AMD Ryzen 9 9900X3D mit 9600X3D-Simulation im Test: AMD hat noch Arbeit vor sich
Inzwischen ist der 12-Kerner Ryzen 9 9900X3D in den heiligen Hallen gelandet. Wir prüfen, wie gut man auf nur sechs 3D-V-Cache-Kernen spielen kann und was die CPU sonst noch so drauf hat. Wir nutzen zudem die Gelegenheit, einen "9600X3D" zu simulieren.
In diesem Artikel
Längst erschienen, doch bislang weitgehend unbeachtet ist AMDs Zwischenlösung Ryzen 9 9900X3D, welche sich zwischen dem für PC-Spieler optimalen Modell Ryzen 7 9800X3D und der aktuell schnellsten Desktop-CPU am Markt, Ryzen 9 9950X3D, quetscht. Doch ist da überhaupt noch Platz?
Wir bedanken uns herzlich bei AMD, die uns ein Sample des 12-Kerners Ryzen 9 9900X3D organisiert und so diesen Test ermöglicht hat. Wie üblich klopfen wir die Performance in Spielen und Anwendungen ab, prüfen die Effizienz und wollen Aufschluss darüber geben, wie gut es aktuell mit AMDs Lösung hinsichtlich des Core-Schedulings bestellt ist. Alle Messungen für diesen Artikel sind auf dem neuesten Stand, auch der zuletzt aktualisierte CPU-Testparcours findet vollständig Verwendung. AMD Ryzen 9 9900X3D ist ab sofort verfügbar. Die CPU erreichte uns in einer Tray-Verpackung. Es gab kein NDA oder andere Bedingungen.
Übersicht
Der 12-Kerner Ryzen 9 9900X3D ist eine CPU aus der Ryzen-9000-Serie mit Zen-5-Architektur. Die Kerne sind aufgeteilt auf zwei Core Complex Die (CCD), die jeweils einen Core Complex (CCX) mit sechs CPU-Kernen beinhalten. Das erste CCD enthält dabei den von Spieler begehrten 3D-V-Cache und kommt so auf insgesamt 96 MiB L3-Cache (64 MiB "3D"-Cache + 32 MiB L3-Cache). Das zweite CCD entspricht einem regulären Aufbau, der auch so bei anderen Ryzen-CPUs dieser Art zu finden ist, etwa dem Ryzen 9 9900X. Der Basistakt beträgt recht hohe 4,40 GHz und der maximale Boosttakt beläuft sich auf 5,50 GHz. Ryzen-typisch finden sich unter Last aber eher "krumme" Werte, wie 5.550 MHz.
| Modell | Ryzen 9 9950X3D | Ryzen 9 7950X3D | Ryzen 9 9900X3D | Ryzen 9 7900X3D | Ryzen 7 9800X3D | Ryzen 7 7800X3D | Ryzen 5 9600X3D (Simulation!) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Architektur | Zen 5 | Zen 4 | Zen 5 | Zen 4 | Zen 5 | Zen 4 | Zen 5 |
| Kerne | 16 | 16 | 12 | 12 | 8 | 8 | 6 |
| Threads | 32 | 32 | 24 | 24 | 16 | 16 | 12 |
| Basistakt | 4,3 GHz | 4,2 GHz | 4,4 GHz | 4,4 GHz | 4,7 GHz | 4,2 GHz | - |
| Boosttakt | 5,7 GHz | 5,7 GHz | 5,5 GHz | 5,6 GHz | 5,2 GHz | 5,0 GHz | 5,0 GHz |
| Level-3-Cache | 96 + 32 MiB | 96 + 32 MiB | 96 + 32 MiB | 96 + 32 MiB | 96 MiB | 96 MiB | 96 MiB |
| RAM | DDR5-5600 | DDR5-5200 | DDR5-5600 | DDR5-5200 | DDR5-5600 | DDR5-5200 | DDR5-5600 |
| TDP | 170 Watt | 120 Watt | 120 Watt | 120 Watt | 120 Watt | 120 Watt | 65 Watt |
Wie alle anderen Ryzen-9000-Prozessoren auch, unterstützt Ryzen 9 9900X3D DDR5-5600, ECC-Speicher, bietet 24 freie PCI-Express-5.0-Lanes und lässt sich Mainboards mit Sockel AM5 installieren, sofern das UEFI (AGESA) die CPU unterstützt. Auch ein 9900X3D ist laut AMD zum Übertakten freigegeben und setzt auf den 3D-V-Cache der 2. Generation. Die TDP beträgt mit 120 Watt den Werten des Vorgängers, nur das Topmodell darf hier mit 170 Watt aus dem Vollen schöpfen. AMD legt in der Boxed-Version dem 9900X3D keinen Kühler bei. Eine passende Empfehlung haben wir oben verlinkt.
Core Scheduling - immer noch ein Problem
Wer sich bereits auf den Kauf einer 3D-V-Cache-CPU mit zwei CCDs freut, sollte jetzt genau aufpassen. Denn es gibt ein bekanntes Phänomen, das bereits beim Launch des Ryzen 7 7800X3D für Gesprächsstoff sorgte: der sogenannte Core-Parking-Bug. Als AMD die Modelle Ryzen 9 7900X3D und 7950X3D auf den Markt brachte, stand das Unternehmen vor einer technischen Herausforderung, da nur ein Teil der CPU auf den 3D-V-Cache setzt. Damit Spiele von der größeren Cache-Menge profitieren, hat AMD beschlossen, die Last bevorzugt auf den CCD mit V-Cache zu legen. Um das automatisch zu steuern, wurde der Chipsatztreiber um den sogenannten PPM-Treiber (Platform Power Management) erweitert. Dieser erkennt mithilfe von Windows (Xbox Game Bar), ob ein "Spiel" ausgeführt wird oder nicht. Wird ein Spiel erkannt, parkt der Treiber automatisch die Kerne ohne 3D V-Cache. Geparkte Kerne werden von der Anwendung nicht angesprochen. So bleibt die Last dort, wo sie hingehört. Der Core Parking Bug hat das Parken von Kernen jedoch auch auf CPUs mit nur einem CCD angewandt, was nicht der Plan ist. Glücklicherweise konnte AMD dieses inzwischen lösen, hat im gleichen Atemzug jedoch dafür gesorgt, dass ein neues Feature Anwendung findet: Fortan sollen alle Ryzen-CPUs mit zwei CCD beim Spielen die Kerne im zweiten langsameren CCX parken.
Quelle: AMD
AMD Ryzen 9 9900X3D mit 9600X3D-Simulation im Test: AMD hat noch Arbeit vor sich (11)
Für den Test des Ryzen 9 9900X3D kommt der neueste Chipsatztreiber mit Version 7.02.13.148 zum Einsatz. Des Weiteren ist Windows 11 24H2 mit aktuellen Updates versehen, und die Xbox Game Bar verfügt über das neueste Update. So sind alle Erweiterungen, die für das Core Scheduling von Belang sind, auf dem neuesten Stand. Beim Spielen mit dem 9900X3D sollten nun alle Kerne des zweiten CCD geparkt werden. Oder?
Auf den Bildern haben wir jeweils das Overlay von CapFrameX eingeblendet. CPU 1 bis CPU 6 befinden sich im CCD mit 3D-V-Cache. CPU 7 bis CPU 12 sind jene Kerne ohne erweiterten Cache. Letztere sollen beim Spielen geparkt werden. Werden Kerne korrekt geparkt, fällt die Last auf allen Threads auf nahezu null Prozent zurück. Wir konnten lediglich in Anno 1800 und Star Wars Outlaws beobachten, dass das Core Scheduling korrekt funktioniert. Alle anderen Spiele im Test haben Last auf das zweite CCD gelegt. Das Problem: Fällt Last auf das zweite CCD ist die Performance nicht nur deshalb geringer, weil die Kerne auf den 3D-V-Cache verzichten, sondern weil Kern-zu-Kern-Latenzen zwischen den beiden CCDs zusätzlich zu einer Verlangsamung beitragen. Logischerweise haben Ryzen-CPUs mit nur einem CCD dieses Problem nicht (deshalb ist ein Ryzen 7 9800X3D in einigen Titel flotter als ein eigentlich leistungsfähigerer 9950X3D). Wir haben die Benchmarks nach bestem Wissen und Gewissen durchgeführt. Traten Probleme beim Core Scheduling auf, haben wir diese abgebildet. Es liegt an AMD, hier an Verbesserungen zu arbeiten, die wir gern in weiteren Tests abbilden.
Damit ist erst mal alles zum Ryzen 9 9900X3D gesagt. Auf den kommenden Seiten beschäftigen wir uns wie gewohnt umfangreich mit der Performance in 14 Spielen, diversen Anwendungen, kommen auf die Effizienz und Fps-pro-Watt-Leistung zu sprechen und vergeben im Fazit eine Wertung für den Ryzen-Prozessor.
Ich hoffe das die CPUs in den nächsten Monaten preiswerter und da durch attraktiver werden. Wenn ich mir die Preisentwicklung der letzten zwei Jahre der 7000er Reihe anschaue müsste da im Sommer was gehen.
Super, Dankeschön für den klasse Test
Würde das Teil 400 Euro kosten würd ich mir sogar einen holen. Dann wärs ein No Brainer.
Ich denke AMD wird den Preis noch anpassen, genau so hat man dies auch schon bei dem Vorgänger getan.