Ryzen 7 9700X im Linux-Test: Schneller und effizienter als unter Windows? [Update]

Nachdem der Ryzen 7 9700X und der Ryzen 5 9600X auf Basis der neuen Zen-5-Mikroarchitektur im ausführlichen Test von PCGH unter Windows 11 nicht ganz das halten konnten, was AMD zuvor versprochen hatte, muss sich die größere der beiden CPUs jetzt auch unter Linux beweisen.

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Ryzen 7 9700X im Linux-Test: Schneller und effizienter als unter Windows?
Quelle: AMD

Originalmeldung vom 11. August 2024:

"Insgesamt müssen wir sagen, dass wir etwas mehr erwartet haben (...)", so lautete das von unserem CPU-Fachredakteur David Ney verfasste und an dieser Stelle deutlich verkürzte Fazit zum Test der beiden ersten Desktop-Prozessoren, dem Ryzen 7 9700X und Ryzen 5 9600X, auf Basis der neuen Zen-5-Mikroarchitektur ("Nirvana"). Prompt wurden die Fragen nach Benchmarks unter Linux laut, denn rechnen AMDs neueste CPU-Aushängeschilder möglicherweise unter dem freien Betriebssystem schneller und effizienter?

Ryzen 7 9700X unter Linux

Um genau das herauszufinden, hat sich die PCGH-Redaktion den Ryzen 7 9700X noch einmal ganz genau in Spielen im CPU-Limit und Anwendungen unter Nobara Linux 40, der Referenz für das Gaming unter Linux, angesehen und das folgende AM5-Testsystem eingesetzt.

Das Testsystem

Noch vor der Installation von Nobara Linux 40 und Windows 11 24H2, das für die Vergleiche herangezogen wurde, erhielt das System ein BIOS mit der neueste AM5-Firmware, dem AGESA ComboAM5PI 1.2.0.0a Patch A.

  • AMD Ryzen 7 9700X
  • MSI MAG B650 Tomahawk WIFI
  • 48 GiB DDR5-6400 CL32-38-38-102
  • Asus Geforce RTX 4090 TUF Gaming OC
  • Corsair Force Series MP600 Elite 2 TiB
  • bequiet! Straight Power 12 850W
  • Microsoft Windows 11 24H2
  • Nobara Linux 40

Dank der neuesten SMU ("System Management Unit") für Ryzen 9000 ("Granite Ridge") in der Version 98.75.0 sollte jetzt alles angerichtet sein für einige Linux-Benchmarks und den Vergleichstests mit dem neuesten Windows 11 24H2, also lasst uns loslegen.

Unser Testkandidat

Der AMD Ryzen 7 9700X setzt auf acht Zen-5-Prozessorkerne, welche mit einem Basistakt von 3,8 GHz und einer maximalen Boost-Taktung von bis zu 5,5 GHz arbeiten, sowie 16 Threads bei einer TDP ("Thermal Design Power") von 65 Watt. Das wiederum resultiert so in einer vergleichsweise niedrigen PPT ("Package Power Tracking") von 88 Watt, welche in Anwendungen und Spielen unter Werkseinstellungen maximal anliegen sollen.

Ryzen 7 9700X Quelle: PCGH Optimierungen wie der volle Support von AVX-512, den AMD als "512-Bit AI Data Path" bezeichnet, und SMT ("Simultaneous Multithreading") mit der neuen Dual Decode Pipeline sollten auch unter Linux für mehr Leistung und Effizienz sorgen. Also schauen wir uns die Zen-5-CPU unter Nobara Linux 40 mit folgenden Softwarepaketen einmal genauer an.

Die Softwarepakete

Vor dem Start unserer Benchmark-Session wurden Nobara Linux 40 und die relevanten Softwarepakete über den Nobara Package Manager selbstverständlich aktualisiert und auf den neuesten stabilen Softwarestand gebracht.

  • Nobara Linux 40
    • Linux 6.8.12
    • Mesa 3D v24.1.5
    • Gstreamer v1.24.6.0
    • Proton GE Custom v9-11
    • Wine GE Custom v8-26
    • KDE Plasma v6.1.4
    • Nvidia v555.58
    • DXVK v2.4

Jetzt aber genug der Theorie und ran an den Ryzen 7 9700X unter Linux. Schauen wir uns gemeinsam an, in wiefern die Windows-Ergebnisse in Sachen Leistung und Effizienz mit dem freien Betriebssystem übertroffen werden können.

Linux-Benchmarks (Spiele)

Die nachfolgenden Anwendungs- und Spiele-Benchmarks sollen die potenziellen Leistungsunterschiede der Zen-5-Mikroarchitektur unter Linux und Windows aufzeigen, wenngleich diese selbstverständlich von System zu System abweichen können. Die Tests wurden dementsprechend im CPU-Limit durchgeführt, während ein GPU-Limit durch den Einsatz der Nvidia Geforce RTX 4090 ausgeschlossen werden konnte.

Cyberpunk 2077

Bereits im ersten Spiele-Benchmark wird in Cyberpunk 2077: Phantom Liberty mit maximalen Details und Pathtracing im Overdirve-Modus deutlich, dass der AMD Ryzen 7 9700X unter Windows 11 24H2 definitiv einen nicht unwesentlichen Teil der Leistung liegen lässt.

Wie bereits in unserem großen Benchmark-Marathon "Linux vs. Windows in Spielen", der auf einem Ryzen 5 5600X auf Basis der Zen-3-Architektur durchgeführt worden ist, spielt auch Zen 5 seine volle Leistung erst unter Linux aus und legt im Vergleich zu Windows 11 um durchschnittlich 6 Prozent bei den durchschnittlichen Fps, P1-Fps und P0.2-Fps zu.

Red Dead Redemption 2

Das Western-Rollenspiel Red Dead Redemption 2 von Rockstar Games läuft auf dem Ryzen 7 9700X unter Linux signifikant schneller als unter Windows. Ein Vorsprung von 12 bis 13 Prozent für das freie Betriebssystem sind außergewöhnlich.

Horizon Forbidden West

Auch das riesige Open-World-Action-Rollenspiel Horizon Forbidden West liegt dem freien Betriebssystem erfahrungsgemäß sehr gut und so kann das ausgezeichnete Machwerk von Guerilla Games, welches von Nixxes Software hervorragen auf den PC portiert wurde, auch auf dem Ryzen 7 9700X wieder unter Linux glänzen.

Die rund 9 Prozent, die der Ryzen 7 9700X unter Linux gegenüber Windows herausholen kann, könnten sich mit einem dedizierten und optimierten Gaming-Kernel möglicherweise sogar noch ausbauen lassen. Nobara Linux mit Proton GE Custom und weiteren Tweaks und Optimierungen scheint aber auch so eine äußerst performante Basis darzustellen.

Ghost of Tsushima

Auch in Ghost of Tsushima von Sucker Punch Productions, welches den Ryzen 7 9700X unter Windows 11 in etwa auf Augenhöhe mit dem Ryzen 7 7950X sieht, kann der Zen-5-Prozessor unter der auf Gaming optimierten Linux-Distributuion noch einmal ordentlich zulegen. Das Leistungsplus bei AVG-Fps, P1-Fps und P0.2-Fps durchschnittlich 7 bis 8 Prozent.

World of Warcraft

Wenngleich das MMORPG von Blizzard unter Linux nicht ganz so schnell läuft wie unter Windows, zeigen die Benchmarks doch, dass Ryzen 9000 ("Granite Ridge") auch in diesem Fall profitieren kann. Beim letzten Vergleichstest lag Windows durchschnittlich noch 4-5 Prozent in Front, jetzt sind es nur noch 1-2 Prozent, die Linux aufholen muss.

Linux-Benchmarks (Apps)

Nachdem der Ryzen 7 9700X in Spielen unter Linux sehr gut und aller Regel sogar besser abschneiden konnte als unter Windows 11 24H2, prüfen wir auch die Anwendungsleistung des auf der Zen-5-Architektur basierenden Desktop-Prozessors mit einigen Benchmarks.

Geekbench 6.3

Im Geekbench 6.3 kann der Ryzen 7 9700X unter Linux am Ende eine Punktzahl erzielen, die ganze 8 Prozent über der unter Windows 11 liegt. Gerade für einen rein synthetischen Anwendungs-Benchmark ist das wirklich eine richtige Hausnummer. Auch der Leistungsgewinn im Single-Core-Test kann sich sehen lassen.

Geekbench ML

Im Geekbench ML, einem plattformübergreifenden KI-Benchmark für CPUs, GPUs und Neuralprozessoren, sogenannte NPUs ("Neural Processing Units"), steigt die Leistung bei der Verarbeitung der ML-Workloads unter Linux um rund 5 Prozent.

HandBrake 1.8.2

Auch die Umwandlung eines Videos von 2160p60 ("H.264") in 2160p30 ("H.265") mit dem Open-Source-Video-Transcoder HandBrake v1.8.2 lässt sich unter Linux im Vergleich zu Windows deutlich beschleunigen.

7-Zip 24.07

Unter den Anwendungen tut sich insbesondere das freie Packprogramm 7-Zip hervor, welches auf einem Ryzen 7 9700X unter Linux rund zehn Prozent schneller arbeiten und deutlich mehr MIPS ("Million Instructions Per Second") erreicht als unter Windows 11.

Leistungsaufnahme

Im Hinblick auf die maximale und durchschnittliche Leistungsaufnahme in Spielen und Anwendungen verhält sich der Ryzen 7 9700X unter Linux und Windows beinahe identisch. Während die Zen-5-CPU unter Windows 11 durchschnittlich 80 bis 84 Watt aufnimmt, sind es unter Linux im Durchschnitt 79 bis 82 Watt. Durch die in unseren Benchmarks in aller Regel höhere Performance unter Linux, ist der Ryzen 7 9700X unter dem freien Betriebssystem allerdings eine ganze Ecke effizienter als unter dem Betriebssystem aus Redmond.

Fazit

Der Ryzen 7 9700X macht unter Linux sowohl in Spielen als auch in Anwendungen respektive synthetischen Benchmarks eine gute Figur und ist unter Nobara Linux 40 zumeist schneller unterwegs als unter Windows 11 24H2. Insgesamt betrachtet landet die Zen-5-CPU damit deutlich näher dort, wo man sie bereits vor den ersten Tests vermutet hätte. Für Spieler wiederum bleiben die Ryzen 7000X3D so aber weiterhin die erste Wahl und das ganz ungeachtet vom eingesetzten Betriebssystem.

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[UPDATE] Zen 4 im Vergleich

Aktualisierung vom 18. August 2024: Auf vielfachen Wunsch unserer Leser haben wir einen AMD Ryzen 7 7700X unter gleichen Rahmenbedingungen auf demselben Testsystem durch die insgesamt 9 Benchmarks geschickt, um zu sehen, wie sich Zen 4 im Vergleich verhält.

Auch mit dem Ryzen 7 7700X liegt Nobara Linux 40 im Durchschnitt vor Windows 11 24H2, der Vorsprung fällt aber deutlich geringer aus als zuvor mit dem Ryzen 7 9700X. Es scheint zumindest so, als hätte die neue Zen-5-Mikroarchitektur deutlich größere Probleme unter Windows als die Vorgängergeneration. Der Grund hierfür bleibt vorerst im Dunkeln.

Deutlich wird diese Annahme auch beispielsweise in Spielen wie Cyberpunk 2077, denn hier und in anderen Spiele-Benchmarks kann der Ryzen 7 7700X unter Nobara 40 sogar den Ryzen 7 9700X unter Windows 11 24H2 schlagen. Während der Ryzen 7 7700X im Durchschnitt nur 4 bis 5 Prozent unter Linux zulegen kann, legt der Ryzen 7 9700X hier 8 bis 9 Prozent zu.

Auch in Anwendungs-Benchmarks profitiert Zen 5 durchschnittlich deutlich stärker vom Umstieg auf Linux als Zen 4.

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    • Kommentare (66)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Contragen Komplett-PC-Aufrüster(in)
        Zitat von cunhell
        Der Nobara 40 Kernel sollte mittlerweile auf der version 6.10 sein.
        Ob der für die 9000er was ändert weiss ich allerdings nicht

        Cunhell
        Es macht einen Unterschied, habe in Manjaro den 6.11 RC5 aufgespielt und man merkt es an der ein oder anderen Stelle. Ich würde auch Arch oder Manjaro anstatt Nobara nehmen.
      • Von Contragen Komplett-PC-Aufrüster(in)
        Zitat von cunhell
        Der Nobara 40 Kernel sollte mittlerweile auf der version 6.10 sein.
        Ob der für die 9000er was ändert weiss ich allerdings nicht

        Cunhell
        Es macht einen Unterschied, habe in Manjaro den 6.11 RC5 aufgespielt und man merkt es an der ein oder anderen Stelle. Ich würde auch Arch oder Manjaro anstatt Nobara nehmen.
      • Von Baokaoka Schraubenverwechsler(in)
        Zitat von Schinken
        Warte warte warte. Heisst das, ixh kann alle Launcher oder Games die ich installiert hab einfach als Steam fremdes Spiel in die Bib einbinden und dann via Proton starten
        Schon klar, dass es so immer zu Problemchen kommen wird, aber prinzipiell hab ich das richtig verstanden?
        Kann man so machen, einfach den Installer als Non-Steam Game hinzufügen und installieren. Danach den Pfad von der Installer.exe zur Launcher.exe ändern.
      • Von Schinken BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von Baokaoka
        Der Bnet launcher läuft schon Jahre problemlos. Entweder installiert man den direkt in Steam als Non-Steam-Game oder via Lutris. Die Steam Variante hat bei mir noch nie zu Problemen geführt.
        Warte warte warte. Heisst das, ixh kann alle Launcher oder Games die ich installiert hab einfach als Steam fremdes Spiel in die Bib einbinden und dann via Proton starten
        Schon klar, dass es so immer zu Problemchen kommen wird, aber prinzipiell hab ich das richtig verstanden?
      • Von Tekkla Volt-Modder(in)
        Zitat von Registrierzwang
        ja Battle.Net ist da wesentlich einfacher
        Das ist nicht einfacher, das ist ein No-Brainer wie bei Windows!

        Von meinen vielen zockenden Freunden und Bekannten ist nur einer mit World of Tanks dabei. Der benutzt seinen PC aber eh nur wie eine Konsole. Diese nicht repräsentative Umfrage sagt also, dass es kein Killerkriterium sein kann, weswegen alle auf Freiheit bei der OS Nutzung verzichten sollten.
      • Von Registrierzwang Software-Overclocker(in)
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] ... ja Battle.Net ist da wesentlich einfacher als der Wargaming Game Launcher, den hast gar nicht erwähnt...
      Direkt zum Diskussionsende
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