Moore Threads MTT S80 im ersten vollwertigen Test: Dauerbaustelle mit Mega-Fortschritt
Butter bei die Fische, Hosen runter, Karten auf den Tisch: Ist die Gaming-Grafikkarte MTT S80 des chinesischen Herstellers Moore Threads eine Bedrohung für AMD, Intel und Nvidia - oder nicht? PCGH präsentiert den ersten vollumfänglichen Test der MTT S80.
In diesem Artikel
Über die Aktivitäten des chinesischen Herstellers Moore Threads Technology (MTT) berichtete PCGH bereits mehrfach. Der junge Grafikkarten-Entwickler hat es sich zum Ziel gesetzt, das Reich der Mitte unabhängiger vom Westen zu machen. Die vor einem Jahr von den USA verhängten Sanktionen für Hochtechnologie dürften diese Anstrengungen nochmals verstärkt haben. Wir zollen dieser spannenden Entwicklung Tribut und präsentieren Ihnen hiermit den ersten vollumfänglichen Test der schnellsten Grafikkarte "Made in China" - mit Benchmarks, Lautheit, Leistungsaufnahme, Effizienz und vielem mehr. Zum Aufwärmen empfehlen wir Ihnen unser erstes Video zum Thema:
Und, aufgewärmt? Spätestens nach dieser Information sicherlich: Zhang Jianzhong, welcher Moore Threads Technology im Oktober 2020 gründete, war zuvor viele Jahre bei Nvidia tätig - und zwar in einer Führungsposition als Vice President and General Manager of Nvidia China. Wie AMD, Nvidia und weitere Firmen entwickelt Moore Threads Hard- und Software ohne eigene Fabriken. Das Ziel der Chinesen ist ambitioniert, aber klar formuliert: "Our mission is to be a global GPU leader. Our vision is to accelerate computing for the future." Mit diesem Test möchten wir prüfen, wie nah die Pekinger Grafikspezialisten ihrem Ziel sind. Bereits seit Ende 2022 ist mit der MTT S80 eine Endkunden-Grafikkarte erhältlich, die auf dem Papier durchaus für Aufsehen sorgt. Ihr klangvoller Codename: ChunXiao - "Frühlingsdämmerung". PCGH ist seit Ende 2023 im Besitz einer solchen Grafikkarte, welche wir dank tatkräftiger Community-Unterstützung importierten. Falls Sie sich fragen, warum wir eine nur in Fernost erhältliche Grafikkarte aus ihrem natürlichen Habitat entführen und mit westlicher Technologie vergleichen: Weil wir's können! Und weil wir Vollblut-Nerds sind, die keine Kosten und Mühen scheuen, um Sie zu informieren.
Moore Threads MTT S80 im Test: Übersicht
Tatsächlich hatten wir schon für Anfang dieses Jahres einen vollwertigen Test der MTT S80 geplant, der Zustand des Treibers ließ uns jedoch immer wieder davon abrücken. Falls Sie die ganze "Leidensgeschichte" erfahren möchten: Unser Testvideo zeigt einige der Probleme. Sehen wir uns zunächst die Hardware genauer an. Die folgende Technik-Tabelle entstand nach sorgfältigem Studium diverser MTT-Dokumente sowie Analyse mithilfe von Tools. Mit 4.096 sogenannten MUSA-Einheiten (vergleichbar mit Nvidias CUDA-Cores und AMDs Stream-Prozessoren) und ihrem Maximal-Boost erreicht die MTT S80 eine theoretische Rechenleistung von 14,7 TFLOPS - obwohl der Hersteller kurioserweise nur 14,4 angibt. Mit an Bo(a)rd sind 16 GiByte GDDR6-Speicher mit einer Transferrate von 448 GByte pro Sekunde. Mit diesen Rohdaten kann sich die S80 durchaus sehen lassen, wenngleich das aktuelle High End von AMD und Nvidia in weiter Ferne liegt.
Glaubt man den offiziellen Blockdiagrammen und Analyse-Tools, verfügt der ChunXiao-Chip sogar über bemerkenswerte Eigenschaften. Neben ungewöhnlich vielen Render-Backends und somit unerhört viel Pixelfüllrate beherbergt die GPU außerdem 32 Tensor-Kerne. Dahinter stecken spezialisierte "KI-Rechenwerke", wie sie Nvidia seit 2018 installiert. Raytracing-Kerne fehlen der GPU jedoch. Daneben ist die S80 die erste und einzige Endkunden-Grafikkarte mit PCI-Express 5.0 ×16. Vergleicht man diese Daten mit den anderen Grafikkarten in der folgenden Tabelle, macht Chinas Flaggschiff keine schlechte Figur. Weitere Vergleichsgrafikkarten finden Sie in unserer gepflegten GPU-Datenbank:
| Grafikkarte | MTT S80 | Arc A770 | Radeon RX 7800 XT | Geforce RTX 4060 Ti | Radeon R9 Fury X |
|---|---|---|---|---|---|
| Architektur | MUSA | Xe HPG | RDNA 3 | Ada Lovelace | GCN 1.2 |
| Schnittstelle | PCI-Express 5.0 ×16 | PCI-Express 4.0 ×16 | PCI-Express 4.0 ×16 | PCI-Express 4.0 ×8 | PCI-Express 3.0 ×16 |
| GPU Boost (MHz) | 1.800 | 2.100 | 2.124 | 2.535 | 1.050 |
| Speichertakt (MHz) | 7.000 | 8.750 | 9.750 | 9.000 | 1.000 |
| Shader-ALUs (FP32) | 4.096 | 4.096 | 3.840 | 4.352 | 4.096 |
| GFLOPS SP (FP32) | 14.746 | 17.203 | 32.625 | 22.065 | 8.602 |
| GFLOPS DP (FP64) | 230 | 269 | 1.020 | 345 | 538 |
| Textureinheiten (TMUs) | 256 | 256 | 240 | 136 | 256 |
| Render-Backends (ROPs) | 256 | 128 | 96 | 48 | 64 |
| Füllrate (Mpix/s/Mtex/s) | 460,8/460,8 | 268,8/537,6 | 203,9/509,8 | 121,7/344,8 | 67,2/268,8 |
| Raytracing Cores | – | 32 | 60 | 34 | – |
| Tensor/Matrix Cores | 32 | 512 | 120 | 136 | – |
| Level-2-Cache (MiB) | 4 | 16 | 4 | 32 | 2 |
| Level-3-Cache (MiB) | – | – | 64 | – | – |
| Speicherinterface (Bit) | 256 | 256 | 256 | 128 | 4096 |
| Speichergeschwindigkeit (GT/s) | 14,0 | 17,5 | 19,5 | 18,0 | 2,0 |
| Speichertransferrate (GByte/s) | 448 | 560 | 624 | 288 | 512 |
| Speicherbestückung (MiByte) | 16.384 | 16.384 / 8.192 | 16.384 | 16.384 / 8.192 | 4.096 |
| Strombuchse | 1× 8-Pin (EPS) | Je 1× 8-/6-Pin | 2× 8-Pin | 1× 16-/1× 8-Pin | 2× 8-Pin |
| ATX 3.0: 12VHPWR-Support | Nein | Nein | Nein | Ja | Nein |
| Max. Leistungsaufnahme (TBP) | 255 Watt | 225 Watt | 263 Watt | 160 Watt | 275 Watt |
| Bildschirmanschlüsse | DP 1.4a, HDMI 2.1 | DP 2.0, HDMI 2.1 | DP 2.1, HDMI 2.1 | DP 1.4a, HDMI 2.1 | DP 1.2, HDMI 1.4a |
Wir haben absichtlich GPUs ausgewählt, die über (rund) 4.096 FP32-ALUs verfügen.
Moore Threads MTT S80: Innenleben
Blickt man ins Innere des Chips, erinnert vieles an Nvidias Turing (Geforce RTX 2000) - wenn man vom Fehlen der Raytracing-Rechenwerke absieht. Der grundlegende Aufbau, bei dem große Module sich in kleinere verzweigen, ist bei allen GPU-Schmieden ähnlich. Die wohl wichtigste Information in diesem Kontext ist, dass Moore Threads nicht in Rekordzeit eine brandneue Architektur erschaffen hat - die Firma ist vielmehr ein Lizenznehmer von Imagination Technologies. Die veröffentlichen Details und Dokumentationen deuten darauf hin, dass Moore Threads deren BXT-Design in der MC8-Variante verwendet und als ihren ChunXiao umsetzt. Der Chip besteht aus 8 MPCs, welche sich in 2 MPX untergliedern, von denen jeder 2 MPs beinhaltet. Pro MP sind 128 FP32-Einheiten vorhanden, woraus sich 4.096 Shader-Units ergeben.
Im Schaubild unten ist zu sehen, was noch alles in einem MP steckt: 32 zusätzliche INT32-Einheiten, ein großer Tensor-Kern, die Load-/Store-Units nebst Zwischenspeicher sowie (nicht zu sehen) zwei FP64-ALUs. Haben wir richtig gerechnet, stecken insgesamt nur 4 MiB L2-Cache im Kern, sodass die Abhängigkeit vom DRAM groß ausfällt. Noch schwerer dürfte die grobe Warp-Size von 128 Items wiegen, welche es sehr schwierig macht, die ALUs voll auszulasten.
Was kann mit dieser weitgehend modernen Architektur schiefgehen? Viel mehr, als man sich als Nutzer einer AMD Radeon oder Nvidia Geforce vorstellen kann. Spätestens seit Intels Rückkehr in den Markt der dedizierten Grafikkarten wissen wir, dass Gedeih und Verderb nicht von der Hardware abhängen, sondern auch von der Software. Zwar machte Moore Threads in den vergangenen Monaten enorme Sprünge durch Treiber-Updates, allerdings auf derart niedrigem Niveau, dass es immer noch nicht reicht, um den etablierten Marken auch nur ansatzweise das Wasser zu reichen. Wir möchten Ihnen nicht die ganze Leidensgeschichte erzählen, nur die wichtigsten Eckpunkte.
Quelle: PCGH
Der MTT-Treiber beherrscht seit einem Jahr DirectX 11. Seit Kurzem auch Tessellation - neuerdings auch unter OpenGL (im Bild zu sehen). Damit ist das Ende der Fahnenstange erreicht.
DirectX 12 oder Vulkan? Fehlanzeige, der Treiber beherrscht erst seit einem guten Jahr DirectX 11 (Feature-Level 11_1). Damit werden zwar etwa 99,9 Prozent der PC-Spiele abgedeckt, dieser Wert ist jedoch nur theoretischer Natur. Selbst mit dem aktuellen Treiber sind mannigfaltige Kompatibilitätsprobleme zu beklagen und selbst uralte Spiele, die von aktuellen Grafikkarten geradezu überflüssig berechnet werden, ruckeln, zeigen Grafikfehler oder stürzen ab. Wir haben unzählige Teststunden damit verbracht, einwandfrei lauffähige Spiele zu finden. Diese lassen sich an zwei Händen abzählen, sofern man sich nicht nur fehlerfreie Grafik, sondern auch spielbare Bildraten wünscht. Basierend auf diesem Wissen gehen wir nun ans Eingemachte: Welche Leistung erzielt die Moore Threads MTT S80 wirklich? Wächst hier ein ernst zu nehmender Konkurrent für AMD Radeon, Intel Arc und Nvidia Geforce heran? Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns in ein monatelanges Abenteuer mit Chinas bester Grafikkarte gewagt ...

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Zu meiner Verteidigung: Die PCGH-Redaktion kriegt die Hefte immer erst deutlich nach den Kiosken und diesmal versackte die Lieferung noch eine Woche im Postraum. Ich habe die 11 zwar am Montag mit nach Hause genommen, aber bis heute keinen Blick reingeworfen, weil ich die 12 fertig stellen musste.
(Wieso eigentlich nicht?)
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