Hyrican Evolution getestet: Ein All-in-One-PC der anderen Art
Als Origin Omni sorgte er bereits auf der CES 2016 für Aufsehen, nun erreicht der All-in-One-PC im Monitorgehäuse als "Hyrican Evolution" den deutschen Markt. PCGH konnte eines der ersten Testmuster ergattern und hat überprüft, welche Vor- und Nachteile das ungewöhnliche Konzept besitzt.
Dass PCGH exotische Komplett-PCs testet, ist keine Seltenheit - man denke an die Mifcom Battlebox oder das MSI VR One, die jeweils für völlig unterschiedliche Ansätze stehen. Ein derart ungewöhnliches Konzept wie beim Hyrican Evolution sorgt aber selbst bei erfahrenen Kollegen für neugierige, teils skeptische Blicke. Ein High-End-Gaming-PC in einem Curved-Monitor: Kann das funktionieren? Einige Schraubereien und Benchmarks später sind wir schlauer.
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Hyrican Evolution AiO 5300: Erster Eindruck und Ausstattung
Spannend ist beim Hyrican schon das Auspacken, denn das 34-Zoll-Monstrum mit Hightech-Innenleben wiegt immerhin 15 Kilo. So etwas will erstmal schadensfrei aus dem Lieferkarton gewuchtet werden. Zudem kommt er - anders als übliche Komplettrechner - nicht fertig montiert, sondern muss erst mit seinem Standfuß kombiniert werden. Dieser ist vollständig aus Metall und wesentlich stabiler als gewöhnliche Monitor-Standfüße; in Anbetracht des hohen Gesamtgewichts scheint dies aber auch angebracht. Weiterer Unterschied zu einem reinrassigen LCD ist der verwindungssteife Metallrahmen. Da das Hyrican-System zur Montage auf die Display-Seite gelegt werden und auch zum Umpositionieren unweigerlich an den Rändern gepackt werden muss, darf dieser nicht nachgeben. Aus eigener (schmerzlicher) Erfahrung wissen wir, dass eine Belastung an diesen Stellen bei normalen Curved-LCDs sogar zu Panelbrüchen führen kann; eine solche Gefahr besteht hier nicht. Eine ganzflächige, robuste Basisplatte hinter dem LC-Panel dient als Grundlage für alle Komponenten.
| Komponenten | Modell |
|---|---|
| Gehäuse | Sonderanfertigung |
| Netzteil | 450 Watt Mini-ITX |
| Mainboard | Gigabyte H170N-Wifi |
| CPU | Intel Core i7-6700K |
| Grafikkarte | Nvidia GTX 1080/8G, Gigabyte G1 Gaming |
| RAM | 8 GiByte Crucial DDR4-2133 |
| SSD | 256 GB PCI-E (M.2) |
| HDD | Seagate 1.000 GB |
| Optisches Laufwerk | Nicht vorhanden |
| Kühlung | Kompaktwasserkühlung (CPU) |
| Betriebssystem | Windows 10 Home (vorinstalliert) |
| Extras | Gigabyte Force K7 Keyboard und M6980X Gaming-Maus |
| Garantie | 2 Jahre Pick-Up & Return |
| Preisvergleich | www.pcgh.de/preis/1522195 |
Quelle: PC Games Hardware
Hyrican Evolution: Reichhaltiges Zubehör samt Gigabyte-Peripherie
Die haben es derweil in sich: Anstelle eines eher laptop-ähnlichen Low-Profile-Systems, dass man wohl am ehesten in einem Monitor-Gehäuse vermuten würde, kommt Desktop-Technologie zum Einsatz. Kleiner als gewohnt fällt nur das Mainboard aus, ein Gigabyte H170N-Wifi im Mini-ITX-Format. Der Rest ist ausgewachsene Gaming-Hardware, teils ebenfalls von Gigabyte, mit denen man bei der Assemblierung des Evolution AiO 5300 offensichtlich eine Kooperation eingegangen ist. So sorgt (anders als beim Origin Omni) keine Nvidia Geforce GTX 1080 im Referenzdesign in der Founders Edition für beschleunigte Pixel, sondern eine GTX 1080 in Form der Gigabyte G1 Gaming. Als CPU dient ein Intel Core i7-6700K mit einem maximalen Turbo-Takt von 4,0 GHz (4,2 GHz auf einem Kern). Die RAM-Bestückung ist mit 2 × 8 GiByte mehr als ausreichend, es handelt sich aber "nur" um DDR4-2133.
Windows 10 findet auf einer 256 GiByte großen PCI-E-SSD im M.2-Format Platz, für größere Datenmengen ist die 1.000-GByte-HDD zuständig. Obendrauf gibt es neben der obligatorischen Sammlung an Handbüchern, Quickstart-Guides und Treiber-CDs außerdem noch eine Gigabyte Force K7 als Tastatur mit Low-Profile-Tasten und Beleuchtung sowie eine M6980X vom gleichen Hersteller. Windows 10 ist vorinstalliert. Für den stolzen Preis von immerhin 3.500 Euro muss man sich jedenfalls nicht mehr um das Drumherum kümmern, sondern kann direkt loszocken - Plug & Play im Beste Sinne.
Quelle: PC Games Hardware
Hyrican Evolution: Das Honeycomb-Mesh auf der Oberseite wird im montierten Zustand noch vom Kunstoff-Gitter der Rückwand überdeckt.
Hyrican Evolution AiO 5300: LCD-, Anschluss und Gehäuse-Eigenschaften
Stichwort "Plug": Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Das liegt zunächst an der Lage der Anschlüsse des Mainboards, die kaum zu erreichen sind, sobald das Hyrican Evolution einmal aufgebaut ist. Mit einigem Gefummel sind alle USB-Geräte und die WLAN-Antenne verkabelt. Da im Hyrican Evolution schließlich auch ein Monitor steckt, haben wir uns neben der übrigen Hardware auch die Bildeigenschaften genauer angesehen. So beeindruckend die 34-Zoll-Kuve mit UWQHD-Auflösung auch ist, so sehr stören die Farb- und Kontrasteigenschaften des Panels, die wir selbst mit Hardware-Kalibrierung nicht zu unserer Zufriedenheit einstellen können. Noch schlechter geht es über das On-Screen-Display, welches mit gewöhnungsbedürftiger Navigation durch die Menüs führt, und zwar die Einstellung aller wichtigen Bildparameter erlaubt, aber nur mit Mühe zum gewünschten Ergebnis führt. Schon die Auswahl der Farbtemperatur stellt uns vor ein Rätsel, denn die auswählbaren 6500K resultieren in einem Bild mit massivem Blaustich. Die maximale Helligkeitsabweichung liegt mit 19 Prozent nur im Durchschnitt, augenfälliges Clouding stellen wir aber nicht fest. Der Regelbereich zwischen 50 und 260 cd/m² ist praxistauglich und gut.
Wenig zu beanstanden gibt es beim Gehäuse, dass im Prinzip nur aus dem erwähnten Metallrahmen rund um das Panel sowie der rückseitigen Verkleidung des Monitors besteht. Die Klavierlack-artige Oberfläche zieht wie immer magisch Fingerabdrücke an, doch das kennen wir von PC-Gehäusen und LCDs ohnehin zuhauf. Viel wichtiger ist die Frage, ob das Gehäuse einen restriktiven Faktor darstellt, und ob die Lüfteröffnungen an der Rahmenober- und Unterseite ihren Zweck ausreichend erfüllen.
Hyrican Evolution AiO 5300: Temperaturen, Kühlung und Lautheit
Was die Temperaturen von CPU und GPU betrifft, geht das Kühlkonzept durchaus auf. Der von einer Kompaktwasserkühlung gebändigte i7-6700K erreicht selbst unter Dauerlast nicht mehr als 68 Grad; kein Spitzenwert, aber völlig unkritisch. Gleiches gilt für die GTX 1080, die bei 76 Grad ihren Höchstwert erreicht und ihren Boost-Takt von 1.835 MHz daher nicht allzu sehr drosseln muss (gemessen jeweils bei 23 Grad Raumtemperatur). Die nötige Energie wandelt ein 450-Watt-Netzteil in kompakter ITX-Bauweise um, dessen 40-Millimeter-Lüfter hart arbeiten muss. Um Abwärme, die der Radiallüfter der KoWaKü nicht schon mit nach außen befördert, kümmert sich ein weiterer Gehäuselüfter mit circa 60 Millimetern Durchmesser. Frischluft wirkt dank thermischer Konvektion von unten nachgezogen. Mit anderen Worten leidet die Spieleleistung nicht unter der platzsparenden Unterbringung der Systemkomponenten. Dabei wirkt sich letztere so gering auf das Profil des Hyrican aus, dass man auf den ersten Blick einen "gewöhnlichen" Ultrawide-Monitor vor sich wähnt.
Wir haben es jedoch schon geahnt:
Quelle: PC Games Hardware
Hyrican Evolution: Ein Radiallüfter und ein schmaler Wakü-Radiator befördern die CPU-Abwärme nach draußen
Wo derart kleine Lüfter im Spiel sind, kann von Silent-Betrieb nicht mehr die Rede sein. Leider ist es aber nicht nur der 40-Millimeter-Quirl im 450-Watt-Netzteil, der für Lärm sorgt, sondern auch die Grafikkarte - trotz Gigabyte-Kühler - und ganz besonders die Kompaktwasserkühlung mitsamt Pumpe. Alle drei Komponenten sind aus dem System heraus zu hören, da sie verschiedene Frequenzen aufweisen; die Pumpe etwa fiept beständig, während die GTX 1080 unter 3D-Last rauscht. Wir haben wahrlich kein Silent-System erwartet, doch 1,7 Sone im Leerlauf und bis zu 4,6 Sone unter kombinierter CPU und GPU-Volllast sowie das Crescendo aus verschiedenen Tonlagen sind trotzdem kein Ruhmesblatt. Schade, auch wenn man die Dinge im Verhältnis zueinander betrachten muss; schließlich reden wir hier immer noch von einem Monitor-PC-Hybriden. Die Lösung solcher Probleme liegt wie immer in der Wahl des Soundausgabe-Geräts. Mit einem Kopfhörer oder Headset in geschlossener Bauweise ist der Spielspaß ungetrübt; mit den integrierten Lautsprechern braucht es Kompromissbereitschaft.
Hyrican Evolution AiO 5300: Spieleleistung
Aus maximal 325 Watt Leistungsaufnahme unter Vollast holt das Hyrican Evolution genug heraus, um sowohl CPU-lastige Titel wie Warhammer: Total War oder aktuelle Grafik-Referenzen wie Rise of the Tomb Raider flüssig darzustellen. Das ist nicht selbstverständlich, denn erstens ziehen jeweils wir die normierten PCGH-Benchmarkszenen mit sehr hohen Grafikdetails heran, und zweitens liegt die native Auflösung des UWQHD-Displays bei 3.440 × 1.440 Pixel. Nur Ultra HD verlangt es unter den gängigen Auflösungen nach noch mehr Leistung. Alle getesteten Spiele können im Durchschnitt in 50 Frames pro Sekunde oder mehr gespielt werden; eine leichte Reduktion beispielsweise der Kantenglättung in Crysis 3 oder Rise of the Tomb Raider sorgt schon für stabile 60+ Fps. Etwas überraschend: Die hohe Leistungsaufnahme im Idle-Modus, denn diese liegt bei knapp über 100 Watt.
Hyrican Evolution AiO 5300: Fazit
Manche Dinge sind ein bisschen zu schön, um wahr zu sein. Das Hyrican Evolution AiO 5300 ist so ein Fall: Die Idee an sich ist zweifellos faszinierend und wird seine Abnehmer finden, das verwendete Barebone steckt voll cleverer Ideen und leistet in Sachen Performance ganze Arbeit, egal ob in Spielen oder Anwendungen. Wenn es je ein leidenschaftliches Plädoyer für den Verzicht auf Midi-Tower gab - hier ist es! Den Preis dafür bezahlt der Nutzer aber nicht nur in Euro, sondern auch in einigen Kompromissen. Erstens bedeutet die Verlagerung der Mainboard-Schnittstellen in eine Aussparung auf der Rahmenunterseite einige Umstände, zweitens geht die Beschränktheit des Innenraums mit strapazierten Mini-Kühllösungen und hoher Lautheit einher. Und dann wäre da noch das LCD, welches mit 21:9-Format, Curved-Struktur und 34 Zoll zwar topaktuelle Trends bedient, qualitativ aber nicht mit den besten Standalone-Displays mithalten kann. Die Zeit für Verbesserungen könnte Hyrican nutzen; nach eigenen Angaben arbeitet man bereits an einem Nachfolger, der mit Z270-Boards und Kaby-Lake-Prozessoren die Leistung verbessern soll - hoffentlich aber nicht nur diese.

denn die Bildröhren reagieren ja auf Magnetfelder und wenn da irgendein doofer Lüfter oder meinetwegen ein viele Ampers führendes Kabel ungeschickt verlegt ist und es zu Steufeldern kommt, könnte es gleich mal blöde Artefakte auf dem Bildschirm geben.
Im Ernst, solche Gesamtpakete sind selten wirklich gut. Meist hapert es an der Kühlung. In diesem Beispiel hätte man unbedingt auf eine WaKü für CPU+GPU zurückgreifen sollen, und das Netzteil passiv kühlen. Wirklich Gut machbar ist es mMn bei 40mm Bauhöhe nicht. Außer man gestaltet einen massiven Standfuß, in dem der Radiator steckt.
Unter/neben dem Fernsehschrank/Schreibtisch ist bestimmt genug Platz für ein ordentliches NT mit einem größeren Lüfter.
Naja, Spaß beiseite. Die Lautstärke der Rechenknechte bekommt doch einen immer höheren Stellenwert. Schon deshalb, befürchte ich, werden sich die verkauften Stückzahlen in Grenzen halten.
Aber so als technische Spielerei ist das natürlich toll, vor allem, da man von der Leistung her kaum Abstriche machen muss.
Ich frage mich nur, warum man sich nicht sagt "wenn schon, denn schon" und den Kasten einen Zentimeter dicker baut und dafür die Kühlung gescheit designt. 40mm Lüfter, also wirklich...
Bei Laptops sehe ich das ähnlich, da hätte ich nichts gegen ein 1 kg schwereres und 2 cm dickeres Gerät, wenn dadurch die Akku-Kapazität verdreifacht werden könnte.