Mainboards der Community: Beliebtheit von AMD- und Intel-Sockeln der letzten 10 Jahre

Aktive PCGH-Mitglieder repräsentieren in der Regel besonders technikbegeisterte Gamer. Wir haben ein knappes Jahrzehnt Mainboard-Umfragen ausgewertet und uns angeguckt, welche Plattformen besonders beliebt waren und welche Auswirkungen dies auf die Dominanz bei aktiv genutzten Systemen hat.

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Mainboards der Community: Beliebtheit von AMD- und Intel-Sockeln der letzten 10 Jahre
Quelle: PCGH

Dominiert Intel weiterhin? Wird AMD weitere Marktanteile hinzugewinnen? Auf welchem Sockel zocken die Meisten? Solche Fragen bewegen regelmäßig die Gemüter. Sie anhand von Verkaufszahlen zu beantworten, führt aber schnell in die Irre, da diese weder die Anwendung eines Neukaufs noch dessen Lebensdauer berücksichtigen: 5 Office- und 5 Gaming-PCs von Hersteller "A" und 70 Office- sowie 10 Gaming-PCs von Hersteller "I" "B" ergeben einen Marktanteil von 80 Prozent zugunsten des letztgenannten, dabei werden drei Viertel aller Games auf "A"-Systemen gespielt. Umgekehrt bedeuten zehn Fans von Marke A, die alle jährlich aufrüsten, gegenüber 40 Fans von Marke B, die ihre Rechner jeweils vier Jahre lang nutzen, eine Marktaufteilung von 50:50, obwohl das Verhältnis bei den im Einsatz befindlichen Systemen 20:80 beträgt.

Wir möchten den Spieß daher einmal umdrehen und schauen uns reine Bestandsdaten an - aus eigener Sammlung. Seit 2019 fragt PCGH (fast) jedes Quartal die Forenmitglieder: "Welchen I/O-Hub nutzt dein Mainboard?" Drei weitere Polls aus 2015, 2017 und 2018 haben wir von Hand aufgearbeitet, sodass die damaligen Abstimmungsergebnisse mit denen aus späteren, systematischen Befragungen vergleichbar sind. Bitte beachten Sie dabei, dass die Teilnahme an PCGHX-Quickpolls freiwillig und wechselhaft ist. Von Quartal zu Quartal schwanken die Teilnehmer und das nicht unbedingt repräsentativ in allen Nutzerklassen. Wer sich für Gaming-Hardware begeistert, wird sowohl häufiger in einem Gaming-Hardware-Forum aktiv sein, als auch mehr Geld in sein Hobby investieren, als ein Gelegenheits-PC-Spieler, der eher günstige Hardware wählt und vielleicht nur einmal im Jahr an unseren Umfragen teilnimmt.

AMD versus Intel

Starten wir mit einer simplen Grundfrage: Wessen Sockel bevorzugen PCGHX-Mitglieder allgemein? Die wenig überraschende Antwort lautet klar "AMD" - PCGH wurde gegründet, als der Sockel A die ersten großen Triumphe gegen Intel feierte und bis heute kämpft AMD mit einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis gegen eine weiterhin bekanntere Konkurrenz. Ein ansehnlicher Teil der gut informierten PCGH-Leser hat AMD sogar in Zeiten von absolut betrachtet eher mäßigen Designs die Treue gehalten, wie 20 Prozent Verbreitungsanteil während der schwärzesten AM3-Bulldozer-Tage beweisen. Dank guter Preise für Vielkerner-CPUs und später schlicht guten Prozessoren insgesamt hat sich dieses alte 20:80-Verhältnis aber seit dem Ryzen-Launch in eine 85:15-Niederlage für Intel gewandelt.

Keine Überraschung: Die PCGHX-Community war immer AMD-orientiert, mittlerweile ist von Intel kaum noch etwas übrig. Die Werte für eckig eingeklammerte Quartale sind interpoliert, da keine Umfrage stattfand. Quelle: PCGH Keine Überraschung: Die PCGHX-Community war immer AMD-orientiert, mittlerweile ist von Intel kaum noch etwas übrig. Die Werte für eckig eingeklammerte Quartale sind interpoliert, da keine Umfrage stattfand.

Intel-Sockel im Laufe der Zeit

Welchen Anteil dabei insbesondere die alternde 14-nm-Technik spielte, wird deutlich, wenn wir den Gesamtbestand nach Plattformen unterteilen: 2015 hatte Intel noch 80 Prozent Gesamtanteil und 45 Prozent dieser Intel-Nutzer hatten sich den damals gerade in Rente gehenden Sockel 1150 (Haswell) zugelegt. 2017, als die erste Inkarnation des Sockel 1151 (SKL = Skylake) ebenfalls zwei Jahre alt war, hatte sie dagegen nur 28 Prozent der Intel-Käufer von sich überzeugt und 2019 stand der ebenfalls als "1151" vermarktete Nachfolger (CFL = Coffee Lake) noch einen Tick schlechter dar. Die Verbreitung Intels in der Community nach dem Ryzen-Launch spiegelte also eher die Weiternutzung veralternder Bestands-Systeme wider - Neukäufer wanderten ins AMD-Lager. Der Nachfolger Sockel 1200 war noch unbeliebter, erst der bis heute Intels am wenigsten langsame schnellste Gaming-CPU tragende Sockel 1700 brachte eine Kehrtwende: Ende 2023, nach dem zweiten von letztlich drei Jahren mit dieser Plattform, nutzte fast die Hälfte aller Intelianer Mainboards für Alder Lake und Raptor Lake.

Zwar wurde schon bei Sockel 1155 (Sandy Bridge/Ivy Bridge) und 1150 (Haswell) über zu geringe Fortschritte gemeckert, trotzdem wechselten viele Anwender auf die neuen, gelungenen Plattformen. Die drei nachfolgenden Generationen waren dagegen selbst unter Intel-Nutzern unbeliebt, erst der LGA1700 feierte wieder Erfolge. Man beachte auch die feine und gar nicht mal so kleine Zahl der 1366- und 2011-v3-Nutzer. Die Werte für eckig eingeklammerte Quartale sind interpoliert, da keine Umfrage stattfand. Quelle: PCGH Zwar wurde schon bei Sockel 1155 (Sandy Bridge/Ivy Bridge) und 1150 (Haswell) über zu geringe Fortschritte gemeckert, trotzdem wechselten viele Anwender auf die neuen, gelungenen Plattformen. Die drei nachfolgenden Generationen waren dagegen selbst unter Intel-Nutzern unbeliebt, erst der LGA1700 feierte wieder Erfolge. Man beachte auch die feine und gar nicht mal so kleine Zahl der 1366- und 2011-v3-Nutzer. Die Werte für eckig eingeklammerte Quartale sind interpoliert, da keine Umfrage stattfand.

AMD-Sockel im Laufe der Zeit

Absolut betrachtet setzten weitaus mehr Spieler natürlich auf Sockel AM4 und AM5, deren Entwicklung weitaus weniger spektakulär ist - im Mainstream liefert AMD seit 2017 recht konstant Weiterentwicklungen ohne große Höhen und Tiefen. Die Anfangstage des Sockel AM4 decken unsere Umfragen leider nur unzureichend ab, wir lenken daher den Blick auf die 2019er-Runderneuerung der Plattform. Bei der koppelte AMD neue CPU-Features wie PCI-Express 4.0 an den Kauf eines X570-Mainboards und garantierte lange Zeit keine Aufrüstmöglichkeit für Besitzer älterer B350-/X370-Mainboards. So kam es innerhalb des mechanisch fortbestehenden Sockel AM4 ab 2019 zu einem zweiten High-End-Quasi-Plattform-Launch, der erstaunlich exakt die 2022er-Entwicklung des AM5-über-AM4-Starts vorwegnahm. Beide Neuvorstellungen verbreiteten sich ähnlich schnell unter den 35-40 enthusiastischeren Prozent der AMD-Nutzer, ehe die Zuwachsrate einknickte. Im Falle des Sockel AM4 wurde sie im Sommer 2020 mit dem nachgereichten B550 schnell wiederbelebt, die Popularität von AM5-Mainboards stagnierte dagegen in unseren letzten Umfragerunden - wer sich mit einer "locker ausreichenden" CPU zufriedengibt, wartet derzeit oft mit einem 5800X3D ab, anstatt ein neues Mainboard zu kaufen.

Nach dem Wirrwarr der FM-Ära, die von unseren Umfragen nicht mehr abgedeckt wird, praktiziert AMD eine so übersichtliche Sockelpolitik, dass wir sogar die Mainboard-Generationen innerhalb des AM4 aufschlüsseln können. Die Werte für eckig eingeklammerte Quartale sind interpoliert, da keine Umfrage stattfand. Quelle: PCGH Nach dem Wirrwarr der FM-Ära, die von unseren Umfragen nicht mehr abgedeckt wird, praktiziert AMD eine so übersichtliche Sockelpolitik, dass wir sogar die Mainboard-Generationen innerhalb des AM4 aufschlüsseln können. Die Werte für eckig eingeklammerte Quartale sind interpoliert, da keine Umfrage stattfand.

Klassenunterschiede bei AMD und Intel

Doch nicht nur in der zeitlichen Dynamik unterscheiden sich die Käufer beider Hersteller grundlegend, sondern auch in der Auswahl der Mainboard-Klasse. Routinemäßig erfassen neben den abgetrennten Enthusiast-Plattformen auch innerhalb des Mainstreams die "B"udget-Modelle getrennt von AMDs X?70- respektive Intels Z-Oberklasse. Bei AMD sieht man von den zuerst genannten aber fast gar nichts - auch in der technikbegeisterten PCGHX-Community spielt kaum jemand mit einem Threadripper herum. Intels Sockel 1366 und 2011-v3 erfreuten sich dagegen so großer und nachhaltiger Beliebtheit, dass ihre überlappenden Nutzungszeiträume auch den weniger erfolgreichen LGA2011 dazwischen kaschieren. Bis heute halten sich einige Broadwell-E-Systeme im aktiven Einsatz, flankiert vom letzten Rest des satte sechs Jahre angebotenen 2066er-Nachfolgers (Skylake X, Cascade Lake).

Hochpreis-CPU, Hochpreis-Mainboard: Die auffällig vielen Enthusiast-Käufer haben ohnehin keine Wahl, aber auch andere Intel-Interessenten wählen in der Regel die beste und teurste Mainboard-Klasse für ihren Prozessor. Die Werte für eckig eingeklammerte Quartale sind interpoliert, da keine Umfrage stattfand. Quelle: PCGH Hochpreis-CPU, Hochpreis-Mainboard: Die auffällig vielen Enthusiast-Käufer haben ohnehin keine Wahl, aber auch andere Intel-Interessenten wählen in der Regel die beste und teurste Mainboard-Klasse für ihren Prozessor. Die Werte für eckig eingeklammerte Quartale sind interpoliert, da keine Umfrage stattfand. Umgekehrt durch Abwesenheit glänzen Intel-Mainboards mit günstigen I/O-Hubs aus der B- und H-Serie. Hier macht sich einerseits bemerkbar, dass die Käufer von Intel-CPUs selten nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis streben (dürfen), entsprechend selten sparen sie beim Mainboard. Andererseits zwingt Intel gerade die PCGHX-Übertakter auch direkt zum Kauf einer K-Z-Kombination. AMD dagegen erlaubt Overclocking auch mit günstigen "B"-I/O-Hubs und das macht sich vor allem seit der 500er-Einführung im Jahre 2020 bemerkbar: Die 300er-/400er-Vorgänger-Generation war schon zum Erscheinen nicht ganz auf der Höhe der Zeit, aber günstig bepreist. Entsprechend griffen viele PCGHX-Mitglieder direkt zum X370 anstelle des mageren B350. Im hausinternen Duell des aufgewerteten B550 gegen den teuren X570 sowie später bei B650(E) gegen X670(E) im Sockel AM5 entscheidet sich dagegen fast die Hälfte der Quickpoll-Teilnehmer für die günstigere Variante.

Preisbewusstsein statistisch belegt: Seitdem AMDs I/O-Hubs auf der Höhe der Zeit sind, entscheiden sich mehr und mehr Anwender für die B-Klasse. Enthusiast-Plattformen für Threadripper leistet sich dagegen so gut wie niemand. Die Werte für eckig eingeklammerte Quartale sind interpoliert, da keine Umfrage stattfand. Quelle: PCGH Preisbewusstsein statistisch belegt: Seitdem AMDs I/O-Hubs auf der Höhe der Zeit sind, entscheiden sich mehr und mehr Anwender für die B-Klasse. Enthusiast-Plattformen für Threadripper leistet sich dagegen so gut wie niemand. Die Werte für eckig eingeklammerte Quartale sind interpoliert, da keine Umfrage stattfand.

Noch einmal zur Erinnerung: Alle Zahlen dieses Artikels sind durch Aktivität der einzelnen Gruppen vorgefiltert und betonen enthusiastische High-End-User, während Nutzer ohne Technik-Interesse unterrepräsentiert sind. Unsere Perspektive ist somit ein Spiegelbild der eingangs genannten, häufig Topmodelle fokussierenden Diskussionen und von entsprechendem Interesse, während außerhalb des PCGHX-Universums günstigere Lösungen einen größeren Anteil haben. Die einzige einigermaßen repräsentative Beprobung der im Einsatz befindlichen Gaming-Systeme, Steams Hardware Survey, wird allerdings umgekehrt durch eine riesige Zahl von nur selten für Casual-Games genutzten Multimedia- und Office-PCs verfälscht und erfasst gar keine Mainboard-Details. Wir hoffen daher, Sie fanden unsere Nischen-Auswertung trotz oder gerade wegen der fokussierten Teilnehmergruppe interessant. Für die Zukunft planen wir noch eine zweite Analyse, die explizit die Einsatzdauer verschiedener Plattformen betrachten wird.

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    • Kommentare (6)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von derneuemann Lötkolbengott/-göttin
        Intels goldene Zeit rund um Sky Lake ist sehr schön im Diagramm zu sehen.
        Für mich war erst LGA 1700 wieder interessant, kein AMD weil AM4 überholt war, also sollte DDR5 dabei sein und ich konnte halt günstig ein ITX Board bekommen.

        Marktüblich waren 200€ zu dem Zeitpunkt, beim Käsekönig für 135€ geholt und das, als es von AMD zu dem Zeitpunkt ITX AM5 erst ab 240€ gab.

        LGA1851 ist interessant, aber wenn Intel nicht auch noch wie AMD bei Ryzen 9000 über Updates 5+% an Leistung frei macht, ist es absolut zu wenig zugewinn an Leistung. Daher wäre für mich erst wieder die nächste CPU Generation von AMD, oder Intel interessant. Bis dahin wird es ein 14600kf locker tun.
      • Von derneuemann Lötkolbengott/-göttin
        Intels goldene Zeit rund um Sky Lake ist sehr schön im Diagramm zu sehen.
        Für mich war erst LGA 1700 wieder interessant, kein AMD weil AM4 überholt war, also sollte DDR5 dabei sein und ich konnte halt günstig ein ITX Board bekommen.

        Marktüblich waren 200€ zu dem Zeitpunkt, beim Käsekönig für 135€ geholt und das, als es von AMD zu dem Zeitpunkt ITX AM5 erst ab 240€ gab.

        LGA1851 ist interessant, aber wenn Intel nicht auch noch wie AMD bei Ryzen 9000 über Updates 5+% an Leistung frei macht, ist es absolut zu wenig zugewinn an Leistung. Daher wäre für mich erst wieder die nächste CPU Generation von AMD, oder Intel interessant. Bis dahin wird es ein 14600kf locker tun.
      • Von Gast1754989802
        Ich bin meiner (CPU) i7 10700K LGA1200 immer noch treu... und wie lange war ich meiner vorherigen i5 4570 LGA1150 treu?!
      • Von MechUnit Software-Overclocker(in)
        Sehr interessante Diagramme und Rückblicke. Äußerst aufschlussreich. Danke dafür!
      • Von T-MAXX Volt-Modder(in)
        Ich habe mir kürzlich ein neues altes High-End Hauptsystem auf Sockel Basis R3 aufgebaut. Unglaublich wie schnell eine High-End CPU auf Xeon Basis heute noch mitrennen kann, aber nur wenn man die Work Loads mit eigenen Scripts optimiert. Das Teil ist fast an einem Ryzen 7 7800X3D vorbei gezogen und das für relativ wenig Geld.
        Ursprünglich hatte ich ein AM5 anvisiert, nur lag das P/L Verhältnis voll daneben.
        Es muss nicht immer aktuell sein. Trotzdem konnte ich wieder meine Traum Config mit Windows 7, 10, 11 auch unter UEFI mit Secure Boot parallel auf Raid 0 Basis einrichten. Windows XP ist natürlich auch weiterhin dabei, auf einem separaten Kontroller im System angebunden, da UEFI und Secure Boot mit XP nicht harmonieren, aber für Oldie Games ist Windows XP wegen DX 9 nicht wegzudenken...
      • Von ShirKhan Software-Overclocker(in)
        Zitat

        Von Quartal zu Quartal schwanken die Teilnehmer und das nicht unbedingt repräsentativ in allen Nutzerklassen. Wer sich für Gaming-Hardware begeistert, wird sowohl häufiger in einem Gaming-Hardware-Forum aktiv sein, als auch mehr Geld in sein Hobby investieren, als ein Gelegenheits-PC-Spieler, der eher günstige Hardware wählt und vielleicht nur einmal im Jahr an unseren Umfragen teilnimmt.
        Und nicht nur das: Der Enthusiast mit der teuren Hardware wird auch eher das Abstimmungsknöpfchen drücken als der mit dem Brot-und-Butter-System. Wie sonst ließe sich erklären, dass die RTX 4090 in hiesigen Umfragen das meistgespielte Grafikgerät ist?
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