Corsair MP700 Pro im Test: Eine der schnellsten SSDs
Es war die MP700 ohne Pro, also der direkte Vorgänger, welche mit dem Makel auf dem Markt kam, ohne Kühler nicht mehr zu funktionieren. Nun galt das für alle PCI-E-5.0-SSDs mit dem Phison-E26-Controller. Corsair hat jetzt mit der MP700 Pro aber nicht nur die Firmware aktualisiert, sondern bietet auch ein Modell mit mehr Leistung. Nervt der Lüfter noch immer? Wurden alle Bugs beseitigt? Lohnt sich endlich 5.0? All das und mehr klären wir im Test.
In diesem Artikel
Seit einem Jahr ist nun die AM5-Plattform auf dem Markt, mit dem M.2-Slot, die PCI Express 5.0 auch für SSDs bietet. Kam mit PCI Express 4.0 2019 noch zeitgleich die erste SSD auf dem Markt. Ließen die passend schnellen NVME-SSDs mit 5.0-Schnittstelle auf sich warten. Zum Ryzen-7000-Start hieß es noch "Ende November", bis die erste 5.0-SSD erhältlich sein soll. Aber das hielt jeder seriöse Journalist für unrealistisch. Gerade, weil die Präsentation des Prototyps auf einem AM5-Board auf dem AMD-Event wegen unzureichender Kühlung versagte. Der anwesende Phison-Vertreter konnte einem nur leidtun. Mittlerweile aber nicht mehr, denn es kamen die Modelle mit genau diesem Manko auf dem Markt. Und das, obwohl aus "Ende November" 2022 "Anfang März" 2023 wurde, wie wir jetzt wissen.
Absturzprobleme der PCI-E-5.0-SSDs mit Phison E26
Es war eine Gigabyte Aorus Gen5 10000 SSD, welche sich als erste 5.0-SSD zeigte und nur mit angezogener Handbremse in der Leistung und massiver Kühlung eines fast schon witzig großen Tower-Kühlers für die M.2-2280-Platine gebändigt werden konnte. Schon damals vor einem halben Jahr stellten wir im Test fest, dass die SSD ganz ohne Kühlung nach einer Leistungsspitze im Zugriff nicht mehr ansprechbar war. Es war kurze Zeit später eine Corsair MP700, also ein hardwareseitig gleiches Modell, aber vom anderen Hersteller, welche mit dem "Temperatur-Gate" durch die Medien ging. Das bedeutet, dass sie ungekühlt schlicht abstürzt und als System-SSD eben das ganze Betriebssystem mit.
Aber nach wie vor gilt: Eine passive Kühlung eines kleinen, PS5-kompatiblen Heatsinks reicht schon aus, dieses Problem zu umgehen. Jeder Hersteller weist darauf hin, dass das nötig sei. Das haben wir auch in den Tests zu PCI-E-4.0-SSDs stets festgestellt, dass ein Kühler an sich die Leistung nicht tangiert - also die SSD zwar ohne Kühler wärmer wird, aber ungekühlt genauso schnell ist. Das gilt für die 5.0-SSDs nicht mehr. Die hier verwendeten Mini-Lüfter hätte es aber nicht gebraucht - ja, auch nicht bei der MP700 Pro, wie wir später noch feststellen werden. Dazu haben wir die SSD jeweils mit Temperatursensor näher angeschaut und den Testparcours mit passiver, aktiver und ohne Kühlung durchlaufen lassen.
Ausstattung der Corsair MP700 Pro
Wie schon erwähnt, ist die Corsair MP700 Pro nach wie vor hardwareseitig identisch mit der Vorgängerin MP700 und allen anderen NVME-SSDs mit PCI Express 5.0 auf dem Markt - abgesehen von der kühlerseitigen Ausstattung natürlich. Das Herzstück der Platine ist noch immer ein Phison E26, welcher nun aber mit neuer Firmware nicht nur nicht mehr bei zu hoher Leistungsaufnahme abstürzt, sondern die Transferleistung ab einer Temperaturgrenze entsprechend drosselt, so wie es jede NVME-SSD bislang vornimmt. Davon abgesehen bestätigt Corsair, dass der Controller den Flash nun mit einer höheren Geschwindigkeit ansprechen kann, was das Leistungsplus der ganzen SSD erklärt, also die maximalen 10 GB/s auf bis zu 12 GB/s aufbohrt. Was genau diese 20-prozentige Steigerung der Spitzenleistung für die Alltagsleistung bedeutet, darauf gehen wir im Abschnitt der Leistung ein.
| Corsair MP700 Pro: Herstellerangaben | ||
|---|---|---|
| Kapazität | 1 TB | 2 TB |
| Artikelnummer | CSSD-Fl000GBMP700PNH CSSD-Fl000GBMP700PRO | CSSD-F2000GBMP700PNH CSSD-F2000GBMP700PRO CSSD-F2000GBMP700PHX |
| Formfaktor | M.2 2280 | M.2 2280 |
| Schnittstelle | NVMe PCIe Gen5 x4 | NVMe PCIe Gen5 x4 |
| Controller | Phison PS5026-E26 | Phison PS5026-E26 |
| NAND | 3D TLC, 232 Lagen, Micron B58R FortisFlash | 3D TLC, 232 Lagen, Micron B58R FortisFlash |
| DRAM-Cache-Größe | 2.096 MB | 4.096 MB |
| NAND-Cache-Größe | Dynamisches SLC | Dynamisches SLC |
| Verschlüsselung | AES 256-Bit | AES 256-Bit |
| TBW-Garantiegrenze | 700 TB | 1.400 TB |
| MTBF | 1.600.000 Stunden | 1.600.000 Stunden |
| Dev Sleep-Leistung | PS4 < 85 mW | PS4 < 85 mW |
| Durchschn. aktive Leistungsaufname | 11,0 W | 11,5 W |
| Sequentielles Lesen | Bis zu 11.200 MB/s | Bis zu 12.400 MB/s |
| Sequentielles Schreiben | Bis zu 9.600 MB/s | Bis zu 11.800 MB/s |
| 4KB Zufallslesen | Bis zu 1.400K IOPS | Bis zu 1.500K IOPS |
| 4KB Zufallsschreiben | Bis zu 1.500K IOPS | Bis zu 1.600K IOPS |
| UVP MP700 Pro ohne Kühler | € 194,99 | € 319,99 |
| UVP MP700 Pro mit Kühler | € 204,99 | € 339,99 |
| UVP MP700 Pro Hydro X Series | - | € 339,99 |
Nach einem Jahr PCI Express 5.0 ist der Phison E26 noch immer der einzige SSD-Controller für die PCI-Express-5.0-Schnittstelle auf dem Markt. Nun wird die zweite Generation an SSD-Modellen mit PCI Express 5.0 auch nicht unbedingt die letzte sein, bei der ein E26 zum Einsatz kommen könnte. Denn er soll laut Phison das Schnittstellenlimit von 16 GB/s brutto per se ausreizen können. Dass allein ein neuer, effizienterer Flash einer ganzen SSD einen messbaren Boost geben kann - das hatte schon damals die Corsair MP600 Pro XT bewiesen, als sie lediglich mit neuem Flash die MP600 Pro ohne XT ablöste.
Die MP700 Pro aber verwendet den gleichen NAND-Flash wie die MP700 und alle anderen 5.0-SSDs mit dem E26 - und zwar den aktuellen 3D TLC von Micron mit 232 vertikalen Lagen, der unter der Bezeichnung "B58R Fortis Flash" firmiert. Mittlerweile wird er nicht nur in den mäßig abverkaufen 5.0-SSDs verwendet, sondern auch in neueren 4.0-Modellen, wie etwa einer Crucial T500.
Die MP700 Pro gibt es in vielerlei Varianten: in zwei Kapazitäten,1 TB und 2 TB sowie mit Kühler und Lüfter, mit Wakü-Anschlüssen wie schon bei der MP600 Pro XT und ganz ohne Kühler.
Wir haben die Variante mit dem vormontierten Kühler und Lüfter getestet. Der Lüfter holt sich Strom von einem SATA-Anschluss am Netzteil. Im Gegensatz zum Vorgänger oder erst recht zum Konkurrenten Adata Legend 970 läuft der Lüfter flüsterleise, der innerhalb eines Gehäuses nicht hörbar sein dürfte. Während bei einer Legend 970 auch die Garantie flöten geht, wenn man den Kühler von der SSD entfernt, bleibt sie bei der MP700 Pro erhalten. Lediglich physische Beschädigung der SSD selbst lassen die Garantie ungültig werden. Corsair weist auch darauf hin, dass das Label nicht entfernt werden muss/sollte, da es wärmeleitend sei.
Leistung: Wohl knapp die schnellste SSD im Jahr 2023
Die Corsair T700 Pro erklimmt den Thron der schnellsten NVME-SSD unter den Consumer-Modellen. Dabei übertrumpft sie fast immer auch die gleiche Crucial T700. Die Gigabyte Aorus Gen 5 12.000 ist ebenso bereits auf dem Markt, nur haben wir sie noch nicht getestet, aber sie dürfte sich genauso dort oben auf dem Treppchen tummeln. An sich sind die Unterschiede aller identischen SSDs mit Phison E26 und aktuellem Firmware-Update homöopathisch gering, sodass ein Käufer hier nur nach optischen Vorlieben und dem Preis gehen kann.
Nun zeigen die Balken aber auch, dass die Unterschiede zur aktuell noch deutlich preiswerten PCI-Express-4.0-Klasse nicht spürbar ist. Gerade in den für Spieler entscheidenden Ladezeiten gibt es praktisch keine gesparte Lebenszeit. Ja, Corsair führt die synthetischen Tests deutlich an, allen voran den 3DMark Storage in allen Einzelergebnissen. Nur hat der Anwender in der Praxis gegenüber 4.0-SSDs dadurch keinen spürbaren Geschwindigkeitsvorteil, sodass dieser bei beiden Schnittstellen in keinem anwendungsrelevanten Szenario auffallen dürfte.

Das sind potentiell viel mehr Leute als die, die Ahnung haben.
Ich selbst habe mir mal im Sommer eine Crucial T700/ 1TB zugelegt, weil mein Urlaubsgeld für 4 Wochen Sizilien nicht gereicht hat. Ich war überdies leicht erregt und interessiert an PCIe 5.0. Das Ding ist quasi eine Unverschämtheit, weil die Karte ohne zusätzliche Kühlung de facto dysfunktional ist. Das wusste ich allerdings schon vorher. Also habe ich mich des massiven M.2 Kühlers des Z790 Aorus Master Boards bedient. Damit geht es.
Wer die technischen Spezifikationen von PCIe M.2 NVME SSD`s nicht kennt, dem ist zwingend von einem solchen Laufwerk abzuraten, weil ein PC im hohen Lastbereich nicht mehr funktioniert. PCIe 4.0 ist völlig ausreichend und PCIe 5.0 braucht noch einige Entwicklungsschritte. Im Grunde sind diese Laufwerke mit diesen Controllern und die softwareseitige Implementierung Ausdruck des allgemeinen Bildungsschwunds. Hier wird schlicht Müll verkauft. Und weil auf der Konsumentenseite auch Idioten zur Abnahme von Alpha Produkten bereitstehen, lässt sich dieser Müll auch widerspruchslos verkaufen.
Ob die Mainboard Kühlung an sich reicht, weiß ich nicht. Müsste eigentlich. Aber dann muß man den Kühler der SSD entfernen.
Danke für den Test. Schnell sind sie ja, im Alltag merkt man sicher wenig davon. Was mich vorallem stört ist die Leistungsaufnahme. Unter Last könnte ich noch drüber hinweg sehen, aber im Idle ? Da sollte jeder auf die nächste Controller Gen warten, bzw mehr Konkurenz.
Mit der MP700Pro erreiche ich gegenüber einer Crucial T500 eine 30% höhere Datenübertragung beim Laden von Battlefield.
Eine Frage dazu: Würde eine MP700 Pro auch mit einer PCIe 4.0 Anbindung Sinn machen? Oder ist der Leistungsverlust hier zu groß?