China-GPU Moore Threads MTT S80 im ersten Test: Konkurrenz für AMD, Intel und Nvidia?
Zuerst Intel, jetzt China: Einst war der Grafikkartenmarkt fest in den Händen von Nvidia und AMD, doch das Duopol bekommt immer mehr Risse - durch neue Herausforderer. Wir präsentieren erste Tests der chinesischen Grafikkarte MTT S80 aus dem Hause Moore Threads.
Über den Vorstoß des chinesischen Herstellers Moore Threads Technology (MTT) berichtete PCGH bereits mehrfach. Der im Jahr 2020 gegründete Grafikkarten-Entwickler hat es sich zum Ziel gesetzt, das Reich der Mitte unabhängiger vom Westen zu machen. Die von den USA verhängten Sanktionen für Hochtechnologie dürften nur der letzte Stein des Anstoßes gewesen sein. Bereits seit Ende 2022 ist mit der MTT S80 eine Endkunden-Grafikkarte erhältlich, die auf dem Papier durchaus für Aufsehen sorgt. In der Praxis kommt es jedoch zu unzähligen Problemen, welche wir in diesem Artikel und unserem ersten Video zum Thema zusammenfassen.
MTT S80: Technikübersicht
Mit Sicherheit erinnern Sie sich an das ereignisreiche Jahr 2022, in dem nicht nur Nvidias Ada Lovelace und AMDs RDNA 3 debütierten. Es war dasselbe Jahr, in dem auch Intel seine Rückkehr in den Grafikkartenmarkt feierte. Beinahe unbemerkt, im Schatten des Rampenlichts besagter Hersteller, erschien ein weiterer Herausforderer: Moore Threads, Chinas Hoffnungsträger in Sachen Grafiktechnologie. PCGH verfolgt die Entwicklung mit Spannung, obwohl die MTT-Produkte ausschließlich auf dem chinesischen Markt zu haben sind. Das amtierende Topmodell, die S80 auf Basis der "ChunXiao"-GPU, ist längst zu einem begehrten Versuchsobjekt unter Technik-Enthusiasten geworden - auch hierzulande. So berichtet PCGHX-Mitglied Loeschzwerg seit geraumer Zeit von seinen Abenteuern mit einer importierten MTT S80. Seit Dezember 2023 ist auch PCGH im Besitz einer solchen Grafikkarte, dank tatkräftiger Unterstützung aus der Community.
Nachdem die wichtigste Frage - "But can it run Crysis?" - bereits beantwortet wurde, widmeten wir uns anderen Disziplinen und klopften die MTT-Grafikkarte mithilfe unzähliger Tests ab. Tatsächlich hatten wir schon für Anfang des Jahres ein vollwertiges Review der Moore Threads MTT S80 geplant, der Zustand des Treibers ließ uns jedoch immer wieder davon abrücken. Dazu gleich mehr, sehen wir uns zunächst die Hardware genauer an. Die folgende Tabelle zeigt die MTT S80 neben weiteren Grafikkarten mit gleicher oder ähnlicher Anzahl von FP32-Shader-Prozessoren:
| Grafikkarte | MTT S80 | Arc A770 16GB | Radeon RX 7800 XT | Geforce RTX 4060 Ti 8GB | Radeon R9 Fury X |
|---|---|---|---|---|---|
| Architektur | MUSA | Xe HPG | RDNA 3 | Ada Lovelace | GCN 1.2 |
| Schnittstelle | PCI-Express 5.0 ×16 | PCI-Express 4.0 ×16 | PCI-Express 4.0 ×16 | PCI-Express 4.0 ×8 | PCI-Express 3.0 ×16 |
| GPU Boost (MHz) | 1.800 | 2.100 | 2.124 | 2.535 | 1.050 |
| Speichertakt (MHz) | 7.000 | 8.750 | 9.750 | 9.000 | 1.000 |
| Shader-ALUs (FP32) | 4.096 | 4.096 | 3.840 | 4.352 | 4.096 |
| GFLOPS SP (FP32) | 14.746 | 17.203 | 32.625 | 22.065 | 8.602 |
| Raytracing Cores | – | 32 | 60 | 34 | – |
| Matrix Units | – | 512 | 120 | 136 | – |
| Speicherinterface (Bit) | 256 | 256 | 256 | 128 | 4096 |
| Speichergeschwindigkeit (GT/s) | 14,0 | 17,5 | 19,5 | 18,0 | 2,0 |
| Speichertransferrate (GByte/s) | 448 | 560 | 624 | 288 | 512 |
| Speicherbestückung (MiByte) | 16.384 | 16.384 | 16.384 | 8.192 | 4.096 |
| Strombuchse | 1× 8-Pin (EPS) | 1× 8-Pin + 1x 6-Pin | 2× 8-Pin | 1× 16-/1× 8-Pin | 2× 8-Pin |
| ATX 3.0: 12VHPWR-Support | Nein | Nein | Nein | Ja | Nein |
| Leistungsaufnahme (TBP) | 255 Watt | 225 Watt | 263 Watt | 160 Watt | 275 Watt |
| Bildschirmanschlüsse | DP 1.4a, HDMI 2.1 | DP 2.0, HDMI 2.1 | DP 2.1, HDMI 2.1 | DP 1.4a, HDMI 2.1 | DP 1.2, HDMI 1.4a |
Das kann sich sehen lassen: Mit 4.096 sogenannten MUSA-Einheiten (vergleichbar mit Nvidias CUDA-Cores und AMDs Stream-Prozessoren) und dem offiziellen Takt erreicht die MTT S80 eine theoretische Rechenleistung von ansehnlichen 14,7 TFLOPS - obwohl der Hersteller nur 14,4 angibt. Daneben ist sie die erste Endkunden-Grafikkarte mit PCI-Express 5.0 ×16. Was kann da schon schiefgehen? Nun ... alles. Spätestens seit Intels Rückkehr in den Markt der dedizierten Grafikkarten wissen wir, dass Gedeih und Verderb nicht von der Hardware abhängen, sondern auch von der Software. Zwar machte Moore Threads in den vergangenen Monaten enorme Sprünge durch Treiber-Updates, allerdings auf derart niedrigem Niveau, dass es immer noch nicht reicht, um den etablierten Marken auch nur ansatzweise das Wasser zu reichen.
DirectX 12 oder Vulkan? Fehlanzeige, der Treiber beherrscht erst seit einem guten Jahr DirectX 11. Damit werden zwar etwa 99,9 Prozent der Spiele abgedeckt, dieser Wert ist jedoch nur theoretischer Natur. Selbst mit dem aktuellen Treiber vom Juni 2024, welcher erstmals offiziell Windows 11 unterstützt, sind mannigfaltige Kompatibilitätsprobleme zu beklagen und selbst uralte Spiele, die von aktuellen Grafikkarten geradezu überflüssig berechnet werden, ruckeln, zeigen Grafikfehler oder stürzen ab. Wir haben unzählige Teststunden damit verbracht, einwandfrei lauffähige Spiele zu finden. Diese lassen sich an zwei Händen abzählen, sofern man sich nicht nur fehlerfreie Grafik, sondern auch spielbare Bildraten wünscht. Bilder sagen mehr als Tausend Worte und Videos noch mehr. Daher haben wir den aktuellen Entwicklungsstand der Moore Threads MTT S80 im obigen Video festgehalten, in dem Sie auch einige Leistungs- und Vergleichswerte vorfinden.
MTT S80: Zwischenfazit
Dies war nur ein kurzer Blick über den Tellerrand, eine Art Statusbericht. Während Sie diese Zeilen lesen, arbeiten wir weiter an einem vollwertigen, wenngleich etwas anderen Test der MTT S80. Der aktuelle PCGH-Leistungsindex ist kein Thema, da nur die allerwenigsten Spiele auf der China-Grafikkarte laufen. Raytracing ist ebenfalls kein Thema. Mittlerweile haben wir einen handgeschnitzten Spezial-Leistungsindex mit zehn bunt gemischten, weitestgehend anspruchsarmen Spielen zusammengestellt. Darunter befinden sich Titel, die im Fokus von Moore Threads stehen, ablesbar an signifikanten Leistungssteigerungen durch Treiber-Updates. Falls Sie bislang dachten, Intel habe die "Wundertreiber" gepachtet, dann irren Sie sich - das Wunder-Potenzial ist bei der MTT S80 ungleich größer als bei der Arc A770.
Trotz der zahlreichen Kinderkrankheiten ist das gesamte Projekt hoch spannend und verdient Respekt. Die MTT S80 mag wackelig auf den Beinen sein, aber sie läuft. Noch fällt es schwer, in dieser vollständig in China gefertigten Grafikkarte eine Konkurrenz zu AMD, Intel und Nvidia zu sehen, doch das ist nur eine Frage der Zeit, sofern die Firma am Ball bleibt. PCGH wird genau das jedenfalls tun und Sie in weiteren Artikeln und Videos auf dem aktuellen Stand halten.
Moore Threads MTT S80
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Dass sie mit vorgegebenen Spielen und vor allem Windows nicht so recht läuft mag auch gar kein Zufall sein, sondern dem Kampf gegen Chinaware und Einfluß geschuldet sein...
Spannender, wie läuft die Karte regulär in China - unter welchem OS? Linux? Ganz was eigenes? Das wäre auch sehr spannend! Bzw. gibt es da im Land überhaupt eine größere Menge davon? Wenn ja, kann ich mir beim Besten Willen nicht vorstellen, dass es da noch kein gut laufendes (aber nicht westliches) System gibt...
Laut Wikipedia bietet MTT Linux-Support.
Falls masochistisch veranlagt
Macht die Karte ähnliche Probleme unter Linux? Bzw. bootet sie überhaupt?
Doch kein Sommerloch/Urlaub/Ruhezeit für dich :p
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Btw, ich finde den Codenamen der GPU nett, passend und ambitioniert zugleich: https://dervorname.com/na...
"Daher ist die wörtliche Bedeutung des Namens Chunxiao „Frühlingsdämmerung“. Diese Bedeutung bringt eine Konnotation von Wiedergeburt, Frische und Hoffnung mit sich, ähnlich dem Anbruch des Frühlings nach dem kalten Winter."
MfG
Raff
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Die China-GPU muss richtige Schmerzen bedeuten
Und was ich so gesehen habe... so würde ich wahrscheinlich auch gucken.
Pauschal gesagt sind die bisherigen Erfolge der Chinaware durchaus beeindruckend.
Das würde Europa so nicht mal gemeinsam gelingen, da man sich ständig nur selbst im Weg steht, am Ende hapert es auch immer an der Finanzierung und dem Durchhaltevermögen.
Denn das bedeutet sicherlich eine 10jährige Vorbereitung, Entwicklung und mehrere Zyklen bis zu einem halbwegs brauchbaren Produkt.
Was dem Chinagedöns bisher noch fehlt ist natürlich eine breite Unterstützung.
Man darf davon ausgehen, dass die Produkte in China ganz anders angenommen und verwendet werden, als wir uns das hier vorzustellen vermögen.
Die Waren werden schließlich nicht dazu erstellt, um den PCGH-Benchmark zu bestehen, sondern erst einmal nur ganz bestimmte Aufgaben zu übernehmen.
Würde das in keinster Weise möglich sein, würde es diese Firmen wohl auch nicht einmal trotz der Unterstützung durch den Staat geben können.
In erster Linie geht es auch erst einmal nur darum, dass man sich einen Komplettrechner ohne amerikanischen Einfluss hinstellen kann.
Selbst wenn dann zum gleichen Preis für die wichtigen Aufgaben dann nur die halbe Leistung zur Verfügung stünde und man aber trotzdem gefühlt normal damit arbeiten könnte, wäre das für die Regierung mehr als nur ausreichend das als durchschlagenden Erfolg zu feiern und die gesamte Beölkerung damit auszustatten, anstatt nur die Behörden.
Und mal ehrlich: China will doch gar nicht, dass die Einwohner die gesamte, vornehmlich westlich geprägte Steam-Bibliothek zocken können soll, die würde das doch sogar lieber einfach ganz verbieten.
Die Menschen sollen auch gar nicht so viel zocken, sondern besser nur an Arbeit denken.
Es würde also völlig ausreichen, wenn einige chinesiche Spiele als Vorzeigeprodukt treibertechnisch unterstützt und optimiert werden, damit man das auch den Leuten privat aufdrücken kann.
Also selbst wenn die beste Karte derzeit nur in einigen Spielen eine 960 von 2015 erreicht, so reicht das ja immerhin schon für einen Großteil der erhältlichen Spiele.
Und man ist grob nur noch 10 Jahre hinter den Big-Playern hinterher, um vergleichbare Ware zu liefern, zumindest sowas wie derzeit bei Intel ARC abläuft.
Schaut doch mal rüber, wie gut das quasi gleiche angestrebte Ziel von Russland funktioniert.
GPU und CPU Designs eher fragwürdiger Qualität, überhaupt keine eigenständige Produktion.
Die sind eher noch mindestens 30 Jahre zurück, vor allem Dank der Sanktionen.
Und wenn man auf Deutschland schaut: och, wir entwickeln uns seit 30 Jahre nur noch zurück, prima.
Selbst potente und erfolgsversprechende Technik-Start-Ups werden schnellstmöglich verkauft oder gehen kaputt.
Wir sprechen uns in 10 Jahren wieder, ob Sanktionen und weitere Kriege den unweigerlichen Aufstieg Chinas beeinträchtigen oder gar beflügeln konnten.
Haum'mas jez?