Vorbestellerwahnsinn, DLCs und andere Auswüchse - Ein Kommentar von Philipp Reuther
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Dieses Mal schreibt Philipp Reuther über Vorbestellerwahn, Season Passes und DLC-Schwemme und andere Auswüchse der Kapitalisierung unseres liebsten Hobbys.
Ich störe mich schon seit geraumer Weile an der rigorosen Kapitalisierung des Spielemarktes. Dabei kann ich die Entwicklung nachvollziehen, nur gutheißen kann ich sie beim bestem Willen nicht. Doch nehmen wir das Thema DLC, Season Passes und Vorbesteller-Boni doch zuerst einmal von Entwickler- bzw. Publisher-Seite unter die Lupe: Die Entwicklung eines modernen Mainstream-Spiels, auch gerne "Triple A" genannt, ist wohl finanziell so aufwendig wie noch nie. Um den Markt zufrieden zu stellen, muss solch ein Titel eine moderne Technik auffahren, er soll umfangreich ausfallen, sonst riskieren Entwickler und Publisher den gesammelten Zorn des Internets. Dazu muss entsprechend Werbung geschaltet werden, schicke Trailer erstellt und Making-Ofs oder Entwickler-VLOGs auf gängigen Videoplattformen geschaltet werden, um den Hype anzukurbeln.
Da ist es natürlich praktisch, wenn Spieler bereits im Vorfeld Geld bezahlen, im guten Glauben, dass das entsprechende Spiel dem Hype gerecht wird. Diverse kleine oder größere Boni sollen den potenziellen Käufer dazu animieren. Dazu am besten auch gleich noch den heutzutage fast obligatorischen Season Pass, so kann man ein Spiel für rund 80-100 Euro statt der üblichen 50 Euro verkaufen. Und während der betreffende Titel sich dann in der Qualitätssicherung befindet und anschließend den letzten Feinschliff erhält, können dank DLCs und Mini-Addons die Designer und Artists weiter beschäftigt werden, die in diesem Stadium der Entwicklung wohl nicht viel zu tun hätten. Also dürfen sie fleißig neue Skins pinseln, im Editor ein paar Missionen zusammenklicken und sind produktiv. Und das Beste daran ist: Die DLCs können ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis haben, ein paar Euro klingt schließlich nicht nach viel und 20-30 Euro für eine Handvoll Extra-Inhalte mit eventuell ein paar Stunden zusätzlicher Spielzeit scheinen auch nicht zu viel zu sein, wenn der Hype-Train rollt.
Von Publisher- und/oder Entwicklerseite kann ich diesen Trend also nachvollziehen. Was ich nicht verstehe ist, warum Spieler so versessen auf Vorbestellungen sind, wenn nicht einmal klar ist, ob das Spiel etwas taugt. Ein paar Trailer und Previews sind nur sehr begrenzt aussagekräftig, ganz besonders, was die Güte der Technik beziehungsweise dem Zustand des Spiels zum Launch-Zeitpunkt betrifft. Viele Vorbesteller kaufen auch gleich noch den Season Pass, obwohl meist noch nicht einmal klar ist, welche Inhalte dieser enthält. Hier handelt es sich um die sprichwörtliche Katze im Sack und es ist auch noch völlig offensichtlich.
Warum also bedenken Spieler Publisher und Entwickler mit so viel Vorschusslorbeeren? Das verstehe ich einfach nicht. Ganz besonders nach den häufig sehr holprigen Starts der sogenannten Triple-A-Spiele in der letzten Zeit. Warum bestellt man ein Spiel vor, dass dann eventuell so schlecht läuft, das es zum Release praktisch unspielbar ist, man dann schlimmstenfalls Tage oder Wochen warten muss, bis man halbwegs vernünftig spielen kann? Und kauft dann dazu auch noch einen Season Pass, der noch keine Inhalte enthält und zu diesem Zeitpunkt vollkommen wertlos ist - ich habe mir unzählige Male darüber den Kopf zerbrochen, aber nie eine vernünftige Antwort darauf gefunden.
Ein etwas anderes Thema ist Early Access, hier bekommt man zumindest etwas für die "Vorbestellung", zudem kann man so kleine Entwicklerstudios unterstützen, wenn man an deren Projekte glaubt - und so eventuell sogar den Markt beeinflussen. Siehe die wohl recht erfolgreichen Old-School-Rollenspiele wie etwa Divinity: Original Sin, Wasteland 2, Pillars of Eternity oder Planescape: Tides of Numenera. Allerdings sehe ich auch diese Entwicklung etwas kritisch: Warum beispielsweise hat es ein großer Publisher wie Sony (jetzt heißt das Studio Daybreak nach dem Verkauf) nötig, ein Spiel wie H1Z1 mittels Early Access zu finanzieren? Ich sehe hier eine potenziell sehr gefährliche Entwicklung, auch andere könnten auf die Idee kommen, ein loses Grundgerüst zusammenzustricken und die Finanzierung von gutgläubigen Spielern übernehmen zu lassen. Wurde dann durch die Einnahmen des Early Access genügend Geld in die Kassen gespült, welchen Grund gäbe es dann noch, das Spiel vernünftig zu Ende zu entwickeln? Ich bin der Meinung, Spieler sollten mit ihrem Geld ein wenig bedachtsamer umgehen, einfach nur, damit unser Hobby nicht noch stärker kapitalisiert wird - was meinen Sie?

Ich habe mir die Homeworld Remastered Edition vorbestellt, weil ich die originale schon gesuchtet habe. Der Preis war ob Ordnung und alleine wenn sie wie bei GOG einfach nur dir Originale zum laufen bekommen hätten wäre es für mich das Geld Wert gewesen. So gab es aber noch einen wirklichen Remaster und durch die Vorbestellung einen Rabatt. So passt das. Sonst warte ich allerdings immer eher auf Sales. Da ich normalerweise kein Bedürfnis habe ein Spiel gleich nach Release zu spielen und es ja nach einem halben Jahr noch genauso viel Spaß macht. Bei x-rebirth zum Beispiel wollte ich einfach die Entwickler unterstützen. Die x Reihe spiele ich schon seit immer und mich freut es einfach das sich ein deutscher Entwickler über so lange Jahre in so einen untrendy Genre halten konnte. Da ich ja nun Egosoft aber schon eine Weile kenne, war ich mir auch vollkommen bewusst das dass Spiel nicht bugfrei auf den Markt kommt. Auch da nahm ich den Rabatt gerne mit. Und mittlerweile kann man mit x-rebirth Ja gut Spaß haben. Fazit: Wer weiss das er ein Spiel sowieso aus verschiedenen Gründen kaufen wird, kann sich vorbestellen. Den Rabatt nimmt man doch gerne mit.
sehr gute/gute spiele werden öfter gekauft je älter sie sind desto mehr qualität brauchen sie. will ein publisher eine dauerhafte einnahmequelle muss er wow kaufen oder einen klassiker ( oder etwas ähnliches) programmieren lassen. qualität setzt sich immer durch, kurzfristig kann man tricksen - langfristig bleibt nur was gut ist.
Gutes Beispiel war da in der Vergangenheit sicherlich Diablo 3. Alle haben nur Diablo und Blizzard gelesen. Also mußte das ja automatisch gut sein, also wurde blind vorbestellt.
Was aber umso verwunderlicher ist, dass mittlerweile eigentlich bekannt sein sollte, das sogenannte Triple A Titel teilweise ihr Geld nicht einmal mehr im Ansatz wert sind und die Spieler mit schnell hinterhergeworfenen DLC nochmals abgezockt werden. Und trotzdem läuft diese Masche wie geschnitten Brot. Es dürfte hier wohl genauso laufen wie mit der DRM Gängelung. Auch hier haben die Spieler alles klaglos geschluckt. Und genauso läuft es jetzt eben mit den Vorbestellungen und der ganzen DLC Abzocke. Mich widert das Geschäftsgebahren der ganzen Publisher mittlerweile einfach nur noch an und lasse alle Games mittlerweile fast ausnahmslos links liegen. Wenn man mein Geld nicht will, bitte !
Aber solange die Gamer weiterhin alles mit sich machen lassen und jede Kröte schlucken, wird sich rein gar nichts ändern. Die Publisher werden weiterhin mit teils äußerst minderwertigen Spielen und den ganzen DLCs den Spielern nach Belieben das Geld aus der Tasche ziehen. Warum die Vorgehnsweise ändern, wenn es doch läuft wie geschmiert ?
Ja das ist leider auch so ein Schwachsinn das man keine Demos mehr bekommt oder nur wenige. Eine Beta finde ich da völlig deplatziert da nicht jeder zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeiten oder was auch immer hat