Xbox-Reset: So baut Microsoft seine Gaming-Sparte um

3
News Sven Bauduin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Xbox-Reset: So baut Microsoft seine Gaming-Sparte um
Quelle: Microsoft / Montage: Sven Bauduin

Microsoft-CEO Asha Sharma hat den größten Umbau der Xbox-Geschichte eingeleitet: Bis zum Ende des Fiskaljahres fallen rund 3.200 Stellen weg und vier Entwicklerstudios verlassen den Konzern aus Redmond. Alle Hintergründe zum großen Reset.

Spieler, die eine Xbox besitzen oder auf kommende Microsoft-Titel warten, sollten die Ankündigung rund um die drastischen Zahlen einordnen können. Der US-Konzern aus Redmond spricht selbst von einem "Reset", nicht von einem Rückzug, und knüpft an den massiven Umbau seiner Gaming-Sparte ein Wachstumsversprechen für 2027.

Microsoft ordnet die Xbox-Sparte grundlegend neu

Microsoft hatte mit einer über Xbox Wire veröffentlichten E-Mail an alle Beschäftigten den umfassendsten Umbau der Markengeschichte eingeleitet und damit die seit Wochen kursierenden Umbaupläne bestätigt. Xbox-CEO Asha Sharma bezeichnet das eigene Gaming-Segment darin als "nicht gesund" und leitet daraus einen grundlegenden "Reset" ab. Den vollständigen Wortlaut ihrer Mail hatte die Managerin zeitgleich über X öffentlich gemacht - ein insbesondere für eine Restrukturierung dieser Größe durchaus ungewöhnliches Vorgehen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle finden Sie externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn Sie dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigen: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

3.200 Stellen fallen im Fiskaljahr 2027 weg

Insgesamt 3.200 Stellen streicht Microsoft im laufenden Fiskaljahr 2027, davon etwa 1.600 unmittelbar zum Auftakt am 6. Juli 2026. Das Fiskaljahr läuft vom 1. Juli 2026 bis zum 30. Juni 2027; die verbleibenden 1.600 Kündigungen im Konzern verteilen sich in mehreren Entlassungswellen über den genannten Zeitraum.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle finden Sie externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn Sie dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigen: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Betroffen ist nicht allein das Konsolengeschäft: Asha Sharma nennt Einschnitte bei Activision, Bethesda respektive Zenimax, Blizzard, King, Mojang und den Xbox Game Studios. Rund ein Fünftel der Mitarbeiter dieser Sparte verliert damit den Arbeitsplatz.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle finden Sie externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn Sie dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigen: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Dass sich ein über ein Jahr gestreckter Stellenabbau nur schwerer verkraften lässt, räumt die Xbox-Chefin selbst ein - sie wolle bei der Größenordnung aber "direkt" sein. Fachleute hatten zuvor bereits vor dem größten Stellenabbau der Gaming-Geschichte gewarnt und auch jetzt sind sich viele Beobachter nicht sicher, ob es letztlich bei den angekündigten Stellenstreichungen bleibt, oder Microsoft noch einmal nachlegt.

Diese vier Entwicklerstudios verlassen Xbox

Vier Studios verlassen Xbox: Double Fine und Compulsion Games werden wieder eigenständig, Ninja Theory und Undead Labs wechseln zu neuen Eigentümern. Double Fine und das Compulsion-Studio gehen samt Markenrechten, Backkatalog und einer Anschubfinanzierung für die nächsten Projekte in die Unabhängigkeit zurück.

Ninja Theory und Undead Labs verkauft Microsoft an neue Eigentümer; die Finanzierung für Senua und State of Decay 3 sichert der Konzern zu. Bei dem französischen Arkane in Lyon beginnt die Studioleitung eine mit dem Betriebsrat vorgeschriebene Konsultation, um strategische Optionen zu prüfen. Das Arbeitsrecht in Frankreich setzt hier deutlich engere Grenzen als das Pendant in den USA.

Bereits angekündigte First-Party-Spiele stellt Microsoft nach eigenen Angaben aber "ausnahmslos" fertig, heißt es in der Ankündigung von oberster Stelle.

Warum Microsoft einen Xbox-Reset für nötig hält

Die Xbox-Sparte arbeitet nach Darstellung von Asha Sharma mit Margen, die drei- bis zehnmal niedriger liegen als bei vergleichbaren Plattform- und Publishing-Konzernen. In die neunte Konsolengeneration sei der Konzern aus Redmond mit einer kleineren installierten Basis und einer höheren Kostenstruktur gestartet.

Die Wette auf Game Pass, Multiplattform-Veröffentlichungen und ein breiteres Content-Portfolio habe zwar "bedeutende Mehrwerte" geschaffen, sei beim Wachstum aber hinter den Erwartungen geblieben.

Für jeden investierten Dollar habe Xbox in einem typischen Jahr 64 Cent verloren, rechnet Sharma vor und begründet damit die Trennung von Studios. Verschärfend komme die nach ihren Worten "schwerste Hardware-Krise der Branchengeschichte" hinzu - ein Verweis auf die anhaltend hohen Speicherpreise, die zuletzt auch die Konsolenpreise nach oben getrieben haben.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle finden Sie externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn Sie dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigen: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Seit 2018 hatte Microsoft sein Studio-Portfolio mit Zukäufen wie Zenimax und Activision Blizzard King ausgebaut; nun schlägt der Konzern die Gegenrichtung ein.

Flachere Strukturen und eine neue Führungsebene

Die Zahl der Management-Ebenen sinkt bei Xbox von bis zu 14 auf höchstens fünf, wo es möglich ist, auf drei. Die Plattform-Teams seien seit Beginn der Xbox-Generation um 40 Prozent gewachsen, während Spielerzahl und Spielzeit zurückgingen.

Auf der Führungsebene entsteht erstmals die Position eines Chief Operating Officer mit durchgängiger Ergebnisverantwortung über Inhalte, Hardware, Plattform und Dienste; Helen Chiang, zuvor an der Spitze des "Minecraft"-Studios Mojang, übernimmt diese neu geschaffene Rolle innerhalb der Xbox-Sparte.

Der bisherige Betriebschef Dave McCarthy verlässt den Konzern nach 17 Jahren. Mojang und King berichten künftig direkt an Sharma; beide zählen gemessen an den monatlich aktiven Nutzern zu den größten Entwicklerstudios im Konzern und gelten intern längst als die führenden Plattformen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle finden Sie externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn Sie dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigen: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Künftig will Xbox mit einer deutlich schlankeren Codebasis, geteilten Diensten und einem um 50 Prozent gekürzten Budget für externe Dienstleister arbeiten. Eine Kostenreduktion steht dabei klar im Vordergrund und soll die Xbox-Sparte wirtschaftlicher und für Investoren deutlich interessanter machen.

Ob man damit "eine Milliarde Menschen" erreichen kann, wie es Xbox-CEO Asha Sharma vorschwebt, darf aber durchaus bezweifelt werden. Genauer betrachtet, ist die nachfolgende Aussage der Gaming-Chefin als illusorisch einzustufen, wie auch bereits die Website PC Gamer richtig anmerkt.

Ich möchte, dass Xbox eines der wenigen Unternehmen wird, das jeden Tag mehr als eine Milliarde Menschen unterhält und jedem die Möglichkeit gibt, kreativ zu sein und sich zu vernetzen.

Ich weiß, dass wir dieses Ziel erreichen können. Xbox besitzt viele der beliebtesten Franchises der Unterhaltungsgeschichte, talentierte Studios auf der ganzen Welt und wir werden im Jahr 2027 zum Wachstum zurückkehren.

- Asha Sharma, Xbox-CEO -

Asha Sharma wünscht sich demnach eine tägliche Spielerbasis, die dem Äquivalent von 83 Mal World of Warcraft zu seinen absoluten Glanzzeiten entspricht, und auch dem Vergleich mit Steam muss sich die Xbox-Sparte dann stellen. Apropos Steam: Die Vertriebsplattform erreichte letztes Jahr 41 Millionen gleichzeitige Nutzer. Der Xbox-CEO wünscht sich also etwa 24 Mal Steam auf Allzeit-Rekordniveau. Eine Anspruchshaltung, welche fast schon vermessen zu sein scheint.

Mitmachen und kommentieren

Wie stehen Sie zu diesem Thema? Die PCGH-Redaktion freut sich schon über Ihre Meinung in den Kommentaren zu dieser Meldung. Sollten Sie hingegen noch keinen Extreme-Account haben, laden wir Sie zu einer Registrierung im Forum ein. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die gültigen Forenregeln. Folgen Sie gerne PCGH bei 🔈 YouTube oder 💬 WhatsApp und erhalten Sie Neuigkeiten zu CPUs, Grafikkarten und Gaming direkt in Ihrem Feed.

Quelle: Microsoft, Xbox Wire, Jason Schreier, Bloomberg

3
    • Kommentare (3)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von KremitTheFrag Freizeitschrauber(in)
        Sind die angesprochenen 64 Cent Verlust je eingesetztem Dollar eigentlich echter Verlust oder nur nicht erfüllte Erwartung?
      • Von KremitTheFrag Freizeitschrauber(in)
        Sind die angesprochenen 64 Cent Verlust je eingesetztem Dollar eigentlich echter Verlust oder nur nicht erfüllte Erwartung?
      • Von rhalin Software-Overclocker(in)
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
        Kleiner Fehler im Text.
        Die gute Asha will vielleicht mal Microsoft CEO werden aber im Moment ist sie nur CEO von XBOX
      • Von JuNiioR PC-Selbstbauer(in)
        Ist doch relativ gut gelöst worden das ganze.

        Immerhin kriegen die Studios die Chance weiterhin zu bestehen und kriegen sogar ihre neuen Spiele finanziert.
        Bei Sony hätte man die Studios gnadenlos gekillt ( siehe Blue Point ).
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PCGH Magazin 08/2026 PC Games 07/2026 play5 08/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games Hardware PC Games Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk