Netflix-Zuschauer: Darum werden Nutzer in drei Kategorien unterteilt

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Netflix-Zahlen: Zuschauergruppen als Erfolgsindikator (1)
Quelle: Netflix

Gegenüber dem britischen Parlament hat der Streaming-Dienst Netflix offengelegt, wie es festlegt, ob eine Serie oder ein Film erfolgreich ist. Anders als beim linearen Fernsehen gibt es keine Zuschauerzahlen, stattdessen teilt Netflix die Nutzer in drei Kategorien ein und übermittelt die Zahlenwerte an die Produzenten der Serie beziehungsweise des Films.

Es ist eine wichtige Kennzahl für die klassischen TV-Sender und Filmstudios. Die Rede ist von der Zuschauerzahl, die seit Jahren nach dem immer gleichen Prinzip ermittelt wird. Bei Streaming-Diensten wie Netflix jedoch werden keine Zuschauerzahlen öffentlich gemacht. Allerdings wollen natürlich auch Produzenten wissen, wie erfolgreich ihre Serie oder ihr Film auf dem Portal ist. Gegenüber dem britischen Parlament hat der amerikanische Anbieter Netflix nun Einblick in die Methodik gegeben. Jeder Abonnent des Dienstes wird in einer von drei Gruppen eingeteilt. Es gibt Starters, Watchers und Completers. Alle Produzenten von Inhalten auf Netflix erhalten - zumindest in Großbritannien - die Zahlen, wie viele Nutzer einer Gruppe zu ihrem Inhalt gehören.

Begrenzter Zeitraum und Kategorisierung

Netflix berücksichtigt bei der Kategorisierung die ersten 7 sowie 28 Tage nach der Veröffentlichung eines neuen Films beziehungsweise einer neuen Serienstaffel. Als Starter werden Zuschauer bezeichnet, die einen Inhalt nur für zirka zwei Minuten ansehen und danach die Wiedergabe abbrechen. Completer hingegen schauen einen Film oder eine Serienstaffel zu 90 Prozent. Watcher sind Kunden, die nach etwa 70 Prozent einer Serienepisode oder eines Films die Wiedergabe abbrechen.

Zuschauerzahlen und ihre Bedeutung

Beim klassischen TV hingegen gibt es seit 1963 die ersten Messungen zur Einschaltquote. Seit dem Jahr 1985 werden die Einschaltquoten von der Gesellschaft für Konsumforschung erhoben. Anfangs hatten die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten ARD und ZDF den Auftrag erteilt die Fernsehnutzung zu messen. Von 1988 an ist der Auftraggeber die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung, welcher neben den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern auch die privatwirtschaftlichen Sender RTL und ProSieben Sat1 angehören. Hierbei wird die TV-Nutzung des Vortags aus 5.000 explizit eingeladenen Haushalten ermittelt und dann hochgerechnet. Hierzu erhalten die betreffenden Haushalte spezielle Receiver über die sie TV schauen müssen. Die mitgelieferte Fernbedienung hat eine spezielle Taste, mit der man zuordnen kann, welche Person im Haushalt gerade den Fernseher eingeschaltet hat. Die Methodik ist nicht unumstritten und erfasst keine Nutzung von Mediatheken.

Diese täglich erhobenen Einschaltquoten sind entscheidend dafür, welchen Preis Werbetreibende an die TV-Sender zahlen müssen, um ihre Werbespots laufen lassen zu dürfen. Indirekt wird so auch entschieden, welche Sendung überhaupt auf dem TV-Sender gezeigt wird. Je höher die Einschaltqoute, umso attraktiver und teurer ist der Platz für die Werbespots. Falls die Einschaltquote einer Sendung zu niedrig ist, werden immer wieder Sendungen abgesetzt oder bekommen einen neuen Sendeplatz. Den aktuellen Rekord für die höchste bisher gemessene Zuschauerzahl hält die ARD mit dem Fußball-WM-Finale 2014 zwischen Deutschland und Argentinien. Ohne die Zuschauer beim Public Viewing und in Restaurants und Kneipen zählte man 34,65 Millionen Menschen, die das Endspiel verfolgt hatten.

Ebenfalls lesenswert: Channels bei Amazon Fire TV und Roku: Ungefragte Zuschauer erhalten zig Daten [Update]

Fakten zur Kategorisierung von Netflix:

  • Um den Erfolg einer Serie oder eines Films messbar zu machen, teilt das Streaming-Dienst Netflix seine Nutzer in die drei Gruppen Starter, Watchers und Completers ein. Die ermittelten Zuschauerzahlen erhalten dann die jeweiligen Produzenten der Inhalte. So geht der amerikanische Anbieter Netflix zumindest in Großbritannien damit um.
  • Für die Kategorisierung werden die ersten 7 sowie 28 Tage nach der Veröffentlichung einer neuen Serienstaffel oder eines neuen Films analysiert. Welcher Gruppe man angehört liegt an der Dauer des Zusehens des jeweiligen Inhalts.
  • Beim klassischen, linearen TV hingegen werden seit Jahren die Einschaltquoten ermittelt, die dann letztendlich entscheidend sind welche Serien und Filme gezeigt werden.

Quellen: AGF, Britisches Parlament, Golem

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    • Kommentare (6)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Perry Software-Overclocker(in)
        Ich frage mich in welcher Kategorie ich bin, ich fange vieles parallel an und schaue über Monate parallel mehrere Dinge, weil ich vom selben Content auf dauer gelangweilt bin.
        Dann kann es passieren, das man für einen Film Wochen braucht um ihn zu ende zu schauen.
      • Von Perry Software-Overclocker(in)
        Ich frage mich in welcher Kategorie ich bin, ich fange vieles parallel an und schaue über Monate parallel mehrere Dinge, weil ich vom selben Content auf dauer gelangweilt bin.
        Dann kann es passieren, das man für einen Film Wochen braucht um ihn zu ende zu schauen.
      • Von Lexx Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von Firefox83
        fehlt noch die vierte Kategorie: "schläft vor der Glotze ein"
        Mein Hauptgrund für Fernsehkonsum.

        Ok, ich selektiere manchmal doch irgendwelche Dokus und Serien raus,
        die ich mir dann gezielt ansehe.
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Ein Problem bei den Streaming-Anbietern einschließlich der TV-over-IP-Angebiete ist auch der Anbieter-exklusive Zugriff: Natürlich könn(t)en Telekom, Vodafone, Amazon, Netflix & Co sekundengenau überwachen, wer was wann guckt und welche Interaktionen er dabei vornimmt. Die Werbekunden wollen aber keine Eigenangaben vom Verbreiter, sondern objektive Zahlen eines unabhängigen Dritten. Könnte ja jeder behaupten, dass er Milliarden zahlungskräftige Zuschauer hat. Aufgrund der geschlossenen Systeme ist es für Konsumforscher gar nicht möglich, das geschaute Programm zu erfassen. Die Receiver sind black boxen und am Ende kommt ein (kopiergeschützter) HDMI-Stream raus. Den müsste man vom Fernseher abfilmen und nach Sendermerkmalen durchforsten, um das Zuschauerverhalten zu analysieren. Und selbst dann weiß man noch nicht, ob es Live-TV, eine Aufnahme, eine Mediathek oder ein Youtube-Upload ist, der wiedergegeben wird.
      • Von PCGH_Claus Freizeitschrauber(in)
        Zitat von woerli
        Das machen die immer noch so? Ich dachte eigentlich, seit dem digitalen Fernsehen und Fernsehstreaming (Telekom Magente und Co.) würde das für jeden Haushalt erfasst. Technisch bestimmt machbar, auch wenn man dann noch nicht sieht, wer die Sendung im Haushalt anschaut. Aber selbst die Haushalte nach Zielgruppen zu kategorisieren sollte heute mit Statistic und Datensammelwut eigtl. kein Problem mehr sein..hmm.
        Ja, das Verfahren wird immer noch genauso mit speziellen Receivern durchgeführt. Um zu ermitteln, welche Person im Haushalt gerade TV sieht, muss die Person eine Taste mit "ihrer Nummer" drücken. So wird festgestellt, welche Alterszielgruppe eine Sendung hat. Im Vorfeld müssen die ausgewählten Haushalte natürlich die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen angeben inklusive Alter und Geschlecht. Die "Gesellschaft für Konsumforschung" hat in Deutschland noch keine Lösung, wie man Streaming-Plattformen messbar machen kann.
        Siehe: AGF Videoforschung - FERNSEHPANEL

        All diese Daten wie "was sie gesehen haben" oder "Kunden kauften auch..." besitzen nur die jeweiligen Webseiten-Eigentümer sowie ausgewählte Marketingnetzwerke (manche davon gehören Amazon, Apple, Google, Facebook). Diese verkaufen die gesammelten Daten an Werbekunden. Letztendlich spielen dann die Werbekunden möglichst "passgenaue" Werbung auf Webseiten, in Apps usw. aus oder können auch mal den Nutzer mit Werbeanrufen / E-Mails "informieren". Nur geht das komplett an den "klassischen TV-Sendern" vorbei. Diese sehen von diesen erwähnten Daten rein gar nichts, zumindest nicht im linearen TV über einen Receiver. Erst, wenn man Mediatheken der linearen TV-Sender (ARD, ZDF, ProSieben, RTL etc.) aufruft, können die Sender selbst Daten erheben. Diese werden aber kaum veröffentlicht oder gar gesammelt gemeldet wie bei den "Einschaltquoten" üblich.

        Um Webseiten zu erfassen, gibt es andere Tools. Hier wird besonders Google genutzt. Das hat dann allerdings rein gar nichts mit Mediatheken zu tun, sondern betrifft einzelne Webseiten. Auch dazu gibt es zwar Erhebungen, allerdings werden bspw. nur Nachrichten-Webseiten erfasst, ohne jedoch Google News oder Facebook einzubeziehen.
      • Von Firefox83 Freizeitschrauber(in)
        fehlt noch die vierte Kategorie: "schläft vor der Glotze ein"
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