GTC 2010: Nvidia-Chef Jen-Hsun Huang mal unplugged - Supercomputer in der Hosentasche
Nach seiner Eröffnungsrede stellte sich Nvidia-CEO und Firmenmitgründer Jen-Hsen Huang in einer Pressekonferenz den Fragen der Journalisten. Dabei gab es überraschend persönliche Worte zu hören.
Große Ankündigungen sind eine Sache - interessant wird es, wenn jemand nachhakt und einen nicht angekündigten Punkt aufwirft. So fragte ein Kollege im Rahmen einer Pressekonferenz nach der Eröffnungsveranstaltung, was Jen-Hsen Huangs Gedanken zu Tegra-Mobilplattform seien. Offen gab dieser zu: "Gemessen an meinen Zielen hängen wir mit Tegra ein Jahr hinterher. Aber wir glauben an die Plattform. Tegra 3 ist fast fertig, Tegra 4 wird bereits entwickelt, wir planen für jedes Jahr eine neue Tegra-Version."
Eine weitere Frage: Wie schnell werden die gezeigte High-End-Demos beziehungsweise die Fähigkeiten der von Tesla, Fermi und Co. den Weg in den Massenmarkt finden? "Das wird sehr schnell der Fall sein", glaubt Huang. "Einerseits entwickelt sich Cloud Computing rasend schnell weiter - wir werden alle einen Supercomputer in unseren Händen halten können, auf dem dann die Architekturdemo von 3D Studio Max läuft, die wir eben vorgeführt haben." Sein Kollege Andy Keane, General Manager CPU Computing bei Nvidia, ergänzt: "Es gibt noch eine andere Art und Weise, den Massenmarkt zu betrachten. Jeder, der heute in ein Auto oder in ein Flugzeug steigt, kommt schon mit Hochleistungscomputern in Berührung."
Jen-Hsen Huang: "Immer mehr PC-Testseiten wie Tom's Hardware und Engadget testen heute Mobiltelefone - das ist der nächste Markt. Aus Smartphones werden Superphones, mit Sensoren, Kameras und vielen anderen Informationsbringern. " Wie sieht Huang die Entwicklung der Tablet-PCs? "Die Hardware zu entwickeln ist eine Sache, der wirklich knifflige Punkt ist, die Software dafür zu entwickeln. Wer hat beispielsweise den Markt für Mobilfunkgeräte durcheinander gewirbelt? Apple. In der Zukunft wird ein mobiles Gerät in erster Linie ein Computer und erst in zweiter Linie ein Telefon sein - und es wird jedermanns wichtigster Computer sein. Die attraktivsten, ausgefeiltesten Geräte sind schon heute die mobilen Systeme. Meine Kinder werden sich nicht mehr daran erinnern, dass es überhaupt einen stationären PC gegeben hat."
Wir brauchen ein Technologiewettrennen
Auf die Aussage seines Kollegen Andy Keane angesprochen, dass die USA die Führungsrolle im internationalen Supercomputerwettrennen verloren hätte und dafür bald die wirtschaftlichen Konsequenzen ertragen müsse, wird Jen-Hsen Huang leidenschaftlich: "Mir ist egal, wer oder welches Land herausfindet, wie man langfristige Wettervorhersagen durchführt, wie man den Krebs heilt oder die Alzheimer'sche Krankheit besiegt. Mir ist egal, welches Automobilunternehmen ein Fahrzeug herstellt, dass unsere CO2-Bilanz positiv verändert. Und mir ist egal, wo die schlauesten Leute leben, denn für 1000 Dollar kann ich überall auf diesen Planeten hinfliegen.
Fakt ist, dass sich schlaue Denker und Wissenschaftler in der Nähe von Supercomputer-Zentren ballen. Wenn die alle die USA verlassen würden, warum kommen dann internationale Studenten zu uns, um hier zu forschen? Wettbewerb zwischen mehreren Firmen bringt das Beste in uns zum Vorschein. Wettbewerbe zwischen verschiedenen Ländern - nun, lasst uns einen solchen wissenschaftlichen Wettbewerb angehen, nicht bloß einen, der bestimmt, welches Land das reichste ist. Wenn jemand ein solches Rennen initiiert, profitieren wir alle davon."
