Schon einmal einen Chipdefekt gesehen? 3D-Elektronenmikroskopie blickt in GAA-Transistoren
Mit Elektronen-Ptychografie machen Cornell-Forscher atomare Rauigkeiten in Gate-All-Around-Transistoren sichtbar. Die "Mouse Bites" entstehen an Grenzflächen und können die Chip-Performance sabotieren.
Cornell-Forscher berichten über eine hochauflösende 3D-Bildgebung, mit der sich Defekte in modernen Chips erstmals direkt bis hinunter zur atomaren Ebene lokalisieren lassen. Die Arbeit entstand laut Cornell in Zusammenarbeit mit TSMC sowie ASM und wurde am 23. Februar 2026 in Nature Communications veröffentlicht.
Elektronen-Ptychografie: Aus 4D-Messdaten wird ein 3D-Blick in den Transistor
Im Zentrum steht "Electron Ptychography" als rechnergestützte Mikroskopie: Ein Elektronenmikroskop erfasst mit einem Pixel-Array-Detektor (EMPAD) an vielen Rasterpunkten detaillierte Streu-/Beugungsmuster der Elektronen nach dem Durchgang durch den Baustein. Aus den Veränderungen von Punkt zu Punkt rekonstruiert das Team ein besonders klares Bild der inneren Struktur - auch dort, wo sie in einem Transistor "vergraben" liegt. Im Paper wird beschrieben, dass multislice Elektronen-Ptychografie Sub-Ångström-Auflösung in der Ebene und nanometergenaue Tiefeninformation kombiniert und damit 3D-Metrologie an Strukturen im Nanometerbereich ermöglicht.
Quelle: David Nutt, Cornell Chronicle
Dieses Bild zeigt die Silizium-, Siliziumdioxid- und Hafniumoxidschichten im Inneren eines Transistorkanals.
"Mouse Bites": Atomare Rauigkeit an Grenzflächen von Gate-All-Around-Transistoren
Untersucht wurden Prototypen von Gate-All-Around-(GAA)-Transistoren, bei denen das Gate-Oxid den Kanal dreidimensional umschließt. Nach der 3D-Rekonstruktion konnte das Team die Grenzflächen-Rauigkeit im Kanal quantifizieren - unregelmäßige "Ausbuchtungen" bezeichnete Karapetyan als "Mouse Bites". Cornell schreibt, die Rauigkeit gehe auf Defekte zurück, die während eines optimierten Wachstumsprozesses entstehen; die Teststrukturen kamen von Imec. Im Abstract von Nature Communications heißt es außerdem, dass Silizium im 5-nm-dicken Kanal von den Interfaces weg "relaxiert" und nur rund 60 Prozent der Atome eine bulk-ähnliche Struktur behalten.
Für die Praxis zielt die Methode vor allem auf Debugging und Fehlersuche in der Chipentwicklung: Fertigungsprozesse bestehen aus sehr vielen Ätz-, Abscheide- und Temperaturschritten - und die neue 3D-Charakterisierung soll helfen, strukturelle Veränderungen nach einzelnen Schritten sichtbar zu machen. Als potenzielle Einsatzfelder nennt Cornell nahezu jede Elektronik mit modernen Chips, inklusive Rechenzentren und künftiger Technologien mit besonders hohen Anforderungen an die Strukturkontrolle. Ergänzend stellt das Paper Datensätze sowie Auswertungsskripte über ein öffentliches Zenodo-Repository bereit.
Quelle: Nature, Cornell Chronicle

So weit ich es verstanden habe, sind die große Vorteile zum normalen STEM neben der besseren Auflösung (~0,5 vs ~0,8 Angström) bei höherer Probendicke (~40nm vs. <10nm), die "zerstörungsfreie" 3D Fähigkeit, wenn man bei einer Scheibe von ~38nm Dick davon sprechen kann. Problem ist momentan der Rechenaufwand. Eine Nvidia A100 braucht wohl etwa einen Tag für die nötigen Berechnung der etwa 65 virtuellen Scheiben, aus dem sich die Aufnahme zusammensetzt.
Aber interessant, was sich daraus evtl. für Möglichkeiten ergeben, wie Thorsten schrieb.
Verrückt, wenn man bedenkt dass wir das alles nutzen und bauen können, ohne zu wissen, wie es im kleinsten geometrisch aufgebaut ist.
Da bin ich darauf Reingefallen und fragte in der Schmelzerei an, ob wir das zum Nachlegieren da haben
Mein Metallurigist fand es lustig weil ...
Der Preis für Hafnium (Hf) liegt aktuell im März 2026 bei ca. 9.500 USD bis 12.000 USD pro Kilogramm
Und ja, ich habe sowas in der Art schon öfter gesehen. Und sowas wird in der Regel verwendet, um die Ergebnisse in Bezug auf ProofofConcept(ob das, was man sich überhaupt ausgedacht hat, überhaupt funktioniert) oder dann später bei der Verfahrensverbesserungen auszuwerten.
Und zum Thema Hafnium, Hafniumoxid, HKMG: da geht es um high-k-Dielektikum zur Reduzierung der Leckströme
hier zum Nachlesen, wen es interessiert: https://de.wikipedia.org/...