Intel Bartlett Lake: 12 P-Kerne für Sockel 1700 als Core Series 2 [CPU-Fotos von PCGH]
Im Rahmen der Embedded World 2026 hat Intel offiziell Zwölfkernprozessoren für den alternden Sockel 1700 vorgestellt. Als "Core 2" übernimmt Bartlett Lake Architektur und Fertigung von Raptor Lake (Core i-13000/-14000), ersetzt aber die vier E-Cluster durch zusätzliche P-Kerne.
Originalartikel vom 09.03.2026: Seit Sommer 2024 berichten wir über Intels Bartlett Lake, eine weitere Iteration der Raptor-Lake-Technik für Sockel 1700. Das Besondere: bis zu zwölf vollwertige P-Kerne, dafür ein Verzicht auf E-Cluster. Dieser, unter anderem von einigen PCGH-Lesern schon zum Alder-Lake-Release geäußerte Wunsch geht nun in Erfüllung: Als "Core Series 2" wurden insgesamt elf Modelle (darunter Zehn- und Achtkerner) vorgestellt, nominell für den Edge-, Embedded- und Industrial-Einsatz. Architektur, Fertigung, Uncore- und sogar IGP-Bereich werden dabei 1:1 von Core i-13000 respektive i-14000 übernommen. Auch 125 W maximale TDP und sogar den maximalen regulären Boost-Takt von 5,9 GHz kennt man von bestehenden Desktop-Modellen. (Der zusätzliche Thermal Velocity Boost bis 6,2 GHz des Core i9-14900K entfällt ob der professionellen Zielgruppe.)
Durch die Sockel-1700-Plattform und ebenso unverändert sind Dual-Channel-DDR5 (bis -5600) und 16 PCIe-5.0-Lanes (teilbar in 8+8, nicht aber in 4er-Links) zuzüglich vier 4.0ern. Weitere Ressourcen ergänzen I/O-Hubs, wobei Intels Präsentation keine Namen nennt, aber die Eckdaten des W680 als einzigem professionellen Sockel-1700-Modell. Vermutlich sind auch alle anderen Sockel-1700-PCHs kompatibel. Intel spricht von Sockelkompatibilität zur gesamten 12., 13. sowie 14. CPU-Generation, und bereits vor zwei Wochen waren Bilder eines Bartlett-Lake-Samples in einem Asus Z790 Apex aufgetaucht.
Neuheiten finden sich erst und ausschließlich bei der quantitativen Kern-Konfiguration: Statt (bis zu) acht "Raptor Cove"-P-Kerne und (bis zu) vier "Gracemont"-E-Cluster mit je vier kleineren Kernen bietet Bartlett Lake bis zu zwölf P-Kerne. Der neue Core 9 273 tritt also mit 24 Threads gegen die 8 + 16 = 24 Kerne und 32 Threads des Core i9-14900K an. Intel verspricht dank des homogenen Aufbaus eine konstantere, planbare Performance in Echtzeitanwendungen. So möchte man auch gegen AMDs Zen 5 punkten: Der Ryzen 9 9700 ist zwar moderner, verteilt seine zwölf Kerne aber über zwei Chips, was zu fragmentierten Caches und stark schwankenden Inter-Kern-Latenzen führt.
Demgegenüber soll Bartlett Lake eine um Faktor 2,5 bessere "deterministische Reaktionszeit" und "4,4-fach niedrigere" [sic!] PCIe-Latenz bieten. Eine Definition dieser Metriken fehlt; grundsätzlich stellen Echtzeitaufgaben aber spezielle Anforderungen an Prozessoren. Sensordaten müssen schließlich nicht irgendwie "schnell", sondern immer innerhalb eines definierten Zeitrahmens verarbeitet werden. Heterogene CPUs, die im Worst Case zusätzliche Mikrosekunden für Kernwechsel oder Inter-Chip-Zugriffe benötigen, können hier nur gemäß dieser Mindestleistung eingesetzt werden. Höhere Boost- und Durchschnittswerte sind wertlos, solange sie nicht immer garantiert werden können.
Quelle: Intel
Intel Embedded World 2026: Modellübersicht Core Series 2 (Bartlett Lake). Raptor Lake garantiert bei gleicher TDP maximal 3,2 GHz Basistakt für acht Kerne, Bartlett Lake schafft 4,0 GHz respektive 12× 3,4 GHz.
Bartlett Lakes Leistung in normalen Anwendungen war nicht Teil der Produktpräsentation, frühere Äußerungen und PCGH-eigene Messungen lassen aber keine Sensationen erwarten: Bis zur Auslastung von acht Kernen sollte das Verhalten des Core 9 273PQE einem Core i9-14900 ähneln. Bei Parallelisierung auf mehr als 12, insbesondere mehr als 20 Kerne, wäre Raptor Lake erneut im Vorteil, da ein Gracemont-E-Cluster prinzipiell mehr Rohleistung (insbesondere im Power Limit) als ein einzelner P-Kern bringt. Nur im engen Fenster von acht bis zwölf P-Kernen punktet Bartlett Lake und in allen Situationen, in denen ausschließlich P-Kerne zählen - Echtzeit-Anwendungen in der Automatisierung und der Edge-Einsatz mit mehreren Instanzen einer homogenen Software, ohne Hintergrundprozesse.
Embedded World 2026 Press Deck; Allgemeines und Core Series 2
Zusätzlich verfügen die neuen CPUs über die bekannten IGPs mit 24 bis 32 EUs (entspricht UHD Graphics 730 respektive 770), welche Intel seit Jahren für dezentrale KI-Aufgaben bewirbt, beispielsweise wenn Kameras als Sensoren genutzt werden. Für diese Einsatzgebiete preist Intel zwar auf der gleichen Veranstaltung auch den fünf Jahre moderneren Panther Lake an, Abwärtskompatibilität zu bestehenden Sockel-1700-Designs dürfte aber weitere Nische öffnen: Der Embedded-Markt ist von komplexen Entwicklungen geprägt und entsprechend träge. Nicht ohne Grund garantiert Intel zehn Jahre Verfügbarkeit für die neuen Prozessoren, wird den Sockel 1700 also noch bis in dessen 15. Jahr unterstützen.
Bartlett Lake auf der Embedded World
PCGH mit eigenen Fotos eines Core 9 "Bartlett Lake":
Aktualisierung vom 10.03.2026: Mittlerweile war PCGH auch vor Ort auf der Embedded World in Nürnberg und kann eigene Fotos von Bartlett Lake vorweisen. Zu sehen ist ein Core 9 mit "Intel Confidential"-Hinweis, was typisch für ein Vorabmuster ist. Bartlett Lake nutzt wie bereits erwähnt nur Performance-Kerne.

Aber Roman hat schon lange nicht mehr für PCGH gearbeitet; der hat seine eigenen Produkt- und Medienkanäle zu bedienen. Normalerweise haben wir für Testmuster, die Hersteller nicht von sich aus rausrücken, Händlerkontakte oder kaufen notfalls selbst. Aber Edge- und Embedded-Prozessoren laufen meist über andere, reine B2B-Vertriebswege.
Kein guter Pitch um PRler zu überzeugen.^^
Oder sagt Roman er soll das nächste Mal, wenn er wieder in den heiligen Hallen von Intel rumspukt, einfach einen mitgehen lassen.
So aber jetzt mal im Ernst, hattet ihr damals™ nicht auch den Wunsch gehabt, zu wissen, wie viel die Dinger geleistet hätten, wenn sie P Core only mit mehr Kernen gewesen wären?
Klar es soll keinen Boost geben, aber vielleicht könnt ihr ja manuell was machen.
Na ja ihr wisst schon... Nerdsachen halt.
Aktuell ja nur dem Namen nach, da es bei Embedded-CPU's ziemlich egal ist, welcher Sockel das ist. Die CPU wird eh nie gewechselt, wenn es denn überhaupt physisch möglich ist. Siehe dazu auch das Update im Artikel, da läuft (noch?) nichts auf dem, was wir unter Sockel 1700 verstehen.
Trotz dem "Konsistenz"-Narrativ von Intel (die BTL nicht einmal selbst als "großen Wurf" präsentieren, sondern irgendwie neben PTL schönreden müssen^^) halte ich privat das sogar für wichtiger. Schließlich gibt es schon seit über zwei Jahren Xeon E-2000 mit 8+0-Konfigurationen von Raptor Lake. Da hat man ebenfalls keine Scherereien mit abweichenden E-Clustern. Was machen Hersteller auf der Suche nach Beispielanwendungen? Am Intel-Stand (!) gab es zum Beispiel eine Demo, die auf acht Kernen die Stromaufnahme (und damit den allgemeinen Zustand) von Antrieben aufzeichnete und auf jetzt hinzugekommenen, drei weiteren Kernen, eine KI zur automatischen Auswertung dieser Daten laufen ließ. Da kann mir doch keiner erzählen, dass man für die KI, also eine komplett andere Aufgabe, zwingend identische Kerne braucht.
Zumal Intel für KI-Analyse doch die (in der Demo brachliegende) IGP bewirbt und Scheduling auch egal ist, wenn alle Threads zwecks Konsistenz manuell auf fixe Kerne festgenagelt werden.
Kein guter Pitch um PRler zu überzeugen.^^
Weil unsere Community sich so sehr dafür interessiert. Ich persönlich fände die Core Ultra 300 viel spannender, denn die erlauben Rückschlüsse auf Intels Stärken nach Arrow Lake. Aber wenn die Leser es wollen, gucken wir uns auch Sockel 1700 an.
Bei Bartlett Lake hat Intel aber bestätigt, dass die Modelle nicht auf "normalen" Boards laufen werden. Kann man doof finden, ändert aber nichts an der Tatsache. Vielleicht bringt Intel die Unterstützung ja irgendwann noch, das wissen wir aktuell nicht.