Intel Arc Grafikkarten-Kompatibilität: 50 Spiele seit 1999 geprüft - was läuft, wo klemmt es noch?
50 PC-Spiele mit acht verschiedenen Schnittstellen geprüft: Intels Gaming-Grafikkarten Arc A770 und Arc A750 stehen kurz vor ihrer Markteinführung. Damit Spieler wissen, was sie erwartet, präsentieren wir schrittweise unsere Erfahrungen aus gut 50 Test-Stunden mit einer Arc A380 nebst August-Treiber. Heute dreht sich alles um Spiele-Kompatibilität.
In diesem Artikel
PCGH hat mittlerweile viele Test-Stunden mit einer Intel Arc A380 angehäuft - den allergrößten Teil mit dem frischen Treiber vom 19. August, welcher viele Kinderkrankheiten kuriert. Damit stehen die Vorzeichen gut, dass die mit großer Spannung erwarteten Gaming-Varianten Arc A750 und Arc A770 eine ordentliche Vorstellung abgeben werden. Wann diese steigt, hat Intel immer noch nicht bekannt gegeben. Wir gehen jedoch fest von einem Launch in wenigen Wochen aus, bevor alle Welt von Nvidias neuer Architektur (Geforce RTX 4000) spricht, welche am 20. September offiziell vorgestellt wird.
Mit dem Grafikkarten-Markteintritt von "Team Blau" starten alle Beteiligten bei null - nicht nur Intel, sondern auch Tester und Konsumenten. Hard- und Software sind brandneu. Unser Fokus bei den ersten Arc-Tests und -Artikeln liegt daher klar auf Kompatibilität und Praxistauglichkeit. Denn obwohl Intel seit vielen Jahren Treiber für Prozessor-interne Grafikeinheiten schreibt, konnte für die komplett neue Architektur nicht einfach das Vorhandene übernommen werden. Und das ist gut so, denn Intels Treiber genießen nicht den besten Ruf. Das Software-Team stand somit vor der Mammut-Aufgabe, große Teile des Gaming-relevanten Codes neu zu schreiben. Dabei ist es unumgänglich, Prioritäten zu setzen und diese nacheinander abzuarbeiten. Das bedeutet aber auch, dass eigentlich selbstverständliche Dinge vielleicht nicht funktionieren. Andere hingegen können dank des frischen Ansatzes sogar besser sein.
Game on Arc: Was geht, was klemmt?
Zwar haben wir bereits zahlreiche Benchmarks angefertigt und ausgewertet. Dieser Auftakt-Artikel widmet sich jedoch zunächst einigen Grundlagen, welche im Falle einer altbekannten AMD Radeon oder Nvidia Geforce eher deplatziert wirken. Wie in den Pioniertagen der 3D-Beschleunigung geht es im Kontext Intel Arc nicht nur um Fps und deren Verteilung, sondern auch um "geht", "geht nicht" sowie den optischen Aspekt: Sieht alles so aus, wie es vom Entwickler des Spiels vorgesehen war, wie steht es um die anisotrope Filterung? Et cetera. Wir haben den Zustand des Intel-Treibers in einem groß angelegten Praxistest abgeklopft und können viel Gutes, aber auch weniger erfreuliche Dinge berichten. Im obigen Video führen wir Sie durch die Treiber-Schaltzentrale Arc Control, welche den Startpunkt markiert. Wer lieber klickt, anstatt zu schauen, kann im Folgenden die wichtigsten Menüs begutachten.
Eine der oben genannten Prioritäten des Treiber-Teams betrifft die Unterstützung verschiedener Spiele-Schnittstellen (APIs). Während die Treiber von AMD und Nvidia mit der Zeit organisch gewachsen sind und mehr und mehr APIs unterstützen, musste Intel den anfänglichen Berg an Arbeit eingrenzen. Im Fokus stehen die modernen Spiele-Schnittstellen DirectX 12 und Vulkan, doch auch die riesige Masse an DirectX-11-Titeln soll natürlich funktionieren. Darüber hinaus wird die Luft dünner. Angesichts von Tausenden Spielen mit DirectX 9 - darunter bis heute gespielte Evergreens wie Counter Strike: Global Offensive und TES 5: Skyrim - liefert Arc natürlich auch dafür Support.
Dieser fällt jedoch rudimentär aus, wie Intel durch die Blume bestätigt: Native Unterstützung für DirectX 9 ist bei integrierter Xe-Grafik bei bzw. ab Core-Prozessoren der 12. Generation und bei Arc-GPUs nicht gegeben. Stattdessen erfolgt sogenanntes Wrapping: DX9-Anfragen werden an die Windows-Schnittstelle D3D9On12 weitergeleitet und der Treiber behandelt sie wie DX12-Routinen. Dieser Umweg kann niemals so schnell sein wie native, also direkte Kommunikation, sodass die Leistung bei alten DX9-Spielen zwangsläufig leidet.
Intels Lisa Pearce, Vice President und General Manager der Visual Compute Group, gab jüngst zu Protokoll, dass man sowohl die Performance unter DX9 als auch DX11 weiter verbessern werde, wobei DX11 künftig annähernd so gut laufen soll wie DX12. Was DX9 angeht, investiere man stark in die Technologie. Mit anderen Worten: Vielleicht ändert sich in Zukunft etwas, auf absehbare Zeit muss man jedoch mit dem Wrapping und daraus resultierenden Leistungsverlust leben. Somit sind Arc-Grafikkarten die denkbar schlechteste Wahl für Freunde alter Spiele.
Bildergalerie
API-Wrapping bzw. Mapping ist übrigens keine neue Erfindung, sondern war bereits in den Kindertagen der 3D-Beschleunigung eine Idee, um Kompatibilität zu bestehender Software herzustellen. Wer heutzutage auf eine API-Inkompatibilität stößt oder diese vermutet, kann sich an einer Vielzahl von Wrappern bedienen, welche alle in diesem hilfreichen Foren-Posting aufgelistet werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass aus einem "geht nicht" ein "geht" wird, sind hoch, allerdings stets mit Nebenwirkungen bei der Leistung. Bei alten Spielen dürfte aber zunächst die grundlegende Funktion gewünscht sein. Und wer das originalgetreue Erlebnis haben möchte, der sollte sich dafür einen dedizierten Retro-PC aufbauen.
Quelle: PC Games Hardware
Intel Arc Alchemist Treiber Spiele Kompatibilität August 2022
Nutzer einer Nvidia Geforce oder AMD Radeon sind es gewohnt, dass Dinge funktionieren. Bugs gibt es zwar auch hier, die allermeisten Szenarien und Anwendungen laufen jedoch reibungslos. Zweifel daran, dass Intel den Rückstand in Rekordzeit ausräumen kann, sind berechtigt. Mit dem am 19. August veröffentlichten Treiber räumt das Unternehmen jedoch viele der in ersten Tests genannten Kinderkrankheiten aus der Welt. Das Treiber-Panel Arc Control funktioniert nun ordentlich und bietet einen Funktionsumfang nahe der AMD-Software inklusive Tuning- und Capturing-Optionen, und auch die Spiele-Kompatibilität ist besser als die Erwartung an einen Newcomer. Wer um 2001 eine Kyro-Grafikkarte genutzt hat, kennt das möglicherweise: Stellenweise trifft man auf Grafikfehler oder unerwartet niedrige Bildraten, insgesamt kommt man aber gut klar. Wie Sie in der großen Ampel-Tabelle sehen, haben wir die Gunst der Stunde genutzt, die Arc A380 mit 50 Spielen zu konfrontieren. Beinahe genauso viele haben wir mit und ohne Raytracing getestet - darüber berichten wir in wenigen Tagen ausführlich. Welche Probleme wir in den Spielen hatten, erfahren Sie in der Bildergalerie.

Ist denn geplant, diese Liste aktuell zu halten (sie kontinuierlich zu erweitern)?
Da hilft dann wirklich nur ein separater Retro-Rechner, der die komplette Umgebung simuliert.
Sicherlich sollte man keine ewige Rückwärtskompatibilität bei gänzlichen neuen Architekturen erwarten, aber dass AMD und Nvidia eine solche im Prinzip bieten, ist für Gamer, die gerne alte und neue Titel auf dem selben Rechner zocken, doch sehr komfortabel und in dem Fall eher ein Argument gegen Arc.
Intel muss dann schon gute Argumente liefern, die das ausgleichen. "Wir haben Karten, die eigentlich doch nicht so schlecht funktionieren, wenn diese und jene Bedingung erfüllt wird ..." ist derzeit kein sonderlich starkes Argument.
Ich hoffe aber ebenfalls, dass sich das in Zukunft ändert. Wenn bei aktuellen und jüngeren Titeln wirklich alles rund läuft und das P/L-Verhältnis konkurrenzfähig ist, dann wäre ich persönlich bereit, hinsichtlich der Retro-Kapazität Abstriche zu machen. Im Moment häufen sich aber noch zu viele kleine Haken und Ösen.
Nicht falsch verstehen, bitte. Wer weiß dass er selbst großen Wert auf alte Spiele legt, der darf und soll ruhig vom Kauf absehen. Das finde ich vernünftig. Nur wer eher selten alte Schinken spielt, der hat sicherlich auch noch irgendwo ne alte Karte herum liegen, die er kurz einsetzen kann, oder holt sich für 20 Euro eine bei Kleinanzeigen.