Shitstorms ohne große Folgen - Ein Kommentar von Reinhard Staudacher
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Dieses Mal schreibt Reinhard Staudacher eine Kolumne über Shitstorms und warum diese den Herstellern offensichtlich egal sein können.
Das Internet hat ja einige schöne Dinge hervorgebracht: LAN-loses Multiplayer-Gaming, immer aktuelle Nachrichten, ein Meinungsaustausch verschiedenster Stimmen und seit Netflix beziehe ich auch mein Fernsehprogramm aus dem Web. Ein weniger erfreulicher Aspekt, der vor allem in den letzten Jahren stark zugenommen und dessen Begrifflichkeit schon Eingang in den Duden gefunden hat, ist der Shitstorm, der wie das Wasser in der Badewanne regelmäßig vom einen Ende des Netzes zum anderen schwappt.
Der letzte solche Fall bei einem für uns interessanten Thema war wohl die GTX 970, deren Speicher anders als angegeben nicht komplett mit der vollen Speicherinterface-Breite angesprochen wird. Die Empörung ist zweifelsfrei gerechtfertigt und die Lautheit der Stimmen im Netz schien für ein Momentum zu sorgen, das Nvidia unter Druck setzt. Hier treffen wir nun aber auf ein anderes Phänomen des Internets: Das Netz sorgt zwar regelmäßig für sehr viel Meinung und Empörung, doch diesen stehen recht selten konkrete Taten gegenüber. Dafür gibt es einen quasi-legendären Screenshot, der die Sache wunderbar auf den Punkt bringt. Ein anderes berühmtes Beispiel sind die Pro-Guttenberg-Demos von vor ein paar Jahren, wo den 500.000 Facebook-Likes für die Aktion 600 Veranstaltungs-Anmeldungen gegenüberstanden (1,2 %), und wovon sich laut diesem Artikel nur 150 bis 200 Personen (~ 0,3 %) tatsächlich zeigten – und diese waren bei Weitem nicht alle nur deswegen gekommen, um der Sache zu dienen. Ausgehend von diesen Zahlen hat ein Shitstorm also eine schlechtere "Conversion-Rate" als viele Online-Shops mit ihrer Werbung. Bei der GTX 970 scheint sie nicht höher zu sein. Im unserem Forum haben in einem Quickpoll etwa 8 Prozent angegeben, die Karte zurückzusenden. Einem Bericht von Kitguru zufolge waren es unter 5 Prozent (wir berichteten), während die Hersteller Heise gegenüber sagten, dass die Zahl der Rückläufer sich im niedrigen zwei- bis dreistelligen Bereich bewegt.
Was sagt uns das also? Prinzipiell sehe ich das so: Ein Shitstorm ist erstmal eine gute Sache: Leute empören sich darüber, wie mit ihnen umgegangen wird, sie offensichtlich nicht zufrieden sind. Allerdings muss man auch festhalten, dass das nichts bringt, wenn der verbale Unmut die einzige Form des Protestes bleibt. Denn alle Unternehmen geht es um Gewinnmaximierung, egal ob es sich hier um EA mit Battlefield, Activision mit Call of Duty oder - wie eben zuletzt - um Nvidia mit der GTX 970 handelt.
Die Firmen werden immer so handeln, dass am Ende das größtmögliche Plus auf der Bilanzrechnung stehen bleibt. Wenn das bedeutet, den Kunden zu verärgern, werden sie das auch ohne mit der Wimper zu zucken machen, sofern der kurzfristige und schnell verflogene Groll wie schon so oft die einzige Folge ihres Tuns bleibt. Denn ein ungepatches Battlefield, der fehlende dedizierte Server bei CoD, die nun anderswo gegen Geld gekauft werden müssen oder eben ein "schmaleres" Speicherinterface sparen beziehungsweise bringen dem jeweiligen Hersteller Geld. Und solange der verärgerte Kunde außer einigen Verwünschungen keine weiteren Konsequenzen zieht, wird sich daran nichts ändern.


Es ist eben einfach, sich über irgendwas aufzuregen. Vor allem, wenn einem auch noch dank Schwarmdynamik unzählige Stimmen recht geben und die Empörung immer wieder anheizen. Wenn die Kreuzritter des Rechtschaffenen Zorns dann aber tatsächlich jeder für sich handeln müssen, verpufft wegen dem nicht mehr vorhandenen Rückhalt durch die breite Masse die Motivation schnell und die Einzelperson, die sich vorher durch unzählige gleichlautende Stimmen in einer Gruppe sicher und mächtig fühlte, steht plötzlich allein da und muss für sich selbst kämpfen. Damit konfronitiert, treten wohl nur noch wenige beherzt die Türen zum jeweiligen Shop ein, schwenken mutig die Quittung und verlangen Genugtuung. Außerdem ist da natürlich auch immer noch die eigene Bequemlichkeit. Wenn man von einer Menge angefeuert wird, ist man zu Höchstleistungen motiviert. Wenn die fehlt, dann schlurft der eine oder andere wohl eher etwas träger über den Trimmdichpfad als dass die Person versucht, dort neue Rekorde aufzustellen. Eventuell bleibt der Betreffende auch einfach im Sessel vor dem Fernseher sitzen
P.S.: Das ist überzogen formuliert, falls das nicht klar sein sollte
Sehr schön geschrieben, ich habe/hatte keine GTX970, hätte ich eine gekauft wäre die definitiv zurückgegangen.
Daher wird demnächst auch Titan X für 1300€+ aufschlagen und auch das wird vom Kaufvieh gekauft werden
Ich kann allgemein Shitstorms nicht ernst nehmen. Die, die einen verdient hätten bekommen keinen und da wo er stattfindet ist er meistens viel zu übertrieben,
Aber ein Hate-Kommentar ist nunmal schnell geschrieben und seine Meinung raus zu posaunen, bevor man sich mit dem Thema auseinandersetzt (oder überhaupt betroffen ist), ist nicht mehr zeitgemäß.
Und Konsequenzen ziehen bleibt auch jedem selbst überlassen, daher bleiben diese im Gesamtbild klein, weil viele zu faul sind aufzustehen und sich zu wehren, oder es ist ihnen eigentlich egal, aber man musste sich kurz aufregen.
Was den Shitstorm angeht ist es eher lustig das man Hardwarehersteller am liebsten niederbrennt aber Softwareanbietern das Geld förmlich noch nachwirft.
Ich sehe das ähnlich wie Cook2211. Viele Teilnehmer eines "Shitstorms" (ich liebe dieses Wort