Filmreif: MPC Film rendert Spezialeffekte in Echtzeit

2
Special Roland Austinat (US-Korrespondent) Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Filmreif: MPC Film rendert Spezialeffekte in Echtzeit
Quelle: PC Games Hardware

Ohne GPUs geht bei Spezialeffekthäusern nichts mehr. Bei MPC Film kommen Nvidias VCA-Systeme zum Einsatz, mit denen Previsualisierungen in Echtzeit möglich sind.

Wenn es um Spezialeffekte für Kinofilme geht, denkt vermutlich jeder sofort an das Studio Industrial Light & Magic, das vor rund 40 Jahren von George Lucas gegründete wurde. Dabei gibt es noch zahlreiche andere Effektspezialisten. Einer davon ist das auch schon seit über 25 Jahren aktive Studio MPC Film, das Zweigstellen in London, Vancouver, Montréal, Los Angeles, New York, Amsterdam, Paris, Bangalore, Shanghai und Mexico City besitzt. Wenn Sie Filme wie "Guardians of the Galaxy", "Godzilla", "X-Men: Days of Future Past" gesehen haben oder sich auf "Terminator: Genisys" oder "Batman v Superman" freuen - MPC Film hat bei all diesen Streifen die Hände im Spiel. So zeigte Damien Fagnou, Global Head of VFX Operations, zu Beginn seines Vortrags dann auch einen beeindruckenden Trailer mit aktuellen Highlights seiner Firma. Sie können ihn hier in prächtiger Qualität sehen.

Milliarden von Polygonen

Bevor solche Spezialeffekte in ihrer endgültigen Form in einem Film zu sehen sind, erstellen die Grafiker Previsualisierungen der Szene, um darin beispielsweise die Positionen von Kameras und Objekten anzupassen. Doch selbst das ist eine Herausforderung, wie Damien Fagnou berichtet: "Unsere Szenen können sehr groß sein. Wesen mit Fell oder einem Monster, auf dem Gras wächst, lassen ihre Komplexität in die Höhe schnellen. Und große Menschenmengen und Gebäudeansammlungen führen schnell zu mehreren Milliarden Polygonen pro Szene." Die Grafiker müssen sich entscheiden: Wollen sie für ihre Vorschau Geschwindigkeit oder Qualität? Ideal wäre eine Lösung, die beides kombiniert.

Ein Fall für Dekko

Aus diesem Grund setzen die Grafiker bei MPC Film auf eine hauseigene GPU-Raytracing-Engine namens Dekko. Sie baut auf Nvdias VCA-Cloud-Rechensystem mit OptiX 3.8 und acht Quadro-Karten, die physikalisch korrektes Raytracing ermöglichen. Dank der Cloud-Funktionalität müssen nicht alle Studios von MPC Film ihre eigenen VCAs anschaffen: "Wenn unser Team in London an einem Projekt arbeitet, wird es in den USA in Santa Clara gerendert", sagt Damien Fagnou. Wie das aussehen kann, zeigt uns Fagnou anhand einiger Demos, die auf einer Quadro K6000 laufen. In Sekundenschnelle wird eine Lampe mit "Disney Shadern" überzogen: physikalisch korrekte Shader, die in den Disney-Animationsstudios entwickelt wurden. In Echtzeit dreht Damien Fagnou die Lampe und bewegt eine Lichtquelle um sie herum. Nach wenigen Sekunden ist das resultierende Bild "gelöst": Die Raytracing-Engine hat den Verlauf jedes Lichtstrahls im Bild verfolgt und das Ergebnis dargestellt - quasi in Echtzeit. Das funktioniert auch mit einem Holzwagen aus dem Kinofilm "Seventh Son", um den Fagnou eine Kamera gleiten lässt und dann hineinzoomt.

Weltweite Monster

Damit wird der Abstand beziehungsweise der Geschwindigkeitsvorteil im Vergleich zu reinen CPU-Berechnungen noch größer.Dass Dekko auch mit komplexen Charakteren umgehen kann, zeigt die nächste Demo: Nun erscheint ein Boggart auf der Leinwand, einer der Unholde aus "Seventh Son". Auch er wird aus beliebigen Winkeln und Entfernungen in Echtzeit berechnet, während Damien Fagnou gleich drei verschiedene Lichtquellen hinzufügt und damit der Engine etwas mehr Arbeit verschafft. Was so einfach aussieht, benötigte vor nicht allzu langer Zeit langwierige Offline-Rendereien, bei denen man erst nach einigen Stunden wusste, ob Charaktere und Szenen auch so wie gewünscht aussehen würden. Doch die Echtzeit-Previsualisierung ist noch weiter ausbaufähig. "Im kommenden Jahr erscheinen schnellere GPUs", spielt Fagnou auf Nvidias Pascal an. "Damit wird der Abstand beziehungsweise der Geschwindigkeitsvorteil im Vergleich zu reinen CPU-Berechnungen noch größer. Insbesondere, wenn man mehrere GPUs gleichzeitig einsetzt." Dabei hilft MPC Film die Tatsache, Zweigstellen auf der ganzen Welt zu besitzen. "Wir können unsere Rechenzentren konsolidieren und für alle Studios verfügbar machen", sagt Damien Fagnou. "Wenn die Grafiker in einem Land ins Bett gehen, können ihre Kollegen in einem anderen Land, in dem gerade erst der Tag beginnt, mit den gleichen Projekten auf der gleichen Hardware weiterarbeiten." Einen Einblick in diese Projekte gibt auch der Monster-Demofilm von MPC Film, den Sie hier anschauen können. Übrigens: Bei allen diesjährigen Oscar-Nominierungen für die besten Spezialeffekte waren Nvidia-GPUs im Einsatz.

Bildergalerie

2
    • Kommentare (2)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von wolflux Lötkolbengott/-göttin
        Sehr interessant !
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PCGH Magazin 07/2026 PC Games 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games Hardware PC Games Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk