Designer erklärt sich: Darum sahen Klingonen in Star Trek: Discovery so anders aus
Die Klingonen sahen in Star Trek: Discovery komplett anders aus. Nun erklärt sich Neville Page, seines Zeichens Creature Designer.
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Star Trek: Discovery ist laut Bewertungsportal Rotten Tomatoes die bei Zuschauern unbeliebteste Star-Trek-Serie. Das heißt nicht, dass sie keine Fans hat, aber es gibt offenkundig bessere Science-Fiction-Kost, nicht zuletzt das darauf aufbauende Strange New Worlds. Wiederum als Tiefpunkt ging das erst im Januar gelaunchte Discovery-Spin-off Sektion 31 in die Star-Trek-Geschichte ein. Kein Film der Reihe wurde schlechter bewertet.
Manche nahmen an Discovery bis zum Schluss Anstoß. Oft ging es um die Qualität der Drehbücher und die Wankelmütigkeit der Hauptfigur. Vielfach waren es auch Kanonbrüche, an denen sich die Gemüter erhitzten. Tatsächlich erinnert nur wenig an die ein Jahrzehnt später stattfindende Originalserie. Mit Technologien wie dem Sporenantrieb und Raumanzügen, die Zeitsprünge und Besuche in den Delta-Quadranten per Fingerschnippen erlauben, ist die Föderation technisch weiter als in Deep Space Nine und Voyager.
Fast so plötzlich, wie die Klingonen zu Echsen wurden, waren sie es nicht mehr
Quelle: CBS
In Discovery sind die Klingonen kaum wiederzuerkennen
Aufseiten der Aliens gelten die Klingonen als größter Aufreger. Hatten sich die Produzenten der Prequel-Serie Enterprise noch eine In-Universe-Erklärung für das abweichende Aussehen in den 2260er-Jahren erdacht, wurde die Spezies in Discovery zu Wesen mit Klauen, vier Nasenlöchern, überdimensionalen Hinterköpfen, zwei Geschlechtsteilen und lispelnder Aussprache. Manche nennen sie abschätzig "Space Orcs", andere erinnern die umgestalteten Klingonen an Echsenwesen. Das Schiffsdesign änderte sich nicht minder radikal, als würde es aus Lexx: The Dark Zone stammen.
In Staffel 2 zeigte man die Klingonen plötzlich wieder mit Haaren, das generische Schiffsmodell, das man zunächst als D7 aus dem Hut gezogen hatte, wurde ge"retcon"t. In Strange New Worlds ließ man komplett von den umgestalteten Klingonen ab, obwohl Pike ihnen in Discovery Staffel 2 noch begegnet war. Star Trek: Picard ignorierte die Discovery-Klingonen, indem man Worf nur gealtert, aber nicht als Teil einer anderen Spezies darstellte. Auch in Lower Decks und Prodigy spielte das Redesign (mit einer Ausnahme) keine Rolle.
Designer aus Discovery erklärt sich
Laut Neville Page, der als Creature Designer das neue Aussehen der Discovery mitverantwortete, muss man sich den Designprozess der Klingonen wie eine Küche voller Köche vorstellen, in der keiner den anderen fragt, ob er die Brühe gesalzen hat. Das Ende vom Lied sei eine salzige Klingonenbrühe [mit offenbar zu vielen Ideen, die übers Ziel hinausschießen]. Hierzulande würde man von zu vielen Köchen sprechen, die den Brei verderben.
Um das Risiko, das damit einhergeht, Änderungen an einem tief in einer Fangemeinde verwurzelten Kanon vorzunehmen, habe man gewusst, so der Designer gegenüber Trekmovie. Page veranschaulicht das Ganze am Beispiel von Fabio. Ältere Leser kennen ihn als männliches Model, das in den 90er-Jahren die Titelseiten diverser Liebesromane zierte. "Stellen Sie sich also vor, alle Welt weiß, wer Fabio ist, und Neville und Bryan Fuller schalten sich ein, und wir führen ein Gespräch. Wir wollen etwas Verrücktes mit Fabio machen, aber wir werden Fabios Aussehen, seinen Knochenbau nicht verändern. Wir werden nur seine Augenbrauen und seinen Kopf rasieren. Fabio ohne Haare ist also nicht mehr Fabio."
Idee war, dass die Haare Details bisher verdeckten
Quelle: CBS
Das Fehlen der Haare allein erklärt nicht alle Abweichungen.
Für die Kritik, die nach den ersten Folgen aufbrandete, habe Page Verständnis. Allerdings sagt der Designer auch: "Aber das [fremd wirkende Aussehen] lag vor allem daran, dass sie kahl waren. Als ich die Haare über das vorhandene Make-up legte und ihnen die dicken Augenbrauen und ihnen teils Variationen des 'Fu Manchu' verpasste, waren sie sofort klingonisch." Er habe eigentlich nur die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und sich gedacht: "Wäre es nicht interessant, wenn sich diese Kämme den ganzen Hinterkopf hinunter fortsetzen würden? Wir kennen die Form ihres Kopfes eigentlich nicht. Wir wissen eigentlich nicht, wie ihre Ohren aussehen ..."
Unserer Meinung nach ist diese Einschätzung unzutreffend. In der ersten Discovery-Staffel hatten die Klingonen teils so ausladende Hinterköpfe, dass sie eine buschige Mähne allein nicht verdecken würden. Ein solcher Hinterkopf hätte es Worf zum Beispiel verunmöglicht, sich auf den Rücken zu legen. Den (fast) kahlköpfigen Chang muss man als Vergleich nicht mal bemühen. Auch die Nasen- oder Mundpartie der Discovery-Klingonen lässt sich nicht durch das Weglassen von Bärten erklären. Es gab in Discovery sogar blaue und lilafarbene Klingonen.
"Und so gab es einige Dinge, die einfach reine kreative Freiheit waren, weil sie nicht definiert waren, und dann das Entfernen der Haare, nachdem ich schon in J.J.s Filmen haarlose Klingonen gemacht hatte." Die Fanreaktionen dieses ersten Redesigns hatte man laut Page bereits hinter sich.
Der damalige Showrunner Bryan Fuller habe festgelegt, dass sie erneut kahle Klingonen machen. Von da an nahm alles seinen Lauf. Jeder habe Salz beigegeben und als er das Ergebnis dann durch die Kamera sah, habe Page schon vor der offiziellen Ausstrahlung gedacht: "Wir müssen anfangen, zurückzurudern. Wir werden schon im Laufe der Staffel die ersten Formen ändern müssen, sie wieder näher an den Kopf bringen." Dass man die Haare eines Tages zurückbringen wird, stand offenbar schon fest.
Später sei man darauf bedacht gewesen, sich bei bekannten Aliens nicht zu weit von der Vorlage zu entfernen. Als Beispiel nennt der Designer gegenüber Trekmovie die Ferengi, die nach dem Zeitsprung der Discovery ins 32. Jahrhundert als Teil der Sternenflotte wieder auftauchen.
Lower Decks schiebt Discovery-Klingonen ins Paralleluniversum
Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass längst nicht alle Zuschauer die neuen Klingonen problematisch finden. Das Design der beliebten Aliens hatte sich tatsächlich schon mehrfach geändert. Schon in den Kinofilmen wurden sie anders als in der Originalserie dargestellt. Danach änderte man das Äußere immer nur dezent, zwischen TNG, DS9, Voyager und Enterprise gar nicht mehr.
Lower Decks griff das umstrittene Design vor einigen Monaten in seinem Serienfinale auf. Dort zeigt man die Discovery-Klingonen als Teil eines Paralleluniversums. Manche sehen es daher als belegt an, dass Discovery nicht im Hauptuniversum spielt. Andere bewerten die Szene als reines Easter Egg. Sie geben zu bedenken, dass die Existenz des Aussehens in einem anderen Universum es im eigenen nicht automatisch ausschließt. Wir glauben zwar nicht daran, aber vielleicht liefert Strange New Worlds noch eine Erklärung nach. Die dritte Staffel erscheint ab dem 17. Juli bei Paramount Plus.

Und dann kommen ja noch gerne Manager ala Disney dazu die das ganze dann Weichspülen müssen damit es möglichst allen gefällt und einfach nicht verstehen das viele dinge grade wegen den ecken und Kanten beliebt sind.
Ok, Strange New Worlds würde ich eine Chance geben.
Klingonen müssen so aussehen wie bei TNG, und nicht anders. Alles andere sind keine Klingonen, so wie auch Discovery und alles andere nach TNG kein Star Trek ist. Mir tut es nur um Picard leid.