Warum Windows so schwer modernisiert
Apple kontrolliert stärker, Linux verteilt Verantwortung. Windows dagegen steckt zwischen Kompatibilität, Gewohnheit und Modernisierungsdruck.
Inhaltsverzeichnis
Warum Apple und Linux leichter brechen können
Dass andere Systeme konsequenter modernisieren können, heißt nicht automatisch, dass sie technisch überlegen oder mutiger wären. Sie haben vor allem andere Voraussetzungen. Apple kann härter schneiden, weil Apple mehr kontrolliert. Linux kann anders brechen, weil dort die Verantwortung stärker verteilt ist. Windows sitzt genau zwischen diesen Modellen und hat es deshalb besonders schwer. Bei Apple liegen Hardware, Betriebssystem, Signaturmodell, Sicherheitsarchitektur, Store-Regeln und große Teile des Nutzerpfads in einer Hand. Wenn Apple alte 32-Bit-Apps abschaltet, Kernel-Erweiterungen zurückdrängt oder den Zugriff auf Systembereiche verschärft, ist das für betroffene Nutzer und Entwickler schmerzhaft. Strukturell ist es aber leichter durchsetzbar, weil Apple die Plattform enger führt und weniger Rücksicht auf ein offenes OEM-, Treiber- und Altsoftware-Ökosystem nehmen muss.
Der entscheidende Unterschied liegt also nicht darin, dass Apple mutiger wäre und Microsoft feiger. Es geht um Kontrolle. Apple kann definieren, welche Hardware unterstützt wird, welche Sicherheitsregeln gelten, welche Erweiterungen erwünscht sind und welche alten Pfade irgendwann enden. Wer auf dem Mac bleiben will, muss solche Schnitte früher oder später akzeptieren. Nutzer und Entwickler sind stärker daran gewöhnt, dass ein MacOS-Upgrade auch Verlust bedeuten kann.
Linux bricht anders, weil Verantwortung verteilt ist
Linux funktioniert wieder anders. Dort gibt es nicht den einen großen Plattformvertrag, den ein einzelner Anbieter für alle Distributionen, Paketquellen und Desktop-Umgebungen garantiert. Es gibt viele kleinere Verträge. Debian steht eher für Stabilität, Fedora für schnellere technische Wechsel, Arch für Aktualität und Eigenverantwortung, Ubuntu LTS für planbare Desktop- und Unternehmensnutzung. Wenn ein Programm auf einer Distribution läuft, auf einer anderen aber nachgebessert werden muss, ist das kein Windows-artiger Systemskandal. Es ist Teil des Modells.
Das macht Linux nicht frei von Altlasten. Nach Updates können Programme brechen, Treiber zicken, Pakete kollidieren oder Abhängigkeiten fehlen. Nur ist die Erwartung eine andere. Linux verteilt Verantwortung auf Distributionen, Paketbetreuer, Upstream-Projekte, Paketformate und Nutzer. Flatpak, Snap und AppImage versuchen zusätzlich, Anwendungen unabhängiger von einzelnen Distributionen zu machen. Auch das ist kein perfekter Ausweg, aber es zeigt: Linux baut mehrere Brücken nebeneinander, während Windows seit Jahrzehnten versucht, möglichst viele Wege in einer einzigen Stadt offen zu halten.
Apple entscheidet solche Dinge zentral. Bei Linux verteilt sich das Problem auf Distributionen, Maintainer und Nutzer. Windows dagegen hat seinen Nutzern lange vermittelt, dass sie sich zwischen Stabilität, Aktualität, Kontrolle und Kompatibilität möglichst nicht entscheiden müssen. Setup öffnen, weiterklicken, fertig. Dieses Versprechen war bequem und vor allem erfolgreich. Aber es erzeugt heute einen Erwartungsdruck, den Apple und Linux in dieser Form niemals tragen müssen.
Und wenn man bei Windows über diesen Erwartungsdruck spricht, landet man fast automatisch beim Zurücknehmen. Denn kaum ein anderes Microsoft-System hat so deutlich gezeigt, was passiert, wenn Windows seinen Nutzern zu viel alte Gewohnheit auf einmal wegnimmt: Windows 8.
Kleiner Abstecher: Windows 8 als Paradebeispiel
Und wenn man schon beim "Zurücknehmen" ist, gelangt man fast automatisch zu Windows 8. Eines der Schreckgespenster meiner Teenie-Zeit war nicht einfach nur "das Windows mit Kacheln". Hinter Windows 8 steckte mehr als eine fragwürdige Designentscheidung. Microsoft wollte Windows in eine neue Plattformlogik drücken: weg vom klassischen Desktop als Zentrum, hin zu Modern UI, WinRT, Store-Apps, Touch-Bedienung und stärker kontrollierten App-Modellen. Aus heutiger Sicht wirkt das fast ungewohnt konsequent. Denn Windows 8 stellte eine Frage, die Microsoft später nie wieder so offen stellte: Was wäre, wenn Windows nicht mehr zuerst der alte Desktop wäre?
Die Antwort der Nutzer fiel ziemlich deutlich aus. Sie lautete: Bitte nicht. Windows 8 war nicht grundlos entstanden, denn Microsoft wollte Windows stärker auf Touch, Store-Apps und ein kontrollierteres App-Modell ausrichten. Für die These ist aber entscheidend: Selbst dieser nur teilweise Bruch mit dem klassischen Desktop war vielen Nutzern zu viel. Windows-Nutzer hängen nicht nur an alter Software, sondern auch an alten Bewegungen: Start öffnen, Programm suchen, Fenster verschieben, Taskleiste nutzen, Systemsteuerung finden, mit der rechten Maustaste irgendetwas retten. Diese kleinen Reflexe wirken banal, bis ein Betriebssystem sie anfasst.
Windows 8 störte genau diese Reflexe. Microsoft wollte die Nutzer in eine modernere App-Welt ziehen, die Nutzer wollten aber erst einmal ihren Desktop zurück. Entsprechend musste Microsoft zurückrudern: Windows 8.1 brachte vertrautere Elemente zurück, Windows 10 rückte das Startmenü wieder stärker ins Zentrum, und die Kachelwelt wurde Schritt für Schritt entschärft. Windows 8 zeigt damit: Schon die Relativierung des klassischen Desktops reichte, um viele Nutzer gegen den Plattformwechsel aufzubringen. Aus dem "neuen Windows" wurde wieder ein Windows, das neue Ideen nur so weit zulässt, wie sie die alte Gewohnheit nicht zu stark beleidigen. Warum dieser Spagat für Microsoft so schwierig ist, zeigt Seite 3. Denn Windows muss nicht nur alte Software retten, sondern auch Spieler, Unternehmen, OEMs, Bastler und Spezialhardware gleichzeitig zufriedenstellen.

Aber spätestens Windows11 schränkt einen ein, belästigt und nervt einen und hat üble Bugs, trotz Meldung an MS, inkl. einem Lösungsvorschlag ... kannste knicken!
Ich bleibe bei Win10, so lange es irgendwie geht. 🫣
Genau und deshalb werden deren Produkte von Milliarden genutzt, privat und auch noch freiwillig.
Es wird privat sogar MS Office gekauft, für Geld!
Aber ja, alle hassen und misstrauen MS...
Und in den Unternehmen ist die Masseträgheit noch ausgeprägter, weil die Entscheider von der Technik oft sehr wenig, bis gar keine Ahnung haben. Und nur wenige gestehen sich das ein.
Ich hätte es vielleicht etwas präziser ausdrücken können, kommt davon wenn man schreibt wenn man nicht zu viel zeit hat (war Abends oder Morgends vor der Arbeit.)
Was ich meinte ist, dass es kaum jemanden gibt, in meinem Bekanntenkreis und auch darüber hinaus, der es Microsoft zutraut eine sache besser hinzukriegen als Drittabieter.
Die halbgaren Windowszusatzprogramme ziehen sich durch die Windowsgeschichte wie ein roter Faden, der Mediplayer war ok, hat aber sehr viel nach Hause telefoniert und diverse Alternativen wie SMPlayer oder VLC sind deutlich besser.
Games for Windows war eine Katastrophe die schon vor über einem Jahrzehnt beerdigt und davor rausgepatcht wurde, zu zeiten als die meisten von uns noch Deltapatcher kannten und wir die Patches selbst heruntergeladen haben.
Der Windows Store ist ein schlechter Abklatsch des Apple Stores, unter anderem weil Anfangs die Optionen eingschränkt wurden und er dir das System zerschießen konnte. Zumindest unter Windows 10.
Die Xbox App ist ein schlechteres Steam.
Windows Movie Maker war für den Anfang ok, aber jede Drittsoftware konnte es besser.
IE muss ich noch drüber reden? Ich sag ja nur Jahrelang IE 5.0 ohne Updates bis Mozilla ihnen in den Hintern trat.
MSOffice.....naja es wird benutzt, wurde aber an vielen Stellen verschlimmbessert. Die Ribbons wurde damals einfach knall auf Fall eingeführt, ohne wie [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] zurecht vorschlägt, die Nutzer zu fragen.
Da standen viele Kollegen damals da wie der Ochs vorm Berg, weil plötzlich das Programm nicht mehr tat was es sollte.
Und manche Entscheidungen wie Strg-F für Fettschrift, statt die Suche auf Strg-F und die Fettschrift auf Strg-B wie schon seit über 20 Jahren, oder den Befehl Strg-Shift-S für "Speichern unter" zu streichen sind ein bisschen blöd.
Windows ist zwar voll doof und das muss bei jeder Gelegenheit kundgetan werden aber genutzt wird es trotzdem, die ganze Zeit, für alles.
Da können die ja alles sehen. Ja, nur mit manuell eingeschaltetem Recall.
Aber damals waren alle Mahner verschwörungstheoretiker.
Der Grund, warum man Linux aktuell nicht "einfach verwendet" lautet in den meisten Fällen "fehlende Kompatibilität", nicht "fehlender Microsoft Store, fehlende Accountbindung, fehlender Copilot". Microsoft kann es sich also sehr gut erlauben, letzteres auszugliedern, ohne dass die Leute deswegen zu Linux migrieren. Im Gegenteil.
Aber natürlich auch eine viel geringere Software-Auswahl.
Heute kommen sie mir oft wie ein sehr überteuertes Lifestyle produkt rüber, das aber halt einen großteil des Kreativmarktes kontrolliert, wie Fotografie, Videografie und Audioarbeit. .
Interessant finde ich jedoch, dass es gerade mal wieder die Microsoft-Geräte sind, die Probleme machen. Die Eingabegeräte waren damals wirklich konkurrenzfähig gut und noch sehr beliebt als Microsoft sie eingestellt hat.
War wieder so ein Fall von, es wurde was von Microsoft geändert ohne den Nutzer zu fragen.
*Für die Nichtsimmer, die Basis des Sticks, auf den wir in modernen Geräten den eigentlichen Stick draufschrauben. Nimmt die Kräfte auf und geht oft als erstes Kaputt.
Standards sind nichts schlimmes, wenn sie unabhängig sind und nicht von einem Unternehmen allein kontrolliert werden, weil das dem Unternehmen zu viel Macht gibt. Interessanterweise ist das eine Angelegenheit in der sich Sozialdemokraten bzw. Colin Crouch wie auch Wirtschaftsliberale im Sinne Adam Smiths sich einig sind.
[Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] Exakt, das Problem ist nicht das OpenOffice oder Libreoffice inkompatibel sind, sondern dass oft das MS Office die Zusammenarbeit mit den offenen Formaten verweigert und viele Entscheider oder auch Professoren nicht ausreichende Kentnisse haben um damit klarzukommen. "Könnten sie mir das bitte als Excel-/Word-/Powerpoint-Datei schicken, das geht hier nicht mit Office.
Der Nutzer (ich persönlich eh nicht mehr aber die Nutzer in der Masse) sprich ich kann gar nicht das Problem der Altlasten von Windows sein. MS diktiert doch quasi was angeblicher Standard auf dem heimischen PC ist. Wenn da nun Pong oder Snake nicht mehr als bevorzugte PC Games laufen (wäre wenn ich nicht schon gewechselt hätte ein entscheidender Grund ein neues OS zu suchen) so wird das von der Masse in angeblicher Ermangelung an Alternativen doch hingenommen. Um alte Games oder Programme zum laufen zu bringen braucht sich MS auch gar nicht bemühen. Ich bin sehr sicher da wird es dritt Hersteller geben die da eine entsprechende Software Lösung gegen Geld anbieten.
So ziemlich das beste Zitat aus Hello, Mr. President, oh die Freuden wenn man mit nur einem Fernseher in der Familie aufgewachsen ist.... Nicht alle Filme waren nach Geschmack, aber viele waren doch lehrreich.
MS versucht sich oft als Alternativlos zu positionieren und es hat auch einen großen Vorteil im Bereich der Unterstützten Soft- und Hardware.
Nur wie du auch schon sagtest, steht sich MS oft selbst im Weg, und sorgt dafür dass man ihnen nicht wirklich vertrauen kannen. So mancher wie ich steht hier nach Jahrzehnten gebrochener Versprechungen von Microsoft und sagt sich, warum soll ich so blöd sein und denen nochmal vertrauen?
Entschuldigt bitte die Nekromatik, die Arbeit und Hitze haben erfolgreich verhindert, dass ich Zeit hatte mich dem Thema mit gebührendem Zeitaufwand zu widmen.
P.S. Sorry Jacky du kriegst gleich deinen eigenen Kommetar.
Hallo [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] Schön dass man mit dir noch "normal" streiten kann! Das kann heute nicht jeder.
Tut mir leid, dass ich dir erst jetzt antworte und hier gerade hochgradige Thread-Nekromatik betreibe.
Mea Culpa, die Arbeit und der Unwille bei den Temperaturen den PC anzumachen...und schreiben auf dem Handy ist ein Graus.
Während es mir bei anderen OS egal ist, aber die "sind auch nicht Windows und sollen nicht gefälligst wie Windows funktionieren!"
Z.B. hat sich einer unserer Kunden Jahrelang nur Labtops mit Displays in 1366x768, weil entweder die Sorge bestand, dass ihre "Branchensoftware" nicht ordentlich skaliert oder richtig auf einem 1920x1080 Display funktionieren würde.
Ja die Software war so alt. Und das Poolverwaltungssystem bei uns, da würde so mancher hier das nackte Grausen kriegen, wenn dir TreeView in der MS-DOS Variante was sagt, so ungefähr kannst du dir das GUI vorstellen.
Der Kunde ist ein sehr großes und wichtiges Deutsches Unternehmen, nein die Branche kann ich nicht sagen, weil sonst jeder weiß um wen es geht. Die sollten eigentlich genug Geld für eine Gute IT haben. NMP!
👀 Allerdings gibt es ein massives Spannungsfeld zwischen Nutzern, Entwicklern, Unternehmen, OEMs und Communities, die alle daran festhalten, dass alles sobleint wie es is.
Was meiner These nach der Ursprung aller Probleme war ^^ Man will alles mögliche haben, was nicht von Microsoft kommt. Alles soll funktionieren, was eine Weiterentwicklung von Windows in meinen Augen ausbremst.
Und genau dass wurde z.B. bei DirectX11 oder DirectInput torpediert.
Ebenso wie bei Windows 11 und der Liste der Unterstützten CPUs.
Oder das TCG/TPM Problem dass ich schon erwähnt habe.
Dazu kam noch das "Versprechen/Die Drohung" dass Windows 10 das letzte Windows sein sollte.
Genau dieses Versprechen, des "Alles funktioniert mit Windows" ist es doch was Windows an die Spitzenposition gebracht hat.
Absolut, aber was ändert das an der Argumentation? Eigentlich doch nix. Ich sehe da eher ein Eingeständnis, dass man es eben weiterlaufen lassen möchte. So gut die Gründe auch sein mögen ^^
Und das ist genau die Haltung, die ich in der Kolumne meine ^^
DirectSound3D war der Standard-3D-Sound, bis sich Microsoft entschloss dass dem nicht mehr so sein sollte.
Und die Weitergabe älterer Eingabegeräte an Neulinge oder die Planung der Nutzung eines Eingabegeräts über 9-10 Jahre (habe ich sowohl bei meinem Saitek X52 wie auch meinem Thrustmaster HOTAS Warthog erreicht) wäre doch ganz im Sinne der bei uns allgemein Gesellschaftlich propagierten Nachhaltigkeit und der Vermeidung von Elektroschrott.
Genauso kann man sagen, dass für alle "Büroarbeiten" eigentlich jedes Labtop aus den letzten 10-12 Jahren reicht, wenn sie noch funktionieren, warum sollte man sie ersetzen? Das wäre doch rein aus ökologischer Sicht ein Fortschritt und gelebte, nicht nur propagierte, Nachaltigkeit.
Danke für das Interessante Streitgespräch. Chapeau!
Kannst Du mehr dazu sagen?
Dies alles ist dir entgangen ?