Asus ROG Swift PG259QNR im Test: 360 Hz für E-Sport-Nonplusultra
Nein, 360 Hz sind keine reine Marketing-Evolution, die höhere Frequenz ergibt für Online-Shooter tatsächlich Sinn. Das gleich vorneweg, weil selbst nach über vier Jahren auf dem Markt noch immer an 240 Hz gezweifelt wird. Wir testen den ersten Monitor mit 360 Hz, den Asus PG259QNR, welcher mit einem farbstarken IPS-Panel und der eingebauten Input-Lag-Messung seitens Nvidia einige Überraschungen bereit hält.
Während Gaming-Notebooks bereits dieses Jahr mit einem IPS-Panel bis 300 Hz aufwarteten, kämpfen sich Monitore erst jetzt wieder an die Spitze der schnellstmöglichen Panels. 360 Hz ist nun das neue Nonplusultra für den E-Sport. Im Januar auf der CES angekündigt, können wir jetzt im Herbst das erste Modell testen. Wir haben von Nvidia den Asus ROG Swift PG259QNR bekommen, der weit mehr Upgrades gegenüber den 240- oder 280-Hz-Vorgängern bekommen hat als "nur" eine höhere Bildwiederholrate, also die 360 Hz. Es handelt sich bei den 360er-Modellen nicht etwa um schnelle TN-Panels, wie etwa erwartet, sondern um IPS-Panels. Die Einbußen in Sachen Bildqualität sind also etwas geringer, als sie es noch bei den ersten 240-Hz-Modellen waren, wie wir hier feststellen werden.
Es wird insgesamt vier Modelle mit 360 Hz geben: den hier getesteten Asus PG259QNR, den Acer Predator X25, Den Dell Alienware AW2521H sowie den MSI Oculux NXG253R. Alle haben das gleiche "Dual Driver"-IPS-Panel mit nativem G-Sync-Modul. Was allerdings Dual Driver bedeuten soll, konnten wir bislang nicht herausfinden.
Nvidia Reflex: Weniger Lag in Spielen und Messung per G-Sync-Modul
Quelle: PC Games Hardware
Asus ROG Swift PG259QNR im Test: 360 Hz für Esport-Nonplusultra (4)
Quelle: PC Games Hardware
Nvidia Reflex Overlay
Unter dem Reflex-Dach von Nvidia sind mehrere Techniken vereint. Softwareseitig bietet Nvidia den Spieleentwicklern das Reflex SDK, was aus APIs besteht, mit denen die Entwickler die Latenz messen und reduzieren können. Dabei ist auch keine aktuelle Ampere-Grafikkarte nötig, auch wenn Nvidia Reflex gerne zusammen damit vermarktet. Grundsätzlich soll der entsprechende Treiber ab Maxwell-Generation funktionieren.
Spiele können mit dem SDK einen Reflex Low Latency-Modus bekommen. Der ist aktuell schon vorhanden in Apex Legends, Call of Duty: Black Ops Cold War, Call of Duty: Modern Warfare - Warzone, Destiny 2, Fortnite und Val orant. Nvidia hat bereits selbst hier eine ausführliche Dokumentation zu Reflex und dem Input Lag selbst veröffentlicht.
Der Reflex Latency Analyzer (RLA) ermöglicht es, die gesamte Systemlatenz vom Mausklick bis zur Bildschirmdarstellung zu messen. Er ist im G-Sync-Modul der 360-Hz-Monitore integriert. Damit kann jeder selbst sein Latenz-Tuning daheim vornehmen und per Overlay auch feststellen, wie viel Millisekunden auf welche Komponente zurückzuführen sind - also etwa Maus, (GPU-)Renderzeit oder Display(-vorhaltezeit und -reaktionszeit). Es gibt sowohl ein OSD-Overlay als auch ein softwareseitiges per Geforce Experience (GE), welche etwas mehr Infos liefert, aber durchaus noch unübersichtlich und verwirrend ist.
Wer das umfangreiche Overlay eines MSI Afterburner gewohnt ist, wird sich zunächst über die unflexible Nvidia-Variante ärgern. Hier ist es etwa nicht möglich, bestimmte Metriken fürs Overlay individuell zusammenzustellen. Man darf sich entscheiden zwischen eine fixen Auswahl zur GPU oder etwa der zur Latenz. Die Position des Overlays ist fix zwischen einer der vier Ecken wählbar, es verdeckt also unter Umständen immer etwas anderes. Die deutsche Übersetzung ist stellenweise auch noch maximal misslungen. Was etwa eine "Darstellungsumsetzungslatenz" sein soll, kann sich wirklich niemand auf Anhieb vorstellen. In Englisch ist das mit der "Render Present Latency" etwas klarer: Es ist die Zeit zwischen dem sogenanntem present call und der Zeit bis zum eigentlichem Rendern - also die Zeit in der GPU-Warteschlange (render queue).
Was man mit welcher der vielen Zahlen im Latenz-Overlay überhaupt anfangen kann, wird auch erst klar, wenn man die ganze Pipeline versteht (worauf wir im Nachbar-Artikel zum Reflex Low Latency Mode eingehen). Zudem werden hier auch einige Zahlen addiert: Die Systemlatenz besteht aus den beiden darüber angezeigten Werten der Mauslatenz und der PC- und Anzeigelatenz. In letzterer sind die beiden "Darstellungslatenzen" auch enthalten.
Die Durchschnitte errechnen sich jeweils aus den letzten zwanzig Klicks. Eine Logging-Funktion gibt es noch nicht, soll aber mit einem Update in der Geforce Experience kommen.
Der RLA unterstützt nur bestimmte Modelle an Mäusen für die Echtzeitlatenz. Es handelt sich um folgende in der Tabelle. Darüber hinaus hat Nvidia die 30 beliebtesten E-Sport-Mäuse in der Reflex-Datenbank und zeigt davon im Overlay die von ihnen gemessene Durchschnittslatenz. Bei allen anderen Mäusen fehlt die Mauslatenz, die gesamte Systemlatenz wird aber trotzdem gemessen.
| Reflex-unterstütze Mäuse | Kabellose Unterstützung | Durchschnittslatenz |
|---|---|---|
| Logitech G PRO Wireless | Nein | 2,5 ms mit Kabel, 3,7 ms ohne Kabel |
| Asus ROG Chakram Core | - | 0,6 ms |
| Razer DeathAdder V2 Pro | Ja | 1,0 ms mit Kabel, 2,8 ms ohne Kabel |
| Steelseries Rival 3 | - | 3,1 ms |
Ausstattung: Gewohnt spartanisch mit G-Sync-Modul
Quelle: PC Games Hardware
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Nur auf dem ersten Blick sieht der PG259QNR aus wie nahezu alle anderen ROG-Monitore: Der typische Drei-Punkt-Standfuß und das leuchtende ROG-Logo auf der Rückseite lassen das vermuten. Es sind kleine Details, worin sich die vielen Asus-ROG-Monitore äußerlich unterscheiden: So steht der Standfuß nicht mehr auf drei Punkten und beleuchtet nicht etwa die Tischplatte mit dem ROG-Logo, vielmehr sind die Streben nun flach auf dem Tisch gespreizt. Wie alle Monitore mit G-Sync-Modul verfügt der PG259QNR nur über zwei Video-Eingänge, also Displayport und HDMI. Zwei USB-Ports sind mit dabei, wobei einer für die Maus zur Latenzmessung vorgesehen ist. Dazu muss der USB-Hub auch mit dem Rechner verbunden werden.
Das OSD aber unterscheidet sich kaum von dem anderer ROG-Modelle: Stets gut aufgeräumt und Gaming-Features wie Fadenkreuz, Schwarzaufhellung oder Hz-Anzeige sind üblich bei den Asus-Gaming-Monitoren. Lediglich die Reflex-Optionen zur Latenzmessung sind hinzugekommen.
Bildergalerie
Bildqualität: Besser als erwartet
Full HD ist eigentlich nicht mehr zeitgemäß - außer im E-Sport. Nun könnte man sich über die geringe Auflösung aufregen. Aber dabei gibt es für die breite Masse bereits Modelle mit WQHD und 240 Hz oder mit 4K/UHD mit 144 Hz, mit denen man nicht so viel Bildfläche oder Pixeldichte für die Bewegtbildschärfe oder den niedrigeren Lag opfern muss.
Quelle: PC Games Hardware
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Sehen wir also von der kurzen Diagonale von 24,5 Zoll und der Auflösung ab, handelt es sich um ein ziemlich gutes IPS-Panel: Nun ist im Internet von bis zu 10 Bit Farbtiefe zu lesen, die Farbraumabdeckung lässt aber eher native 8 Bit vermuten. Der für Gamer einzig wichtige sRGB-Farbraum wird fast vollständig ausgefüllt, nämlich zu 98 Prozent. Der Filmfarbraum DCI-P3 oder der Fotofarbraum AdobeRGB wird nur zu circa zwei Dritteln überlappt, aber an professionelle Bildbearbeitung ist hier ohnehin nicht zu denken. Auch wenn man das mit der kalibrierten Farbtreue könnte: Zu unserer Überraschung lässt sich das Panel recht gut kalibrieren, nämlich auf eine Farbabweichung von durchschnittlich nur 1,2 im Delta E 2000 - ein richtig gutes Ergebnis. Leider kann das dem Gamer egal sein, denn die subjektive Bildqualität erhöht das nicht. Im Werkszustand ist das Bild recht kühl voreingestellt, was an sich etwas natürlicher wirkt als nach der Kalibrierung.
Der Kontrast kratzt nur knapp an der 1.000:1-Marke, ist also noch dreistellig. Es geht zwar mit IPS hier schon etwas besser, aber sichtlich schwärzeres Schwarz bieten nur VA-LCDs oder OLEDs. Zum Trost: Die schnellen Nano-IPS-Modelle von LG haben sogar noch einen minimal schlechteren Kontrast.
Bewegtbildqualität: Schlierenfrei dank 360 Hz
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Die große Frage lautet: Sieht man den Unterschied noch zu 240 Hz? Ja, aber wirklich nur im direkten Vergleich. Wer noch auf 240 Hz allein wegen der ultimativen Geschmeidigkeit aufgerüstet hat, muss nicht unbedingt mehr mitgehen. Die hohe Frequenz bietet andere Vorteile (für den E-Sport). Mehr Bilder bedeutet etwa weniger Lag und eine erwiesen bessere Trefferquote in Shootern. Je höher die Frequenz, umso geringer auch die Bildrisse. G-Sync ist zwar hier dabei, wird mit entsprechend hohen Fps aber nicht mehr gebraucht. Während wir bei 240 Hz noch ein minimales Zappeln an den Kanten erkennen konnten, haben wir ab 300 Hz wirklich nicht mehr feststellen können, ob G-Sync nun aktiv ist oder nicht.
Die Reaktionszeit wird auch hier mit der typischen Millisekunde beworben. Die Realität aber sieht auch hier anders aus: Das IPS-Panel ist schnell genug für die 360 Hz, aber nur mit aktivem Overdrive auf mittlerer Stufe. Ohne Overdrive sind leichte Schlieren sichtbar, wenn auch wirklich nur minimal. Die höchste Stufe sorgt für sichtbares Ghosting und dient lediglich als Alibi, um im Bestwert eines Grauwechsels auf die eine Millisekunde zu kommen, auch nur dann wenn der Overshoot ignoriert wird, eben genauso wie die Nano-IPS-Panels in HP- oder LG-Modellen. Allein von den Reaktionszeiten ist TN noch immer etwas schneller, was wir am Minimum unter einer Millisekunde auch messen können.
Was zählt ist aber, was man sieht. Die niedrige Reaktionszeit ist dafür verantwortlich, dass das Bild nicht schliert. Die Bewegtbildschärfe ist aber durch die hohe Bildwiederholrate bedingt, daher sind die 360 Hz auch unerreicht gestochen scharf in Bewegungen. Die Bilder mit dem Test-Ufo geben nicht die tatsächliche Schärfe wieder. Denn die ist in der Realität noch etwas besser, aber hier kommt die Fototechnik an ihre Grenzen. Sichtbar ist immerhin der minimale Unterschied an Schlieren zwischen den Overdrive-Stufen. Der Monitor verfügt auch über ULMB, also über ein flimmerndes Hintergrundlicht, welches das Bild nochmals etwas schärft. Jedoch ist die Funktion auf 240 Hz begrenzt und der Unterschied zu 360 Hz wirklich minimal. Davon abgesehen funktioniert G-Sync nicht gleichzeitig, wie etwa bei anderen Asus-Modellen, mit sogenanntem ELMB-Sync.
Input Lag: Quasi nicht vorhanden
Quelle: PC Games Hardware
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Die geringe Signalverzögerung ist das Killer-Feature des Monitors. Nun dürfen wir zwar noch keine Ergebnisse mit dem Reflex-Analyzer präsentieren, wohl aber die der bisherigen Methoden: Mit dem Leo-Bodnar-Tool messen wir in der Bildmitte sehr gute 9,6 ms, welche größtenteils aus der halben Bildaufbauzeit bestehen dürfte. An der oberen Kante messen wir Werte unter 2 ms. Auch hier könnte noch etwas Bildaufbauzeit enthalten sein sowie etwas an Reaktionszeit, sodass quasi keine Verzögerung auf die Monitor-Elektronik (also das G-Sync-Modul) zurückfällt. Die Vermutung liegt also nahe, dass der Monitor ein CRT-Niveau haben dürfte. Wir werden versuchen, hier noch eine CRT-Vergleichsmessung nachzureichen.
Wir messen zudem mit dem Latency Display Analyzing Tool (LDAT) von Nvidia, welches die gesamte Systemlatenz misst, also vom Mausklick bis zur Bildschirmreaktion. Für den Monitor hat der Wert immerhin eine relative Aussagekraft: Wir messen insgesamt 100 Schüsse in Overwatch bei 300 Fps(-Limit) ohne CPU- oder GPU-Limit. Mit einem Schnitt von 19,6 ms ist der Asus-Monitor knapp der schnellste: Andere Monitore am gleichen System und auch andere Notebooks mit dem 300-Hz-Panel kommen nicht unterhalb die 20 ms, liegen im Schnitt also wenige Millisekunden darüber.
Fazit: Gutes Upgrade für E-Sportler, aber auch nur für die
Der Asus ROG Swift PG259QNR gibt sich in keiner Disziplin die Blöße und schneidet in allen für den E-Sport wichtigen Messungen erstklassig ab: Der Input Lag ist niedrig, die Reaktionszeit auch und die Bildwiederholrate einen Evolutionsschritt entsprechend höher. Darüber hinaus handelt es sich hier um ein IPS-Panel mit guter Farbraumabdeckung, die aber nicht so gut ausfällt wie die der schnellen Nano-IPS-Panels. Es sind also weitaus weniger Kompromisse, die man bei den ersten "240ern" mit ihren TN-Panels machen musste. Denn diese scheinen nun wirklich langsam auszusterben - jetzt, wo IPS schnell genug für die Nonplusultra-Bildfrequenzen ist.
Nun soll der Monitor bis zu 700 Euro kosten, was knapp 100 Euro mehr ist als die ersten mit 240 Hz, welche aber ohne G-Sync-Modul, ja sogar noch ohne Freesync daherkamen. Ja, der Preis lohnt sich bei der Fülle an Features, wenn man sie denn wirklich braucht. Wer ambitioniert im Clan spielt und jeden Hebel im Treiber oder im Grafikmenü des Spiels auf Lag testen möchte, kann sich hiermit im Tuning austoben. Ein Feierabend-Gamer aber hat dann doch etwas mehr von einer größeren Bildfläche und Auflösung.
| Diagonale | 24,5 Zoll |
|---|---|
| Produktname | ROG Swift PG259QNR |
| Hersteller | Asus |
| Preis/Preis-Leistungs-Verhältnis | Ca. € 700 Euro (UVP),-/- |
| PCGH-Preisvergleich | Link folgt, sobald gelistet |
| Ausstattung (20 %) | 2,08 |
| Anschlüsse | 1× DP 1.4 , 1× HDMI 2.0, 2× USB 3.0 |
| Max. Auflösung/Pixeldichte | 1.920 × 1.080/89,9 ppi |
| Panel-Typ/Diagonale | IPS/62,2 cm |
| Netzteil/Vesa-Halterung | Extern/100 × 100 |
| Gewicht/Maße (inkl. Standfuß) | 5,6 kg/55,6 cm × 42,1 cm × 25,2 cm |
| Pivot 90 Grad/neigbar/höhenverst. | Ja/-5°, 25°/12 cm |
| Garantie | 2 Jahre |
| Sonstiges/Zubehör | Nvidia Reflex Analyzer, ULMB mit 240 Hz |
| Eigenschaften (20 %) | 1,91 |
| Bildwiederholrate/VRR | 1-360 Hz/G-Sync |
| Farbtiefe/Farben | 8 Bit/16,7 Mio. Farben |
| Kontrastverhältnis/Schwarzwert | 974:1/0,4 cd/m² |
| Max. Leistungsaufnahme/Stand-by | 42 Watt/0,1 Watt |
| Leistung (60 %) | 1,20 |
| Input Lag (Leo Bodnar Tool) | 9,5 ms |
| Farbabweichungen (ø Delta E 2000) | 1,2 |
| ø Reaktionszeit (Min.-Max.) | 2,6 ms (1,9-3,6 ms) |
| Max. Helligkeit, Abweichungen | 436,5 cd/m², Bis 9 % |
| Schlieren-/Korona-Bildung | keine/keine |
| Endnote | 1,52 |
| + | Eingebaute Input-Lag-Messung |
| + | Schlierenfreies, scharfes Bewegtbild |
| - | Nur Full HD, teuer |
Der 360er von Dell (Alienware AW2521H) ist für März 2021 für 660 UVP angekündigt. Das ist aber noch so lang hin, dass ich auf den Marktstart noch keinen Pfifferling wetten würde. Dell nennt gerne mal irgendwelche Marktstarts.