Corsair MP700 Pro im Test: Kühlung und Fazit
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SSD-Kühlung: Notwendig, aber noch immer überdimensioniert
Gerade, weil mit den ersten SSDs quasi unfertige Produkte auf den Markt kamen, die ohne unzureichende Kühlung schlicht abschalteten, statt zu drosseln, widmen wir uns bei der aktuellen 5.0-Generation an SSDs dem Thema der Temperatur umso mehr. Natürlich malträtieren wir die MP700 Pro deswegen umso stärker und prüfen, ob sie unter irgendeiner noch so synthetischen und realitätsfernen, aber intensiven Last den Dienst versagt. Ohne es unnötig spannend zu machen: Das ist nicht der Fall und neben der geringen Leistungssteigerung auch Sinn des Firmware-Upgrades des Phison E26. Nichts anderes haben wir hier erwartet. Die erste Generation der SSDs mit unfertiger Controller-Firmware auf dem Markt zu bringen, war schließlich unverschämt genug. Und dass es mehrere Hersteller taten, macht es an sich auch nicht besser.
Schon bei unserem ersten Test einer 5.0-SSD haben wir festgestellt, dass die Kühllösung extrem überdimensioniert und einfach nur unnötig unpraktisch ist. Ob das für die MP700 Pro gilt, haben wir erneut getestet und jede Variante der SSD durch unseren Parcours laufen lassen. Also eben wie vorgesehen mit angeschlossenem Lüfter, ohne aktiven Lüfter, aber montiertem Kühler und quasi "nackt" ohne Kühler oder Lüfter - also in der Variante, in welcher die Vorgänger-Modelle mit Phison E26 ihren Dienst versagten.
Dabei haben wir uns mittels Temperatursensor die Hitzeentwicklung angesehen. Während PCI-E-4.0-Modelle im eingeschaltetem, aber passivem Zustand fast kein Strom brauchen und daher auch kaum Hitze entwickeln, wird der Phison E26 auf der SSD selbst ohne Lese- oder Schreibzugriffe gut warm. Nun haben wir nicht den Stromverbrauch gemessen, aber eingeschaltet passiv sollen die SSDs mit dem E26 nur circa drei Watt verbrauchen. Ungekühlt reicht das aus, den Controller auf gut 68 Grad zu erwärmen.
Mit montiertem Lüfter haben wir den Sensor auf der Rückseite der Platine genau hinter dem Controller platziert, sodass nicht behauptet werden kann, der Sensor selbst isoliere die Kühlung, wenn er zwischen Controller und Wärmeleitpad oder dem Metall sitzen würde. Nun geht es uns auch nicht unbedingt um den genauesten absoluten Temperaturwert, sondern lediglich um einen ersten Einblick in die Hitzeentwicklung der SSD selbst. Denn an sich ist klar, dass die SSD unter Last ungekühlt heiß wird und mit Kühler eben - na ja - kühl. Zumindest so kühl, dass die Leistung nicht beeinträchtigt wird und die SSD nicht drosselt.
Ohne Lüfter, passiv gekühlt, liefert die MP700 Pro die gleiche Leistung.
An sich sparen wir uns hier Details, wie sehr die Leistung ungekühlt tatsächlich einbricht. Denn so sollte sie nach wie vor nicht verwendet werden. Fakt ist: Die MP700 Pro funktioniert an sich auch ungekühlt, stürzt also nicht ab, wie ihre Vorgänger, arbeitet an sich aber auf bestenfalls mittelmäßigem 4.0-Leistungsniveau. Ein ungekühlter Einsatz ist zwar jetzt möglich, aber eben nicht ratsam. Das wäre so, als wäre man mit einem Ferrari ausschließlich in der 30er-Zone unterwegs.
| Temperaturen | ohne Zugriff (idle) | Lesen und Schreiben (load) | Leistungseinbußen |
|---|---|---|---|
| Aktiv gekühlt mit Lüfter | 30 °C | 39 °C | nein |
| Passiv gekühlt ohne Lüfter | 40 °C | 58 °C | nein |
| Ungekühlt ohne Kühler und Lüfter | 68 °C | 82 °C (Controller: 99 °C) | ja |
| (Die Last wurde mit dem PCGH-Kopiertest erzeugt (Copy 140 GB), Raumtemperatur war 25 Grad Celsius laut zweitem Sensor) |
Interessant ist aber auch, dass die passive Kühlung hier absolut ausgereicht hätte, denn in keinem unserer Tests erzielte die SSD andere Ergebnisse ohne ihren Lüfter. Diese Information ist insofern praxisrelevant, da ein kleiner fiepender Lüfter für manche doch lästig sein kann. Auch ist damit bestätigt, dass die SSD als kühlerlose Variante einwandfrei funktioniert, wenn sie etwa unter einem passiven Kühlblock eines Mainboards arbeitet. Alle AM5-Mainboards mit PCI Express 5.0 am M.2-Slot bringen bereits eigene (passive) Kühllösungen mit, die an sich genauso gut ausreichen wie die Varianten der Hersteller. Wenn schon der mickrige Lüfter auf dem Kühlkörper der SSD an sich überdimensioniert, also nicht notwendig ist, dann ist es die SSD-Variante mit Anschlüssen an den Wasserkühlungskreislauf erst recht. Aber nicht alles, was es an Hardware zu kaufen gibt, muss Sinn ergeben, wir haben durchaus Verständnis für solche Spielereien.
Fazit: So hätte PCI Express 5.0 zum Launch sein sollen
Warum nicht gleich so, Corsair? Ja, die MP700 Pro ist zu ihrem Launch die aktuell schnellste Consumer-SSD auf dem Markt. Auf diesen Superlativ darf sich der Hersteller aber nichts darauf einbilden, denn mit der Vorgängerin hat auch Corsair ein Bananenprodukt auf den Markt gebracht, wie andere eben auch. Denn auch ohne der unverschämt fehlerhaften Firmware waren die Modelle einfach nicht gut: Das Leistungsplus der ersten 5.0-SSDs war relativ gering gegenüber dessen, was ausgereifte PCI-E-4.0-Modelle schon (an Maximum) aus der Schnittstelle gepresst haben. Davon abgesehen sind 2023 die Preise im Keller, was an sich gut für uns Konsumenten ist, aber eben unpraktisch für Hersteller, die ein neues und hoffnungslos überteuertes High-End-Modell auf den Markt bringen wollen.
Das halbe Jahr der PCI-Express-5.0-SSDs hat gezeigt, dass ein Player auf dem Markt nicht besser, sondern lediglich nicht schlechter als die Konkurrenz sein muss. Denn die Modelle waren zum Start alle gleich schlecht. Entsprechend knauserten die Hersteller mit ihren Testmustern für uns Medienschaffende oder vertrösteten uns auf später, also jetzt.
Denn genau jetzt, mit der Corsair MP700 Pro kommt neben der Crucial T700 ein Modell auf den Markt, so wie wir es uns zum AM5-Launch gewünscht hätten: Ein deutliches (messbares, nicht spürbares) Leistungsplus gegenüber PCI Express 4.0, an sich frei von Kinderkrankheiten und selbst mit Mini-Lüfter gut konzipiert. Denn der Lüfter selbst kühlt gut, ist kaum hörbar und eigentlich auch nicht nötig, aber immerhin optional dank SSD-Variante auch ohne Kühler auf dem Markt, was Sinn ergibt aufgrund der (absolut ausreichenden) Mainboard-Kühllösungen. Davon abgesehen erlischt die Garantie auch nicht, wenn man den Kühler von der SSD entfernt. Dieses No-Go haftet anderen Konkurrenten, wie der Adata Legend 970 an.
Die MP700 Pro ist zwar ein rundum gutes Produkt, sowohl in Ausstattung als auch in der Leistung deutlich besser geworden, aber der relativ (zu) hohe Preis bleibt. Noch immer sind hochklassige PCI-E-4.0-SSDs nahezu halb so teuer, wie etwa eine Corsair MP600 Pro XT, Samsung 990 Pro, WD Black SN850X und wie sie nicht alle heißen. Daher wird zum Winter 2023 das 5.0-Zeitalter noch immer nicht anbrechen, wenn das Preisniveau den 4.0-Mainstream zementiert. Aber immerhin sind mit den neuen 5.0-Modellen Fortschritte erkennbar, sodass das Zeitalter bald anbrechen könnte. Bis dahin bleiben sie eine Option für Kunden, denen das Preis-Leistungs-Verhältnis gänzlich egal ist.

Das sind potentiell viel mehr Leute als die, die Ahnung haben.
Ich selbst habe mir mal im Sommer eine Crucial T700/ 1TB zugelegt, weil mein Urlaubsgeld für 4 Wochen Sizilien nicht gereicht hat. Ich war überdies leicht erregt und interessiert an PCIe 5.0. Das Ding ist quasi eine Unverschämtheit, weil die Karte ohne zusätzliche Kühlung de facto dysfunktional ist. Das wusste ich allerdings schon vorher. Also habe ich mich des massiven M.2 Kühlers des Z790 Aorus Master Boards bedient. Damit geht es.
Wer die technischen Spezifikationen von PCIe M.2 NVME SSD`s nicht kennt, dem ist zwingend von einem solchen Laufwerk abzuraten, weil ein PC im hohen Lastbereich nicht mehr funktioniert. PCIe 4.0 ist völlig ausreichend und PCIe 5.0 braucht noch einige Entwicklungsschritte. Im Grunde sind diese Laufwerke mit diesen Controllern und die softwareseitige Implementierung Ausdruck des allgemeinen Bildungsschwunds. Hier wird schlicht Müll verkauft. Und weil auf der Konsumentenseite auch Idioten zur Abnahme von Alpha Produkten bereitstehen, lässt sich dieser Müll auch widerspruchslos verkaufen.
Ob die Mainboard Kühlung an sich reicht, weiß ich nicht. Müsste eigentlich. Aber dann muß man den Kühler der SSD entfernen.
Danke für den Test. Schnell sind sie ja, im Alltag merkt man sicher wenig davon. Was mich vorallem stört ist die Leistungsaufnahme. Unter Last könnte ich noch drüber hinweg sehen, aber im Idle ? Da sollte jeder auf die nächste Controller Gen warten, bzw mehr Konkurenz.
Mit der MP700Pro erreiche ich gegenüber einer Crucial T500 eine 30% höhere Datenübertragung beim Laden von Battlefield.
Eine Frage dazu: Würde eine MP700 Pro auch mit einer PCIe 4.0 Anbindung Sinn machen? Oder ist der Leistungsverlust hier zu groß?