Schöne neue Welt: mobile Zukunftsprodukte für sieben Milliarden Menschen

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Schöne neue Welt: mobile Zukunftsprodukte für sieben Milliarden Menschen (1)
Quelle: PC Games Hardware/Roland Austinat

Ein Chip, der von einer Weinbatterie angetrieben wird, Dual-Screen-Laptops für Café-Krieger und Smartphones, die ihre Besitzer kennen: Eine promovierte Anthropologin hilft Intel bei der Entwicklung von Produkten, die die Welt verändern und verrät uns das beliebteste Passwort der USA.

Bei Intel arbeiten nicht nur Informatiker und Ingenieure: Anthropologin Dr. Genevieve Bell und ihr Team sind damit beschäftigt, Menschen aus aller Welt zu interviewen und so wertvolle Erkenntnisse über deren Leben zu gewinnen. Erkenntnisse, die in die Entwicklung neuer Produkte einfließen können - denn was nutzen einer Firma die schönsten Erfindungen, wenn sie niemand haben will? Eine der "Technologien", die laut Dr. Bell das Leben der Menschen verändern und zu deren Wohlbefinden beitragen, ist die Mobilität. Auf einem Planeten mit rund sieben Milliarden Menschen gibt es 6,3 Milliarden Kunden von Online-Verträgen und pro Tag werden 3,7 Millionen neue Mobilgeräte verkauft - das sind 154.000 pro Stunde. Auch "klassische" Mobilitätsprodukte wie Autos breiten sich immer weiter aus: 850 Millionen Autos sind täglich 5,5 Milliarden Stunden unterwegs.

Schöne neue Welt: sieben Milliarden Zukünfte

"Mobile Technologien sind allerdings nichts Neues", sagt Dr. Geneviewe Bell. Brillen, Uhren, Fahrräder und Hörgeräte gibt es teilweise schon seit mehreren Jahrhunderten. Dr. Bells Meinung nach gibt es auch nicht bloß eine einzige Zukunft - sondern mindestens sieben Milliarden Zukünfte, eine für jeden Erdbewohner. Und geht es nach Dr. Bell, so müssen Firmen wie Intel dabei helfen, eine Zukunft zu erschaffen, die die Gegenwart nicht einfach ausradiert. Kleinere, günstigere und batteriesparendere Geräte sollen ein Teil dieser Zukunft sein. Etwas schräg: Ein Fahrradfahrer, der nun auf der abgedunkelten Bühne herumradelt, damit wir die leuchtenden LEDs in seiner Jacke sehen können. Dabei handelt es sich um "Stretchable Circuits", dehnbare Schaltkreise, die am Fraunhofer-Institut entwickelt werden. Die mit Beschleunigungssensoren und einem Gyroskop ausgestattete "Supaheroe"-Jacke des Fahrradfahrers soll für genug Licht im Dunkeln sorgen und eingehende Telefonanrufe anzeigen.

Scheint die leuchtende Jacke noch halbwegs sinnvoll, kratzen wir uns bei der nächsten Erfindung etwas am Kopf: Ein Laptop mit zwei Monitoren soll dafür sorgen, dass Menschen, die in einem Café sitzen, besser miteinander kommunizieren. Wer jedoch einmal in einem Coffee Shop in den USA gesessen hat, wird feststellen, dass die Heerschar von Laptopkriegern dort so gut wie gar nicht vom eigenen Monitor emporblickt und daher alle noch so witzigen Botschaften des Menschen gegenüber übersieht. Und ganz ehrlich: Ist es nicht bedeutend billiger und sogar aufregender, den eigenen Mund zur Kommunikation zu nutzen und das Gegenüber einfach direkt anzusprechen? Die Dual-Display-Geräte scheinen eine Lösung auf der Suche nach einem Problem zu sein.

Schöne neue Welt: Smartphones, so wichtig wie der Ehemann

Solch kritische Gedanken fechten Dr. Genevieve Bell nicht an. Bei ihren Forschungen hat sie vier menschliche Wünsche für zukünftige Technologien feststellen können: "Die Menschen wollen mobile Technologien, die auf sie persönlich zugeschnitten sind, die sie nicht belasten und bremsen und die ihnen dabei helfen, ein besserer Mensch zu werden." Für vielen Menschen besitzen beispielsweise Smartphones einen enormen persönlichen Stellenwert: "Eine Frau sagte uns, dass für sie das Smartphone so wichtig wie ihr Ehemann sei", so Dr. Bell. Und: "50 Prozent aller Amerikaner schlafen mit ihrem Smartphone in Griffweite, bei 75 Prozent aller amerikanischen Teenager liegt das Smartphone unter dem Kopfkissen." Hoffentlich im Flugzeugmodus. Die Belastungen durch mobile Geräte können auch wir Europäer nachvollziehen - vergessene Kabel und Netzteile sowie Boot-Zeiten und Abstürze machen die ach so mobile Herrlichkeit oft zunichte. Das gilt auch für Passwörter: "Der typische US-Bürger muss sich durchschnittlich 18 Passwörter merken", sagt Dr. Bell. Das beliebteste? "123456", gefolgt von "Password".

Zum Schluss des Vortrags wird es noch einmal praktisch: mit drei Beispielen für das Zusammenspiel von CPU, Betriebssystem, Middleware, Anwendungen, Diensten und Anwendererfahrungen. In einem Versuchsaufbau, der an die gute alte Zitronenbatterie erinnert, erzeugt die Säure in einem Glas Rotwein genug Strom, um einen Intel-Chip zu betreiben. Dessen Lagesensoren geben daraufhin seine räumliche Position an ein angeschlossenes Netbook weiter: Dreht man den Chip, dreht sich auch eine auf dem Netbook-Bildschirm dargestellte Blüte. Dr. Bells Kollegin und Principal Engineer Lama Nachman bringt in der zweiten Demo zwei besonders schlaue Smartphones auf die Bühne. Die erkennen aufgrund einer mitlaufenden Klanganalyse, dass die zwei ganz dicht beieinander stehen und können daraufhin beispielsweise Restauranttipps geben, die die Vorlieben der beiden Damen berücksichtigen. Personalisierte Beschleunigungsmesser erkennen außerdem, wem das Smartphone gehört: Dr. Bell zieht mit Lama Nachmans Telefon von dannen, das ihr jedoch jeglichen Zugang verweigert. Letztes Beispiel: eine Art "Identitäts-Manager", der einen Überblick über alle Geräte und auf sozialen Netzwerken geposteten Fotos und Check-ins bietet - für Menschen, die bereits aufpassen, was sie wo im Netz veröffentlichen, keine umwerfend neue Erfindung.

Schöne neue Welt: die Konkurrenz schläft nicht

Mögen manche der vorgestellten Beispiele und Thesen nahezu trivial erscheinen, zeigen jedoch alle, dass Intel eins erkannt hat: Die Zukunft von sieben Milliarden Menschen wird nicht mehr allein von einem stationären PC bestimmt, für dessen CPU die Faktoren Stromverbrauch und Größe keine Rolle spielen. Ob es dem Konzern gelingt, mit den bereits seit langem im Mobilsektor aktiven Wettbewerbern zu konkurrieren, wird die Zukunft zeigen - um beim Thema zu bleiben.

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    • Kommentare (1)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von matty2580
        AW: Schöne neue Welt: mobile Zukunftsprodukte für sieben Milliarden Menschen

        Ihr greift also noch einmal das Thema von der IDF auf, zu Intels Zukunftsvisionen, sehr gut....
        IDF 2013: Die Zukunft sind Compute und vernetzte Daten - Der Mensch ist digitalisiert
        Irgendwie ging der Artikel damals etwas unter, obwohl er eines der für mich interessantesten Artikel der letzten Zeit hier war.

        Intel träumt also von der totalen Vernetzung, einer viel größeren Basis für Low Power Chips, und davon dass Datenschutz irrelevant ist.

        Das Problem daran ist nur, dass die Masse des Geschäfts im klassischen CPU-Bereich gemacht wird, und nicht mit Smartphone- oder Tabletchips.
        x86-Prozessoren sind nach wie vor der Haupt-Umsatzträger des gesamten Prozessoren-Marktes | 3DCenter.org
        Wenn Intel den Fokus auf Mobile legt, den Desktop vernachlässigt, schädigt man nur sich selbst.

        Abgesehen davon funktioniert diese Strategie bei mir selbst überhaupt nicht.
        Ich habe ein Smartphone, und ein Notebook, was ich kaum nutze.
        Telefonieren tue ich nach wie vor lieber mit meinen Festnetztelefon, und mein PC ist/bleibt für mich die zentrale Maschine zu Hause.
      • Von matty2580
        AW: Schöne neue Welt: mobile Zukunftsprodukte für sieben Milliarden Menschen

        Ihr greift also noch einmal das Thema von der IDF auf, zu Intels Zukunftsvisionen, sehr gut....
        IDF 2013: Die Zukunft sind Compute und vernetzte Daten - Der Mensch ist digitalisiert
        Irgendwie ging der Artikel damals etwas unter, obwohl er eines der für mich interessantesten Artikel der letzten Zeit hier war.

        Intel träumt also von der totalen Vernetzung, einer viel größeren Basis für Low Power Chips, und davon dass Datenschutz irrelevant ist.

        Das Problem daran ist nur, dass die Masse des Geschäfts im klassischen CPU-Bereich gemacht wird, und nicht mit Smartphone- oder Tabletchips.
        x86-Prozessoren sind nach wie vor der Haupt-Umsatzträger des gesamten Prozessoren-Marktes | 3DCenter.org
        Wenn Intel den Fokus auf Mobile legt, den Desktop vernachlässigt, schädigt man nur sich selbst.

        Abgesehen davon funktioniert diese Strategie bei mir selbst überhaupt nicht.
        Ich habe ein Smartphone, und ein Notebook, was ich kaum nutze.
        Telefonieren tue ich nach wie vor lieber mit meinen Festnetztelefon, und mein PC ist/bleibt für mich die zentrale Maschine zu Hause.
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