"Verdammte Idioten" übernehmen James Bond: Amazon bekommt kreative Kontrolle
Amazon bekommt in einem länger schwelenden Streit die kreative Kontrolle über James Bond. Die Produzentin bezeichnete die Manager des neuen Teilhabers einmal als "verdammte Idioten" und lieferte sich eine Schlacht um die Ausrichtung der Marke.
Amazon hat nun auch die verbliebenen 50 Prozent der Rechte an James Bond übernommen und musste noch einmal tief in die Tasche greifen. Es macht die unerhörte Summe von einer Milliarde die Runde, die Jeff Bezos an Barbara Broccoli und Michael G. Wilson (EON Productions) abgeben muss, um die kreative Kontrolle zu erlangen. Vorausgegangen war dem ganzen zunächst die Übernahme von MGM, wo die Hälfte der Rechte an James Bond gelegen haben. Die andere Hälfte hielten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson - Tochter und Stiefsohn des ehemaligen Bond-Produzenten Albert "Cubby" Broccoli, der wiederum einst zusammen mit Harry Saltzman die Rechte von Ian Fleming über EON Productions hatte, doch Saltzman verkaufte seine Anteile an Broccoli.
Bond so lange als Geisel von Amazon
Soweit die Kurzzusammenfassung der Gemengelage um die Rechte. Als Amazon MGM übernahm, hoffte man natürlich auch auf das Filetstück James Bond; doch nach dem letzten Film mit Daniel Craig, der schon mit Sony verhandelt war, begannen die Spannungen zwischen Broccoli und den neuen Eigentümern über die Fortführung der Marke. Broccoli hatte die kreative Hoheit und die Aufgabe, einen neuen James Bond zu finden, der die Serie fortsetzt. Das lief wohl nicht ganz im Einklang mit den neuen Teilhabern und die hatten sicher auch ein ganz anderes Tempo im Sinne - 4 Jahre ist der letzte Bond-Film nun schon alt.
Broccoli vertrat zudem fest die Auffassung, dass Bond keine Massenware ist. Vermutlich keine schlechte Idee, wenn man sich anschaut, was aus Star Wars unter Disney wurde. Doch letztlich eskalierte der Streit und schwappte sogar an die Öffentlichkeit. Broccoli beschimpfte die Manager bei Amazon wohl als "fucking idiots". Das Wall Street Journal schrieb dazu, dass Broccoli "Bond so lange als Geisel von Amazon halten kann, wie sie es für richtig hält", und zitiert zur Rechtfertigung einen Satz ihres Vaters: "Lass nicht vorübergehende Leute dauerhafte Entscheidungen treffen."
"Haben Sie den Vertrag gelesen?"
Einer der großen Streitpunkte war wohl auch, wie der nächste James Bond aussieht. Broccoli hatte hier eine sehr klassische Ansicht der Dinge. Bond sei ein Mann und ein neuer Schauspieler müsse um Mitte 30 sein, damit man unter den heutigen Produktionsbedingungen wenigstens vier Filme anpeilen kann. Streit gab es wohl auch darüber, dass Broccoli auf einen eher unbekannten Schauspieler setzte, während Amazon-Manager einen Star gefordert haben sollen. Ihre Auswahl basierte auf einem "Bauchgefühl mit einem gesunden Maß an Risiko". Immer wieder fielen Namen, aber nichts trug Früchte.
Schon beim MGM-Deal wurde unterzeichnet, dass Bond weiter in die Kinos kommt, bevor er gestreamt wird. Aber die Marke sollte wohl mit einem Spin-off zu Miss Monneypenny verwässert werden. Broccolis Antwort darauf war wohl eher spröde: "Haben Sie den Vertrag gelesen?"
Am Ende haben die Amazon-Manager offenbar gewonnen und EON Productions wurde der Deal mit viel Geld versüßt. "Nach meiner 007-Karriere, die sich über fast 60 unglaubliche Jahre erstreckt, ziehe ich mich von der Produktion der James-Bond-Filme zurück, um mich auf Kunst- und Wohltätigkeitsprojekte zu konzentrieren", sagte Cubbys Stiefsohn Michael: "Deshalb sind Barbara und ich uns einig, dass es an der Zeit ist, dass unser zuverlässiger Partner, Amazon MGM Studios, James Bond in die Zukunft führt." - "Mein Leben war der Erhaltung und dem Ausbau des außergewöhnlichen Erbes gewidmet, das Michael und mir von unserem Vater, dem Produzenten Cubby Broccoli, hinterlassen wurde", sagte Tochter Barbara.
Spieler können sich in der Zwischenzeit darauf freuen, dass IO Interactive (Hitman) an einem Spiel mit James-Bond-Lizenz arbeitet. Was denken Sie? Nutzen Sie die Kommentarfunktion und teilen Sie uns Ihre Meinung mit. Zum Kommentieren müssten Sie auf PCGH.de oder im Extreme-Forum eingeloggt sein. Sollten Sie noch keinen Account haben, könnten Sie über eine Registrierung nachdenken, die viele Vorteile mit sich bringt. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die gültigen Forenregeln.
Quellen: Variety, The Wall Street Journal, Deadline

Zu IO Interactive und der Bond-Lizenz: Naja, dass Sie lineare Action Spiele auch können, haben sie mit Hitman Absolution sehr unschön bewiesen.
Ich konnte ja den Craig Filmen nicht wirklich viel abgewinnen.
Casino Royale war irgendwie ne merkwürdige Mischung aus Fortsetzung und Reboot, Ein Quantum Trost bestenfalls Mittelmaß, lediglich Skyfall stach da angenehm raus und ist für mich der beste Craig Bond, was aber vor allem an Javier Bardem lag.
Spectre war noch ok, obwohl man gerade von Waltz auch besseres Schauspiel gesehen hat und Keine Zeit zu sterben beendet die Reihe auch nicht gerade Glanzvoll, da hatte ich mir vor allem von Rami Malek deutlich mehr Leistung erwartet.
Hoffentlich hat Amazon den Mut und lässt Bond wirklich mal tot sein.
D.h. der neue 007 ist wirklich eine andere Person, welche den Decknamen James Bond übernimmt.
Damit hätte man auch ein für alle mal den ständigen Schauspielerwechsel erklärt.
Das hat mich z.B. bei CR sehr gestört, dass man die alte M mit dem neuen Bond so interagieren lassen hat als ob man sich schon ewig kennt und viel miteinander erlebt hat, obwohl der Charakter des Craig-Bond auch komplett anders war als der Brosnan-Bond.
Was Spin-Offs angeht, so gibt es ja neben 007 auch noch mindestens 8 weitere 00-Agenten.
(zumindest wenn wir mal davon ausgehen, das tote Agenten durch neue ersetzt werden)