GDDR6: Micron will HBM2 angreifen und schlagen
GDDR6 soll im Laufe des Jahres unter anderem die neue Geforce-Reihe befeuern und wird von SK Hynix und Micron gefertigt. Letzterer trommelt nun fleißig für die Technik, in dem man die Vorzüge herausstreicht und klarstellt, dass man HBM2 im Griff habe.
Derzeit wetteifern zwei Technologien bei den Grafikkarten um die Vormachtstellung: HBM2 und GDDR6. Beide haben Vor- und Nachteile. Vor allem aber geht es am Ende auch immer um die Kosten. Da sah sich GDDR bislang im Vorteil gegenüber HBM. Aber auch leistungstechnisch soll sich mit GDDR6 einiges ändern und HBM2 unter Druck gesetzt werden.
Micron, neben SK Hynix einer der großen Anbieter, sieht sich imstande, mit den 20 Gb/s schnellen Modulen HBM2 auf der Nvidia Tesla V100 zu schlagen. In den Unterlagen findet man das gewöhnliche Bauchpinseln wie zum Beispiel, dass GDDR6 im Bereich Bandbreite GDDR5X aussehen lässt wie Technologie von 1999. Bei der Bandbreite werde es einen großen Schritt nach vorne gehen. Auf dem Papier sind es jedenfalls 10-14 Gb/s bei GDDR 5X (effektiv werden 11-12 Gb/s angeboten).
Geht man also davon aus, dass GDDR6, der ja auf den kommenden Nvidia-Grafikkarten (Turing) eingesetzt werden soll, nicht ganz das ausreizt, was auf dem Papier steht, ist es also nicht einmal eine Verdopplung. Denn die von Micron genannten 20 Gb/s sind auch nur mit Rückenwind und bergab erreicht worden.
So führt man aus, dass die Grenze von 16,5 Gb/s unter Zuhilfenahme einer etwas höheren Spannung und einem reinen I/O-Modus, der Timing-Probleme reduziert, auf bis zu 20 Gb/s verschoben werden kann, was bei einem 256 Bit breiten Speicherinterface einer Grafikkarte auf HBM2-Niveau liegen würde.
In der Praxis dürften diese Geschwindigkeiten aber kaum auftauchen. Man kann wohl davon ausgehen, dass das Referenzdesign irgendwo zwischen 12 und 16 Gb/s operieren wird, was vor allem den Kosten und der Verfügbarkeit geschuldet ist. Für Nvidia ist es letztlich auch ökonomisch interessanter, bei Turing dann nachlaufend wieder eine "GTX 1180 Ti" zu bringen, die durch die Verbreiterung des Speicherinterfaces die Bandbreite erhöht. Rechnerisch bei angenommenen 14 Gb/s und 256 Bit 448 GB/s, für 384 Bit sind es bereits 372 GB/s. Bei 20 Gb/s und 384 Bit (960 GB/s) hätte man dann die Tesla V100 mit HBM2 (901 GB/s) geschlagen.
Das letzte Rechenbeispiel dürfte für die Referenz-Designs aber keine große Rolle spielen, auch wenn man natürlich sagen kann, dass dann HBM2 geschlagen wäre. Sinnvoller ist es wohl, sich auf Verfügbarkeit und Preis zu konzentrieren. Das waren bisher die besten Argumente für GDDR und gegen HBM2. Zur kommenden Geforce-Generation soll es derweil keine neuen Informationen auf der Computex geben. Die Hot Chips allerdings dürfte erste Aufschlüsse liefern.

Aus dem Gesichtspunkt hat man aktuell gar keine Alternative, außer zu hoffen das irgendein neuer Standard oder eine Verbesserung in naher Zukunft existieren wird, die uns auf über 4TB/s bringen kann, ohne 200W zu fressen.
HBM kann es aus heutiger Sicht nicht, GDDR erst Recht nicht.
Und es sieht auch nicht danach aus, dass man endlos begeistert von HBM ist, und grundsätzlich auf diese Technologie setzen will.
Sonst hätten sie sich diesen Vortrag auch locker sparen können.
Und welche Alternative hat denn Nvidia außer GDDR, wenn HBM nicht mehr die erste Wahl ist?