Pimp my Ride: Wie man mit Tegra-Chips sein Auto frisiert

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Pimp my Ride: Wie man mit Tegra-Chips sein Auto frisiert
Quelle: PC Games Hardware

"An modernen Autos kann man ja gar nicht mehr selbst herumbasteln." Wer dieser Meinung ist, sollte sich mal mit Dave Anderson unterhalten. Er baut bei Nvidia Tegra-Chips in Serienfahrzeuge ein und macht dabei weder vor dem Auto seiner Frau noch vor dem seines Chefs Halt.

Was heute die PC-Extrem-Tuner und -Schrauber sind, waren vor zehn, zwanzig Jahren die Autobastler. Da wurde an Zylindern gefeilt, um Drehzahl und Drehmoment zu erhöhen, da wurde der Auspuff mit der Bohrmaschine behandelt, um mehr Leistung aus dem Motor zu kitzeln. Früher war alles besser, oder? Wenn Dave Anderson solche Sprüche hört, muss er tief durchatmen. Denn seiner Meinung bestimmt auch im Jahr 2015 allein unsere Fantasie die Grenze des Machbaren. Seinen Vortrag "Pimp my Ride: How to mod cars with Tegra" eröffnete Nvidias Senior Manager Automotive Integration dann auch mit einem Foto von Thomas Edison und Henry Ford. Edison soll gesagt haben: "Um etwas zu erfinden, braucht man Fantasie und einen Haufen Schrott." Von Ford, der zu Beginn seiner Karriere bei Edison gearbeitet hatte, stammt der Spruch: "Wer glaubt, etwas zu können oder nicht zu können, hat immer Recht." Für Anderson bedeutet das: "Wenn wir all das täten, wozu wir imstande sind, dann würde uns das in Erstaunen versetzen."

Modding mit vier Rädern

Als Beispiel dafür, dass unserer Kreativität nur die Grenzen gesetzt sind, die wir ihr selbst auflegen, führt Dave Anderson die Maker-Bewegung an. 3D-Drucker produzieren alles vom Briefbeschwerer zum Autobauteil, in Tech Shops stehen Interessierten in den USA Werkzeuge und Computer zur Verfügung. Hier können sie beispielsweise lernen, wie man schweißt und programmiert. Oder an einem Auto der Gegenwart herumbastelt. Ein Projekt könnte beispielsweise sein, das modulare Interface eines Fahrzeugs zu erkunden, über das die 40 bis 60 Module eines Autos miteinander kommunizieren. Dazu gehören CD-Spieler und Radio, aber auch die Klimaanlage und das GPS- und das Antiblockiersystem. Sie sind mit dem CAN-Bus verbunden, der bei den meisten Vehikeln in einem OBD2-Port am oder unter dem Armaturenbrett mündet. An den lässt sich ein Tegra-Chip anschließen, der dann ganz neue Steuerungs- und Darstellungsoptionen der Module beziehungsweise der gesammelten Informationen ermöglicht. "Das kann jeder von uns machen", sagt Dave Anderson. "Die Tools und Informationen sind frei verfügbar, die meisten über den Bus ausgetauschten Signale sind bereits dokumentiert."

BMW i8 mit neuer Tegra-Platine

Dave Andersons aktuelles Projekt: der BMW i8 seines Chefs Jen-Hsun Huang. Ohne Scheu ging Anderson daran, ein Laptop mit dem Bordnetzwerk des mindestens 130.000 Euro teuren Hybridfahrzeugs zu verbinden, um dessen Signale zu katalogisieren. Anschließend baute er ein neues Steuermodul, das er gegen das serienmäßig verbaute tauschte. Darauf sitzt ein Tegra-K1-Mobilchip von Nvidia, daran angeschlossen ist das Fahrzeugdisplay - mit einer Bedienoberfläche, die mit der bisherigen Hardware nicht möglich war. Und das Anderson mit Hilfe des Nvidia Drive Design Studios erstellte. Es nutzt die auch in Spielen eingesetzte Skriptsprache LUA, um die Kommandos der Bedienoberfläche in CAN-Kommandos zu übersetzen. Vor dem Einbau des neuen Systems führte Anderson sicherheitshalber einen Testlauf durch - und freute sich, dass alles funktionierte. "Das ist ein individuell gefertigtes System", sagt Dave Anderson. "Lasst euch zu ähnlichen Projekten anspornen - als 'Maker' sind wir alle dazu in der Lage." Für bestimmte Modelle gibt es auch schon Selbstbau-Kits mit Sensoren und Stellantrieben für alle die, die sich noch nicht trauen, eine eigene Platine zu bestücken. Was hält Jen-Hsun Huang von der Bastelei? "Der ist froh, dass alles stabil und ohne Abstürze läuft", grinst Anderson.

Auto gemoddet, Ehe gerettet

Der i8 des Nvidia-Bosses ist nicht das einzige Auto, dem Dave Anderson mit Laptop und Lötkolben zu Leibe gerückt ist. Zur CES in Las Vegas zeigte Nvidia in diesem Januar das Renovo Coupé, ein US-amerikanisches Elektroauto zum Listenpreis von 500.000 US-Dollar, das in 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Darin tickt nun ein Tegra X1. Für den schon auf der letzten GTC gezeigten Nvidia Jeep mussten Anderson und seine Kollegen etwas tiefer in die Trickkiste greifen: "Wir haben die gesamte Mittelkonsole entfernt und mit dem 3D-Drucker ein neues Gehäuse gebaut." Auch ein Ford Explorer war vor ihm nicht sicher - und das Experiment hätte noch mehr Ärger als das Projekt BMW i8. Denn der SUV gehört Dave Andersons Frau: "Es hat mich einige Überzeugungsarbeit gekostet, daran arbeiten zu können. Doch ich habe ihr versprochen, dass ich nichts kaputt mache." Und wie ging die Sache aus? "Wir sind immer noch verheiratet", antwortet er verschmitzt.

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    • Kommentare (7)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von nfsgame Lötkolbengott/-göttin
        Ich weiß gerade nicht, was da so besonders dran sein soll. Okay: Die digitalen Instrumente hat er eventuell gepimpt. Aber in die passenden Steuergeräte kann man sich doch (am Beispiel eines VAG-Fahrzeugs) per VCDS samt Interface eh einloggen - den Logincode bekommt man auf einschlägigen Seiten innerhalb von Sekunden, die Anpassung innerhalb des Steuergeräts erfolgt per HEX-Code... Alles keine große Hürde und umso bedenklicher weil es vom ESP über die Airbags oder die Beleuchtung alles betrifft.
      • Von nfsgame Lötkolbengott/-göttin
        Ich weiß gerade nicht, was da so besonders dran sein soll. Okay: Die digitalen Instrumente hat er eventuell gepimpt. Aber in die passenden Steuergeräte kann man sich doch (am Beispiel eines VAG-Fahrzeugs) per VCDS samt Interface eh einloggen - den Logincode bekommt man auf einschlägigen Seiten innerhalb von Sekunden, die Anpassung innerhalb des Steuergeräts erfolgt per HEX-Code... Alles keine große Hürde und umso bedenklicher weil es vom ESP über die Airbags oder die Beleuchtung alles betrifft.
      • Von Chemenu Software-Overclocker(in)
        Zitat von SimonG
        Mir wird schlecht, wenn ich daran denke was passiert wenn jeder am Betriebssystem vom eigenen Auto rumbastelt. Ich will nicht, dass irgendwelche dahergelaufenen Hobbyprogrammierer bzw. LED-Zusammenlöter die Software ihrer Autos "tunen".
        Ich seh das ähnlich. Besonders in Zeiten von elektronischen Gas- und Bremssystemen (drive-by-wire) sollte nicht jeder in der Software rumpfuschen.
        Aber so wie ich das sehe hat der Kerl doch nur die digitalen Instrumente verschlimmbessert, oder?
        Digitale Anzeigen als Bonus oder in einem HUD finde ich ganz nett, aber zumindest den Drehzahlmesser will ich noch analog haben. Die digitalen Drehzahlmesser der neuen Autos finde ich irgendwie ätzend. ^^
      • Von Ahab Volt-Modder(in)
        ITT:

        Mantafahrer...
      • Von Amon Volt-Modder(in)
        Ich warte darauf dass das erste Antiviren Programm fürs Auto kommt...
      • Von SimonG Software-Overclocker(in)
        Mir wird schlecht, wenn ich daran denke was passiert wenn jeder am Betriebssystem vom eigenen Auto rumbastelt. Ich will nicht, dass irgendwelche dahergelaufenen Hobbyprogrammierer bzw. LED-Zusammenlöter die Software ihrer Autos "tunen".
        Die Motortechnik von vor 10/20 Jahren war noch für Bastler mehr oder minder beherrschbar; Die Softwaretechnik von heute ist es aber nicht mehr. Selbst wenn es nur eine Änderung am Entertainment-System ist. Ein Absturz mit unangenehmen Sound reicht um den Fahrer zu überraschen. Passiert das bei 180 km/h, kann das sehr unangenehme Konsequenzen haben. Ich wage mir gar nicht auszumalen welche blödsinnigen Spielereien(=Ablenkungen) sich gewisse Leute auf ihr Auto laden würden.
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