Chip-Mangel in Corona-Pandemie: Produktionsausfälle durch Wetter und Brände [Update]
Jetzt aktualisiert: Extremes Wetter führt zum Produktionsstopp bei Halbleiter-Produzenten Samsung, NXP und Infineon und verschärfen so weiter die Situation auf dem Hardwaremarkt.
Aktualisierung vom 03.03.2021
Die Temperaturen in Texas steigen wieder, doch das führt nicht zu einer Entspannung der Situation. Die Region hatte im Februar mit ungewöhnlich starkem Schneefall und Kälte zu kämpfen, sodass die Wasserrohre beschädigt wurden und ein Druckabfall in den Rohren für verunreinigtes Wasser sorgt. So haben hunderttausende Texaner und viele Unternehmen nun kein sauberes Wasser. Folglich muss auch die Halbleiterfabrik von Samsung weiterhin geschlossen bleiben. Laut dem Nachrichtendienst Business Korea könnte die Fabrik wohl erst Mitte April wieder öffnen.
Original-Artikel vom 18.02.2021
In Zeiten der globalen Covid-19-Pandemie ist PC-Hardware nur sehr schlecht verfügbar, weil in zahlreichen Bereichen der Lieferkette Einschränkungen vorherrschen. Jüngst berichteten wir über den Chip-Mangel, der letztlich dazu führt, dass (zu) wenig neue Prozessoren gefertigt werden können und so Kunden auf ihren neuen AMD-/Intel-Prozessor, ihre Grafikkarte, auf die Playstation 5, Xbox Series X und viele weitere Produkte warten müssen. Nun verschlimmern extreme Wetterbedingungen im US-amerikanischen Texas diese Problematik. Wie die Webseite The Statesman berichtet, mussten Samsung, NXP und Infineon den kompletten Betrieb ihrer Halbleiterwerke aufgrund einer Überlastung des Stromnetzes einstellen.
Produktionsstopp wegen Kälte-Welle und starkem Schneefall in Texas
In der Region kämpfen die Bürger mit starkem Schneefall und Kälte, sodass die Regierung etliche Unternehmen aufgerufen hat, ihren Stromverbrauch temporär zu reduzieren, damit die Privathaushalte noch Strom haben und Heizungen betreiben können. Seit dem 14. Februar 2021 sind daher alle Halbleiterwerke in Texas außer Betrieb. NXP und Infineon fertigen vor allem Halbleiter für Automobile, während Samsung Siliziumchips für IBM, Intel, Tesla und Xilinix in Texas baut.
Auch in Japan gibt es aktuell große Probleme bei der Chipfertigung, wie die Korea Economic Daily berichtet. So hat beispielsweise die Firma Shin Etsu am 14. Februar die Produktion heruntergefahren, weil es ein Erdbeben mit der Stärke 7,3 gab. Aktuell plant der weltgrößte Fabrikant von Silizium-Wafern, der etwa Samsung und den Auftragsfertiger TSMC beliefert, die Rückkehr zum Normalbetrieb. In Taiwan hatte Unimicron Technology am 05. Februar 2021 mit einem Feuer zu kämpfen, sodass weniger produziert werden konnte. Der Hersteller fabriziert einen Ajinomoto-Build-up-Film, der in allen Desktop-, Notebook-Prozessoren sowie in Grafikchips benötigt wird. Hierbei wird ABF für den Chipträger benötigt, der als Brücke zwischen Siliziumchip und Platine genutzt wird. Es bleibt also auf absehbare Zeit dabei, dass in der aktuellen Coronakrise Chips ein rares Gut sein werden.
Nur zehn Prozent der weltweiten Chipproduktion findet in Europa statt
Weniger als zehn Prozent der derzeitigen Chipproduktion findet in Europa statt, der Großteil der Produktion ist dagegen in Nordamerika und vor allem in Asien angesiedelt. Im Rahmen des Aufbauprogramms NextGenerationEU will die EU nun Förderprogramme auf den Weg bringen, um eine unabhängige europäische Halbleiterproduktion zu ermöglichen. Die Zielsetzung ist, auch innerhalb Europas mehr Halbleiterwerke zu errichten, damit die Kunden in Europa nicht andauernd Chips aus Nordamerika oder Asien einkaufen müssen. Herausfordernd ist, dass es einige Zeit benötigt, ehe ein Halbleiterwerk mitsamt den notwendigen Reinräumen den Betrieb aufnehmen kann. Die strengeren Umweltauflagen und die teuren Strompreise sind weitere Faktoren, die gegen eine europäische Chipfertigung sprechen und begründen, wieso TSMC etc. aktuell lieber in Asien fertigen.
So bleibt es vorerst dabei, dass viele neue Hardware wie die Playstation 5, Xbox Series X, Nvidia RTX 3080, AMD Radeon RX 6900 XT & Co. nicht oder nur sehr sporadisch verfügbar sein werden, weil einfach die notwendigen Chips fehlen. Kritisch ist die Situation auch für die Automobilindustrie, die ebenfalls etliche Chips brauchen, beispielsweise für moderne Assistenzsysteme, Bordcomputer und Navigationssysteme.
Ebenfalls lesenswert: Steigende SSD-Preise: Chipmangel könnte zu Knappheit bei NAND-Controllern führen
Sammlung zum aktuellen Chip-Mangel in Zeiten der Covid-19-Pandemie:
- Der aktuelle Chip-Mangel wird durch Werksschließungen noch verschlimmert. Aufgrund von extremen Wetterbedingungen wie etwa Schneemassen und Kälte-Welle in Texas müssen Halbleiterwerke vorerst schließen.
- Auch in Japan und Taiwan ist es zu Produktionsstopps bei etlichen Halbleiterherstellern gekommen.
- So bleiben aktuelle Hardware wie Nvidia Geforce RTX 3080 & Co. weiterhin schlecht verfügbar.
- Weniger als zehn Prozent der derzeitigen Chipproduktion findet in Europa statt, der Großteil dagegen wird in Nordamerika und Asien produziert.
Quellen: The Statesman, Korea Economic Daily, Europäische Kommission, Heise, Heise (2), Business Korea


"Ist es nicht natürlich als Individuum seinen eigenen Nutzen zu Maximieren solange man nicht die Rechte Anderer einschränkt?"
Und eben das ist der Knackpunkt, weil dieses "keine Einschränkungen" in der Realität praktisch nie vorkommt, und das müssen noch nicht einmal eine Person(-gruppe) sein, es kann auch die Umwelt oder die Natur sein. (s. Abholzung Regenwald, Plastikmüll in Flüssen und Meeren, Hungerlöhne, Kinderarbeit, Krieg um Ressourcen, Regime und Diktatoren).
Ein "witziger" Fakt ist auch, dass europäische/deutsche Firmen demnächst nachweisen müssen, woher und wie sie ihre Rohstoffe und Waren beziehen und unter welchen Bedingungen diese gefördert/erzeugt werden...eigentlich müssten dann viele ihre Geschäftsbeziehungen zu China (und anderswo) kündigen...aber da wird sicher wieder eine Ausnahmeregel gefunden werden.
Ich verstehe was Du meinst und teile die Sichtweise dass der Raubbau an der Umwelt gestoppt werden muss, aber solange Du Deine PC Bauteile, Handys und Fernseher aus "nicht europäischer" Herstellung kaufst würde ich mich mit solchen Anfeindungen zurückhalten.
Bezüglich dem letzten Absatz: immerhin gibt es in Europa Strömungen zur Lieferketten-Kontrolle, selbst wenn es da ein paar Ausnahmen gibt ist das immernoch Lichtjahre vor der "egal wo es herkommt" Strategie von dem Rest der Welt...
1. Resourcenverbrauch, Strompreise, Fördermittel letztlich auch nichts anderes als = Geld
2. Und das eben nicht nur einmalig, sondern langfristig/dauerhaft = Zeit
Ich bezweifle, dass die EU es aus eigenem Antrieb schafft, dies zu leisten. Die hiesigen Preise sei es für Strom, Arbeitskraft, Importe, Umweltschutz werden dies nicht (sinnvoll) zulassen. Hier könnte man also nur durch gigantische Subventionen mithalten. Da werden sich die meisten Mitgliedstaaten (zurecht?) fragen, warum dann nicht doch einfach billig importieren...
Ich schätze da wird sich erst was bewegen, wenn es gar nicht mehr möglich ist, irgendwas zu hinnehmbaren Preisen zu importieren. Dann wird es aber auch zu spät sein, da man das KnowHow nicht einfach aus der Luft zaubern kann.