Die Diskette wird 54: Eine Revolution feiert Geburtstag
IBM erhielt am 6. Juni 1972 das US-Patent für die Floppy Disk und begründete damit vier Jahrzehnte mobiler Datenspeicherung. Der erste Datenträger maß 8 Zoll, fasste aber weniger Daten als heute ein einziges Smartphone-Foto.
IBM hat sich vor 54 Jahren das Grundprinzip der Floppy Disk schützen lassen: Am 6. Juni 1972 erteilte das US-Patentamt das Patent US 3.668.658 für ein sogenanntes "Magnetic Record Disk Cover", also für eine rotierende magnetische Speicherscheibe in einer schützenden Hülle. Der erste Vertreter dieser Gattung maß ganze 8 Zoll im Durchmesser, war im Wortsinn biegsam und fasste rund 80 KiB - was wiederum umgerechnet mehr als 3.000 herkömmlichen Lochkarten entsprach. Eine Speicherrevolution war damit geboren und machte fortan Schule.
Wie langlebig die Idee einer Diskette und das Format dahinter sind, zeigte nicht zuletzt ein deutsches Projekt zur Rettung alter Datenträger, während beispielsweise die Verwaltung Japans erst 2024 von der Diskette Abschied nahm.
Vor 54 Jahren: Wie IBM die Floppy Disk patentierte
Das Patent von 1972 markiert das offizielle Geburtsdatum, die eigentliche Arbeit lag da längst hinter den Ingenieuren des US-Konzerns. In den Verkauf gegangen sind die allerersten 8-Zoll-Laufwerke bereits 1971 als IBM 23FD, zunächst nur lesend und als Ladehilfe für den Microcode der Großrechner der System/370-Familie. Anwender hantierten also schon Monate vor dem Patentdatum mit dem neuen Medium.
Project Minnow: IBMs Idee einer mobilen Datenscheibe
Die Entwicklung der Floppy Disk begann bereits 1967 im kalifornischen IBM-Labor in San José unter dem Projektnamen "Minnow". Das Entwicklerteam suchte einen Ersatz für Lochkarten und Magnetbänder und entwarf eine flexible, magnetisch beschichtete Mylar-Scheibe, die durch einen Schlitz ins Laufwerk wandert und auf einer Spindel rotiert. Das US-Unternehmen gab sich dabei eine harte Kostenvorgabe:
Das Gerät sollte unter 200 US-Dollar kosten, ein Datenträger weniger als fünf Dollar. Intern schrieb ein eigenes, "Mackerel" getauftes Gerät die Disketten, die der Konzern an seine Außenstellen verteilte. Die "IBM-Diskette" sollte ein großer Erfolg werden.
Quelle: IBM
IBM-Disketten im Wandel der Zeit: 8 Zoll, 5,25 Zoll und 3,5 Zoll im direkten Vergleich.
Auf dem Disketten-Patent US 3.668.658 stehen die Namen der IBM-Ingenieure Ralph Flores und Herbert Thompson, nicht der oft genannte Alan Shugart. Die beiden lösten das größte Problem der nackten Mylar-Scheibe, die rasch verschmutzte: eine schlanke Schutzhülle, die den Datenträger zugleich reinigte.
Quelle: IBM
IBM-Diskettenlaufwerke für Datenträger mit 8 Zoll, 5,25 Zoll und 3,5 Zoll.
Das zugehörige Diskettenlaufwerk wiederum geht auf ein zweites Patent mit der Patentnummer US 3.678.481 vom 18. Juli 1972 und die Ingenieure Warren Dalziel, Jay Nilson und Donald Wartner zurück. Alan Shugart leitete die frühe Arbeit, verließ IBM aber schon 1969 und gründete 1972 mit Shugart Associates sein eigenes Unternehmen. Die Vaterschaft schrieb Alan Shugart später ohnehin dem verantwortlichen Projektleiter David Noble zu.
Vom 8-Zoll-Koloss zur handlichen 3,5-Zoll-Diskette
Die 5,25-Zoll-Diskette verdrängte das sperrige 8-Zoll-Format ab 1976, als Shugart Associates sie auf den Markt brachte. Den Durchbruch im Heimbereich schaffte 1977 der Apple II, für den Steve Wozniak ein eigenes Aufzeichnungsverfahren ("Group Coded Recording") ersann und so 140 statt der üblichen 90 KiB unterbrachte.
1978 schob Tandon das doppelseitige DSDD-Format mit bis zu 360 KiB nach, 1984 folgte das hochdichte 5,25-Zoll-Format mit 1,2 MiB. Im selben Jahr verbaute Apple im ersten Macintosh ein 3,5-Zoll-Laufwerk des japanischen Herstellers Sony, dessen Scheibe nun erstmals in einem stabilen Plastikgehäuse steckte.
IBM wiederum hob im Jahre 1986 schließlich den bis heute ikonischen Disketten-Standard von 1,44 MiB aus der Taufe.
Das lange Sterben der Diskette
Sony stellte 2011 als weltweit letzter großer Hersteller die Produktion von 3,5-Zoll-Disketten ein. Den Wendepunkt hatte indes Apple bereits 1998 markiert, als der iMac ohne eingebautes Diskettenlaufwerk erschien und damit für offene Münder in der Fachpresse sorgte; Dell zog 2003 nach.
Wie steil der Absturz verlief, belegen Sonys Zahlen aus Japan: Verkaufte der Konzern um die Jahrtausendwende noch 47 Millionen Disketten pro Jahr, waren es 2009 nur noch 8,5 Millionen. Auf dem Höhepunkt wechselten laut IBM jährlich über fünf Milliarden Floppy Disks den Besitzer.
Wer den immensen Aufwand jener Ära nachfühlen möchte: Eine Windows-98-Installation verteilte sich auf 39 einzelne Disketten.
Warum die Deutsche Marine noch 2024 auf 8-Zoll-Disketten setzte
Die Fregatten der Brandenburg-Klasse (F123) speicherten bis zuletzt Betriebsdaten ihrer Antriebs- und Stromversorgungsanlagen auf 8-Zoll-Disketten, also auf dem Ursprungsformat von 1972.
Das Beschaffungsamt der Bundeswehr ("BAAINBw") schrieb deshalb 2024 ein emulierendes Speichersystem aus, ausdrücklich keinen neuen Diskettenersatz. Im November 2024 erhielt das französische Unternehmen Exail den Zuschlag für die Modernisierung der vier Schiffe, für die der Haushaltsausschuss zuvor 1,2 Milliarden Euro freigegeben hatte.
Bis zur vollständigen Ablösung durch die neue Klasse F126 - das erste Schiff "Niedersachsen" soll 2028 in Dienst gehen - muss die Emulation den Dienst der betagten Laufwerke übernehmen.
Das Speichern-Symbol, das alles überlebte
Das Icon zum Speichern zeigt in nahezu jeder Software bis heute eine 3,5-Zoll-Diskette, obwohl viele junge Nutzer das Original nie in der Hand hielten. Aus dem Datenträger ist ein Piktogramm geworden, dessen ursprüngliche Funktion kaum noch jemand kennt.
Und ganz tot ist die Hardware nicht: In älteren Verkehrsflugzeugen, Industrieanlagen und bis 2024 in Japans Behörden leistete die Floppy nach wie vor Dienst - die USA verbannten Disketten erst 2019 aus ihrem Atomwaffenprogramm.
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Quelle: IBM via Tom's Hardware


Deren Schriftsätze sind auf 3,5" Diskette gespeichert und müssen nach jedem Anschalten eingelesen werden.
Funktioniert bis heute, auch das Laufwerk.
Also kaum tot zu kriegen die Dinger
Irgendwann ist in der Maschine mal ein Kondensator abgebrannt, der konnte aber ersetzt werden.
Zu Hause habe ich inzwischen alle entsorgt aber die ein oder andere Spielepackung mit Disketten findet sich sicher noch
Zusammen mit einigen 3,5" MO-Disks. Dafür habe ich sogar noch das LW.
Allerdings ist der parallele Anschluss heutzutage ein Problem...
Betrieb mach eben auch keinen Sinn mehr bei einer Kapazität von 128 MB.