Warum Windows immer alles sein muss
Windows ist Gaming-Basis, Bürostandard, Enterprise-System und Altsoftware-Archiv zugleich. Genau diese Vielfalt macht jede Modernisierung so schwierig.
Inhaltsverzeichnis
Windows: Universalplattform zwischen Gaming, Firmen, OEMs und Bastlern
Windows hat keine einzelne Plattformrolle, sondern mehrere zugleich. Es ist Gaming-Basis, Bürostandard, Enterprise-Endpunkt, OEM-System, Bastelgrundlage, Treiberziel, Launcher-Plattform, Modding-Umgebung und Altsoftware-Archiv. Kurz gesagt: Windows ist alles. Und genau das ist das Problem. Ein Mac muss nicht auf jeder beliebigen OEM-Konfiguration laufen. Eine Linux-Distribution muss nicht allein garantieren, dass jede alte Desktop-Anwendung auf jeder Paketbasis gleich funktioniert. Windows dagegen soll gleichzeitig neue Spiele, alte Peripherie, Firmen-VPNs, Buchhaltungssoftware, Mainboard-Tools, Modding-Werkzeuge, Anti-Cheat-Systeme und Spezialhardware tragen. Für Microsoft heißt das: Jede Modernisierung trifft sofort mehrere Lager.
Beim Gaming ist Kompatibilität Teil des Produkts
Beim Gaming wird das besonders sichtbar. Rückwärtskompatibilität ist dort kein Nostalgiebonus, sondern Teil des Produktwerts. PC-Gaming lebt von alten Spielen, Mods, Overlays, Community-Fixes, älteren Laufzeitkomponenten und gewachsenen Savegame-Pfaden. Weniger Hooking klingt vernünftig, bis Reshade, Capture-Tools oder Bedienhilfen betroffen sind. Strengere Treiberregeln klingen nach Sicherheit, bis Anti-Cheat, ältere Eingabegeräte oder Peripherie-Software Probleme bereiten. Mehr Paketisolation klingt modern, bis der Mod-Manager nicht mehr dort schreiben darf, wo seit Jahren die Mods liegen.
Das bedeutet nicht, dass Spieler grundsätzlich gegen ein schlankeres Windows wären. Im Gegenteil: Wenn es um Werbung, Copilot-Flächen, Widgets, unnötige Hintergrunddienste oder Update-Nervereien geht, dürfte die Geduld eher überschaubar sein. Nur meint "schlank" in diesem Umfeld meistens: weniger Microsoft-Ballast. Nicht weniger Zugriff für die eigene Bastel- und Spielumgebung.
In Unternehmen ist Windows ein Betriebsmodell
In Unternehmen ist der Konflikt noch weniger romantisch. Dort ist Windows selten nur der Rechner unter dem Schreibtisch. Es ist ein Betriebsmodell aus Active Directory, Intune, Gruppenrichtlinien, Fachanwendungen, Makros, Browser-Abhängigkeiten, Druckerflotten, Spezialhardware, Schulungen, Audit-Pfaden und Compliance. Ein Windows-Upgrade ist dort nicht "kurz neu starten". Es ist ein Projekt. Mit Meetings. Also ernst. Was privat nur ärgerlich ist, kann in Unternehmen ein Produktionsausfall sein. Wenn Zeiterfassung, Lagerverwaltung, Praxissoftware oder alte Makros nicht mehr laufen, hängen daran Arbeitsabläufe, Geld, Haftung und Kundentermine. Genau deshalb modernisiert Microsoft in diesem Bereich nicht mit dem Vorschlaghammer. Neue Windows-Versionen müssen testbar sein, Rollouts laufen in Ringen, Problemfälle bekommen Ausnahmen, Firmen bekommen Kompatibilitätszusagen, längere Supportfristen, LTSC-Varianten, ESU-Programme und Werkzeuge zum Zurückrollen.
Jede alte Kante hat irgendwo einen Zweck
Und dann sind da noch OEMs, Bastler und Peripheriehersteller. Hinter einem alten Dialog hängt vielleicht ein Admin-Workflow. Hinter einem Treibermodell steckt Spezialhardware. Hinter einem Dateipfad liegen Savegames, Mods oder Unternehmensskripte. Hinter einem Installer hängt nicht selten ein ganzes Lizenz-, Update- und Supportmodell. Jede saubere Kante trifft irgendwo eine alte Abhängigkeit.
Deshalb sieht Windows 11 so oft wie ein Kompromiss aus. Microsoft weiß natürlich selbst, dass diese halbfertigen Übergänge seltsam wirken. Das Problem ist eher, dass an vielen alten Komponenten noch echte Arbeitsabläufe hängen. Sondern weil Windows eine bewohnte Altstadt ist. Klar kann man neue Leitungen legen, Fassaden glätten und Lampen austauschen. Aber sobald Microsoft eine Wand herausreißt, steht jemand daneben und sagt: "Momentchen mal! Die Wand ist da schon immer gewesen! Denkmalschutz! Die Wand soll da gefälligst bleiben!"
Fazit
Natürlich ist es zu billig, die Schuld nur bei uns Nutzern abzuladen. Microsoft entscheidet selbst, wie stark Windows mit Konto, Suche, Edge, Store, Werbung und Copilot verknüpft wird. Niemand zwingt Microsoft dazu, ein Betriebssystem an manchen Stellen wie eine Reklametafel mit Dateimanager aussehen zu lassen. Dahinter steckt keine technische Notwendigkeit, sondern schlicht die Richtung, in die Microsoft Windows gerade entwickelt. Bei der technischen Unordnung wird es allerdings unbequemer. Nutzer haben Microsoft über Jahrzehnte genau für das belohnt, was heute stört: Offenheit, Kompatibilität, Kontrolle, Umgehbarkeit und diese sehr spezielle Windows-Fähigkeit, auch noch das merkwürdigste kleine Tool aus irgendeinem Forum zum Laufen zu bringen. Wir wollten, dass Windows fast alles ausführt. Jetzt beschweren wir uns darüber, dass Windows fast alles mitschleppt.
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Aber spätestens Windows11 schränkt einen ein, belästigt und nervt einen und hat üble Bugs, trotz Meldung an MS, inkl. einem Lösungsvorschlag ... kannste knicken!
Ich bleibe bei Win10, so lange es irgendwie geht. 🫣
Genau und deshalb werden deren Produkte von Milliarden genutzt, privat und auch noch freiwillig.
Es wird privat sogar MS Office gekauft, für Geld!
Aber ja, alle hassen und misstrauen MS...
Und in den Unternehmen ist die Masseträgheit noch ausgeprägter, weil die Entscheider von der Technik oft sehr wenig, bis gar keine Ahnung haben. Und nur wenige gestehen sich das ein.
Ich hätte es vielleicht etwas präziser ausdrücken können, kommt davon wenn man schreibt wenn man nicht zu viel zeit hat (war Abends oder Morgends vor der Arbeit.)
Was ich meinte ist, dass es kaum jemanden gibt, in meinem Bekanntenkreis und auch darüber hinaus, der es Microsoft zutraut eine sache besser hinzukriegen als Drittabieter.
Die halbgaren Windowszusatzprogramme ziehen sich durch die Windowsgeschichte wie ein roter Faden, der Mediplayer war ok, hat aber sehr viel nach Hause telefoniert und diverse Alternativen wie SMPlayer oder VLC sind deutlich besser.
Games for Windows war eine Katastrophe die schon vor über einem Jahrzehnt beerdigt und davor rausgepatcht wurde, zu zeiten als die meisten von uns noch Deltapatcher kannten und wir die Patches selbst heruntergeladen haben.
Der Windows Store ist ein schlechter Abklatsch des Apple Stores, unter anderem weil Anfangs die Optionen eingschränkt wurden und er dir das System zerschießen konnte. Zumindest unter Windows 10.
Die Xbox App ist ein schlechteres Steam.
Windows Movie Maker war für den Anfang ok, aber jede Drittsoftware konnte es besser.
IE muss ich noch drüber reden? Ich sag ja nur Jahrelang IE 5.0 ohne Updates bis Mozilla ihnen in den Hintern trat.
MSOffice.....naja es wird benutzt, wurde aber an vielen Stellen verschlimmbessert. Die Ribbons wurde damals einfach knall auf Fall eingeführt, ohne wie [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] zurecht vorschlägt, die Nutzer zu fragen.
Da standen viele Kollegen damals da wie der Ochs vorm Berg, weil plötzlich das Programm nicht mehr tat was es sollte.
Und manche Entscheidungen wie Strg-F für Fettschrift, statt die Suche auf Strg-F und die Fettschrift auf Strg-B wie schon seit über 20 Jahren, oder den Befehl Strg-Shift-S für "Speichern unter" zu streichen sind ein bisschen blöd.
Windows ist zwar voll doof und das muss bei jeder Gelegenheit kundgetan werden aber genutzt wird es trotzdem, die ganze Zeit, für alles.
Da können die ja alles sehen. Ja, nur mit manuell eingeschaltetem Recall.
Aber damals waren alle Mahner verschwörungstheoretiker.
Der Grund, warum man Linux aktuell nicht "einfach verwendet" lautet in den meisten Fällen "fehlende Kompatibilität", nicht "fehlender Microsoft Store, fehlende Accountbindung, fehlender Copilot". Microsoft kann es sich also sehr gut erlauben, letzteres auszugliedern, ohne dass die Leute deswegen zu Linux migrieren. Im Gegenteil.
Aber natürlich auch eine viel geringere Software-Auswahl.
Heute kommen sie mir oft wie ein sehr überteuertes Lifestyle produkt rüber, das aber halt einen großteil des Kreativmarktes kontrolliert, wie Fotografie, Videografie und Audioarbeit. .
Interessant finde ich jedoch, dass es gerade mal wieder die Microsoft-Geräte sind, die Probleme machen. Die Eingabegeräte waren damals wirklich konkurrenzfähig gut und noch sehr beliebt als Microsoft sie eingestellt hat.
War wieder so ein Fall von, es wurde was von Microsoft geändert ohne den Nutzer zu fragen.
*Für die Nichtsimmer, die Basis des Sticks, auf den wir in modernen Geräten den eigentlichen Stick draufschrauben. Nimmt die Kräfte auf und geht oft als erstes Kaputt.
Standards sind nichts schlimmes, wenn sie unabhängig sind und nicht von einem Unternehmen allein kontrolliert werden, weil das dem Unternehmen zu viel Macht gibt. Interessanterweise ist das eine Angelegenheit in der sich Sozialdemokraten bzw. Colin Crouch wie auch Wirtschaftsliberale im Sinne Adam Smiths sich einig sind.
[Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] Exakt, das Problem ist nicht das OpenOffice oder Libreoffice inkompatibel sind, sondern dass oft das MS Office die Zusammenarbeit mit den offenen Formaten verweigert und viele Entscheider oder auch Professoren nicht ausreichende Kentnisse haben um damit klarzukommen. "Könnten sie mir das bitte als Excel-/Word-/Powerpoint-Datei schicken, das geht hier nicht mit Office.
Der Nutzer (ich persönlich eh nicht mehr aber die Nutzer in der Masse) sprich ich kann gar nicht das Problem der Altlasten von Windows sein. MS diktiert doch quasi was angeblicher Standard auf dem heimischen PC ist. Wenn da nun Pong oder Snake nicht mehr als bevorzugte PC Games laufen (wäre wenn ich nicht schon gewechselt hätte ein entscheidender Grund ein neues OS zu suchen) so wird das von der Masse in angeblicher Ermangelung an Alternativen doch hingenommen. Um alte Games oder Programme zum laufen zu bringen braucht sich MS auch gar nicht bemühen. Ich bin sehr sicher da wird es dritt Hersteller geben die da eine entsprechende Software Lösung gegen Geld anbieten.
So ziemlich das beste Zitat aus Hello, Mr. President, oh die Freuden wenn man mit nur einem Fernseher in der Familie aufgewachsen ist.... Nicht alle Filme waren nach Geschmack, aber viele waren doch lehrreich.
MS versucht sich oft als Alternativlos zu positionieren und es hat auch einen großen Vorteil im Bereich der Unterstützten Soft- und Hardware.
Nur wie du auch schon sagtest, steht sich MS oft selbst im Weg, und sorgt dafür dass man ihnen nicht wirklich vertrauen kannen. So mancher wie ich steht hier nach Jahrzehnten gebrochener Versprechungen von Microsoft und sagt sich, warum soll ich so blöd sein und denen nochmal vertrauen?
Entschuldigt bitte die Nekromatik, die Arbeit und Hitze haben erfolgreich verhindert, dass ich Zeit hatte mich dem Thema mit gebührendem Zeitaufwand zu widmen.
P.S. Sorry Jacky du kriegst gleich deinen eigenen Kommetar.
Hallo [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] Schön dass man mit dir noch "normal" streiten kann! Das kann heute nicht jeder.
Tut mir leid, dass ich dir erst jetzt antworte und hier gerade hochgradige Thread-Nekromatik betreibe.
Mea Culpa, die Arbeit und der Unwille bei den Temperaturen den PC anzumachen...und schreiben auf dem Handy ist ein Graus.
Während es mir bei anderen OS egal ist, aber die "sind auch nicht Windows und sollen nicht gefälligst wie Windows funktionieren!"
Z.B. hat sich einer unserer Kunden Jahrelang nur Labtops mit Displays in 1366x768, weil entweder die Sorge bestand, dass ihre "Branchensoftware" nicht ordentlich skaliert oder richtig auf einem 1920x1080 Display funktionieren würde.
Ja die Software war so alt. Und das Poolverwaltungssystem bei uns, da würde so mancher hier das nackte Grausen kriegen, wenn dir TreeView in der MS-DOS Variante was sagt, so ungefähr kannst du dir das GUI vorstellen.
Der Kunde ist ein sehr großes und wichtiges Deutsches Unternehmen, nein die Branche kann ich nicht sagen, weil sonst jeder weiß um wen es geht. Die sollten eigentlich genug Geld für eine Gute IT haben. NMP!
👀 Allerdings gibt es ein massives Spannungsfeld zwischen Nutzern, Entwicklern, Unternehmen, OEMs und Communities, die alle daran festhalten, dass alles sobleint wie es is.
Was meiner These nach der Ursprung aller Probleme war ^^ Man will alles mögliche haben, was nicht von Microsoft kommt. Alles soll funktionieren, was eine Weiterentwicklung von Windows in meinen Augen ausbremst.
Und genau dass wurde z.B. bei DirectX11 oder DirectInput torpediert.
Ebenso wie bei Windows 11 und der Liste der Unterstützten CPUs.
Oder das TCG/TPM Problem dass ich schon erwähnt habe.
Dazu kam noch das "Versprechen/Die Drohung" dass Windows 10 das letzte Windows sein sollte.
Genau dieses Versprechen, des "Alles funktioniert mit Windows" ist es doch was Windows an die Spitzenposition gebracht hat.
Absolut, aber was ändert das an der Argumentation? Eigentlich doch nix. Ich sehe da eher ein Eingeständnis, dass man es eben weiterlaufen lassen möchte. So gut die Gründe auch sein mögen ^^
Und das ist genau die Haltung, die ich in der Kolumne meine ^^
DirectSound3D war der Standard-3D-Sound, bis sich Microsoft entschloss dass dem nicht mehr so sein sollte.
Und die Weitergabe älterer Eingabegeräte an Neulinge oder die Planung der Nutzung eines Eingabegeräts über 9-10 Jahre (habe ich sowohl bei meinem Saitek X52 wie auch meinem Thrustmaster HOTAS Warthog erreicht) wäre doch ganz im Sinne der bei uns allgemein Gesellschaftlich propagierten Nachhaltigkeit und der Vermeidung von Elektroschrott.
Genauso kann man sagen, dass für alle "Büroarbeiten" eigentlich jedes Labtop aus den letzten 10-12 Jahren reicht, wenn sie noch funktionieren, warum sollte man sie ersetzen? Das wäre doch rein aus ökologischer Sicht ein Fortschritt und gelebte, nicht nur propagierte, Nachaltigkeit.
Danke für das Interessante Streitgespräch. Chapeau!
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