Kampf in der Königsklasse
Lange konnte AMD seinen Gegner Intel trotz übermächtiger Taktrate narren - nun scheint für den Athlon XP das Ende der Fahnenstange erreicht.
Seit Einführung des Athlon Thunderbird C 1.400 MHz hat AMD Intel immer wieder ein Schnippchen geschlagen. Der Athlon 1.400 war selbst einem 1,6 GHz getakteten Pentium 4 bei den meisten Spielen überlegen. Nur bei einigen SSE2-optimierten Anwendungen lagen die frühen Pentium-4-CPUs vorn. Dann konnte die XP-Serie diesen Leistungsabstand sogar für einige Zeit noch weiter ausbauen.
Nun aber hat Intel mit dem Pentium 4 2,4 GHz, der auf dem Northwood-Kern basiert, zurückgeschlagen - der Athlon XP 2100+ mit 1.733 MHz muss sich geschlagen geben. Im brandneuen OpenGL-Benchmark Jedi Knight II war der Abstand sogar noch weit größer: Stolze 15 Prozent mehr Frames pro Sekunde sprechen eine deutliche Sprache. Lediglich bei der Engine eines mittlerweile indizierten 3D-Shooters musste das Intel-Flaggschiff Federn lassen. Hier lag die Pentium4-Rambus-Kombi um wenige Frames hinter dem Athlon XP 2100+ auf KT266A-Basis.
Der synthetische Memorybenchmark von Sisoft Sandra brachte keine großen Überraschungen. Hier liegt der Pentium 4 mit Rambus-Speicher und i850-Platine meilenweit voraus. Einzig das DDR-Duell zwischen KT266A und i845D war ein spannender Vergleich, den Intel jedoch für sich entschied. Wie man aber bei den praxisbezogenen Spiele-Benchmarks sieht, hat die theoretische Fähigkeit des Arbeitsspeichers nur einen vergleichsweise geringen Einfluss auf die Gesamtperformance des Systems.
Was neben der reinen Leistung eine immer größere Rolle spielt, ist die Wärmeentwicklung des Prozessors. Hier ist der Pentium 4 im Betrieb selbst mit dem Intel-OEM-Lüfter absolut konkurrenzlos. Im normalen Windows-Betrieb stieg in unseren Tests die gemessene Temperatur nicht über 45° Celsius, während der Athlon XP 2100+ mit einem Alpha 6035 Power über die 60°C-Grenze stieg. Um den Athlon auf einem akzeptablen Niveau zu halten, muss schon ein Alpha 8045 ran, der aber zum einen nicht gerade einfach zu montieren ist und zum anderen noch stolze 71 Euro kostet. Der Pentium 4 dagegen wird sogar mit dem bereits erwähnten OEM-Lüfter (plus 16 Euro) als "Boxed"-Lösung angeboten. Dieser lässt sich dazu noch leicht montieren und ist dank der milden 2.700 Umdrehungen pro Minute extrem leise. Netter Nebeneffekt: Übertakter eines Pentium 4 müssen weniger Aufwand treiben, um die Betriebstemperatur im Griff zu behalten.
Overclocking ist ein weiteres Kriterium, mit dem sich gerade Hardcore-User beschäftigen. Galt der Athlon Thunderbird noch als die Übertakterplattform schlechthin, hat AMD beim XP durch Vertiefungen auf der CPU ein paar zusätzliche Hürden eingebaut. Nun muss weit mehr Aufwand getrieben werden, was den Athlon XP für Gelegenheits-Overclocker wieder unattraktiver macht. Bleibt wie beim Pentium 4 nur das Übertakten des FSB, um mehr Leistung aus dem Prozessor zu quetschen. Allerdings reicht beim Multiplikator von 24 bereits eine geringe Anhebung des Bustaktes aus, um einen ordentlichen Taktzuwachs zu erhalten. Ein Beispiel: 24 mal 100 MHz ergibt den normalen Takt von 2.400 MHz. Erhöhen Sie den Bustakt nun um fünf MHz, erreichen Sie bei gleich bleibendem Multiplikator eine Gesamtfrequenz von 2.520 MHz. Erhöht man beim Athlon XP mit Multiplikator 13 den FSB um 5 MHz, werden 1.794 MHz erreicht - Differenz 61 MHz, beim Pentium 4 dagegen 120 MHz. Technisch hat sich zu den direkten Vorgängern bis auf die Taktfrequenz nichts getan (siehe Tabelle "CPU-Architektur im Detail").
Der Pentium 4 wird in 0,13 µm gefertigt und der Athlon weiterhin in 0,18 µm. Der kleinere und bessere Fertigungsprozess der Intel-CPU ist auch für die geringere Wärmeentwicklung verantwortlich. Die Vergrößerung des L2-Cache des P4 auf 512 KB macht sich nun auch langsam bemerkbar - AMD sollte hier bald nachziehen. Im Preis-Leistungs-Verhältnis schlägt der Athlon XP 2100+ immer noch den Pentium 4, allerdings schrumpft der Abstand zusehends. Daher wird es langsam Zeit für den Athlon Thoroughbred, der ebenfalls in 0,13 µm gefertigt und weit höhere Taktraten erreichen wird. Allerdings wird sich die Architektur des Thoroughbred nach dem aktuellen Kenntnisstand nicht von der des Palomino unterscheiden.
Fazit: Wer auf den Preis achten muss, ist mit einem Athlon XP 2000+ gut bedient, da die Leistungsunterschiede zum neuen 2100+ nur sehr gering sind. Legen Sie eher auf einen leisen, unproblematischen und extrem leistungsstarken Rechner Wert, ist der neue Intel Pentium 4 mit 2,4 GHz erste Wahl.
