest.
      • Von Zanza Software-Overclocker(in)
        AW: Disney Plus im Alltagstest - Ein würdiger Netflix-Konkurrent?

        Kann es sein das im Chrome besser Bild als bei Firefox dargestellt wird, denn die Video Qualität kann man ja nicht einstellen.
      • Von RedDragon20 BIOS-Overclocker(in)
        AW: Disney Plus im Alltagstest - Ein würdiger Netflix-Konkurrent?

        Zitat von plusminus
        Mal ganz von der bescheidenen Qualität von Disney+ abgesehen , stößt mir auch sauer auf wie mit Kindern umgegangen wird , und das der Disney Gründer Augenscheinlich ( Walt Disney ) ein Nazi Sympatisant und Frauenfeind war !

        Kinderpornografie: Dutzende Mitarbeiter von Disney-Parks festgenommen - WELT

        Walt Disneys 50.Todestag - Die dunkle Seite von Mr. Mickey Mouse - Kultur - SRF
        Ob Disney Antisemit und Nazi-Sympathisant war, ist ja nicht bewiesen. Und in so einem Fall: Im Zweifel für den Angeklagten.
      Direkt zum Diskussionsende
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