Grafikkarte als Fingerabdruck: Forscher zeigen, wie man im Netz erkannt werden kann
Übertakter wissen, dass eigentlich identische Grafikkarten unterschiedliche Übertaktungsergebnisse erzielen. Das liegt an Fertigungsschwankungen bei der Produktion komplexer Mikrochips. Diese Schwankungen haben sich nun Forscher zunutze gemacht, um GPUs auf Basis einer gängigen API einen einzigartigen Fingerabdruck zuzuordnen. Die Folgen für die Privatsphäre muten katastrophal an.
Ein internationales Forscherteam aus Frankreich, Israel und Australien hat eine Technik entwickelt, mit der man einen Nutzer anhand seiner Grafikkarte im Internet erkennen kann. Das Grundprinzip dürfte Overclockern durchaus vertraut sein. So haben Fertigungsschwankungen zur Folge, dass eigentlich identische Grafikkarten unterschiedliche Taktraten und Spannungen vertragen. Und genau diese Fertigungsschwankungen sind es, die GPUs im Netz identifizierbar machen. Im Prinzip erhält so jeder Chip seinen eigenen Fingerabdruck.
Ihre GPU-Fingerprinting-Technik hat das Forscherteam Drawnapart getauft. Dabei handelt es sich um einen Ansatz, der auf WebGL (Web Graphics Library) aufbaut, also keinen Schadcode, den man erst einschleusen müsste. WebGL ist eine plattformübergreifende, weitverbreitete API, mit der die GPU Grafiken im Webbrowser rendert. Bei Drawnapart zweckentfremdet man WebGL nun, um die Hardware gewissermaßen zu vermessen. Ausführungseinheiten und ihr Tempo werden dabei detailliert erfasst, wobei 176 Messungen an 16 Datensammelpunkten stattfinden. Kurze GLSL-Programme führen hierbei Berechnungen aus, die nur von der GPU über den Vertex-Shader berechnet werden können.
Anhand verschiedener, individueller Parameter soll sich eine GPU und letztlich auch ihr Nutzer individuell zuordnen lassen - selbst wenn es sich in allen Fällen um die gleiche GPU handelt, etwa eine Radeon RX 6800 XT oder eine Geforce RTX 3080. Besagte Fertigungsschwankungen sorgen dafür, dass jeder Chip seinen eigenen Fingerabdruck erhält.
Grafikkarte als Fingerabdruck: Studie als Warnung für rechtzeitige Gegenmaßnahmn
Die Forscher weisen darauf hin, dass sie den Fingerabdruck eines Grafikprozessors in nur acht Sekunden erstellen konnten. Bei der kommenden WebGPU-API könnte Drawnapart zudem ein deutlich leichteres Spiel haben. So ergab eine Simulation mit Compute-Shadern, dass die GPU bereits nach 150 Millisekunden genaustens erfasst wurde. Auch stieg die Genauigkeit der Klassifizierung auf 98 Prozent.
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Wer nun um seine Daten bangt, sollte wissen, dass das Forscherteam seine Studie ganz bewusst als Warnung verfasst hat. Nutzer und Hersteller sollen rechtzeitig auf die Gefahr aufmerksam gemacht werden, bevor Dritte damit anfangen, heimlich einen Fingerabdruck zu erstellen. Und so steht man auch schon mit Softwareanbietern in Verbindung. Die Khronos Group, welche für die Entwicklung der WebGL-Bibliothek verantwortlich zeichnet, hat beispielsweise eine Arbeitsgruppe gebildet, die Lösungen zur Abschwächung der Drawnapart-Technik untersucht. Auch das internationale Forschungsteam präsentiert in seinem Paper verschiedene potenzielle Lösungen für das Problem.
Quelle: Arxiv


Aber im Ernst, klar, die Technik ist ein weiterer Puzzlestein des großen Datensammelns bzw "Vergläserung" des Bürgers. Die Möglichkeiten sind da so immens und heutzutage ohnehin nicht mehr ohne extremen Aufwand und auch großen Nachteilen vermeidbar dass es mir schon etwas vor der Zukunft graut. Nicht, weil es grundsätzlich böse oder schlimm wäre (das elende nichts-zu-verbergen-Pseudoargument) sondern weil das mögliche Schadenspotential (auch das unabsichtliche!) immens hoch wird.
Früher haste die Kiste formatiert um sie zu anonymisieren, jetzt musste noch ne Woche Furmark ballern
Zum Beispiel Google dürfte es dagegen relativ egal sein, wie sehr sich die Signatur deiner Grafikkarte nach mehreren Wochen ändert, denn über Nutzungsmuster, Mobilgeräte oder noch banaler Account-Zwänge ist jeder Anwender auch mehrere Quartale später wiedererkennbar, wenn er auf die einschlägigen Angebote zugreift. Aber abseits dieser war es bislang maximal über die IP möglich, ohne Cookies zu tracken und so die Erfassungslücken außerhalb des eigenen Angebots zu schließen. Mit der hier gezeigten Technik kann dagegen auch die private Browser-Session auf Seite X(XX) dem Log-In auf Seite Y vom Vortag und somit einer Realidentität zugeordnet werden.
Natürlich alles nur, um mit den interessantesten Produkthinweisen beglückt zu werden.
Aber wieder richtig, hauptsache Hinz in Karlsruhe weiß, was Kunz in gerade jener Millisekunde in Kuala Lumpur so alles treibt. Das ist überlebenswichtig
Gruß