Gothic 2: Qualität durch Game-Design und Atmosphäre
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Qualität durch Atmosphäre und Freiheit
Trotz vorhandener Schwächen der ersten Gothic-Teile, wie die für Einsteiger gewöhnungsbedürftige Tastatur-Steuerung, gelingt es den Kult-Klassikern auch 2024 noch, in puncto Atmosphäre zu brillieren. Gothic 2 macht deutlich, wie gut ein düsteres Welt-Konzept in Kombination mit immersiven RPG-Elementen funktionieren kann. Jeder NPC hat etwa seinen eigenen Tagesrhythmus und individuelle Lebensumstände und Fähigkeiten werden nicht im Menü einfach freigeschaltet, sondern bei erfahrenden Meistern erlernt.
Quelle: PCGH
Die Meister der Unterstadt können uns so einiges beibringen. Harad, der Schmied, will uns vorher aber auf Tauglichkeit testen. Sollte uns das Besorgen einer Orkwaffe zu gefährlich sein, können wir uns auch an Banditen versuchen.
Und das machen viele der Lehrer nur unter bestimmten Voraussetzungen, sei es jetzt eine angefangene Lehre in der Unterstadt oder die Mitgliedschaft einer Gilde. Anfangs ist es nur mit Müh und Not möglich, uns gegen Feinde ohne helfende Weggefährten wie Lares oder Diego zu behaupten. Wer direkt ohne Erfahrung mit einem Knüppel gegen ausgewachsene Tiere und Krieger in den Kampf zieht, wird schnell den Kräfteunterschied zu spüren bekommen. Wegzollverweigerer und freche Halbstarke müssen sich da eben auf eine Tracht Prügel vorbereiten.
Als kleiner Fisch liegt es an uns, sich den Gildenmitgliedern zu beweisen, stärker zu werden, um am Ende auf niemanden angewiesen zu sein, Revanche- und Rachekämpfe gegen fiese Halunken im späteren Verlauf der Geschichte inklusive. Gebiete die zuvor zwar begehbar, aber tödlich waren, werden nebenbei durch den Fähigkeitsfortschritt frei erkundbar. Dabei liegt es auch in unserem Entscheidungsrahmen, entweder konfrontativ oder zurückhaltend zu spielen. Wer mag, darf sich gerne als geschickter Taschendieb an den Sachen fremder Leute bedienen oder sie gleich niederhauen, natürlich nicht frei von Konsequenzen. Denn wer sich erwischen lässt, wird bestraft.
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Blöde Idee. Ganz blöde Idee. Wer offen stiehlt, muss mit Schlägen rechnen. Es sei denn, es schaut gerade keiner hin ...
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Mutig genug, sich dem kampferprobten Koloss zu stellen und das abgenommene Gold zurückzuholen? Mit lässigem Spruch auf den Lippen dürfen wir derbe provozieren.
Ertappt uns doch jemand, beispielsweise ein Paladin, beim Stehlen, sieht unser zu Beginn schwacher Held schon von Weitem die Sterne. Kommen wir auf die wahnwitzige Idee, jemanden umzulegen, können wir ganz schnell selbst den Löffel abgeben. Denn in Gothic heißt es: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Wer sich danebenbenimmt, bekommt volles Pfund aufs Maul. Wer in Quests den Leuten das Leben erleichtert, erhält hingegen wertvolle Belohnungen und Erfahrung.
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Blöde Idee. Ganz blöde Idee. Wer offen stiehlt, muss mit Schlägen rechnen. Es sei denn, es schaut gerade keiner hin ...
Die Sprachausgabe, mit talentierten Sprechern wie Bodo Henkel oder Uwe Koschel, sorgt zudem zeitlos und erstklassig in jeder Quest und Situation für das atmosphärisch ehrliche Ruhrpott-Feeling, während der von Kai Rosenkranz komponierte Soundtrack die jeweiligen Regionen durch wunderschön vielfältige Stücke stilistisch passend zum Leben erweckt. Erst das richtige Mischverhältnis der vielen kleinen Einzelzutaten ergibt in der Zubereitung den Nostalgie-Klassiker Gothic 2. Und ein geliebter Klassiker mit Ecken und Kanten lässt sich mit seinem Rezept gerne als Vorbild und Vergleichsschablone nehmen - und das noch bis in die Gegenwart hinein! Bin ich erleichtert, dass Kai Rosenkranz im Gothic Remake mitwirkt? Und ob! Inwieweit das Gothic Remake hingegen die Stimmen von damals mit neuen erfolgreich mischen kann oder vollständig neu vertonen wird, bleibt abzuwarten. Einfach ist da keine Entscheidung, zumal viele Synchronsprecher von damals mittlerweile leider verstorben sind.
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Bodo Henkel verlieh innerhalb der Gothic-Reihe mehreren Charakteren seine Stimme. Xardas, Saturas und Jack sind nur einige Beispiele. Uwe Koschel übernahm Rollen wie Diego, Pyrokar und Bosper.
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Bis auf den Hauptcharakteren der Story lassen sich alle NPCs niederknüppeln und ausrauben, Mord optional. Doch kann es uns genauso gut selbst erwischen.
Der Klassiker als Vorbild
Eine offene Spielwiese, ein rauer sprachlicher Ton, ein Held mit Teil-Amnesie und loyalen Freunden in einer gefährlich-tödlich kriegerischen Welt voller Monster: Na, kommt euch das bekannt vor? Gothic 2 erfreut sich nämlich bis heute nicht nur in Deutschland großer Beliebtheit, sondern auch in Polen und Russland. Das vor dem Cyberpunk-Desaster noch hoch angesehene polnische Studio CD Projekt Red kannte nicht nur die Gothic-Klassiker, sondern ließ sich in vielerlei Hinsicht von der Seele der Spiele-Serie inspirieren. Das (zweite) Gothic, als düstere und immersive Evolution der Ultima-Reihe, lässt sich spielerisch und atmosphärisch wiederum als Vorfahr des gigantischen The Witcher 3 sehen.
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Noch ehe CD Projekt mit The Witcher 3 international den großen Superhit erreichte, gab es im zweiten Teil mit Amnesie-Story und treuen Gefährten in einer authentisch derben Welt einiges zu erleben. Und nicht immer konnte sich Geralt an das Gegenüber erinnern.
Im Gegensatz zur Witcher-Reihe bietet Gothic 2 allerdings noch mehr Freiheiten, wie etwa das beliebige Niederschlagen und Plündern von NPCs oder das Diebstahl-System mit unendlichem Inventar, das zur Sammelsucht anregt. Gothic 2 als Vorbild und Vergleichsschablone wird von Fans nicht nur bei anderen RPGs angesetzt, sondern auch besonders gerne bei Entwickler Piranha Bytes. Der Titel "Gothic Entwickler" ist für Piranha Bytes sowohl Segen als Fluch. Denn am Ideal darf nicht zu viel herumexperimentiert werden, sonst beschweren sich einige der alt eingesessenen Fans. Was fehlt, wird bemängelt, was dazukommt, wird kritisch beäugt. Nach Gothic 3 Bug- und Publisher-Misere versuchte sich das kleine Entwicklerteam erst mit Risen und später mit Elex an neuen Marken mit ähnlicher Gameplay-Ausrichtung wie schon zuvor in Gothic.
Den größten stilistischen Bruch stellt in der Historie Piranha Bytes' wohl Risen 2 dar. Während Risen 1 Gothic 2 von den Grundzügen noch am ähnlichsten ist, fehlen bei Risen 2 bereits bekannte Elemente und anstelle des Spät-Mittelalters gibt es ein neues Hauptthema: Piratenflinten, Rum und Voodoo-Puppen stehen statt Zweihänder, schweren Rüstungen und Runen-Magie im Mittelpunkt. Keine beliebig ausraubaren und sterblichen NPCs, kein Schwimmen, weniger Erkundung und ein strikteres Quest-System. Eine Designentscheidung, die allerdings die Community spaltete. Und auch der moderne Sci-Fi-Fantasy-Ausflug Elex musste sich mit Fan-Platzhirsch Gothic 2 messen lassen. Piraten gab es übrigens schon in der Gothic-2-Erweiterung "Die Nacht des Raben" als Atmosphäre-Booster, und die Idee eines Sci-Fi-Spiels stand nach Veröffentlichung von Gothic 1 ja auch schnell im Raum. Es sind also weniger die oberflächlichen Änderungen, sondern eher die Finessen und Details, die die wahren Unterschiede für Fans ausmachen. Glaubhafte Dialoge, immersive Umgebungen mit dichter Atmosphäre und großzügige Gameplay-Freiheiten stehen da für jeden anders gewichtet auf der Gothic-Checkliste. Viele der nachfolgenden Piranha-Bytes-Spiele konnten deshalb nie so recht dem Platzhirsch Gothic 2 den Vorbild-Rang streitig machen. Spielt und fühlt sich eben doch irgendwie anders an.
Nicht totzukriegen - die Gothic-Community
Diese bis heute anhaltende Begeisterung und Sehnsucht nach Gothic 2 äußert sich nicht nur in Form regelmäßiger Let's Plays und Streams, sondern auch in der stetigen Diskussion und im internationalen Austausch der Community.
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Die kostenlose Total-Conversion "Legend of Ahssûn" bietet für eine Modifikation eine ordentliche Sprachausgabe und 50-200 Stunden Spielzeit.
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Durch eine Kombination von verschiedenen Mods lässt sich Gothic 2 nett ansehen. Mit L'Hiver 2.0, DX11-Renderer und neuen Texturen lässt sich so einiges optisch herzaubern.
Von vollwertigen Spielen über neue Multiplayer-Modi wie Roleplay und kleineren Balancing- sowie Textur-Änderungen ist in der Modding-Szene alles vertreten und jeder Neuzugang ist auch 2024 noch willkommen. Nach all den Jahren wird auch heute fleißig weiter an Gothic 2 gewerkelt, von Fans für Fans. Dank verschiedener Foren wie "World of Gothic" bleibt die Kern-Community über neue Projekte und anstehende News praktisch seit Release auf dem Laufenden. Durch die rege Unterstützung sind zahlreiche hübsche Mod-Pakete entstanden, durch die der am Grundspiel nagende Zahn der Zeit weniger stark spürbar ist.
Konsequenz des nostalgischen Enthusiasmus? Auch weiterhin bleibt Gothic im Gespräch als Perle der Rollenspiel-Geschichte, nicht zuletzt dank des bald anstehenden Remakes. Ich gehöre zum alten Eisen, mir bereiten manch gezeigte Inhalte Sorgen. Doch überwiegt die Freude (und Hoffnung) wieder mal, dass die Originalteile endlich einen würdigen, neuen Ableger bekommen. Daher bitte THQ Nordic und Alkimia Interactive, lasst euch lieber mehr Zeit und macht's gescheit! Dann wird auch ordentlich. Oder eher: "Alles wird gut!"

Gut, damals waren die Welten noch nicht so detailliert, da konnte man POIs einfacher wahrnehmen als in einem Night City.
Damals hat es sich noch rentiert ein Spiel auf die Bedürfnisse einer kleinen deutschen, maximal etwas mitteleuropäischen Spielerschaft auszurichten.
Mittleweile hat sich nicht nur die Spielerschaft für Videospiele in den damaligen technologisch führenden (PC) Nationen vervielfacht, sondern auch der Rest der Welt ist erwacht.
Damit ist nicht nur der Anteil der Zielgruppe in Deutschland geschrumpft, sondern spielt auf dem weltweiten Videospielemarkt faktisch überhaupt keine Rolle mehr.
Man darf sich keine Illosionen machen, das benötigte Budget für die Finanzierung eines Spiels wie Gothic, nach heutigen Maßstäben, würde vermutlich 10x so hoch wie damals sein.
Welcher Investor würde da das Spieledesign auf ein paar Tausend Gothic Fans ausrichten, wenn er dabei auf Millionen von potentiellen "neuen" Spielern verzichten müsste?
Dort steckt sehr viel Inspiration von Gothic drin, plus europäosche Entwickler die ähnlich detailverliebt gewesen sind.
Unter Anderem existieren auch keine Minimap oder Questpointer, die Orte werden einem auch nur auf der Tonspur erklärt.
Darüber hinaus lassen sich bei vielen Ubisoft Openworld Spielen Map und Questpointer im Menü abschalten (z.B: Ghost Recon oder Far Cry Serie).
Gothic 2 ist auch sehr gut aber konnte bei mir nie so das Feuer entfachen was ich bei Teil 1 (heute noch!) empfinde.
Denoch ein klasse Spiel. Aber alles danach was von PB kam hat mich nicht mehr abgeholt. Risen 1 war ja noch "ok" aber danach + Elex gar nicht mein Ding.
Warum PB nie ein Gothic 4 machen wollte...werde ich nie verstehen. Ja Gothic 3 war alles andere als Perfekt und zum Release fürcherlichen zustand. Aber viel hat ja damals jowood beigetragen....
Das war mir einfach zu schwer.
Und das Kampfsystem hölzern.