Fünf Jahre Radeon Vega: Nachtest 2022
Auf der zweiten Seite unseres Vega-Specials zum 5. Geburtstag werfen wir einen Blick auf die Leistung im Jahr 2022 und ziehen ein Fazit.
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Fünf Jahre Vega: Nachtest 2022
Fünf Jahre nach Release sieht sich eine Grafikkarte mit einer deutlich veränderten Software-Landschaft konfrontiert. Hier zeigt sich, ob die Design-Entscheidungen beim Festlegen der Architektur - diese müssten bei Vega im Zeitraum 2014/2015 gefallen sein - visionär oder daneben waren. Selbstverständlich ist, dass die Spiele in der Zwischenzeit sowohl hübscher als auch anspruchsvoller wurden. Außerdem nahm zwischenzeitlich, seit Ende 2018, der Raytracing-Zug an Fahrt auf - ohne Vega, die alte Architektur verfügt, wie die zeitgenössische Konkurrenz aus dem Hause Nvidia, nicht über entsprechende Rechenwerke.
Quelle: PC Games Hardware
Fünf Jahre Radeon Vega: Die letzte GCN-Iteration mit bis zu 16 GiByte Speicher (12)
Was leistet Vega bei den Rasterizing-Spielen 2022? Schneidet die mittlerweile zu den Akten gelegte GCN-Architektur heute besser oder schlechter ab als damals? Das haben wir beispielhaft anhand einer Radeon RX Vega 56 (8 GiByte) und Radeon Vega Frontier Edition (16 GiByte) ausprobiert. Die Daten der letztgenannten Grafikkarte sind in dieser Form einzigartig, denn wir verwenden eine modifizierte Referenzkarte der ersten Charge. Die luftgekühlte Vega FE, zu sehen auf dem Aufmacherfoto, erlangte nicht nur aufgrund ihrer schlumpfblauen Verschalung einen gewissen Ruhm unter Sammlern. Die Farbe stammt übrigens aus AMDs Fire-Pro-Geschäftsbereich und unterstreicht damit den Hybrid-Status der Karte, irgendwo zwischen Profi und Consumer - "Prosumer".
Wie PCGH bereits 2017 erläuterte, ist der Kühler jedoch nur hübsch und keineswegs leistungsstark. Selbst mit maximaler Lüfterdrehzahl überhitzt der mit stattlichen 16 GiByte HBM gen2 bestückte Vega-10-Prozessor, weshalb wir schon damals erste Kühlermods durchführten. Für diesen Test kommt die private Karte des Autors zum Einsatz, welche zwischenzeitlich vollständig modifiziert ist: "Opa Schlumpf" ist in Rente gegangen. Stattdessen sorgt die Kombination aus einem Raijintek Morpheus 2 plus zwei Noctua NF-A12x25 für einen kühlen Kopf. Damit nicht genug, wir nutzen außerdem das Dual-BIOS der außergewöhnlichen Grafikkarte effektiv aus und spielen die Firmware der LCS-Variante auf. Mit 264 Watt ASIC-Power (GPU + HBM) und somit ungefähr 350 Watt Boardpower boostet der Kern wesentlich höher als bei der chronisch überhitzenden Air-Variante. Die schwache Energie-Effizienz unterstreicht den Ruf der Architektur, allerdings zählt die aufgemotzte Quad-Slot-Grafikkarte zu den schnellsten Vega-Karten überhaupt - die offizielle Radeon RX Vega 64 Liquid-Cooling taktet noch etwas höher, weist jedoch nur 8 GiByte Speicher auf.
Wir scheuchen die Radeon Vega Frontier Edition "Liquid" durch den amtierenden GPU-Leistungsindex. Ergänzende Leistungswerte liefert eine gewöhnliche Radeon RX Vega 56 im luftgekühlten Referenzdesign. Damit bilden wir beide Leistungs-Enden ab und sehen, wie sich Vega gegenüber aktuellen Grafikkarten sowie der Geforce GTX 1070 schlägt. Eine Geforce GTX 1080 Ti liefern wir zu einem späteren Zeitpunkt nach. Die Ergebnisse der 20 Spiele in Full sowie WQHD:
Mehr Takt, mehr Recheneinheiten, mehr Speicher - und dennoch ist alles wie in den Vorjahren: Der opulent gekühlte Vega-Vollausbau kann sich immer, aber niemals weltbewegend von der Salvage-Variante absetzen. Seit 2017 rangiert die Vega 56 vor der GTX 1070. Je nach Jahr und Benchmark-Selektion variiert der Abstand. Wer seine Vega-Grafikkarte damals für sein brandneues Freesync-WQHD-Display gekauft hat, findet sich nun öfter in ruckeligen Fps-Gefilden wieder. In Full HD - oder alternativ WQHD mit Upscaling - laufen selbst moderne Spiele aber weitestgehend gut bis flüssig. Vorteile aufgrund des 16 GiByte großen Speichers kann die Radeon Vega FE in erstaunlich wenigen Spielen geltend machen - die aktuelle Generation ist auf 8 GiByte optimiert und zeigt bei Speichermangel schlimmstenfalls einen leichten Schwund bei der Oberflächenqualität. Größere Unterschiede ergäben sich beim Raytracing, welches deutlich höhere Ansprüche an die Speicherkapazität stellt. Da Vega und seine Zeitgenossen die hübsche Strahlverfolgung jedoch nicht beherrschen, ist dieser Vorteil nur theoretischer Natur. Beachten Sie bitte das "Speicherfresser"-Beispiel Far Cry 6 auf der vorherigen Artikelseite.
Fünf Jahre Vega: Leistungsindex 2022
Presst man alle Fps-Ergebnisse (inklusive Ultrawide-QHD und Ultra HD) normiert in eine Formel und lässt die vier Auflösungen gleichwertig ins Ergebnis einfließen, erhält man den PCGH-Leistungsindex. Dieser sieht folgendermaßen aus:
Egal, ob Radeon Vega FE oder RX Vega 64, beide rangieren üblicherweise auf dem Niveau der Geforce GTX 1080, RTX 2060 oder Radeon RX 5700. Die Radeon RX Vega 56 kann sich, ebenfalls wie gehabt, von der Geforce GTX 1070 absetzen und liegt damit beinahe auf dem Niveau der Geforce RTX 3050.
Fünf Jahre Vega: Leistungsindex XXL
Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass im Chart diverse Vergleichskarten fehlen - die ständigen Treiber- und Spiele-Updates und somit nötigen Nachtests tilgen die Zeit, welche eigentlich für die Ergänzung weiterer Modelle aufgewendet werden sollte. Doch nicht verzagen, sondern die Mathematik fragen! Im folgenden Index-Benchmark springen wir über unseren eigenen Schatten und tun etwas, das wir ansonsten nie tun: Rechnen statt Benchen. Das ist niemals völlig akkurat, erlaubt in diesem Fall aber einen schönen Blick auf das große Ganze. Zu sehen ist die finale Version des Leistungsindex 2021 v1.1 mit 24 Grafikkarten, bei dem die Geforce RTX 3090 noch an der Spitze thront. Die Daten sind nur wenige Monate alt und verrechnen viele populäre Spiele, sind folglich immer noch valide. In diesen Chart montieren wir unter anderem die Radeon Vega Frontier Edition. Die Basis dafür bildet die Leistung im gerade gezeigten Index 2022, umgerechnet mit den 2021er-Daten.
Mit einer Leistung zwischen Geforce RTX 3050 und Radeon RX 6600 - beides 130-Watt-Grafikkarten der aktuellen Generation - ist die fünf Jahre alte Radeon Vega Frontier Edition zweifellos noch spieletauglich. Während die Speicherkapazität gewiss noch für weitere fünf Jahre ausreichend ist, ist die Energie-Effizienz bereits jetzt hoffnungslos überholt - selbst eine berechtigterweise für ihren Durst gerügte Geforce RTX 3090 Ti ist im Verhältnis zur Leistung locker mehr als doppelt so effizient.

Das ist eine Karte für Bastler und Tweaker. Man kann viel aus der Karte rausholen bei massiver Verbrauchssenkung.
Out of the Box war die richtig Kacke.
?? Bei jeder Karte kann man einiges rausholen.