Interview: Haben E-Sportler spezielle Anforderungen an PC-Hardware?

Hardware-Hersteller schmücken sich nicht selten damit, neue Produkte in enger Zusammenarbeit mit E-Sport-Teams entwickelt zu haben. Doch wie ticken Profispieler eigentlich? Unterscheiden sich deren Anforderungen an Mäuse, Tastaturen und Displays von denen, die "Hobbyspieler" haben? Wir haben mit Uwe Semtner, dem Team-Manager von Team expert, ein Interview geführt.

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Interview: Haben E-Sportler spezielle Anforderungen an PC-Hardware?
Quelle: Razer

➤ Viele Mäuse, Tastaturen, Headsets und Monitore werden mittlerweile speziell für E-Sports vermarktet. Setzen die Spieler von Team Expert lieber auf "normale" Peripherie oder nutzt man mehrheitlich entsprechende Komponenten?
Uwe Semtner: Generell kommt es bei der Nutzung von I/O- und Peripheriegeräten auf die jeweilige Kategorie an. Bei Fifa bevorzugen die Spieler die PS4 oder kompatible Controller. Je näher am Original, desto besser. Alles andere wie Headsets, Keyboards und Mäuse wählen die Fifa-Spieler nach persönlichem Geschmack aus. Anders ist es bei CS:GO-, LoL- oder beispielsweise Starcraft-Spielern: Hier benutzen die Profis schon sehr gern spezielle und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Keyboards, Mäuse und auch Headsets. Der Unterschied zur normalen Hardware ist da teilweise gravierend.

Bei Starcraft 2 und CS GO sind schnelle Reaktionen gefragt. Nutzen die Spieler eher mechanische Tastaturen? Und welche Maustechnik wird favorisiert: Laser oder LED?
Uwe Semtner: Was die Tastaturen betrifft, schlägt hier das Pendel ganz klar in Richtung mechanisch. Manche SC2-Spieler nutzen Geräte, die schon viele Jahre auf dem Buckel haben, von Herstellern, die es heute gar nicht mehr gibt. Vor allem in der koreanischen Szene ist die Tendenz, alles, was neu auf den Markt kommt, sofort testen zu müssen, eher weniger ausgeprägt. Auch in CS:GO überwiegt bei Weitem die mechanische Tastatur, wobei die Spieler hier weniger wählerisch sind. Bei Mäusen kommt es eher auf die Form an und wie sie dem Spieler in der Hand liegt sowie auf das Zusammenspiel mit dem Mousepad. Technische Details sind hier für die Spieler eher zweitrangig, solange die Reaktionszeit dem individuellen Spielstil entspricht und der Komfort passt. Letztendlich muss der Spieler mit der Hardware klarkommen, daher haben wir bei uns im Team auch keinen Zwang, bestimmte Peripheriegeräte zu nutzen. Es gibt Empfehlungen, aber keinen Zwang.
Unser Interviewpartner: Teammanager Uwe Semtner von Team expert Quelle: Team expert Unser Interviewpartner: Teammanager Uwe Semtner von Team expert
Mit welchen Gamepads spielt das FIFA-Team am liebsten? Hat da jeder Spieler seinen eigenen Geschmack oder gibt es den einen Favoriten? Spielt vielleicht sogar jemand mit Tastatur?
Uwe Semtner: Wie ich zuvor schon ausgeführt habe, bevorzugen die Spieler klar den PS4-Controller oder hierzu kompatible Geräte. Der Grund hierfür ist, dass die PS4 im Fifa-Universum einfach die größte Verbreitung hat. Die meisten größeren Ligen und Turniere werden auch bevorzugt auf der PS4 gespielt. Alternativ, insbesondere bei Events und der Nutzung von PCs, wird der Xbox-Contoller genutzt, weil es dafür die einfachste Lösung ist.

Was halten z. B. die Starcraft-Spieler von den neuen 240-Hz-Monitoren?
Uwe Semtner: Nun ja, auch Profi-Spieler sind für Marketingaussagen empfänglich. Aber grundsätzlich ist ein schneller Monitor mit einer Verzögerung von unter 2ms und entsprechender Bildwiederholfrequenz für FPS-Spiele (144 Hz), wie beispielsweise CS:GO, wichtiger als für Starcraft oder FIFA. Da heutzutage aber so gut wie alle neuen Gaming-Displays über G-Sync (Nvidia) oder Freesync (AMD) verfügen, was ein Quantensprung war, ist die reine Bildwiederholfrequenz nicht mehr ganz so entscheidend. Wichtig ist ein flüssiges, ruckel- und artefaktefreies Bild, welches eben durch die beiden zuvor genannten Technologien gewährleistet wird. Wichtig sind auch das Bildverhältnis von 16:9, die Bildschirmgröße und Auflösung.

Team expert: 

Seit August 2016 engagiert sich expert mit einem eigenen Team im professionellen E-Sport. Das „Team expert“ umfasst derzeit 35 Spieler und 8 Streamer und tritt bei nationalen und internationalen Turnieren und Meisterschaften an. Bereits in seinem Gründungsjahr konnte Team expert große Erfolge verzeichnen und beispielsweise den Weltmeistertitel in „StarCraft II“ sowie den Titel Deutscher Meister „FIFA 17“ gewinnen. Neben den professionellen Spielern gehören auch acht Twitch- und Youtube-Streamer zum Team. Mehr Information gibt es online auf www.teamexpert.de
 
 

Wie stellen die Spieler die Grafik im Spiel ein? Wird das vom Turnier vorgegeben oder darf man die Grafik "tunen" für mehr Fps?
Uwe Semtner: In der Regel stellt sich jeder Spieler sein Display bzw. sein "Spielfeld" so ein, dass er bestmöglich klar kommt. Auf Profiturnieren wird die Hardware vom Veranstalter gestellt, und jeder Spieler hat somit die gleichen Voraussetzungen. Im Rahmen dessen können die Spieler selbstverständlich jedes legale Tool nutzen, um sich ihr "Spielfeld" so bequem wie möglich einzurichten. Dabei geht es jedoch nicht nur um die berühmten FPS... Viele CS- und auch manche SC2-Spieler ändern selbst bei einem FHD-Display mit 16:9 den für sie wichtigen Spielbildschirm auf eine geringere Auflösung und ein Bildverhältnis von 4:3. Bei Fifa spielen viele Profispieler zu Hause lieber auf schnellen PC-Bildschirmen als auf dem klassischen Fernseher, weil diese teilweise einfach zu langsam sind. Auf Events und Offline-Turnieren können nahezu alle PC-Monitore oder moderne TV-Geräte verwendet werden, sofern sie in Sachen Bildverzögerung den Anforderungen entsprechen. Im 1vs1-Modus an einem PC oder einer Konsole haben somit die Kontrahenten immer die gleichen Bedingungen. Team expert Quelle: Team expert Team expert

Welchen Wunsch haben Sie an Hardware-Hersteller?

Uwe Semtner: Da gibt es schon ein paar Wünsche 😊. Neben vielen kleinen Dingen begegnet man immer wieder einem Thema, das zuweilen etwas nervig ist, nämlich der immer größer werdenden Anzahl an vorinstallierter Software beim Kauf eines neuen Rechners. Bei den sogenannten Gaming-PCs oder -Notebooks, die grundsätzlich in einem höheren Preissegment angesiedelt sind, würden wir uns daher wünschen, dass es diese auch mit einem "Clean OS" gibt - ohne vorinstallierte Programme und Werbung. Wir benötigen mitunter einen ganzen Tag, um einen fabrikneuen Rechner zu "reinigen" und von teilweise nutzloser Software zu befreien, die vor allem die OEM-Hersteller vorinstallieren.

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    • Kommentare (3)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von bschicht86 Volt-Modder(in)
        Die "neuartigen" Monitore sind halt nicht für E-Sportler. Die sind eher für Leute, die gern mal in der Gegend rumstehen und die hochaufgelöste Landschaft bestaunen. Wenn dann noch das RL bessere Quests und Belohnungen hätte, kämen die Monitorhersteller in arge Bedrängnis.
      • Von bschicht86 Volt-Modder(in)
        Die "neuartigen" Monitore sind halt nicht für E-Sportler. Die sind eher für Leute, die gern mal in der Gegend rumstehen und die hochaufgelöste Landschaft bestaunen. Wenn dann noch das RL bessere Quests und Belohnungen hätte, kämen die Monitorhersteller in arge Bedrängnis.
      • Von der-sack88 Software-Overclocker(in)
        Tja, jeder so wie er es mag und wie er es gewohnt ist.

        Erinnert mich an ESL One, wo die (Halb-)Profis von Alternate Attax gegen Normalos gespielt haben und man ihnen über die Schulter gucken konnte. Einer hat selbst auf den ohnehin kleinen Laptop-Bildschirmen noch im Fenstermodus gespielt, weil der Bildschirm noch zu groß war...
        Oder das 60Hz-Monitor-Desaster beim Shanghai Major, wo den "Gaming"-Monitor gewöhnten Profis 60Hz-Monitore hingestellt wurden und am Ende der Hersteller der Ersatzmonitore mit mehr Hz mit dem Sponsor der ursprünglich aufgestellten Monitore überklebt werden musste.

        Dass man mit der gewohnten Hardware die besten Ergebnisse erzielt und im Zweifel dann auf Bling-Bling oder 100000 dpi verzichtet überrascht nicht.
      • Von Iamsosmart Komplett-PC-Käufer(in)
        Zitat
        Wir benötigen mitunter einen ganzen Tag, um einen fabrikneuen Rechner zu "reinigen" und von teilweise nutzloser Software zu befreien, die vor allem die OEM-Hersteller vorinstallieren.
        Da würde ich ja einfach das Betriebssystem neu installieren, das geht vermutlich schneller als die gesamte Bloatware einzeln zu deinstallieren. Besser wäre es natürlich, wenn die Bloatware gar nicht erst vorhanden wäre.

        Ansonsten sind die meisten Antworten aus dem Interview für mich nicht besonders überraschend. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Ergonomie bei Mäusen definitiv das entscheidende ist, gerade wenn man längere Zeit am Stück damit arbeitet/zockt.
      Direkt zum Diskussionsende
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