Jim Keller legt bei Intel nach: "Das ist kein Shareholder Value, sondern ein Ausverkauf" [Update]

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Jim Keller legt bei Intel nach: "Das ist kein Shareholder Value, sondern ein Ausverkauf"
Quelle: Intel

Jetzt aktualisiert: Intels Aktie legte zuletzt ordentlich zu, doch das liegt nicht an guten Nachrichten. Jim Keller hält Intel für eine Billion-Dollar-Firma - wenn es läuft.

Original-Artikel vom 20.02.2025: Den meisten Tech-Interessierten wird nicht entgangen sein, dass Intel ein paar Probleme hat. Das katalysiert sich optisch deutlich im Aktienkurs, wenn man den im Internet nachschlägt. Lange Zeit schwappte das Papier am (vorerst) erreichten Boden um 20 Euro herum, doch in den letzten Tagen geht es aufwärts. Aber nicht, weil Intel Hoffnung verstrahlt, sondern weil sich Übernahmegerüchte breit machen - TSMC und Broadcom sollen Interessenten sein und die könnten Intel-Anteile im Flash-Sale erhalten.

Denn das Unternehmen notiert nicht nur nach Meinung der Analysten aktuell unter Wert, sondern auch laut Jim Keller, der unter anderem schon bei AMD sein Talent bewiesen hat. Denn ja, der Markt sieht in Intel, das auf der CEO-Suche ist, aktuell nur begrenzten Wert, aber eben auch für Interessenten die Chance auf eine "Billionen-Dollar-Firma" - wenn es läuft, was es nicht tut.

Schwierig, aber machbar

"Man schafft Werte, indem man ein großartiges Ziel hat und ein Team, das gerne an diesem Ziel arbeitet", schrieb Keller in einem X-Post. "Intel hat die schnellsten CPUs mit den besten Prozessen [Technologien] gebaut. Dies [der Verkauf von Intels Geschäften an Dritte] bringt keinen 'Shareholder Value', es ist ein Ausverkauf. Es macht mich traurig."

"[...] Ich denke, ein großes Intel ist eine Billion Dollar wert. Es scheint ein wenig leichtsinnig, das wegzuwerfen", fügte er später hinzu. Wie die Sache mit Intel ausgeht, hängt aber wohl auch maßgeblich von der Einmischung (oder nicht) der US-Regierung ab. Der Chip-Hersteller gehört zu den amerikanischen Kronjuwelen, und die Trump-Administration will eine eigene Chipfertigung, unabhängig von asiatischen Einflüssen. Es scheint wie bei Boeing daher unwahrscheinlich, dass die US-Regierung einer Zerschlagung von Intel einfach zuschaut. Ganz gleich, an wen dann Teile gehen sollten - TSMC, Broadcom oder andere Dritte.

Intels Fab-Pläne, Stand 2024. Teile davon sind auf Eis gelegt, wie etwa die Stätte in Deutschland. <a href='www.pcgameshardware.de/Wirtschaft-Thema-238882/News/Intel-in-Magdeburg-So-soll-es-mit-der-Fab-weitergehen-1459040/'>Magdeburg soll nach letztem Stand</a> erst 2029/30 in Betrieb gehen - wenn es dabei bleibt. Quelle: Intel Intels Fab-Pläne, Stand 2024. Teile davon sind auf Eis gelegt, wie etwa die Stätte in Deutschland. Magdeburg soll nach letztem Stand erst 2029/30 in Betrieb gehen - wenn es dabei bleibt. Intel wird ohne Frage Zeit benötigen, um sich aus dem aktuellen Loch zu graben. Wie man das anstellt, ist die Frage. Manche schlagen vor, dass man Intel von der Börse nimmt, den Vorstand entlässt und mit Ruhe 18A auf Kurs bringt und ein neues CPU-Design entwirft, das mit AMD konkurrieren kann. Zeitgleich kann man schauen, ob man in das Grafikkartengeschäft weiter investieren will, wenngleich da selbst für AMD Nvidia entschwunden zu sein scheint. Zeit und Geld wird es brauchen, aber Jim Keller hält das für machbar.

"Es wäre schwierig, aber machbar", kommentiert Keller in einem anderen Beitrag. "Menschen sind erstaunlich, wenn sie ein großes Ziel und ein Team haben, an das sie glauben." Das IDM-Geschäft ist dabei einer der Dreh- und Angelpunkte. Es ist ein sehr kostenintensives Geschäft, das ohne guten Prozess schnell zum Geldgrab wird. Aber es ist auch ein Alleinstellungsmerkmal in einem Markt, der mehrheitlich "fabless" agiert und auf Auftragsfertiger wie TSMC, Globalfoundries oder Samsung angewiesen ist. In dieser Liste könnte mit gutem Fertigungsprozess auch Intel stehen, aber im Moment verliert man große Summen Geld, weil die Kunden fehlen.

Kronjuwel der Amerikaner

Der Hoffnungsschimmer gegen eine Zerschlagung ist die aktuelle politische Marschrichtung, die Intel sicher Spielraum lässt, bis man sich sortiert hat. Der letzte Auftrieb am Markt wurde vor allem davon befeuert, dass die (Teil-)Übernahmegerüchte aufgekommen sind. Hier könnten aber trotzdem Spieler wie Broadcom oder Qualcomm ins Spiel kommen, die tiefe Taschen haben und die schwierige Lage finanzieren, denn Übernahmen haben auch Fallstricke: Die Kreuzlizenzierung mit AMD wäre sofort hinfällig und der x86-Markt hätte sein nächstes Problem.

Im Hintergrund lungert auch noch der Verkauf von Altera, über den man mit Silverlake verhandelt. 9 Milliarden US-Dollar soll das in die Kasse spülen; gekauft hatte man das Geschäft für 17.

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Die Lage bei Intel macht Jim Keller traurig

Update vom 21.02.2025: Jim Keller legt bei seiner Meinung zu Intel noch einmal nach. Nachdem er das Unternehmen aufgrund seiner Probleme für massiv unterbewertet gehalten hat, schätzt er die Lage kritisch ein. Als Reaktion auf einen Beitrag von X, in dem es heißt, der Intel-Vorstand wolle das Unternehmen verkaufen, um (wahrscheinlich einmaligen) Aktionärswert freizusetzen, argumentiert Keller, dass "dies kein Freisetzen von Aktionärswert ist, sondern ein Ausverkauf".

"Es macht mich traurig", so Keller weiter. Anstatt das Unternehmen aufzuspalten und zu verkaufen, hat der ehemalige AMD-Chipfachmann eine traditionellere Strategie zur Wertsteigerung im Sinn: "Man schafft Werte, indem man ein großes Ziel hat und ein Team, das gerne für dieses Ziel arbeitet. Intel hat die schnellsten CPUs mit dem besten Prozess gebaut."

Quelle: X (1, 2)

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    • Kommentare (12)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von TausendWatt
        Wenn Broadcom einsteigt, geht der Laden Pleite. Siehe VMWare, Broadcom hat direkt die Preise lächerlich hoch angezogen und schwupp überall Migrationsangebote zu HyperV/ProxMox.
        Wir gehen auch, und was ich so mitbekomme sind gerade viele Unternehmen auch am migrieren bzw. planen...
      • Von TausendWatt
        Wenn Broadcom einsteigt, geht der Laden Pleite. Siehe VMWare, Broadcom hat direkt die Preise lächerlich hoch angezogen und schwupp überall Migrationsangebote zu HyperV/ProxMox.
        Wir gehen auch, und was ich so mitbekomme sind gerade viele Unternehmen auch am migrieren bzw. planen...
      • Von Prozessorarchitektur Lötkolbengott/-göttin
        Intel fehlt definitiv eine neue Architektur und deutlich mehr ipc
        Das traurige es gibt ein design wurde aber verworfen da man sich auf den server markt priorisiert den da hat Intel Noch die Oberhand
        Das ändert sich aber zunehmend daher ist der ceo falsch abgebogen . Der Kern des Misserfolgs liegt bei fehlende gute platform und einer effiziente cpu design.
        Da muss die Fertigung Weltspitze sein das hat man nicht mehr da man sich verstrickt hat. Euv viel zu spät adaptiert gaa erst in 16a.
        Die fabs nicht ausgelastet mangels fehlende Verkäufe und sich weigern die cpu preise zu reduzieren und dessen Probleme offen zu kommunizieren.
        Zumindest ist core u 2xx der richtige schritt jetzt muss sich intel auf die ipc konzentrieren und gerade das wurde vom board aufgegeben da zu teuer.
        Hier merkt man das vielen eher um den eigene Geldbeuel geht als um die Zukunft der Firma.
        Nötig wäre eine neuer Sockel mit klarer ansage das dieser bis 2036 bleiben wird.
        Ein Fokus auf ipc und mit min +50% mit der core u 3xx anfangen und klar sagen welche Technik genutzt wird also gaa bei core u 4xx an
        Das würde amd zwingen ein Gigahertz rennen zu machen möglich wären 9,0ghz schon mit a16 node 2028.

        Warum der Fokus auf Singlethread nun sämtliche software die es gibt ist primär singlethread das liegt an der Natur von den api's. Multithread hat grenzen maxed sind grob 8 thread das maximum das kann bis zu 16 threads optimiert werden, mehr bringt nix da war die Idee des hybriden cores der bei anfrage cores in thread aufzusplitten 4 Threads bei bedarf und bei starken Singlethread anfrage dann sämtliche Energie auf einen thread die richtige idee.
        Womit man den hybrid an sich gehabt hätte abseits einer benötigten Os kernel der das auch nutzen kann.
        Ohne Anpassung wäre zumindest ne deutliche ipc Steigerung gekommen von etwa 75% (doppelte fpu und mehr cache).

        Als Spieler interessiert mich primär das cpu limit sekundär in Videobearbeitung Multithread insbesondere dem export in hevc mit crf 22-24 je nach Auflösung.
        Als Konsument sage ich klar das es Dringend Konkurrenz zu amd geben muss ansonsten drohen uns 10 Jahre Stillstand
        dabei ist gerade Wechselzeit neue Fertigung mit gaa deutliche Taktsteigerungen bis zu 100% mit a8 node 2032
        Dann stapelbare chips was besonders mit parallelen code genutzt werden kann gpu könnte um Faktor 6 an perf. gewinnen bei gleichem verbrauch.
        Das wird alles verzögert weil intel nicht aus den Füßen kommt.
        Das gab es von 2011 bis 2017 schonmal und es ist gutgegangen weil amd alles auf eine Karte gegangen ist
        Es ist nicht gut das es nur Zwei x86 cpu arch gibt.
        Gut beraten wäre es wenn die x86 Lizenz in gpl gehen würde und die patente die Mitbewerber geteilt werden müssten das würde deutlich mehr designs am markt geben und es würde die Jagd nach dem besten cpu design starten und ein markt entstehen. Jetzt ist nur die frage wer dominiert und welchen preis man sich fragt. Die ipc steigert sich dies nur in 5% schritten wie zuletzt bei zen5 und intels core u 2xx mit -5%
        Das ist stagnation und vom board bei intel provoziert, den designs gab es und amd sitzt das nicht aus zen6 wird man die Fertigung mitnehmen +15% und wenn die Gerüchte zum I/O DIE stimmen sind da auch nochmal 10% drin =25% Singlethread perf.
        Und aktuell deutet alles darauf hin das intel nix bringen wird bis 2027
        panther lake mobil
        nova lake mobil/server
        Desktop gähnende Leere
        mein verdacht arrow lake refresh mit n2 auf so1851 maxed +10% am desktop.
        amd wins bis am6 und kann dann gemütlich die apu Serie die Dominanz komplett machen. Wenn dann intel nix bringt sind 10 Jahre stillstand sicher.
        Daher wäre es ratsam das Intel in Treuhand geht und dann ne komplett neue Führung bekommt ein Verkauf ist aktuell undenkbar nicht bei dieser neo liberalen Politik die zudem nationalistisch ist.

        In normalen Zeiten wäre die Firma gesplittet worden in fabs die ins Ausland gehen und designs in us firmen gegangen wären namentlich nvidia oder via
        Das patent x86 wäre dann in gpl gekommen das aber passiert vermutlich nicht daher muss die Firma saniert werden da führt kein Weg vorbei.
      • Von RX480 Lötkolbengott/-göttin
        Eigentlich müssten die neuen Zollschranken helfen, die Produktion in den USA selbst konkurrenzfähig zu machen.
        Zusätzlich wären patriotische Auftraggeber in Größenordnungen möglich, wenn Intel als Auftragsfertiger deren Designs umsetzt.
        k.A. wieviel solche Riesen, wie Google+Amazon+MS abnehmen könnten
        (das die Branche nicht ausschließlich auf TSMC+NV angewiesen sein will, ist klar)
      • Von Gast1754557804
        Ich habe die letzten Jahre viele Entscheidungen von Intel nicht verstanden! Die letzte ist, dass man X3D-Speicher lediglich den teurerer Xeon-CPUs vorenthalten will! Dabei hat man bei AMD doch gesehen, dass diese auch im Endkonsumentenbereich den Kunden Vorteile bringt und das AMD gerade wegen dieser Technologie zwischenzeitlich hohe Verkaufszahlen hat!

        Warum lässt man AMD diesen Wettbewerbsvorteil?
      • Von CD LABS: Radon Project Lötkolbengott/-göttin
        Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, dass sich Jim Keller selbst als CEO anbieten möchte...
        ...wieso besser wissen? Naja, er war ja vor gar nicht allzu langer Zeit bei Intel und ist gegangen.
      Direkt zum Diskussionsende
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