[PCGH-Ratgeber] Gaming-Headset Fractal Scape im Test: Ein Schmaus für Augen und Ohren
Der schwedische PC-Bauteilhersteller Fractal Design wagt sich mit dem schlicht benannten Scape nun auch in den Bereich der Gaming-Headsets. Ob das aber noch mehr als nur gut aussehen kann und was die webbasierte Oberfläche so drauf hat, habe ich mir für ein wenig genauer angeschaut.
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Wenn sich ein Unternehmen, das sich bereits mit hochwertigen PC-Bauteilen einen Namen gemacht hat, plötzlich an neue Produkte heranwagt, ist das durchaus ein Grund zur Neugierde. Eifrige PCGH-Leser dürften den Namen Fractal Design bereits das eine oder andere Mal bei uns gesehen haben. Mit dem neuen Fractal Scape stoßen die Schweden nun allerdings in bislang unerforschte Gewässer hervor und bringen ihr erstes Gaming-Headset auf den Markt. Auf den ersten Blick sieht das zumindest schon einmal verdammt schick aus. Ob es mich aber auch in puncto Klangerlebnis und Benutzerfreundlichkeit überzeugen kann, erzähle ich dir in diesem Test.
Technische Details und Inbetriebnahme
- Frequenzgang: 20 Hz bis 20 kHz
- Treibergröße: 40 mm
- Gewicht: 337 g
- Bauweise: Offen, Over-Ear
- Akku: 40 - 50 h
- Verbindungsart: 2.4-GHz-Dongle, Bluetooth 5.3, USB
- Ohrpolster: Stoff
- Mikrofon: Unidirektional, Super-Breitband-Protokoll: 50 - 16 kHz, abnehmbar
- Kompatibilität: PC, Mac, Playstation 4/5, Switch, iOS/Android
- Sonstiges: LED-Beleuchtung, Einstellungen via webbasierter Oberfläche
Es ist schon ironisch, dass wir uns immer mehr smarte Geräte in die Wohnung stellen und alles per Handy steuern können. Gleichzeitig freuen wir uns aber, wenn neue Produkte einmal ganz ohne App daherkommen und einige Hersteller werben sogar mit dem Fehlen ebensolcher. Zwar bietet auch das Fractal Scape eine ergänzende Software. Die ist allerdings webbasiert, damit völlig installationsfrei und außerdem ohnehin optional. Möchtest du also einfach schnell loszocken, musst du lediglich das Dock per USB-Kabel an deinen PC anschließen und das Gaming-Headset via Dongle oder Bluetooth verbinden.
Beim Fractal Scape ist alles in Griffweite
Im Normalfall dürfte das Fractal Scape sich automatisch einschalten, wenn du es vom Sockel nimmst, und ausschalten, sobald du es darauf platzierst. Solltest du es hingegen manuell ein- und ausschalten wollen, findest du an der linken Headset-Hälfte einen kleinen runden Knopf. Lässt du den zwei Sekunden gedrückt, zeigt es seine Einsatzbereitschaft mit einem kurzen Ton sowie der sanften Ambience-Beleuchtung. Über der Power-Taste befindet sich ein Kippschalter, um zwischen Dongle- und Bluetooth-Verbindung zu wechseln. Und danach folgt die Mute-Taste für das Mikrofon, die den Stumm-Zustand durch eine rote LED anzeigt. Alternativ kannst du den Knopf ebenfalls gedrückt lassen, um das ENC zu aktivieren. Environmental Noise Cancellation ist im Grunde das Pendant zum ANC und reduziert die vom Mikrofon aufgenommenen Hintergrundgeräusche. Statt also dir ein besseres Hörerlebnis zu verschaffen, sorgt ENC wiederum dafür, dass du klarer verstanden wirst.
Ein cooles Feature ist übrigens, dass du das Mikrofon auch hochklappen kannst, um es zu muten. Gerade wenn du nur eine kurze Pause machen willst, kannst du das Headset einfach auf den Sockel stellen, der übrigens extra eine kleine Aussparung dafür hat, und im Anschluss wieder nahtlos einsteigen. Sollte dir das ansteckbare Mikro - aus welchen Gründen auch immer - nicht gefallen, ist auch eines direkt in das Fractal Scape integriert. Das klingt allerdings deutlich halliger und weniger klar.
Zu guter Letzt findest du an der linken Headset-Hälfte noch ein Rädchen für die Lautstärke, mit dem sich die primäre Wiedergabe durch Drücken auch pausieren lässt. Auf der rechten Hälfte sind jeweils noch eine Taste, die die Beleuchtung an- und ausschaltet, sowie eine, um zwischen den Sound-Presets zu wechseln. In der zugehörigen Weboberfläche kannst du die aber selbstverständlich auch nach deinen Wünschen anpassen.
Die Weboberfläche des Fractal Scape
Besuchst du die in der schmalen Anleitung aufgeführte Webseite, dürfte dich zunächst ein Firmware-Update erwarten. Das ist aber glücklicherweise schnell erledigt, sodass du nach wenigen Minuten schon in der sehr aufgeräumten Übersicht landest. Die ist auf das Wichtigste reduziert, sodass selbst Neulinge sich gut darin zurechtfinden dürften. Mit einem Klick bist du auch schon in den Soundeinstellungen, wo du Zugriff auf das Headset und das Mikrofon hast, EQ-Codes einpflegen oder dich selbst an den Einstellungen versuchen kannst. Doch bereits die Presets, die standardmäßig auf Balance, Tiefen und Klarheit ausgelegt sind, zeigen hörbare Unterschiede.
Von klar bis knallend
Der erste Modus bietet - wie der Name schon sagt - einen runden Mittelweg, der sich ideal für alle eignet, die sich nicht weiter mit Soundeinstellungen befassen möchten. Das Clarity-Preset hebt wiederum Stimmen und feine Details hervor, was sich für dialoglastige Inhalte wie Story-Games oder Filme und Serien anbietet. Und wer es dagegen richtig scheppernd mag, greift auf das Depth-Preset zurück, was spürbar den Druck im Bass erhöht. Damit hört sich ein gut abgemischter Shooter an, als würden dir tatsächlich die Patronen um die Ohren fliegen.
Dabei bewahrt das Fractal Scape jedoch durchgehend seinen sauberen Klang, und selbst bei höherer Lautstärke hatte ich nie mit Verzerrungen zu kämpfen. Allerdings würde ich dir zum unterwegs Musikhören eher ein Headset mit geschlossener Bauweise empfehlen, selbst wenn es mit ausgeschalteter Beleuchtung bis zu 50 Stunden Laufzeit bietet. Es sei denn, du möchtest im Bus einige genervte Blicke ernten. Aber nein, ernsthaft, tu das nicht.
Der andere Reiter befasst sich dagegen mit der Beleuchtung. Hier sind die üblichen Optionen wie statisches Licht, Atmen und Pulsieren möglich, wie du sie vielleicht schon von anderen RGB-Softwares kennst. Dabei sind die nach unten gerichteten LEDs jedoch nie zu aufdringlich, wodurch sie hervorragend zum insgesamt zurückhaltenden Design passen.
Ein Gaming-Headset, das nicht aussieht wie ein Gaming-Headset
Mir wurde das Fractal Scape in der weißen Variante zur Verfügung gestellt, was ein angenehmer Kontrast zu den üblichen RGB-Raumschiffen ist, nach deren Vorbild scheinbar viele Gaming-Geräte designt werden. In Schwarz ist es aber natürlich auch verfügbar. Hinzu kommt das den Fingern schmeichelnde, beschichtete Aluminium, was ebenfalls edel und modern aussieht und obendrein zur Stabilität beiträgt. Abgerundet wird das Ganze von dem vergleichsweise geringen Gewicht (337 Gramm mit Mikrofon), dem stufenlos einstellbaren Bügel und dem äußerst weichen Polster, was das Headset extrem bequem macht. Dass die beiden Ohrmuscheln nur minimalen Rotationsspielraum bieten, stört dadurch wenig, da die Polster sich geschmeidig an deine Kopfform anpassen.
Das Beste am gesamten Design ist jedoch, wie stimmig alles ineinander greift. Der magnetische Sockel lädt das Headset nicht nur kabellos auf, sondern kümmert sich für dich sogar ums Ein- und Ausschalten. Der USB-C-Eingang, über den du ihn mit deinem PC verbindest, ist geschickt am Boden versteckt, wo auch der Dongle untergebracht werden kann. Und über das Mikrofon habe ich ebenfalls bereits viele Worte verloren, ohne jedoch auf den wunderbar klaren Klang einzugehen, der mit ENC sogar noch besser wird.
Fractal Scape: Fazit
Diese Schnörkellosigkeit ist es, die das Fractal Scape für mich von einem guten, aber etwas teuren Gaming-Headset, zu einem sehr guten, aber etwas teuren Gaming-Headset macht. Perfekt ist der erste Vorstoß des Herstellers in diese Gefilde zwar nicht. Doch wer es ohnehin ausschließlich am PC verwendet, dürfte auch kein Problem damit haben, dass für die Webanwendung selbstverständlich ein Internetzugang nötig ist. Außerdem erkennt man in der schlichten Eleganz eine klare Vision, die sich von der Optik bis zur aufs Wesentliche reduzierten Bedienung hindurchzieht. Wer bereit ist, für diese Vision ein wenig tiefer in die Taschen zu greifen, bekommt mit dem Fractal Scape einen hervorragenden ersten Versuch des schwedischen Herstellers, im Headset-Segment Fuß zu fassen.

Warum wurde diesbezüglich noch nicht das Beyerdynamic MMX 200 getestet, welches zum hervorragendem Klang in Deutschland produziert wird und auch noch alle möglichen Ersatzteile bestellbar sind?
Wenns lauter werden sollte merkt man dann aber schon ein klein wenig, dass es sich "nur" um das Mikro eines Headsets handelt. Allerdings konnte ich im Büro jetzt auch nicht groß herumschreien, um das komplett auszureizen. Ich kann aber am Wochenende gerne bisschen was aufzeichnen und das dann hier anhängen, falls das hilft.