Windows 11: Warum Microsofts Altlasten auch ein Nutzerproblem sind [Kolumne]
Windows 11 schleppt viele Altlasten mit, weil Nutzer zugleich ein modernes System und maximale Kompatibilität erwarten. Genau dieser Widerspruch macht das Leben für Microsoft sehr schwer.
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Manchmal merkt man erst beim Aufräumen, wie viel man eigentlich behalten will. Das gilt für Schreibtische, Kabelschubladen und leider auch für Windows. Vorn soll alles modern sein, hinten soll aber bitte noch das alte Tool starten, das seit Windows 7 nicht mehr aktualisiert wurde. Der Scanner von damals soll weiter scannen, das Spiel von 2009 soll seine Savegames finden und der Installer soll sich gefälligst nicht beschweren. Genau darin steckt das Problem, das Windows 11 so zäh macht. Natürlich ist Windows 11 nicht nur deshalb anstrengend, weil wir Nutzer zu viel verlangen. Microsoft trägt mit Konto-Zwang, Copilot-Flächen, Werbung, Edge-Gedränge und halb migrierten Menüs mehr als genug selbst dazu bei. Ganz aus der Verantwortung kommt aber eben auch die Nutzerseite nicht heraus. Wir wollen ein Windows, das endlich aufräumt, nur bitte nicht in dem Ordner, in dem noch der alte Scannertreiber, das Lieblingsspiel oder irgendein längst vergessenes, aber sicherlich mehr als wichtiges Setup von 2013 liegt. Ja, Nutzer wollen ein modernes Windows, aber eben kein neues Windows.
Natürlich klingt der Wunsch vernünftig und nachvollziehbar: Microsoft soll endlich den Saustall aufräumen. Weg mit alten Dialogen, weg mit doppelten Einstellungswegen, weg mit Treiberresten, kaputten Installern und Programmen, die sich benehmen, als wäre UAC nur eine höfliche Empfehlung. Sobald Microsoft aber wirklich aufräumt, wird aus dem Wunsch nach Ordnung sehr schnell ein Support-Thread. Warum läuft mein altes Spiel nicht mehr? Warum ist mein Tool blockiert? Warum benötigt der Installer plötzlich eine Signatur? Secure Boot, ick hör dir trapsen.
Das macht jedes echte Aufräumen so undankbar: Solange nur die hässlichen Ecken verschwinden, ist alles gut. Aber wehe, Microsoft schaut unters Bett, wo wir unseren alten Krempel seit Jahren sehr sorgfältig verstecken. Das ist übrigens keine reine Redaktionskopfgeburt. Unsere Umfragen zeichnen ziemlich genau dieses Bild. Die Community ist fast genau entlang dieser Frage gespalten: Eine knappe Mehrheit akzeptiert stärkere Schnitte grundsätzlich, solange sie sehr alte Software betreffen oder planbar bleiben. Fast genauso viele stellen Kompatibilität höher als ein moderneres Windows. Brüche sind also okay, solange sie vorher angekündigt werden, alte Software nicht ohne Not erschlagen wird und man nicht das Gefühl bekommt, Windows habe einem gerade den eigenen PC aus der Hand geschlagen.
Win32: Kein Altmodul, sondern der Desktop-Vertrag
Damit führt die Debatte zwangsläufig zu Win32. Denn hinter "alter Software" steckt bei Windows kein einzelner Schalter, den Microsoft einfach umlegen könnte, sondern ein gewachsenes Desktop-Modell. Alte Programme sollen nicht nur starten, sondern sich weiter wie Windows-Programme verhalten: mit eigenen Installern, Update-Routinen, Shell-Erweiterungen, Registry-Einträgen, Diensten, Plug-ins und teils tiefen Systemzugriffen. Win32 ist dabei nicht einfach "alter Code", der irgendwo im Keller von Windows weiterstaubt. Win32 steht für das klassische Desktop-Versprechen von Windows: Programme dürfen viel, Nutzer dürfen viel, Entwickler dürfen viel. Genau dieses Modell hat Windows über Jahrzehnte so nützlich gemacht. Software konnte direkt verteilt werden, Firmen konnten eigene Anwendungen intern ausrollen, Nutzer konnten Programme installieren, die tief in das System greifen, und Entwickler mussten nicht zwingend durch einen Store oder ein enges Berechtigungsmodell.
Problematisch ist deshalb weniger Win32 als API, sondern das Ökosystem, das sich darum gebildet hat. Windows muss nicht nur alte Programme starten, sondern oft auch ihr altes Verhalten nachbilden. Für viele Nutzer ist ein Programm erst dann wirklich kompatibel, wenn nicht nur die Anwendung öffnet, sondern auch Installer, Plug-ins, Dienste, Dateipfade und gewohnte Rechte funktionieren. Genau darin liegt der Unterschied zwischen "läuft irgendwie" und "funktioniert wie früher".
Microsoft modernisiert lieber über Brücken
Genau deshalb modernisiert Microsoft Windows meist nicht durch den harten Schnitt, sondern durch Brücken. UWP, Appcontainer, MSIX, Store, Desktop Bridge, Windows App SDK und WinUI sollten Windows geordneter und sicherer machen. Die Idee war größer als ein paar hübschere App-Schubladen: weniger "Lade dir irgendwo eine EXE herunter und bete beim Deinstallieren", mehr Paket, mehr Rechteverwaltung, mehr kontrollierter Lebenszyklus.
Nur ist Vernunft auf Windows oft erstaunlich unattraktiv, sobald sie Gewohnheit kostet. UWP versprach ein moderneres App-Modell, Appcontainer mehr Isolation, MSIX sauberere Installation und Updates. In der Praxis nahmen diese Ansätze aber genau dort Reibung auf, wo klassische Windows-Programme ihre Freiheit ausspielen: bei Systemzugriffen, Integration, Verteilung, Updates und Lizenzierung. Also nicht nur bei kleinen Apps, sondern bei CAD-Software, Spiele-Launchern, VPN-Clients, Mod-Managern, RGB-Tools und Firmenanwendungen mit sehr eigenen Vorstellungen davon, was ein Betriebssystem dulden sollte.
Der alte Desktop ist Ballast und Stärke zugleich
Natürlich hätte Microsoft härter sein können: Store erzwingen, alte Installer abwerten, Win32 schrittweise in die Ecke stellen. Nur hätte Microsoft damit nicht nur schlechte Installer getroffen, sondern auch vieles, wofür Nutzer Windows überhaupt verwenden. Der alte Desktop ist eben nicht nur Ballast. Er ist auch der Grund, warum Windows für so viele Sonderfälle funktioniert. Und Sonderfälle sind unter Windows leider noch nie Randphänomene gewesen. Deshalb wurde der moderne Weg nicht zum Ersatz, sondern zum Zusatz. Besonders sichtbar wurde das beim Store: Er sollte Windows kontrollierter und sauberer machen, musste sich aber wieder für klassische Desktop-Apps, eigene Installer und eigene Bezahlsysteme öffnen. Wenn der moderne Store klassische Desktop-Apps aufnehmen muss, damit er relevant bleibt, hat nicht der Store den Desktop ersetzt. Dann hat der Desktop den Store gezähmt.
Für Nutzer ist das bequem. Für ein sauberes Windows ist es schwierig. Jede Brücke, die Microsoft baut, hält auch das alte Modell am Leben. Windows App SDK, WinUI, MSIX und Store-Listings können klassische Anwendungen modernisieren, aber sie kündigen den alten Vertrag nicht. Das Ergebnis ist eher Renovierung bei laufendem Betrieb als Neubau. Warum Apple und Linux beim Aufräumen viel härter sein können als Windows, zeigt der Blick auf Seite 2. Denn dort wird klar: Microsoft fehlt nicht unbedingt der Mut - Windows hat einfach das schwierigere Erbe.

Aber spätestens Windows11 schränkt einen ein, belästigt und nervt einen und hat üble Bugs, trotz Meldung an MS, inkl. einem Lösungsvorschlag ... kannste knicken!
Ich bleibe bei Win10, so lange es irgendwie geht. 🫣
Genau und deshalb werden deren Produkte von Milliarden genutzt, privat und auch noch freiwillig.
Es wird privat sogar MS Office gekauft, für Geld!
Aber ja, alle hassen und misstrauen MS...
Und in den Unternehmen ist die Masseträgheit noch ausgeprägter, weil die Entscheider von der Technik oft sehr wenig, bis gar keine Ahnung haben. Und nur wenige gestehen sich das ein.
Ich hätte es vielleicht etwas präziser ausdrücken können, kommt davon wenn man schreibt wenn man nicht zu viel zeit hat (war Abends oder Morgends vor der Arbeit.)
Was ich meinte ist, dass es kaum jemanden gibt, in meinem Bekanntenkreis und auch darüber hinaus, der es Microsoft zutraut eine sache besser hinzukriegen als Drittabieter.
Die halbgaren Windowszusatzprogramme ziehen sich durch die Windowsgeschichte wie ein roter Faden, der Mediplayer war ok, hat aber sehr viel nach Hause telefoniert und diverse Alternativen wie SMPlayer oder VLC sind deutlich besser.
Games for Windows war eine Katastrophe die schon vor über einem Jahrzehnt beerdigt und davor rausgepatcht wurde, zu zeiten als die meisten von uns noch Deltapatcher kannten und wir die Patches selbst heruntergeladen haben.
Der Windows Store ist ein schlechter Abklatsch des Apple Stores, unter anderem weil Anfangs die Optionen eingschränkt wurden und er dir das System zerschießen konnte. Zumindest unter Windows 10.
Die Xbox App ist ein schlechteres Steam.
Windows Movie Maker war für den Anfang ok, aber jede Drittsoftware konnte es besser.
IE muss ich noch drüber reden? Ich sag ja nur Jahrelang IE 5.0 ohne Updates bis Mozilla ihnen in den Hintern trat.
MSOffice.....naja es wird benutzt, wurde aber an vielen Stellen verschlimmbessert. Die Ribbons wurde damals einfach knall auf Fall eingeführt, ohne wie [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] zurecht vorschlägt, die Nutzer zu fragen.
Da standen viele Kollegen damals da wie der Ochs vorm Berg, weil plötzlich das Programm nicht mehr tat was es sollte.
Und manche Entscheidungen wie Strg-F für Fettschrift, statt die Suche auf Strg-F und die Fettschrift auf Strg-B wie schon seit über 20 Jahren, oder den Befehl Strg-Shift-S für "Speichern unter" zu streichen sind ein bisschen blöd.
Windows ist zwar voll doof und das muss bei jeder Gelegenheit kundgetan werden aber genutzt wird es trotzdem, die ganze Zeit, für alles.
Da können die ja alles sehen. Ja, nur mit manuell eingeschaltetem Recall.
Aber damals waren alle Mahner verschwörungstheoretiker.
Der Grund, warum man Linux aktuell nicht "einfach verwendet" lautet in den meisten Fällen "fehlende Kompatibilität", nicht "fehlender Microsoft Store, fehlende Accountbindung, fehlender Copilot". Microsoft kann es sich also sehr gut erlauben, letzteres auszugliedern, ohne dass die Leute deswegen zu Linux migrieren. Im Gegenteil.
Aber natürlich auch eine viel geringere Software-Auswahl.
Heute kommen sie mir oft wie ein sehr überteuertes Lifestyle produkt rüber, das aber halt einen großteil des Kreativmarktes kontrolliert, wie Fotografie, Videografie und Audioarbeit. .
Interessant finde ich jedoch, dass es gerade mal wieder die Microsoft-Geräte sind, die Probleme machen. Die Eingabegeräte waren damals wirklich konkurrenzfähig gut und noch sehr beliebt als Microsoft sie eingestellt hat.
War wieder so ein Fall von, es wurde was von Microsoft geändert ohne den Nutzer zu fragen.
*Für die Nichtsimmer, die Basis des Sticks, auf den wir in modernen Geräten den eigentlichen Stick draufschrauben. Nimmt die Kräfte auf und geht oft als erstes Kaputt.
Standards sind nichts schlimmes, wenn sie unabhängig sind und nicht von einem Unternehmen allein kontrolliert werden, weil das dem Unternehmen zu viel Macht gibt. Interessanterweise ist das eine Angelegenheit in der sich Sozialdemokraten bzw. Colin Crouch wie auch Wirtschaftsliberale im Sinne Adam Smiths sich einig sind.
[Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] Exakt, das Problem ist nicht das OpenOffice oder Libreoffice inkompatibel sind, sondern dass oft das MS Office die Zusammenarbeit mit den offenen Formaten verweigert und viele Entscheider oder auch Professoren nicht ausreichende Kentnisse haben um damit klarzukommen. "Könnten sie mir das bitte als Excel-/Word-/Powerpoint-Datei schicken, das geht hier nicht mit Office.
Der Nutzer (ich persönlich eh nicht mehr aber die Nutzer in der Masse) sprich ich kann gar nicht das Problem der Altlasten von Windows sein. MS diktiert doch quasi was angeblicher Standard auf dem heimischen PC ist. Wenn da nun Pong oder Snake nicht mehr als bevorzugte PC Games laufen (wäre wenn ich nicht schon gewechselt hätte ein entscheidender Grund ein neues OS zu suchen) so wird das von der Masse in angeblicher Ermangelung an Alternativen doch hingenommen. Um alte Games oder Programme zum laufen zu bringen braucht sich MS auch gar nicht bemühen. Ich bin sehr sicher da wird es dritt Hersteller geben die da eine entsprechende Software Lösung gegen Geld anbieten.
So ziemlich das beste Zitat aus Hello, Mr. President, oh die Freuden wenn man mit nur einem Fernseher in der Familie aufgewachsen ist.... Nicht alle Filme waren nach Geschmack, aber viele waren doch lehrreich.
MS versucht sich oft als Alternativlos zu positionieren und es hat auch einen großen Vorteil im Bereich der Unterstützten Soft- und Hardware.
Nur wie du auch schon sagtest, steht sich MS oft selbst im Weg, und sorgt dafür dass man ihnen nicht wirklich vertrauen kannen. So mancher wie ich steht hier nach Jahrzehnten gebrochener Versprechungen von Microsoft und sagt sich, warum soll ich so blöd sein und denen nochmal vertrauen?
Entschuldigt bitte die Nekromatik, die Arbeit und Hitze haben erfolgreich verhindert, dass ich Zeit hatte mich dem Thema mit gebührendem Zeitaufwand zu widmen.
P.S. Sorry Jacky du kriegst gleich deinen eigenen Kommetar.
Hallo [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] Schön dass man mit dir noch "normal" streiten kann! Das kann heute nicht jeder.
Tut mir leid, dass ich dir erst jetzt antworte und hier gerade hochgradige Thread-Nekromatik betreibe.
Mea Culpa, die Arbeit und der Unwille bei den Temperaturen den PC anzumachen...und schreiben auf dem Handy ist ein Graus.
Während es mir bei anderen OS egal ist, aber die "sind auch nicht Windows und sollen nicht gefälligst wie Windows funktionieren!"
Z.B. hat sich einer unserer Kunden Jahrelang nur Labtops mit Displays in 1366x768, weil entweder die Sorge bestand, dass ihre "Branchensoftware" nicht ordentlich skaliert oder richtig auf einem 1920x1080 Display funktionieren würde.
Ja die Software war so alt. Und das Poolverwaltungssystem bei uns, da würde so mancher hier das nackte Grausen kriegen, wenn dir TreeView in der MS-DOS Variante was sagt, so ungefähr kannst du dir das GUI vorstellen.
Der Kunde ist ein sehr großes und wichtiges Deutsches Unternehmen, nein die Branche kann ich nicht sagen, weil sonst jeder weiß um wen es geht. Die sollten eigentlich genug Geld für eine Gute IT haben. NMP!
👀 Allerdings gibt es ein massives Spannungsfeld zwischen Nutzern, Entwicklern, Unternehmen, OEMs und Communities, die alle daran festhalten, dass alles sobleint wie es is.
Was meiner These nach der Ursprung aller Probleme war ^^ Man will alles mögliche haben, was nicht von Microsoft kommt. Alles soll funktionieren, was eine Weiterentwicklung von Windows in meinen Augen ausbremst.
Und genau dass wurde z.B. bei DirectX11 oder DirectInput torpediert.
Ebenso wie bei Windows 11 und der Liste der Unterstützten CPUs.
Oder das TCG/TPM Problem dass ich schon erwähnt habe.
Dazu kam noch das "Versprechen/Die Drohung" dass Windows 10 das letzte Windows sein sollte.
Genau dieses Versprechen, des "Alles funktioniert mit Windows" ist es doch was Windows an die Spitzenposition gebracht hat.
Absolut, aber was ändert das an der Argumentation? Eigentlich doch nix. Ich sehe da eher ein Eingeständnis, dass man es eben weiterlaufen lassen möchte. So gut die Gründe auch sein mögen ^^
Und das ist genau die Haltung, die ich in der Kolumne meine ^^
DirectSound3D war der Standard-3D-Sound, bis sich Microsoft entschloss dass dem nicht mehr so sein sollte.
Und die Weitergabe älterer Eingabegeräte an Neulinge oder die Planung der Nutzung eines Eingabegeräts über 9-10 Jahre (habe ich sowohl bei meinem Saitek X52 wie auch meinem Thrustmaster HOTAS Warthog erreicht) wäre doch ganz im Sinne der bei uns allgemein Gesellschaftlich propagierten Nachhaltigkeit und der Vermeidung von Elektroschrott.
Genauso kann man sagen, dass für alle "Büroarbeiten" eigentlich jedes Labtop aus den letzten 10-12 Jahren reicht, wenn sie noch funktionieren, warum sollte man sie ersetzen? Das wäre doch rein aus ökologischer Sicht ein Fortschritt und gelebte, nicht nur propagierte, Nachaltigkeit.
Danke für das Interessante Streitgespräch. Chapeau!
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