Geforce RTX 2070: Mit großer TU106- statt TU104-GPU
Nvidia hat die technischen Details zu den ersten drei Turing-Geforce-Grafikkarten RTX 2080 Ti, RTX 2080 und RTX 2070 offengelegt, die eine Überraschung enthält: Die Geforce RTX 2070 nutzt nicht die TU104-, sondern die TU106-GPU, die in den letzten Generationen immer bei den x060-Grafikkarten zum Einsatz kam. Mit 445 mm² fällt der TU106 immer noch groß aus.
Bisher bestätigte Nvidia nur im Falle der Geforce RTX 2080 Ti und RTX 2080, welche Turing-Grafikchips zum Einsatz kommen. Beim neuen Topmodell bildet die 754 mm² riesige TU102-GPU das Herzstück, bei der kleinen Schwester die mit 545 mm² immer noch sehr große TU104-GPU. Heute hat Nvidia das NDA (Non-Disclosure Agreement; Stillschweigeabkommen) zur Technik von Turing gelüftet, womit die Fachpresse die Details aus dem vorab geteilten Whitepaper veröffentlichen darf. Obwohl die Geforce RTX 2070 erst kommenden Monat folgen wird, ist sie bereits im Dokument enthalten.
Geforce RTX 2070 nutzt TU106-GPU
Bisher gingen wir davon aus, dass Nvidia bei der Geforce RTX 2070 eine TU104-Version einsetzen würde, die stärker beschnitten wäre als bei der RTX 2080. So hat es der Chiphersteller in den letzten Generationen immer gehandhabt. Zudem fällt der Unterschied zwischen der RTX 2070 und dem TU104-Vollausbau moderat aus: 25 Prozent weniger Shader, 25 Prozent weniger Raytracing-Einheiten und 25 Prozent weniger Tensor-Kerne bei gleich großem 256-Bit-Speicher-Interface bieten nicht sonderlich viel Potenzial für Flächenersparnisse, um eine separate GPU zu rechtfertigen. Die Überraschung: Die Geforce RTX 2070 nutzt aller Spekulation zum Trotz eine andere GPU, den TU106. Sie misst 445 mm² und umfasst 10,8 Milliarden Transistoren. Damit ist der TU106 um 18,3 Prozent kleiner als der TU104 und trägt 20,5 Prozent weniger Transistoren.
| Modell | RTX 2070 FE | RTX 2070 | GTX 1070 Ti | GTX 1070 |
|---|---|---|---|---|
| Codename | TU106 | TU106 | GP104-300-A1 | GP104-200-A1 |
| Chipgröße (reiner Die) | 445 mm² | 445 mm² | 314 mm² | 314 mm² |
| Transistoren Grafikchip (Mio.) | 10.800 | 10.800 | 7.200 | 7.200 |
| Graphics Processor Cluster (GPC) | 3 | 3 | 4 | 4 |
| Shader-/SIMD-/Textureinheiten | 2.304/18/144 | 2.304/18/144 | 2.432/19/152 | 1.920/15/120 |
| Tensor-Kerne | 288 | 288 | - | - |
| Raytracing-Kerne | 36 | 36 | - | - |
| Raster-Endstufen (ROPs) | 64 | 64 | 64 | 64 |
| GPU-Basistakt (Megahertz) | 1.410 | 1.410 | 1.607 | 1.506 |
| GPU-Boost-Takt (Megahertz) | 1.710 | 1.620 | 1.683 | 1.683 |
| FP32-Rechenleistung | 7,880 TFLOPS | 7,465 TFLOPS | 8,186 TFLOPS | 6,463 TFLOPS |
| Speicheranbindung (Bit) | 256 | 256 | 256 | 256 |
| Geschwindigkeit RAM (GT/s) | 14,0 (GDDR6) | 14,0 (GDDR6) | 8,0 (GDDR5) | 8,0 (GDDR5) |
| Speicherübertragung (GB/s) | 448 | 448 | 256 | 256 |
| Übliche Speichermenge (MiB) | 8.192 | 8.192 | 8.192 | 8.192 |
| PCI-Express-Stromanschlüsse | 1 × 8-polig | 1 × 8-polig | 1 × 8-polig | 1 × 8-polig |
| Typische Leistungsaufnahme | <185 Watt | <175 Watt | <180 Watt | <150 Watt |
Man kann die Dinge nun aus zwei Richtungen betrachten: Einerseits nutzt die Geforce RTX 2070 nicht mehr den "Performance-Grafikchip", was zumindest den geneigten Geek stören könnte - gewissermaßen handelt es sich um eine Deklassierung. Andererseits ist der TU106 fast so groß wie das Gaming-Pascal-Topmodell GP102 (471 mm², 11,8 Mrd. Transistoren) und bedeutend größer als der GP104 der GTX 1070 und GTX 1080 (314 mm², 7,2 Mrd. Transistoren). Die GP106-GPU der GTX 1060 kommt gar nur auf 200 mm². Käufer bekommen also immer noch ein gutes Stück Silizium für ihr Geld.
Neben der technischen Spezifikation hat Nvidia auch die Blockschaltbilder für die drei Turing-Brüder veröffentlicht. Selbst wenn man dabei etwas künstlerische Darstellungsfreiheit unterstellt, nimmt der TU106 eine Sonderrolle ein. Während die Kernfläche des TU102 und TU104 ordentliche Quader respektive Quadrate ergibt, ist der TU106 beinahe ein "Riegel". Dies ergibt sich durch den Grundaufbau mittels Graphics Processing Clusters (GPC), von denen drei nebeneinander sitzen. Mit nur zweien wäre der Chip zu schmächtig geworden. Wir haben es ergo mit einem zweiten GF104/114 zu tun, welcher ebenfalls eine stark abweichende Kantenlänge aufwies. Ein Archivbild dieses Kerns:
Quelle: PC Games Hardware
GF114 ("Gamer-Fermi"): So könnte der TU106 aussehen
Auf der Geforce RTX 2070 kommt übrigens der Vollausbau des TU106 mit 36 Shader-Multiprozessoren, organisiert innerhalb von drei Graphics Processor Clustern (GPCs), zum Einsatz. Das heißt konkret: 2.304 FP32-Shader, 288 Tensor-Kerne und 36 Raytracing-Einheiten. Die Rasterisierung übernehmen 64 ROPs. An dem 256 Bit breiten Speicher-Interface hängen 8 GiByte 14-Gbps-GDDR6-RAM, die auf eine Übertragungsrate von 448 GB/s kommen. Da Nvidia noch keine Grafikkarte mit einem abgespeckten TU106 im Portfolio hat, aber gewiss nicht alle Grafikchips zu 100 Prozent funktionstüchtig sind, ist eine Geforce RTX 2060 auf Basis dieser GPU wahrscheinlich.

Hier ist meine Prognose: Der TU106 landet erstmal ausschließlich in der 2070, welche im 500€ Preissegment wildert. Mittelklasse bleibt Pascal, bis Turing in 7 nm refresht wird. Dann sind die Chipgrößen wieder normal, und hoffentlich auch wieder etwas Konkurrenzdruck von AMD vorhanden.
Eine 2070 für 500 Euro?
Die 2080 kostet mindestens 800-900.
Die 2070 war doch für ca. 650 gelistet?
Eine abgespeckte 2060 könnte dann deine 500 erreichen (bei Start).
Und für 500 läßt sich auch dieser Chip mit hohem Gewinn als Karte verhökern.
Die 2050 (ti) kann man dann schön aus alten 1060ern umgelabelt rausknallen - zu einem üblichen höheren Preis, na sagen wir mal 350 und 250 Euro gehen sicher.
Das ist meine Sicht, wenn ich mit ner schwarzen Lederjacke in die Glaskugel schaue. ;-P
Nvidia nutzt die großen GPUs schon seit dem G80 (über 10 Jahre) für ihre Tesla-"Forschungskarten" und trotzdem hat es der Vollausbau-Chip bis Maxwell in die Konsumer-GPUs geschafft...
Grüße!
Das haben eigentlich alle erkannt, so auch Nvidia und bringt jetzt den x02 als High-End Gaming-Chip, während der Vollausbau auf andere Bereiche abzielt. VERSTEHEN WOLLEN das aber einige nicht
Letztendlich war das doch unumgänglich, wenn man mittlerweile sieht, wo überall GPU's benötigt werden.
Bin ich eigentlich der Einzige, der das Gefühl nicht los wird, dass die Custom-Karten werksseitig nicht übertaktet sein werden wie bei der 1070ti? Warum sonst gibt Nvidia höheren Takt und eine höhere MSRP für die FEs an?
Grüße!