Die Zukunft von Intel: "Der PC ist nicht tot"
Die Sechzehnkerner aka Alder Lake-HX waren wohl für Endverbraucher die wesentlichste Neuankündigung auf Intels Hausmesse Vision 2022. Daneben gab es zahlreiche andere Technologie- und Produktneuheiten zu sehen, die aber ausschließlich professionelle Kunden ansprechen. Die HEDT-CPUs "Sapphire Rapids", Die HPC-Grafiklösung "Ponte Vecchio", die Datacenter-GPU "Arctic Sound-M" oder der HPC-Beschleuniger "Gaudi2", um nur einige zu nennen.
Die Vision 2022 ist Intels erstes vollwertiges Event nach der Pandemie, welches in Dallas, Texas stattfand. Sie soll Partner, Kunden und die Presse zusammenbringen, um die Vision des Unternehmens für die Produkte und Technologien der Zukunft zu präsentieren. Während hierzulande nach und nach gelockert wird, trägt in den USA so gut wie niemand mehr eine Maske und man könnte meinen, dass die Pandemie komplett überwunden wäre. Nach den Plänen von Intel-CEO Pat Gelsinger soll diese Veranstaltung alle sechs Monate stattfinden und damit das Erbe des IDF, des Intel Developer Forums, der vergangenen Jahre antreten.
Intels "Vision": Ein Software-Ökosystem
Intel ist ein Unternehmen, das sich aus mehreren Gründen schnell verändert. Der Markt verlange von den Unternehmen eine noch nie dagewesene Innovationsgeschwindigkeit und Erneuerungsfähigkeit, und das werde auch von Intel verlangt. Für das amerikanische Unternehmen geht dies auch mit der Notwendigkeit einher, eine Phase offensichtlicher Schwierigkeiten mit der sogenannten "Ausführung" zu überwinden, d. h. der Fähigkeit, interne Fahrpläne einzuhalten, die zur Freigabe spezifischer Produkte in genau festgelegten Zeiträumen führen.
Quelle: Intel
Intels Rundumschlag: Zahlreiche Chips für Supercomputer auf Präsenz-Hausmesse (4)
Bestes Beispiel dafür ist etwa die Alder-Lake-Generation, sowohl Mobile als auch Desktop, welche mit Sicherheit nicht diesen Innovations- und Leistungssprung hingelegt hätten, wenn Intel noch immer ohne ernsthafte Konkurrenz (seitens AMD) Quasi-Monopolist bei den Consumer-CPUs geblieben wäre. Bei den Desktop-CPUs bekam Intel ja schon länger mit den AMD-Ryzens deutlichen Gegenwind, der nun auch bei den Mobil-CPUs deutliche Marktanteile weggeblasen hat. Dort kommt noch die Apple-Konkurrenz hinzu. Nicht nur, dass Apple mit Intel "Schluss gemacht" hat und mit dem Apple M1 nicht nur als Hardware-Konkurrent auftritt, sondern damit auch gleich einen Meilenstein der Effizienz hingelegt hat. Pat Gelsinger hat schon letztes Jahr gemeint, dass Intel in die Apple-Notebooks zurückkehren wird, man müsse "einfach nur bessere Prozessoren" als Apple entwickeln. Dieses Selbstbewusstsein wurde abermals unterstrichen: "Es wird schon etwas dauern, aber wir werden in die Macbooks zurückkehren", gibt sich die neue Chefin der Client Computing Group Michelle J. Holthaus selbstbewusst.
Seit der Rückkehr von Pat Gelsinger als neuer CEO wurde viel Arbeit geleistet und das amerikanische Unternehmen hat erneut bewiesen, dass es in der Lage ist, die "Ausführung" als grundlegendes Ziel aller Projekte beizubehalten. Intel ist heute ein Unternehmen, das an allen Fronten effektiv arbeiten muss, um die technologischen Verpflichtungen seiner öffentlichen Roadmaps zu erfüllen und gleichzeitig eine gigantische Arbeit durch die Erweiterung der Produktionskapazitäten zu leisten, sowohl für seine eigenen Produkte als auch für die von Drittkunden.
Wenn man Intel als klassisches "Chip-Unternehmen" betrachtet, also als eines, dessen Kerngeschäft die Produktion von Prozessoren ist, verliert man den Blick für das Wesentliche des Unternehmens. Der Halbleitermarkt ist in der Tat zunehmend mit dem Software-Ökosystem verbunden, betonen die Sprecher, ohne dass eine Interaktion und ein Dialog zwischen den verschiedenen Hardware-Plattformen nicht möglich ist. Nach den Worten von Raja Koduri ist es für Unternehmen wie Intel viel schwieriger, Softwarelösungen zu entwickeln als Hardwarelösungen, obwohl Intel rund 17.000 Softwareentwickler beschäftigt.
"Der PC ist nicht tot"
"Niemand arbeitet acht Stunden mit seinem Smartphone, richtig? Dafür sitzen wir immer noch vor einem PC", betont Michelle J. Holthaus, die seit knapp vier Wochen die Client Computing Group bei Intel leitet und Gregory Bryant (G.B.) beerbt, welcher lange auf Keynotes für Intel als Gesicht herhalten durfte. Die Dynamik, die durch die Pandemie weltweit entstanden ist, hat die technologische Innovation und insbesondere die PC-Plattform noch stärker in den Mittelpunkt gerückt. Es genügt, sich vor Augen zu führen, wie innerhalb von buchstäblich einer Woche Veränderungen stattgefunden haben, für die auf dem Papier ein Jahrzehnt nötig gewesen wären, wie etwa der unverzichtbare Übergang zu intelligenter und flexibler Arbeit.
Laut Holthaus habe die Pandemie bestätigt, dass der PC die Referenzplattform ist, um kontinuierlich einsatzfähig zu sein, insbesondere im Vergleich zu Smartphones: Ohne PC wäre es nicht möglich gewesen, Arbeiten in vielen Bereichen produktiv umzusetzen. Holthaus meint damit nicht nur das Homeoffice samt der boomenden Videokonferenzen, sie erwähnt auch etwa Video-Sprechstunden mit dem Arzt, welche in den USA weiterverbreitet sind als hierzulande. Dazu brauche es mehr als nur Smartphones, so Holthaus.
Alder Lake-HX: 16 Kerne in Notebooks und Ausblick auf Meteor Lake
PCGH berichtete bereits über neue High-End-CPUs für Notebooks. Bei den 16-Kernen der neuen HX-Modelle handelt es sich wieder um jeweils Performance- und Effizienzkerne - in diesem Fall jeweils acht beim i9-12950HX und i9-12900HX. Das bisherige Alder-Lake-Topmodell i9-12900HK verfügte über sechs Performance- und acht Effizienzkerne. Intel bewirbt den Einsatz der HX-Modelle vorrangig in Workstations, also professionelle Anwendungen wie etwa Autodesk oder Blender. Es sei eine CPU "für Ingenieure, Wissenschaftler und Enthusiasten". Mit Letzteren soll wohl auch die Zielgruppe für High-End-Gaming-Notebooks angesprochen werden. OEMs haben bereits einige Gaming-Notebooks mit HX-CPUs angekündigt. Wegen des geringen Gaming-Mehrwerts werden hier aber sicherlich weiterhin günstigere Alder-Lake-CPUs öfter verwendet.
Meteor Lake ist Intels übernächste Generation an Notebook CPUs. Kurioserweise wird ausschließlich die auf der Intel Vision ausgestellt und nicht etwa die 13. Generation mit dem Codenamen Raptor Lake, welche noch dieses Jahr angekündigt werden soll. Auf der Keynote hielt Michelle J. Holthaus einen Meteor-Lake-Die in die Kamera. Kurz vorher wurde bereits darüber berichtet, dass Meteor Lake im Labor bereits erfolgreich bootet und zur Messe machte im Netz auch ein Originalbild des Compute-Tiles die Runde. Meteor Lake ist deswegen technisch interessant, weil hier Intel Tiles verwendet, um die GPU quasi huckepack auf der CPU zu nehmen, ähnlich wie AMD es beim Level-3-Cache auf dem Ryzen 7 5800X3D macht. Die gekachelte Architektur erlaubt Intel mehr Freiheiten in der Zusammenstellung des Die als bei der aktuellen Alder-Lake- oder der nächsten Raptor-Lake-Generation. Auf dem Compute Tile sind die P-Kerne (Redwood Cove) sowie die Effizienzkerne (Crestmont) zu sehen, aber nicht etwa Grafikeinheit oder Interfaces. Die jeweiligen vertikal gestapelten Kacheln (Tiles) oder Chiplets, wie AMD sie nennt, sollen von TSMC in deren Node mit drei Nanometer gefertigt werden.
Quelle: Le Comptoir du Hardware
Quelle: Locuza
Neue Xeons: Sapphire Rapids vorgestellt
Quelle: PC Games Hardware
Intels neue HEDT-CPU Sapphire Rapids
Die ersten Versionen der vierten Generation des Intel Xeon Scalable-Prozessors mit dem Codenamen Sapphire Rapids werden vorgestellt und sollen im Laufe dieses Jahres erhältlich sein werden. Intel hat das HEDT-Segment also nicht aufgegeben, obwohl es nicht zuletzt auch wegen den Ryzens mit 16-Kernen auf Mainstream-Plattformen deutlich an Relevanz verloren hat. Seit Cascade Lake-X von 2019 ist daher nichts weiter erschienen - die vielen Kerne der Ryzen- und Threadripper-CPUs waren schließlich eine gewaltige Konkurrenz.
Die Sapphire Rapids bieten nun aktuelle Standards, wie etwa DDR5, PCI Express 5.0, CXL 1.1 und verfügen über neue integrierte Xe-Grafikbeschleuniger, die durch Software- und Hardware-Optimierungen für KI-Workloads eine bis zu 30-mal höhere Leistung als die Vorgängergeneration bieten sollen. Die Intel Xeon-Prozessoren mit dem Codenamen Sapphire Rapids und dem High-Bandwidth-Memory (HBM) werden die dem Prozessor zur Verfügung stehende Speicherbandbreite deutlich erhöhen und damit wieder eine Alternative fürs Supercomputing werden.
HPC-Monster "Ponte Veccio" und andere Server-GPUs
Die Monster-GPU "Ponte Vecchio" enthält über 100 Milliarden Transistoren und verwendet EMIB und Foveros, um satte 47 Tiles in einem einzigen Gehäuse zu verbinden. Wie beim Meteor Lake sind die Kacheln sowohl vertikal als auch lateral verbunden. Der Chip wurde für den Aurora Exascale Supercomputer des Energieministeriums entwickelt, wird aber auch an Kunden verkauft, die in den Bereichen HPC und KI arbeiten. Dieser komplexe Chip wird eine Speicherstruktur mit einer Bandbreite von über 5 TB/s aufweisen. Mit der Präsentation seiner Chips will das Unternehmen der Öffentlichkeit und den Investoren versichern, dass es weiterhin Fortschritte macht. Der CEO von Intel zeigte kürzlich bei einem Investorentreffen im Februar einen 18A-SRAM-Wafer und sagte, dass man dem Zeitplan derzeit sechs Monate voraus sei.
Quelle: PC Games Hardware
Raja Koduri mit Intels Datacenter GPU (Arctic Sound-M)
Intels Datacenter-GPU mit dem Codenamen Arctic Sound-M (ATS-M) ist die erste diskrete GPU der Branche mit einem AV1-Hardware-Encoder. ATS-M ist ein vielseitiger Grafikprozessor mit hoher Transcodierungsleistung, der 150 Billionen Operationen pro Sekunde (TOPS) erreichen soll. Entwickler können dank eines offenen Software-Stacks über oneAPI für ATS-M entwickeln. ATS-M wird in zwei Formaten in mehr als 15 Partnerprojekten verfügbar sein, darunter Dell, Supermicro, Inspur und H3C. Die GPU für Rechenzentren wird im 3. Quartal 2022 auf den Markt kommen.
Der Habana Gaudi2 wird als KI-Prozessor der nächsten Generation für Training und Inferenz angekündigt. Intel hat Habana Labs im Jahr 2019 übernommen und der Gaudi2 ist nun als KI-Beschleuniger der nächsten Generation bereit. Intel wirbt damit, dass der Gaudi2 eine doppelt so hohe KI-Trainingsleistung bietet wie die aktuellen NVIDIA A100-basierten Angebote. Gaudi2 wird in 7 nm gefertigt, geht von 8 auf 24 TPCs für die Mediendekodierung und -verarbeitung über, verfügt über 96 GB HBM2e-Speicher und 48 MB SRAM-Cache, bietet 24 x 100 GbE-Netzwerke und hat eine TDP von 600 Watt.
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Habana Greco wurde ebenfalls als neues Angebot angekündigt, das für die Effizienz von Deep Learning Inferenzen optimiert ist. Der Greco wird in der zweiten Jahreshälfte an die Kunden ausgeliefert. Der Wechsel von der bestehenden Habana Goya zur Greco bedeutet 16nm- zu 7nm-Fertigung, 40 GB/s DDR4-Speicher bis zu 204 GB/s LPDDR5, verschiedene neue Hardware-Funktionen und eine Single-Slot-HHHL-Karte mit einer TDP von 75 Watt im Vergleich zu 200 Watt bei der Goya.
Die Intel Habana Gaudi2 und Greco Hardware wird weiterhin die SynapseAI Software Suite verwenden. Dies geht einher mit dem quelloffenen Habana Labs AI-Kernel-Treiber und den nun quelloffenen User-Space-Softwarekomponenten, einschließlich des Compilers. Ursprünglich waren die User-Space-Komponenten von Habana Labs Closed-Source, was zu großen Reibereien mit den Upstream-Linux-Kernel-Entwicklern führte, da ihr Kernel-Treiber Open-Source und Upstream war. Letztes Jahr öffnete Intel den Code des SynapseAI Core, um die Probleme mit den Binärblobs zu lösen.

Dockingstation ist dir ein Begriff?
Für die meisten Officearbeiten reicht ein Tablet locker aus.
Gerade wenn du Homeoffice und zur Arbeit gehen gemischt hast, ist ein Tablet wesentlich flexibler.
Einen Mini PC musst du zwingend an einen Monitor anschliessen und brauchst dazu noch Maus+Tastatur.
Bei einem Tablet kannst du das auch machen, aber zudem auch direkt damit arbeiten, zB im Zug, Hotel etc.
Ein PC ist prinzipiell schon vielseitiger als ein Tablet. Allenfalls ist ein Tablet mobiler einsetzbar und innerhalb der technischen Möglichkeiten (absolut gesehen) stromsparender (was nicht zwingend effizienter bedeuten muss).
Solange PCs deutlich höhere Rechenkapazitäten anbieten, erweiterbar sind und eine größere Anwendungs-/Softwarelandschaft, sowie Konnektivität mit Peripheriegeräten (denke alleine einmal an USB Schnittstellen oder den Multimonitoreinsatz als Quasi Standard im Officebereich) bieten, wird das mMn auch so bleiben.
Mal sehen was cooler aussieht.
Bruder baut seinen Noctua D15 gerade ein....
Wenn es um die Anwendungsbereiche geht, ist nicht wirklich schwer auszumachen was auf welchem Gebiet für Privatanwender das jeweils beste Gerät ist:
– Du willst nur im Internet surfen, E-Mails lesen, kurze Nachrichten schreiben und YouTube-Videos schauen? Viel Spaß mit dem Tablet, das von allen möglichen Geräten, die größer als ein Smartphone sind, auch am wenigsten Strom verbraucht (wobei die Empfehlung, man solle auf Tablets statt PCs surfen, um Energie zu sparen, bewusst auszulassen scheint, was ein neues Gerät für Emissionen verursacht, wenn man schon einen PC, aber noch kein Tablet hat). Längere Videos oder gar Serien und Spielfilme bei Netflix & Co. würde ich darauf allerdings nicht schauen wollen. Aber ich meine, ich bin ja auch einer von den (gar nicht so) alten Hasen, die nach wie vor die große Leinwand vorziehen, und dafür auch den Kontakt mit anderen Menschen in Kauf nehmen.
– Du schreibst regelmäßig längere Texte und bearbeitest Dokumente? Da wird das Tablet schon unbequemer, selbst mit einer dieser Gummitastaturen, die sich provisorisch anklemmen lassen. Auf Dauer kommst du hier zumindest an einem Laptop nicht vorbei, und auch da kommst du je nach Aufgabenbereich an den Punkt, dass du lieber eine Maus anklemmst, als dich ewig mit dem Touchpad rumzuschlagen. Ich persönlich gehe noch einen Schritt weiter und möchte auch mechanische Tastaturen nicht mehr missen.
Die große Masse an Usern fällt in die erste und eventuell die zweite Kategorie. Die brauchen tatsächlich daheim nicht mehr zwingend einen Desktop-PC, um ihren Alltag zu meistern, sondern sind mit Laptops und vielleicht sogar schon Tablets ausreichend bedient (Smartphones lasse ich aus dem Vergleich aufgrund der noch geringeren Dimensionen bewusst aus).
Bei allem, was mehr Leistung erfordert oder in Sachen Anpassung über Schema F hinausgeht, kann hingegen immer noch kein Gerät den Desktop-PC ersetzen:
– Das Offensichtlichste zuerst: Du willst zocken und verstehst darunter nicht, dein Geld auf Nimmerwiedersehen in als „Games“ getarnten illegalen Glücksspiel-Apps (gemeint ist alles, was Mikrotransaktionen mit Zufallspreisen kombiniert) zu versenken? Da kann kein Mobilgerät dem Desktop-PC das Wasser reichen. Tablets fallen schon aufgrund der völlig anderen Software aus dem Vergleich raus, und bei Laptops muss man, um annähernd die Leistung eines PCs zu bekommen, wesentliche Vorteile in Sachen Mobilität aufgeben – die großen Gaming-Laptops fallen für mich aufgrund ihrer Klobigkeit und ihres Stromhungers nur noch bedingt in die Kategorie „Mobilgeräte“. Spielkonsolen versuchen, eine Alternative zu sein (wobei ironischerweise die Switch am ehesten den Sinn einer Spielkonsole erfüllt, während Xbox und Playstation mittlerweile nicht viel mehr als spezialisierte PCs sind), bringen aber ihre eigenen Nachteile mit, dazu komme ich weiter unten noch einmal genauer.
– Du betätigst dich im Bereich Mediengestaltung, bearbeitest Grafiken, Audio, Videos oder renderst gar? Viel Spaß, das mal mit einem Tablet zu versuchen – Zeichnen vielleicht ausgenommen. Auch hier kannst du mit einem Laptop, wo du mehr Leistung mit weniger Mobilität erkaufst, prinzipiell weit kommen, im Endeffekt entpuppt sich aber auch der Desktop-PC, wenn du nicht überwiegend unterwegs arbeiten musst, als die bessere Wahl, weil du einfach für weniger Geld mehr Leistung bekommst. Wo wir gerade bei Leistung sind, man sollte bei alldem nicht vergessen, dass es physische Einschränkungen gibt und mehr Leistung eine aufwendigere Kühlung erfordert, da sind einem bei einem Mobilgerät, wo die Hardware auf möglichst kleinem Raum Platz finden soll (vom Gewicht ganz zu schweigen), Grenzen gesetzt.
– Du entwickelst selbst Software und brauchst zum Kompilieren Leistung satt? Kauf einen Desktop-PC mit einer starken CPU.
– Ein Punkt, der viel übersehen wird: Du willst die größtmögliche Hoheit über das Gerät, das du gekauft hast, Vollzugriff auf alle Dateien und es deinen Bedürfnissen anpassen können? Da bist du bei Mobilgeräten und Spielkonsolen an der völlig falschen Adresse. Auf jedem Windows-Rechner (ob Desktop oder Laptop) hast du von Haus aus mehr Rechte und Einstellmöglichkeiten als auf allen Smartphones und Tablets; von Linux, mit dem das typische Android nur noch den Kernel gemeinsam hat, ganz zu schweigen. Android-Geräte lassen dich werkseitig nicht auf die Systemebene zugreifen, Anpassungsmöglichkeiten hängen völlig vom Gutdünken des Herstellers ab, du darfst nicht einmal vorinstallierte Junkware deinstallieren, und Root-Rechte und/oder alternative ROMs gibt es nur mit Garantieverlust, falls überhaupt.
Apple-Geräte und Spielkonsolen sind komplett geschlossene Systeme, deswegen werden letztere für mich auch beim Gaming nie eine vollwertige Alternative zum PC sein. Nintendo lässt dich noch nicht einmal echte Backups von deinen Spielständen anfertigen und erpresst dich dazu, ein Abo abzuschließen, um die Cloud nutzen zu können, damit du überhaupt eine Rettungsmöglichkeit im Fall eines Hardwaredefektes hast (welche natürlich verschwindet, nachdem du das Abo gekündigt hast), und die sorgt auch nur bedingt für höhere Redundanz (da du von der Verfügbarkeit einer externen Infrastruktur abhängig bist), nicht aber für Datensicherheit (alles, was du versehentlich selbst löschst oder überschreibst, wird auch in der Cloud gelöscht bzw. überschrieben). Eine Mafia-Methode, die selbst Sony zu widerwärtig und unmoralisch ist – ich weiß, kaum zu glauben, dass es sowas gibt –, denn auf der Playstation kannst du nach wie vor Backups auf USB-Speichermedien anfertigen, auf der PS5 allerdings nur noch als Komplettbackup und nicht mehr manuell einzelne Spielstände; und das Speichermedium wird dafür so formatiert, dass es nur noch an der Konsole lesbar ist. Wie es bei der Xbox um derartige Möglichkeiten bestellt ist, weiß ich gerade nicht. Zugriffskontrollen für mehrere User mit Passwortschutz sowie Rechten à Admin/User kennt die Switch übrigens auch nicht – richtig doof, wenn du einen kleinen Bruder hast, der nach einem Streit aus Rache mal eben deine Spielstände löscht, während du nicht da bist, habe die Erfahrung auf der PS3 selbst machen müssen. Selbstverständlich hast du auf einer Spielkonsole sonst keinen weiteren Zugriff auf das Dateisystem, weder bei den Spielen, noch beim Betriebssystem, und musst ebenfalls mit den Funktonen leben, welche der Hersteller für relevant hält.
Der Kostenpunkt ist dann nochmal eine ganz andere Sache: Bei Konsolen hast du subventionierte Hardware, deren Anschaffung sich aber nur lohnt, wenn du dann auch hinreichend Spiele kaufst, über die der Hersteller durch den im Vergleich zum PC höheren Preis die Hardwaresubvention wieder reinholt. Um sicherzugehen, dass das Konzept auch aufgeht, ist es bei Konsolen meist auch um die Abwärtskompatibilität nicht besonders gut bestellt, wobei die Xbox dank ihres Fokus auf den Gamepass hier noch am besten dasteht. Das führt dazu, dass die alten Kataloge, bis auf ein paar Evergreens, die sich auch noch Jahre später als Emulation mit wenig Aufwand zu Geld machen lassen, kaum Pflege erhalten und langfristig unwiederbringlich verloren gehen, denn auch die alten Konsolen halten nicht ewig, und für ein paar Retro-Titel macht man sich auch eher selten die Mühe, extra die passende Hardware – sofern noch verfügbar – zu beschaffen. Der PC wiederum hat einen hohen Einstiegspreis, wobei der abhängig vom Leistungsanspruch skalierbar ist, dafür aber nicht nur generell den größten Spielekatalog, sondern auch die bestmögliche Abwärtskompatibilität, weil die Hersteller von PC-Hardware eben keine neuen Spiele verkaufen müssen, damit ihr Geschäft profitabel ist (mal davon abgesehen, dass man den Gebrauchtspielemarkt mit Steam und DRM weitgehend ausgetrocknet hat). Und bei einem PC muss man auch keine 20 Spiele und mehr kaufen, damit sich die Anschaffung lohnt, einfach weil man mit dem PC noch hunderte andere Dinge tun kann als bloß zu zocken.
Mir ist allerdings auch bewusst, dass man mit so einer Haltung in der Minderheit ist, und zwar nicht nur im eigenen Land, sondern in der ganzen Welt. Tatsächlich sind PC-Gaming und speziell Desktop-PCs etwas ziemlich Europäisches, wenn nicht gar Deutsches. In Nordamerika hält es sich die Waage, die PC-Community ist dort natürlich sehr groß, aber auch Spielkonsolen spielen nach meiner Beobachtung dort seit jeher eine größere Rolle als in Europa. Und Ostasien ergibt sich nochmal ein ganz anderes Bild: Der Videospielmarkt in Japan ist im Vergleich zum Westen völlig überflutet (vor allem mit heimischen Titeln), aber PC-Gaming stellt dort die totale Ausnahme dar, der Heimbereich wird vollkommen von Spielkonsolen dominiert, und die kaufen die Japaner sehr patriotisch – Sony und Nintendo teilen sich den Markt, während Microsofts Xbox dort nie eine große Rolle gespielt hat. Wenn man vergleicht, auf wie viel Quadratmetern der durchschnittliche Japaner im Vergleich z.B. zum durchschnittlichen Deutschen lebt, begreift man auch schnell, warum große, schwere Gaming-PCs dort nicht allzu verbreitet sind und die Vorliebe für möglichst kleine, kompakte und mobile Geräte besonders groß ist. In China und Südkorea ist das ähnlich, wobei vor allem Südkorea zwar einen großen PC-Gaming-Sektor hat, die meisten Leute aber hauptsächlich in den zahlreichen PC Bangs zocken und keine eigenen High-End-Rechner zuhause haben.
Fazit: Totgesagte leben bekanntlich länger, und so wird auch der PC, der seit bestimmt 15 Jahren totgesagt wird, auch im privaten Sektor nie vollständig verschwinden, weil es genug Anwendungsbereiche gibt, wo Privatuser nach wie vor die hohe Leistung der Hardware und die Vielseitigkeit und Flexibilität der Software benötigen. Er ist nur eben nicht mehr der einzige verfügbare „Personal Computer“; genauso wie Schallplatten längst nicht mehr die einzigen Tonträger sind und das Kino nicht mehr der einzige Ort ist, an dem man Filme schauen kann. Man hat hier eine typische 80:20-Konstellation – mit den 20% der Dinge, die kleinere und mobilere Geräte können, werden 80% aller Bedürfnisse abgedeckt; wer aber Bedürfnisse hat, die über diese häufigsten 80% hinausgehen, kommt am (Destkop-)PC auch weiterhin nicht vorbei.