Enigma: Seltene Verschlüsselungsmaschine aus dem Zweiten Weltkrieg bringt Rekordsumme
Eine voll funktionsfähige Enigma M4 mit vier Rotoren wurde bei Christie's Paris versteigert. Das seltene Exemplar erzielte das Doppelte des Schätzpreises und zählt zu nur acht bekannten, noch einsatzfähigen Modellen dieser Baureihe.
Eine Enigma-Maschine M4 mit vier Rotoren ist bei einer Auktion bei Christie's in Paris unter den Hammer gekommen und hat anhand des bezahlten Preises für ordentliche Aufmerksamkeit gesorgt. Ein unbekannter Bieter zahlte 482.600 Euro für das Exemplar - das Doppelte des ursprünglichen Schätzpreises. Diese Summe verdeutlicht die Seltenheit dieser Maschine: Sie ist eine der weltweit nur noch acht bekannten, voll funktionsfähigen M4-Enigma-Maschinen.
Die Enigma M4 als große Herausforderung
Die Enigma M4 stellte eine Weiterentwicklung des älteren M3-Modells dar und wurde von der deutschen Kriegsmarine eingesetzt, um U-Boot-Funkverkehr zu verschlüsseln. Im Jahr 1941 beauftragte Admiral Karl Dönitz die Entwicklung des M4-Systems, um die Sicherheit der U-Boot-Kommunikation gegen alliierte Abhöraktivitäten zu erhöhen. Mit ihrem vierten Rotor verfügte die M4 über eine deutlich höhere Verschlüsselungskomplexität als das Vorgängermodell mit drei Rotoren.
Die Einführung der M4 stellte die britischen "Codebreaker" von Bletchley Park vor neue Herausforderungen. Die dort eingesetzte "Turing-Bombe", entwickelt von Alan Turing und Gordon Welchman, war ursprünglich für die Entschlüsselung der M3 konzipiert. Als die deutsche Kriegsmarine zur M4 wechselte, musste das britische Kryptoanalyse-Team neue Strategien entwickeln.
Laut Christie's glaubte die deutsche Militärführung fest daran, dass "es für die Alliierten unmöglich war, Enigma-Kommunikation zu dechiffrieren". Die bedeutenden Erfolge der Alliierten gegen die U-Boot-Flotte führte die deutsche Seite daher auf andere Gründe zurück - etwa auf Spionage, Radar oder Glück. Allerdings gelang es den Briten mithilfe von erbeuteten Codebüchern und statistischen Analysemethoden weiterhin, die M4-Verschlüsselungen zu knacken und so einen entscheidenden Beitrag zu leisten.
Der Sprung zur elektronischen Datenverarbeitung
Die intensive Auseinandersetzung mit der Enigma-Verschlüsselung beschleunigte zugleich die Entwicklung der ersten programmierbaren elektronischen Rechenmaschinen. Im Jahr 1943 stellte Tommy Flowers den Colossus MK I fertig, ein System, das speziell zur Entschlüsselung der Lorenz-Chiffre der deutschen Oberkommandos entwickelt worden war. Der Colossus markierte einen Wendepunkt in der Kryptoanalyse und legte den Grundstein für die Computerentwicklung nach dem Krieg.
Quelle: via Tom's Hardware
