RTX 2080 Ti im Nachtest: Energie-Effizienz & Fazit
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Während der Benchmarks protokollieren wir auch die Leistungsaufnahme der Grafikkarten - selbstverständlich auch beim Nachtest der Geforce RTX 2080 Ti. Somit haben wir nicht nur aktuelle Fps-, sondern auch Fps-pro-Watt-Daten für Sie. Auch dieser Vergleich ist sehr interessant, denn Turing wurde seinerzeit im "12FFN"-Verfahren bei der taiwanischen Foundry TSMC hergestellt. Dabei handelt es sich im Kern um ein 16-Nanometer-Verfahren, das für Turing optimiert und etwas verfeinert wurde. Mit anderen Worten: Sieht man von einigen Tweaks ab, ähnelt die Fertigung des TU102 und seiner kleineren Geschwister denen der GTX-10-Reihe, was die vergleichsweise großen GPUs erklärt.
Leistungsaufnahme & Energie-Effizienz
Leistung ist Arbeit pro Zeit, das wissen wir spätestens seit dem Physik-Unterricht. Da wir nun sowohl die Bildraten (Fps) als auch den Verbrauch (Watt) durchgekaut haben, können wir die Energie-Effizienz berechnen. Dafür setzen wir den Leistungsindex in Relation zur Leistungsaufnahme. Da sich beide Metriken als Durchschnittswerte über zahlreiche Messungen verstehen, ist die Betrachtung ausreichend präzise. Für maximale Aussagekraft haben wir die Berechnung sowohl für das Rasterizing als auch Raytracing getrennt vorgenommen. Sehen wir uns an, wie es um die Effizienz der Geforce RTX 2080 Ti im Vergleich mit modernen GPUs bestellt ist:
Der Lauf der Dinge: Alte GPUs erreichen nur in Ausnahmefällen die Energie-Effizienz neuerer Modelle, denn die verbesserte Fertigung bringt zwangsläufig eine Verbesserung. Diese Schritte sind mit den Jahren und dem Näherkommen physikalischer Limits immer kleiner geworden, in diesem Vergleich dennoch gut sichtbar. So verwundert es nicht, dass Turing das Schlusslicht bildet - allerdings weniger deutlich, als man das annehmen könnte. Ampere (RTX 30) in Gestalt der Geforce RTX 3080 kann sich nur um acht Prozent von der RTX 2080 Ti absetzen, was zeitgenössische Aussagen unterstreicht. Samsungs 8-Nanometer-Prozess war primär günstig, aber vergleichsweise ineffizient. Auf den ersten Blick unlogisch, aber erklärbar ist das Abschneiden unserer "RTX 2080 Ultra": Da wir die für 2 GHz minimal erforderliche Spannung fixieren, anstelle die Karte frei boosten zu lassen, arbeitet die Karte nicht weit jenseits des Sweet Spots und liefert somit eine vergleichbare Effizienz wie die Referenzkarte. Sehen wir uns an, wie es beim Raytracing aussieht:
Von einer Demütigung zu sprechen wäre übertrieben, bemerkensert ist dieser Chart dennoch: Die Geforce RTX 2080 Ti aus dem Jahr 2018 erreicht eine höhere Energie-Effizienz als die Radeon RX 6800 XT aus dem Jahr 2020, obwohl sie auf einem antiquierten Fertigungsverfahren basiert. Besonders interessant ist, dass hier zwei "First Generation"-Produkte gegeneinander antreten - Turing ist Nvidias erster Raytracing-Entwurf, RDNA 2 AMDs erster Raytracing-Versuch. Wie Sie dem Leistungsindex entnehmen, sind beide Grafikkarten bei komplexer Strahlenverfolgung gleich schnell. Nvidias Ansatz mit dedizierten Rechenwerken zahlt sich somit auch bei der Effizienz aus.
Geforce RTX 2080 Ti im Jahr 2024: Fazit
Die Geburtswehen waren lang und heftig, doch Nvidias Vision ging am Ende tatsächlich auf: Die Turing-Architektur ist ein Musterbeispiel dafür, wie es laufen kann. Als der Nvidia-Chef im Spätsommer 2018 selbstbewusst die Bühne betrat und sein legendäres Zitat "It just works!" gebetsmühlenartig wiederholte, erntete er dafür vor allem eines: Spott. Zwar waren Technikbegeisterte gespannt auf die schöne neue Welt, beim Erscheinen der Geforce RTX 2080 Ti war davon aber nichts praktisch nutzbar. Raytracing in Spielen? Fehlanzeige. Mit Battlefield 5 erschien erst im November 2018 das erste Spiel mit hübschen, aber keineswegs umwerfenden DXR-Effekten. Die anschließende Dürreperiode war lang. Erst im Sommer 2019, mit Remedys Raytracing-Showcase Control, folgte der erste wahre Kinnladenöffner. Deep Learning Super Sampling? Zunächst ein Papiertiger, anschließend eine Enttäuschung. DLSS 1.0 war eine tolle Idee, doch auf vielfältige Weise limitiert, sodass Nvidias Software-Ingenieure eine Generalüberholung angingen. Diese erblickte im Frühjahr 2020 als DLSS 2.0 das Licht der Welt, beseitigte annähernd alle Kritikpunkte und legte somit das Fundament für das heute beste Upsampling-Verfahren. Ein trainiertes Neuronales Netzwerk ("KI") schlägt eine handgefertigte Heuristik, überbietet das native Bild in Teilen und steigert außerdem die Leistung signifikant: Wer hätte vor gut fünf Jahren gedacht, dass das funktioniert?
Zwar hat Nvidia die Strahlenverfolgung nicht erfunden, das Vorpreschen mit der ersten Raytracing-Architektur war jedoch ein wichtiger erster Schritt. Mehr noch, man hat sich ernsthafte Gedanken gemacht, wie man diese - trotz aller cleveren Vereinfachungen - außerordentlich rechenintensive Technologie nutzbar macht. Denn obwohl Raytracing einen Industriebeschluss darstellt, welcher im Rahmen von DirectX für Spiele unter Windows spezifiziert wurde, ging Turing mit reichlich Eigenleistung weit über ein "Checklisten-Feature" hinaus. Nvidia hat von Anfang an dedizierte Rechenwerke für alle Raytracing-Arbeitsschritte implementiert, mit den Tensor-Kernen wieselflinke Helferlein zur Seite gestellt und außerdem wichtige Grundlagenarbeit bei den notwendigen Algorithmen geleistet.
Geforce RTX 2000 (Turing)
Pioniergeist und Hirnschmalz konnten nicht verhindern, dass dieses Unterfangen - nicht weniger als eine Grafik-Revolution - nur schleppend startete. Nvidia versprach im Jahr 2018 eine strahlende Zukunft, enttäuschte jedoch in der Gegenwart. Mit einem generationalen Sprung von bestenfalls 35 Prozent (von GTX 1080 Ti auf RTX 2080 Ti) lieferte der neue Strahlemann nur schwache Zuwächse in den allgegenwärtigen Rasterizing-Spielen und außerdem eine stagnierende Speicherkapazität. Das hinderte Nvidia nicht daran, die zahlreichen Luftschlösser direkt einzupreisen: Die Geforce RTX 2080 Ti Founders Edition startete hierzulande für 1.269 Euro und war damit 450 Euro teurer als ihre Vorgängerin GTX 1080 Ti. Offenbar war die Marge schon damals wichtiger als die Marktdurchdringung.
Rückblickend lässt sich konstatieren, dass sich die Investition ausgezahlt hat. Wer damals zähneknirschend zugriff und die Geforce RTX 2080 Ti seitdem nutzt, wird feststellen, dass diese Grafikkarte außerordentlich gut gealtert ist. Wir gehen sogar so weit, zu sagen, dass diese Grafikkarte dem Alter besser trotzt als jedes andere Modell in der Geschichte. Selbst Legenden wie die Radeon 9700 Pro und Geforce 8800 GTX zeigten nach fünfeinhalb Jahren starke Abnutzungserscheinungen. Die Geforce RTX 2080 Ti wurde hingegen mit jedem Jahr besser, da ihr Potenzial nach und nach erschlossen wurde. Das liegt an einer Vielzahl von Faktoren, nicht bloß der Tatsache, dass sich die Entwicklungszyklen verlangsamt haben. Nvidia hat den richtigen Riecher bewiesen, früh und massiv investiert und die eigene Marktmacht in den Folgejahren geltend gemacht. Diese Früchte ernten nicht nur die Geforce-Macher in Gestalt satter Gewinne, auch wir Endkunden profitieren davon: Spiele sind so hübsch wie nie - und dennoch stehen wir erst am Anfang eines strahlenden Abenteuers.
