MS-DOS wird 45: Der Deal, der Microsoft zur Nummer eins der PC-Welt machte

Vor exakt 45 Jahren sicherte sich Microsoft für 50.000 US-Dollar sämtliche Rechte an 86-DOS. Aus dem Betriebssystem von Seattle Computer Products wurde MS-DOS, das den PC-Markt für mehrere Jahrzehnte prägte und das US-Unternehmen aus Redmond zur Nummer eins in der PC-Welt machte.

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MS-DOS wird 45: Der Deal, der Microsoft zur Nummer eins der PC-Welt machte
Quelle: Microsoft / Montage: Sven Bauduin

Microsoft hat am 27. Juli 1981 sämtliche Rechte am Betriebssystem 86-DOS erworben und damit den folgenreichsten Softwarekauf der Computergeschichte abgeschlossen. 50.000 US-Dollar gingen an Seattle Computer Products, einen kleinen Hardwarehersteller aus dem US-Bundesstaat Washington, der bis dahin vor allem Speichererweiterungen für Mikrocomputer verkauft hatte.

Keine drei Wochen später kündigte IBM am 12. August 1981 seinen ersten Personal Computer an, das Model 5150, und lieferte ihn mit genau diesem System aus, das dort PC DOS hieß. Wer heute einen Gaming-PC mit Ryzen oder Core Ultra startet, bewegt sich noch immer auf einer Plattform, deren Spielregeln in dieser Zeit festgelegt wurden

86-DOS entstand, weil CP/M-86 nicht fertig wurde

Die Vorgeschichte von MS-DOS beginnt mit einem Lieferproblem: Seattle Computer Products verkaufte ab November 1979 eine Steckkarte mit Intel 8086, für die schlicht und ergreifend kein Betriebssystem existierte, weil sich CP/M-86 von Digital Research immer weiter verzögerte. Eine entsprechende Lösung musste her, und zwar schnell.

Entwickler Tim Paterson zog daraufhin ein eigenes System hoch und veröffentlichte im August 1980 QDOS 0.10, das "Quick and Dirty Operating System". Im Dezember 1980 wurde daraus 86-DOS, und im selben Monat sicherte sich Microsoft eine einfache Lizenz, pauschal für 25.000 US-Dollar und noch ohne exklusive Rechte.

IBM klopfte zuerst bei Digital Research an

IBM hatte im August 1980 zunächst Digital Research besucht, um CP/M-86 für den geplanten Personal Computer zu lizenzieren, konnte sich mit Gary Kildall aber nicht auf Konditionen einigen. Weil Microsoft ohnehin bereits den BASIC-Interpreter für die Maschine liefern sollte, landete die Anfrage nach einem Betriebssystem im November 1980 in Redmond. Microsoft sagte zu, obwohl das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt gar kein eigenes DOS besaß.

Der 27. Juli 1981 kostete Microsoft 50.000 US-Dollar

Der vollständige Rechtekauf an 86-DOS schlug am 27. Juli 1981 mit 50.000 US-Dollar zu Buche und summierte sich zusammen mit der Lizenz vom Dezember 1980 auf 75.000 US-Dollar. Tim Paterson wechselte 1981 selbst zu Microsoft und arbeitete elf Monate lang eng mit IBMs Entwicklungsteam in Boca Raton zusammen.

PC DOS 1.0 war im Juli 1981 fertig, einen Monat vor der Ankündigung des IBM PC, und wurde auf einer einseitigen Diskette mit 160 KiB ausgeliefert. Das System selbst belegte lediglich 12 KiB Arbeitsspeicher. Der IBM PC Model 5150 kostete 1.565 US-Dollar und arbeitete mit einem Intel 8088 bei 4,77 MHz sowie 16 KiB RAM.

Die 50.000 US-Dollar, welche Microsoft für die Rechte an 86-DOS gezahlt hatte, entsprachen damit dem Gegenwert von rund 32 solcher Rechner.

Der Coup steckte im Vertrag, nicht im Preis

Entscheidend für Microsofts Aufstieg war nicht der Kaufpreis, sondern eine Klausel: Redmond behielt die Rechte am System und durfte es als MS-DOS an beliebige andere Hersteller lizenzieren, während IBM nur eine eigene Fassung namens PC DOS vertrieb.

PC-DOS 1.1 wurde auf einer doppelseitigen Diskette mit 360 KiB ausgeliefert. Quelle: Wikipedia / Creative Commons CC0 1.0 PC-DOS 1.1 wurde auf einer doppelseitigen Diskette mit 360 KiB ausgeliefert. IBM bot für den 5150 drei Betriebssysteme an, darunter auch CP/M-86 und das p-System der University of California. Preislich war die Sache entschieden, bevor sie begann: CP/M-86 kostete 240 US-Dollar, PC DOS nur 40 US-Dollar. Der Faktor sechs beim Preis entschied den Markt deutlicher als jedes technische Argument.

Als ab 1982 die ersten IBM-kompatiblen Nachbauten erschienen, brauchten deren Hersteller ein System, das dieselben Programme ausführte. Genau das konnte Microsoft liefern, IBM nicht. Der Hardwarestandard gehörte IBM, die Plattform aber gehörte Microsoft.

Seattle Computer Products klagte zu spät

Seattle Computer Products verklagte Microsoft später mit dem Vorwurf, das Unternehmen habe seine Verbindung zu IBM verschwiegen, um 86-DOS günstig zu bekommen. Der Streit endete mit einem außergerichtlichen Vergleich in Höhe von knapp einer Million US-Dollar.

Gary Kildall wiederum hielt MS-DOS für eine Verletzung seiner Rechte an CP/M, verzichtete auf Anraten seines Anwalts aber auf eine Klage. Eine forensische Codeanalyse des IP-Experten Bob Zeidman kam 2012 im IEEE Spectrum zu dem Ergebnis, dass QDOS eben nicht aus CP/M kopiert wurde.

Was 45 Jahre später im Gaming-PC übrig geblieben ist

Von MS-DOS steckt im Spiele-PC des Jahres 2026 mehr als reine Nostalgie: Jede x86-CPU von AMD und Intel startet bis heute im Real Mode und damit in jenem Betriebsmodus mit 16 Bit, den 86-DOS 1981 voraussetzte.

Diese Abwärtskompatibilität ist der eigentliche Grund, warum sich der offene PC gegen geschlossene Systeme durchsetzen konnte, und sie schleppt zugleich Ballast aus vier Jahrzehnten mit. Microsoft selbst hat den DOS-Unterbau erst mit Windows NT 3.1 verlassen, das ausgerechnet am 27. Juli 1993 erschien, auf den Tag genau zwölf Jahre nach dem Kauf.

MS-DOS 6.22 Quelle: Winhistory.de MS-DOS 6.22 Als eigenständiges Produkt endete die Reihe mit MS-DOS 6.22 im April 1994, als Bestandteil von Windows Me lief MS-DOS 8.00 noch bis September 2000 mit. Wer die Spiele jener Ära heute wieder starten will, braucht dafür keinen Retro-PC mit 486er.

Mit DOSBox Pure steht seit Oktober 2025 eine finale Fassung des bekannten Emulators bereit, DOS_deck bringt die Klassiker sogar in den Browser. Und seit April 2026 liegen die Quelltexte von 86-DOS und PC DOS offiziell auf GitHub.

Microsofts Monopol bröckelt erstmals ernsthaft

Windows kommt in der Steam-Hard- und Softwareumfrage für Juni 2026 auf 94,10 Prozent, während Linux bei 3,69 Prozent liegt und macOS 2,21 Prozent erreicht. Windows 11 allein steht bei 70,44 Prozent.

Absolut betrachtet ist die Dominanz also intakt, doch die Angriffsrichtung ist bemerkenswert: Valve macht mit SteamOS exakt das, was Microsoft 1981 groß gemacht hat. Ein Betriebssystem wird nicht an Endkunden verkauft, sondern an Hardwarehersteller gegeben, die es auf ihre Geräte bringen.

Steam Deck, Steam Machine und die Handhelds der Konkurrenz folgen demselben Muster wie die IBM-kompatiblen Nachbauten aus den frühen 1980ern. Wie belastbar diese Zahlen tatsächlich sind, hat die Redaktion von PCGH zuletzt in einer eigenen Auswertung eingeordnet: Windows auf Rekordtief, Linux im Aufwind.

45 Jahre nach dem 27. Juli 1981 lautet die eigentliche Lehre also nicht, dass Microsoft billig eingekauft hat. Sie lautet, dass eine Plattform nicht dem gehört, der die Hardware baut, sondern dem, der das Betriebssystem lizenziert. IBM hat das 1981 zu spät verstanden. Microsoft könnte dieselbe Erfahrung ein zweites Mal machen, diesmal aus der anderen Richtung.

Die häufigsten Fragen zu MS-DOS

Was genau kaufte Microsoft am 27. Juli 1981?
Microsoft erwarb von Seattle Computer Products sämtliche Rechte am Betriebssystem 86-DOS, das zuvor QDOS hieß und von Tim Paterson entwickelt worden war. Es wurde zur Grundlage von PC DOS und MS-DOS.

Wie viel hat MS-DOS Microsoft insgesamt gekostet?
Im Dezember 1980 zahlte Microsoft 25.000 US-Dollar für eine einfache Lizenz, am 27. Juli 1981 kamen 50.000 US-Dollar für die vollständigen Rechte hinzu. Der spätere Vergleich mit Seattle Computer Products belief sich auf knapp eine Million US-Dollar.

Warum setzte sich PC DOS gegen CP/M-86 durch?
Neben technischen Gründen war vor allem der Preis entscheidend: IBM verlangte für CP/M-86 240 US-Dollar, für PC DOS nur 40 US-Dollar.

Kann man MS-DOS heute noch nutzen?
Ja. Emulatoren wie DOSBox Pure laufen auf modernen Systemen, native Ausführung ist dank des Real Mode auf x86-CPUs weiterhin möglich, und Microsoft hat die Quelltexte von MS-DOS 1.x bis 4.x sowie von 86-DOS und PC DOS auf GitHub freigegeben.

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    • Kommentare (2)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von sebden206 Komplett-PC-Aufrüster(in)
        Ich mag mich falsch erinnern, aber wir sind mal mit MS-DOS samt Norton Commander gestartet Windows kam meiner Erinnerung nach später.
      • Von sebden206 Komplett-PC-Aufrüster(in)
        Ich mag mich falsch erinnern, aber wir sind mal mit MS-DOS samt Norton Commander gestartet Windows kam meiner Erinnerung nach später.
      • Von EM_EN Software-Overclocker(in)
        Mein PC Einstieg war MS DOS 6.22 und Windows 3.11 mit einem Cyrixsystem. Heute kaum noch vorstellbar, welche Verrenkungen man machen musste um ein Spiel zu starten und wie oft ich dabei das System zerschossen hatte. Die originalen Disketten habe ich noch irgendwo in einem Diskettenbuch zu liegen. Wäre mal spannend zu testen, ob diese überhaupt noch funktionieren.
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