[26/11/2021] Mein größtes PC-Missgeschick … Hmm. "Missgeschick" oder "Unglück"? Ersteres setzt ja im Grunde voraus, dass ich selbst Mist gebaut habe, letzteres kann auch aus "heiterem Himmel" geschehen. Ich hatte schon abfackelnde RGB-Controller auf dem Mainboard inklusive gruseligen, zentimeterlangen Lichtbögen, die spontan entflammten, während ich nicht einmal direkt am laufenden Rechner saß. Mir hat ein extern testweise angeschlossenes Netzteil samt nicht ganz vorschriftsgemäßer Verkabelung des Nachts außerdem schon einmal meinen Rattan-Ikea-Chair in einen Schwelbrand verwandelt, das war weniger lustig, da die Bude beim Aufwachen dermaßen verraucht war, dass ich nicht mal mehr die Hand vor Augen sehen konnte und ich mir obendrein eine nicht wirklich angenehme Rauchvergiftung samt hämmernden Kopfschmerzen eingefangen habe. Zum Glück habe ich das Fenster schnell gefunden (der Schwelbrand war zu dem Zeitpunkt schon nahezu ausgeglimmt). Aber wenn ich noch länger gepennt hätte ... das hätte ungut ausgehen können. Obendrein ist in meiner Studentenbude einmal der Blitz eingeschlagen (tatsächlich vom Himmel herab, allerdings nicht von heiterem) und hat mir Mainboard, CPU sowie RAM und SSDs zerblasen. Immerhin funktionierte die Grafikkarte noch. Offenbar gab es trotz Blitzableiter Überspannung, nebenbei war der Donner beim Einschlag dermaßen laut, dass ich Stunden nahezu taub war. Eine Wasserkühlung ist mir auch schon ausgelaufen, als ich damals Carstens altes Testsystem übernommen habe. Vor dem Weihnachtsurlaub lief noch alles, danach nicht mehr, weil die verbaute Wasserkühlung während der Feiertage inkontinent wurde und die CPU ersäuft hat.
Wirklich selbst direkt verursachte Missgeschicke halten sich in Grenzen. Mein erster Voodoo-2-SLI-Versuch scheiterte etwa an leicht unterschiedlichen 3dfx-Karten, deren Speichertakte sich um ein paar MHz unterschieden (wenn ich mich recht erinnere, 100 und 90 MHz) und nicht zusammen kooperieren wollten. Ich musste darauf die Karten umtauschen und bin gleich auf 2× Diamond Monster 3D II mit 12 MiByte gewechselt, was mich eine zusätzliche, nicht ganz unbeträchtliche Stange extra gekostet hat. Der zweite Dual-GPU-Versuch Jahre später mit 2× Radeon HD 5870 scheiterte an den nur jeweils 1 GiByte RAM sowie an den Tücken des Alternate Frame Rendering – das ewig ruckelnde, mikroruckelnde und mit extrem unruhigen, außerordentlich schlechten Frametime-Verteilungen daherkommende "Erlebnis" war absolut fürchterlich. Kein Vergleich zum super-smoothen, hochperformanten, gegenüber AFR abgöttisch geschmeidigen 3dfx-Voodoo-SLI, das auch Jahre über Jahre und Jahrzehnte unerreicht geblieben ist. Das war ein Schuss in den Ofen, Geldverschwendung und hat im Grunde nichts als Ärger bereitet – nahezu unausstehlichen Lüfterlärm und perverse Temperaturen noch dazu. Ich habe damals nur wenige Monate später auf eine Single-HD-7970 aufgerüstet, was sich im Nachhinein dank 3 GiByte Speicher als eine gute Investition herausgestellt hat. Die in etwa vergleichbare GTX 680 habe ich damals aufgrund der im Multi-GPU-Betrieb katastrophalen VRAM-Engpässe und nur 2 GiByte geschmäht. Das war eher ein Lernprozess, kein wirkliches Missgeschick. Letzteres trifft eher auf einige Bastelsessions mit PCGH-Rauschebart Stephan Wilke zu. Als wir beispielsweise einmal diverse Test-PCs samt Gehäusen aufgebaut haben und uns bei einem Exemplar wunderten, dass die Temperaturen dermaßen hoch ausfielen und die Kiste instabil lief – bis wir herausfanden, dass wir die beiden CPU-Lüfter des Luftkühlers gegeneinander blasend verbaut hatten. Mit Onkel Stöwer habe ich das auch schon einmal in seinem Privat-Domizil beim PC-Bauen bewerkstelligt, allerdings kann ich da zumindest die Ausrede anbringen, dass die Kehlen zuvor bereits durch einige Biere benetzt worden waren.
Ansonsten: Folien. Wer noch keinen CPU-Kühler verbaut hat und das Abziehen der Schutzfolie vergessen hat, werfe den ersten Stein. Vor einigen Monaten ist mir etwas Ähnliches bei einem Monitor-Test passiert, der mit einer besonders klaren, kaum sichtbaren Display-Schutzfolie ausgestattet war – das war etwas ärgerlich, weil ich nahezu alle Messungen nochmals anfertigen und dafür einige Überstunden machen musste. Aber abseits dessen gab es eigentlich keine größeren Missgeschicke. Ein paar schmorende Grafikkarten-Kabel am Test-System, die eventuell auf Beschädigung durch zu häufige Grafikkartenwechsel, abgeknickte Strippen etc. zurückgingen. Aber die habe ich glücklicherweise immer frühzeitig identifiziert und konnte Schäden an der GPU und/oder einen brennenden Arbeitsplatz vermeiden. Ich hatte natürlich schon häufiger sich selbst in den Freitod stürzende Windows-Installationen, aber da vermute ich die Schuld eher beim ab und an recht anfällig wirkenden Betriebssystem. Und damals in der Mitte der 1990er hat man sich mit schöner Regelmäßigkeit beim Austauschen von ähh Shareware auf Disketten den beinahe allgegenwärtigen Parity-Boot-Virus eingefangen (meistens Parity Boot B). Der hat sich im Master-Bootsektor eingenistet, sobald man einmal eine Diskette im Laufwerk vergessen hatte und den PC neu gestartet hat. Das war dann ein etwas ungeschicktes Missgeschick. (Philipp "Wall of Mischief" Reuther)