Macbook Neo: Mein neuer Alltag ohne Windows - Ist der Umstieg wirklich so leicht? [Kolumne]
Ein Gerätewechsel kann mehr verändern als erwartet. Ich habe das Experiment gewagt und kann nun sagen, ob der Wechsel nach 20 Jahren Windows wirklich so leicht und intuitiv ist.
Es gibt Geräte, die man über Jahre nur aus der Distanz kennt. Man hat sie gesehen, man hat sie eingeordnet, aber nie benutzt. So ging es mir mit Apple-Produkten. Als andere ihre ersten iPods hatten, besaß ich nur einen günstigen Abklatsch. Als auf dem Schulhof die ersten iPhones auftauchten, steckte bei mir noch ein Sony Ericsson W595 in der Tasche, ein Slider-Handy im Ed-Hardy-Stil. Apple war nie Teil meines Alltags. Auch später nicht. Während im Studium um mich herum Macbooks und iPads in den Vorlesungen aufklappten, stand bei mir ein Lenovo Legion auf dem Tisch. Funktional war das Gaming-Gerät keineswegs schlecht, akustisch aber leider doch etwas zu präsent. Die Lüfter liefen schon bei geringer Last hörbar und zogen in der ersten Reihe regelmäßig mehr Aufmerksamkeit auf sich als der eigentliche Vorlesungsinhalt.
Der Wechsel auf ein Macbook war für mich deshalb nicht einfach nur ein Gerätewechsel. Er war ein Bruch mit einer über Jahre gewachsenen Nutzungspraxis. Hinzu kommt ein weiterer Faktor, der sich nicht technisch erklären lässt: Apple war in meinem Umfeld nie neutral besetzt. Mein Vater hat Apple-Produkte über Jahre hinweg konsequent abgelehnt. Zu teuer, zu geschlossen, zu wenig kompatibel. Als ich ihm erzählte, dass ich ein Macbook gekauft habe, kam die Reaktion entsprechend schnell: Ich könne ja direkt Linux installieren.
Schon der erste Eindruck ist leider entsprechend aufgeladen. Ich klappe das Gerät auf und will erst einmal den Einschaltknopf betätigen, nur um festzustellen, dass ich ihn gar nicht brauche. Stattdessen erscheint direkt ein weißer Apfel auf schwarzem Hintergrund. Wenige Sekunden später ist das System da. Bis hierhin musste ich nicht viel mehr tun, als den Deckel zu öffnen. Das ist zunächst irritierend, aber noch harmlos.
Das @-Zeichen: Ein kleines Symbol, großes Problem
Die erste echte Hürde folgt beim WLAN-Passwort. Es enthält ein @-Zeichen. Also drücke ich, wie es mein Muskelgedächtnis befiehlt: Alt Gr und Q. Das Macbook reagiert darauf mit einem gequälten Ton. Ein Geräusch, das ich im Verlauf noch öfter hören sollte. Also greife ich zum Smartphone und google, wie man unter macOS ein @ schreibt. Die Antwort lautet: mit L. Wer sich das ausgedacht hat, hatte entweder gute Gründe oder einen sehr speziellen Humor.
Quelle: PC Games Hardware
Die Tastatur ist nur eine der vielen kleinen Umgewöhnungen, die notwendig sind.
Kaum ist dieses Problem gelöst, folgt das nächste Ritual, das plattformübergreifend vertraut wirkt: das Update direkt nach der Einrichtung. Kaum steht das neue Gerät vor einem, schon soll man warten, statt es zu benutzen. In diesem Punkt ist Apple erfreulich gewöhnlich.
Danach ist das System einsatzbereit. Zumindest wirkt es so. Ich rechne mit dem üblichen Ablauf: Account anlegen, Daten eingeben, mich irgendwo einloggen und das Gerät möglichst früh an ein bestehendes Ökosystem binden. Genau daran hat man sich in den vergangenen Jahren gewöhnt. Umso überraschender ist, dass es nicht passiert. Kein unmittelbarer Zwang, kein penetranter Login-Hinweis, keine Aufforderung, sich festzulegen. Ich lande einfach auf dem Desktop und kann das Gerät benutzen. Pluspunkt für Apple, würde ich meinen.
Der erste Reflex: Safari nur als Mittel zum Zweck
Ich bin also auf dem Desktop. Und jetzt? Mein erstes Ziel ist denkbar banal: ins Internet. In der unteren Leiste finde ich schnell Safari. Ich kenne den Namen, will aber trotzdem lieber Chrome. Also öffne ich Safari, um Chrome herunterzuladen. Auch das kommt mir seltsam vertraut vor. Wahrscheinlich ist das bis heute eine der wichtigsten Funktionen vorinstallierter Browser. Edge erfüllt auf Windows ja seit Jahren einen ähnlichen Zweck.
Quelle: PC Games Hardware
Das Macbook kennt .dmg, aber .bin stellt ein Problem dar.
Ich lade also eine Chrome-Datei mit der Endung .dmg herunter, ohne zu wissen, wofür diese Abkürzung eigentlich steht. Nach dem Download will ich Safari schließen und drücke links oben auf den roten Knopf. Ungewohnt platziert, aber das Prinzip sollte bekannt sein - sollte es. Denn Safari bleibt in der Leiste sichtbar, inklusive eines kleinen Punkts darunter. Offenbar läuft das Programm weiter.
Das ist einer dieser Momente, in denen sich der eigentliche Unterschied zwischen zwei Systemen zeigt. Nicht auf der Ebene großer Funktionen, sondern im Kleinen, in den erlernten Reflexen. Was ich aus Windows kenne, greift hier nicht. Der rote Knopf beendet nicht das Programm, sondern nur das Fenster. Das System unterscheidet offenbar deutlich strenger zwischen Anwendung und sichtbarem Inhalt.
Rechtsklick: Gibt's hier nicht?
Ich versuche also, per Rechtsklick in der Leiste unten das Programm zu beenden. Nur stellt sich sofort die nächste Frage: Wie macht man auf einem Macbook eigentlich einen Rechtsklick? Wieder greife ich zum Smartphone. Rechtsklick gibt es so nicht direkt, alles klar. Stattdessen drückt man mit beiden Fingern doppelt aufs Trackpad. Es gibt aber offenbar auch einen anderen Weg. Die zweite Lösung lautet diesmal: Command und Q. Ich drücke beides gleichzeitig, und endlich passiert genau das, was ich von Anfang an erwartet hatte. Safari verschwindet wirklich. Kein Punkt mehr unter dem Icon, keine Aktivität im Hintergrund. Das Programm ist beendet.
Quelle: PC Games Hardware
Es steht nicht dabei, aber man muss das Chrome-Icon in den Ordner unten ziehen.
Dann die Installation von Chrome. Doppelklick auf die Datei, ein Fenster öffnet sich. Darin sehe ich das Chrome-Symbol und den Programme-Ordner. Es steht nicht ausdrücklich dabei, was zu tun ist, aber die Geste ist eindeutig: Ich soll das Icon herüberziehen. Das ist einerseits elegant, weil es eine bewusste Handlung verlangt und nicht wie ein klassischer Installer im Hintergrund durchgewinkt wird. Andererseits bleibt ein Rest Unsicherheit. Habe ich das Programm gerade wirklich installiert oder nur verschoben?
Kurz erscheint ein Ladebalken, verschwindet aber fast sofort wieder. Das Fenster bleibt offen. Es fühlt sich nicht wie ein klassischer Installationsdialog an, eher wie eine Zwischenstation, die nicht von allein verschwindet, weil ich noch etwas hätte verstehen sollen. Also derselbe Reflex wie zuvor: roter Knopf, Fenster weg.
Quelle: PC Games Hardware
Achtung: Der grüne Button links oben schickt einen direkt in den Vollbildmodus. Das kam unerwartet!
An diesem Punkt halte ich fest: Ich habe bisher nur das Gerät gestartet, eingerichtet und Chrome heruntergeladen. Mehr nicht. Und trotzdem bin ich bereits an mehreren Stellen ins Stocken geraten. Nichts an diesem System wirkt für mich vertraut, wenig intuitiv, noch weniger selbsterklärend. Und genau in diesem Zustand beginnt für mich dann die eigentliche Annäherung an macOS, über diese vielen kleinen Momente, in denen man merkt, dass das Gerät nach anderen Regeln funktioniert als das, was man über Jahre gelernt hat.
Das fängt schon mit der Leiste am oberen Bildschirmrand an. Unter Windows gehört so etwas für mich zum jeweiligen Fenster. Bei macOS hängt sie immer oben, fest im Raum, als würde das System sagen wollen: Nicht das Fenster bestimmt, was gerade passiert, sondern ich! Das klingt zunächst nach einem rein kosmetischen Unterschied, ist im Alltag aber wirklich erstaunlich irritierend. Ich klicke mich durch Programme, suche Optionen dort, wo ich sie erwarten würde, nur um festzustellen, dass ich wieder nach ganz oben schauen muss. Es ist eine dieser Designentscheidungen, die vermutlich logisch sind, sobald man sie verinnerlicht hat.
Ähnlich geht es weiter, sobald man versucht, Programme nicht einfach nur zu installieren, sondern grundsätzlich zu verstehen, wie Software auf diesem Gerät eigentlich gedacht ist. Nach den ersten .dmg-Erfahrungen dämmert mir langsam, dass macOS zwei sehr unterschiedliche Welten kennt. Da ist zum einen der App Store, also der saubere, kontrollierte, von Apple abgesegnete Weg. Installieren, bestätigen, fertig. Und dann ist da der Rest, dieses "halboffizielle Draußen", in dem man Dateien aus dem Netz lädt, Icons verschiebt, Warnhinweise wegklickt und sich nie ganz sicher ist, ob das System einen jetzt schützt oder nur passiv-aggressiv missbilligt. (Ich bin ziemlich sicher, dass Apple Letzteres im Sinn hatte.)
Quelle: PC Games Hardware
Apple stellt zu viele Fragen!
Das wird besonders deutlich, wenn man nicht bloß einen Browser installieren will, sondern Dinge mitbringen möchte, die man bereits besitzt. Unter Windows war ich daran gewöhnt, Programme, Spielstände oder Installationsdateien mehr oder weniger selbstverständlich mitzunehmen. Externe Festplatte, herüberschieben, los geht's. Beim Mac merkt man schnell, dass diese Vorstellung nur bedingt funktioniert. Meine Version von Cyberpunk 2077 etwa lässt sich nicht einfach so herüberziehen; macOS versteht mit bestimmten Dateiformaten schlicht nichts. Also kann ich meine .bin-Dateien zwar herüberziehen, aber sie bringen mir auf dem Macbook nicht sonderlich viel. Und insgesamt: Aus irgendeinem Grund hat dieses Betriebssystem eine bemerkenswerte Fähigkeit, zwischen elegant und unfassbar eigensinnig zu wechseln, und zwar im Sekundentakt.
Es sind die kleinen Dinge, die Freude bringen
Auf der einen Seite gibt es die kleinen Eigenheiten, auf der anderen gibt es aber auch Momente, in denen macOS plötzlich eine Form von Komfort ausspielt, die fast schon irritierend gut funktioniert. Zum Beispiel bei ZIP-Dateien. Es ist keine große Sache, wirklich nicht, aber es ist eine dieser kleinen Punkte, die einfach sehr angenehm gelöst sind, und bei denen man sich fragt, warum Microsoft das nicht einfach abkupfert. Ich lade ein Archiv herunter, will mich innerlich schon auf den nächsten Mini-Installationsprozess einstellen, und dann entpackt das System die Datei einfach. Kein zusätzlicher Griff zu 7-Zip oder WinRAR, kein halbvergessenes Tool, das man irgendwann aus Gewohnheit installiert hat und seitdem mitschleppt. Die Datei ist einfach da. Klar, das ist keine große Revolution, aber für mich persönlich doch ein Zeichen dafür, dass man sich über Benutzerfreundlichkeit zumindest einen Moment lang Gedanken gemacht hat.
Quelle: PC Games Hardware
Airdrop ist doch eine sehr sinnvolle und angenehme Apple-Eigenheit.
Noch deutlicher wird dieser Effekt bei Airdrop. Auch das ist solch ein Feature, das man von außen immer ein bisschen als Apple-Zauber belächelt, bis man es selbst benutzt. Ich will eine Datei schnell von einem Gerät aufs andere bekommen, rechne innerlich schon mit dem üblichen Theater aus Kabeln, Messenger an mich selbst, Cloud-Ordnern oder irgendwelchen Notlösungen, und stattdessen taucht das Zielgerät einfach auf. Ein paar Klicks später ist die Datei da, wo sie hin soll. Das ist nun wirklich fast schon Zauberei.
Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem mein erster Widerstand gegen das Gerät langsam Risse bekommt. Denn je länger ich es benutze, desto deutlicher wird, dass macOS nicht einfach nur anders sein will. Es nimmt sich an manchen Stellen Freiheiten heraus, die erst einmal wie unnötige Hürden wirken, und gleicht das an anderen Stellen mit einer fast provokanten Eleganz wieder aus. Das System nervt mich, weil es meine Gewohnheiten unterläuft. Gleichzeitig beeindruckt es mich dort, wo es alltägliche Kleinigkeiten unsichtbar macht - macOS löst Probleme, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie habe.
Und dann ist da noch etwas, das sich viel nüchterner beschreiben lässt, aber für mich fast eine emotionale Kategorie hat: die Lüfter. Genauer gesagt ihr Ausbleiben. Ich komme von einem Laptop, der im Studium schon bei harmlosen Aufgaben klang, als wolle er demnächst abheben. Das war nicht nur technisch unschön, sondern sozial unangenehm. Man klappt in einer Vorlesung sein Gerät auf, öffnet ein paar Tabs, vielleicht ein PDF, und der Rechner klingt, als würde er im Hintergrund ein Rendering für die NASA fahren. Dieses Trauma gehört nun der Vergangenheit an, immerhin besitzt das Macbook Neo nicht einen einzigen Lüfter.
Fazit nach den ersten Tagen: Intuitiv ist relativ
Und an genau dem Punkt drängen sich mir die eigentlichen Fragen auf, die ich schon hatte, bevor das Macbook in meinen Besitz gekommen ist. Wie ist es eigentlich, zum ersten Mal mit einem Macbook zu arbeiten? Ist das System wirklich so intuitiv, wie oft behauptet wird? Kann man einfach wechseln? Bisher konnte mir niemand diese Fragen zufriedenstellend beantworten.
Quelle: PC Games Hardware
Schlank und ohne Lüfter heilt mich das Macbook Neo hoffentlich von meinen Gaming-Notebook-Erfahrungen zu Unizeiten.
Also bleibt mir nichts anderes übrig, als sie selbst zu beantworten. Und die fällt, zumindest nach den ersten Tagen, deutlich weniger eindeutig aus, als ich erwartet hätte.
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habs mittlerweile auch gefunden ^^
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Aber ansonsten werde ich Windows nicht vermissen. Es laufen sogar relativ viele Spiele auf Steam unter MacOS.
Ein perfekter Daily Driver.